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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-23 · 8 (23.2.1870) · p. Seite 72

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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-72 ganz anderer Lage. Denen erschließt sich in den handwerk-armen Distrikten de» unermeßlichen Reiches ein neues Eldorado, und was die Hauptsache ist, fie wollen in daS Innere. Trotz der Berliner Beschlüsse ..ström« fast asitö-lich größere «der kleiner« Hänstei» z»r Bahn und »ieheu m da« Innere Rnstliod« ab. Lowno sieht seit 14 Lage» schon gan, ander» ans" «. s. w. So läßt sich freilich die „Post" auS Kowno schreiben in einem Artikel, der in gewohnter Weis« seinen Rundgang durch alle Blätter angetreten und auch glücklich, wie ich soebm ersehe, in die Spalt« der „Israelitischen Wochenschrift" sich cinge» schlichen hat. Aber wie verhält eS sich thatsächlich? Für die Glaubwürdigkeit und Sachkenntniß LeS Verfass«» obigen Artikels spricht allerdings der Umstand, daß er gerade seit dem vorigen Monat den jüdischen Handiverkern daS Recht verleiht, sich im Bereiche der ganzen russischen Monarchie anzusiedeln, während Jahre dazwischen liegen, daß eS den Bemühungen des Fürsten Suwaroff gelang, dies« „Freiheit" zu erwirken. Daß eS dem Verfasser im Verlaufe seines Artikels selbst bange wird, und er in Wirklichkeit für die Auswanderung plaidirt, lassen wir unbesprochen und geben nur die einfachen Thatsachen. Rostow im Gouvernement JekaterinoSlaw gehört zu denjenigen Bezirken, in welch« den Juden seit langen Jahren ausnahmsweise der beständige Wohnsitz gestattet ist. Auch liegt e» nicht im Inneren Rußlands, welches die Einbürgerung von Juden gesetzlich auSschließt. Die Bevölkerung besteht größten» theilS aus Russen, Armeniern, Griechen und Tartaren; Juden find nur wenige vorhanden, da fie sich gegenüber der überwiegenden Zahl concurrirender Armenier und Griechen nicht ganz behaglich fühlen mögen. In der jüngsten Zeit Hab« nun einige reiche Juden auS Odessa große Fabrik«, besonders für Eisen» baynbedarf, in Rostow gegründet. Dieser Umstand, gepaart «jt dem jüdisch« WohlthättgkeitSfinne, vcranlaßte wohl die Fabrikunternehmer, einige jüdssche Handwerker auS Westrußland nach jenem hauptsächlich von HandelStreibenden bewohnten Orte hiuzuziehen. Sie schickten ca. 600 Rubel nach Kowno mit der Aufforderung, 10 verschiedene jüdische Handwerker nach Rostow zu befördern. Da die Summe nicht auSreichte, fo legte da» dortige HilsScomitS noch ca. 12—1400 Rubel auS seiner Kaffe zu und so entsandte man, allerdings mi: einem gewissen Prangen und einer berechneten Ostentation, 10 jüdische Familien, im Ganzen 72 Personen, am 8. Januar von Kowno nach Rostow. DaS ist die eirfache Geschichte von der großen MaffenauSwande» rung auS Kowno, auS der diejenigen, die sich für die Sache interesfiren, zunächst lernen mögen, derartige Berichte, wenn auch nicht^iit Mißtrauen, so doch mit Vorsicht aufzunehmen und zu verbmten. Wochenbericht. Stettin, 17. Februar. Wir müffm uns» um den vorliegenden Korrespondenzen Raum zu erhallen, diesmal auf einfache kürzeste Zusammenstellung der Zeitungsnachrichten beschränken; auf Einzelnes kommen wir wohl ausführlicher zurück. In Berlin war in der verwichenen Freitag-Nacht ein Brand in der neuen Synagoge. ES wurde ein Theü der Sitzplätze von dm Flamm« wuzehrt, der Schadm fvll sich auf 10,000 Thlr. belaufm» daS Fmer durch einm Fehler deS Heizapparat» entstanden sein. In LarlSrnhe hat die Synagogmgemeinde gegm die auSgefchiedmm Orthodox« Repressalien ergriff«, indem man für Besuch der Synagoge, Gebrauch deS BadeS, Beerdigung und Leichmstein» setzung sehr hohe Tax« anzesetzt hat. Für da» jedesmalige Betreten deS GotteSackerS ist z. B. eine Gebühr von 2 Fl. zu erleg«. AuS Frankreich werden wieder allerlei an Jud« verliehene AuSzeichnungm, Beförderungen u. dzl. gemeldet; e» hat die« ja, Gott Lob, kaum noch besondere» Interesse. Wir wollen nur erwähn«, daß in Nizza zwei Jud« zu Richte« am Handelsgericht emannt worden find. Da» Central-Consistorium hat die „Mezizah" verbot«; daß ein Theil „orthodoxer" Moheli« da» gegm lebhaft remonstrirt und ein Federkrieg darüber anSgebrochen ist, wundert un» nicht, da die Lmte unwissend find. Daß der „Israelit" eine fulminante Korrespondenz in demselben Sinne bringt, und daß der Redattmr diese durch Schweig« billigt, wundert uns — auch nicht, aber e» ist sehr schmerzlich, wmn auf solche Weise mit Gewalt dahin gewirkt wird, daß jüdische „Orthodoxie" »all Unsinn gleichbedeutend wird. Wir könnm hier nicht welle c darauf einzeh«. In Pari» hat sich eine jüdische Gesellschaft .,repo» Stemel" (ewige Ruh«) gebildet, welche durch Ankauf und Ueberlaffung von Grabstellm dem bisherig« Mißbrauche, lvonach die Leich« der Arm« auch bei dm Jud« nach einer Reihe von Jahr« auSgegrabm wur» dm, steuem will. Die „R. A. Z." widerspricht der auch von un» jüngst gebracht« Nachricht» daß die Jud« in Naßlaad der Rekrutirung bi» zum 31. Lebensjahre unterworfm Word« sei«. Aber eine böse Nachricht von dort pflegt wahr zu sein. Bor einiger Zell hat ein Christ in Beirat eine Flugschrift in arabischer Sprache gedruckt, in weicher die Blutbeschuldiguug und andere schmähliche Anklag m gegen die Jud« emeut werden. Französische Blätter und ausführlicher .Hamaggid" erzählen nun, daß der Pascha von Damaskus Confiskatton der Schrift, Schließung der Druckerei und Bestrafung de» Verfasser» angeordner hat. Herr Netter, Smdbote der Alliance I»n41ite Universelle, hat sich da» Berdimst erworben, dies« Intervention bewirkt und großem Unhell vorgebeugt zu haben. Au» Amerika eine recht betrübmde Kunde. Da- Executiv» ComitS de« doarä ok delegates hat am 25. Januar beschloss«, Her« CrSmieux zu eröffn«, daß die amerikanisch« Jud« die Einwanderung der russischen Jud« dorthin zu begünstig« nicht gewillt sei«, wohl aber für die Einwanderung mS Innere von Rußland Geld sammeln «oll«. Wll hoff« noch, daß da» letzte Wort damit nicht gesprochm sein wird. — Die Gemeinde Bnai Jeschurun ln Newyork hat ein ComitS eingesetzt, um mit ander« Gemeind« über Einführung eines gleichmäßig« GotteSdimste» zu unterhandeln. Wir werd« da» im „Jew. Mess." abgedruckte Actmstück nächsten» mitthellen. Dasselbe Blatt polemisirt gegm einm Theil der amerikanisch« Presse, welcher bei Verbrechen, Verurtheilungen u. dgl. nicht versäumt anzugebm, daß und ob der Betteffende ein Jude sei. Also doch comme chez nous. — ,Hebr. Leader" macht, mdem er, ganz wie wir in voriger Nummer, dm EhescheidungSbeschlüssm von Philadelphia daS laxe amerikanische Versal«« mrgezmbält, darauf aufmerksam, daß nach dem LouiSviller „Volksblatt" Ehescheidung« in Kentucky noch leichter all in Illinois und Indiana zu erlang« feien. ES widerstrebt uns, solche Jnfamim unser« Lese« gmauer vorzulegen. Andererseits hat sich im „Jew. Time»" ein Stteü zwsschm Dr. Einhorn und Dr. S. Hirsch über gemischte Eh« entspormm. Ersterer hat gegm dieselbm kein« Einwand, nmnt sie aber doch einm „Nagel zum Sarge der jüdisch« Minorität"; daS ist Herrn Hirsch zu „orthodox", er fdldet solche gemsschte Eh«n — wahrscheinlich, dmn er sagt eigentlich gar nicht»'Bestimmtes, nur diverse Wmn — höchst wänschmSwerth. Einhorn replizirt u. s. w. Goethe hat einm Sp«ch von Zwei«, die einander abthun, oder wie e» laut« mag — vielleicht besinnt sich ein Leser auf da» BerSchm. — Schließ« wir mit Angmehmem. In Lima hat zum erst«

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