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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-23 · 8 (23.2.1870) · p. Seite 71

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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71 Tagesfragen. Briefe au» Ost.Preußen Wer: Pie »est. russischen -u-eu. i. Da diese Krage vorläufig in jüdischen Kreisen noch nicht sobald von der Tagesordnung schwinden wird, ja,!>a enach gewonnener Berstäadigung wünschmSwetth erscheint, daß sich recht Biele mit ihr beschäftigen, so durfte ihr wohl auch in diesen Blättern Raum gegönnt sein. Ich werde nebenbei, von dem Gebrauch gewordenen Verfahren abweichend, beweisen, daß eine rein jüdische Frage in einem spezifisch jüdischen Blatte auch einmal mit Beachtung der dehora und mit Vermeidung jeder Persönlichkeiten besprochen werdm kann. Und nun zur Sach«. Die Denkchrist de» KönrgSberger Hauptgreuzcomttö'S ist gewiß auch in sichren Händen; au» dem derselben Vorgesetzten Berichte über die Berliner Generalversammlung der XUiunoo isrnöstte ist zu ersehen, weßhalb unter den vorgeschlagenen Mitteln wohl von der Auswanderung, nicht aber von der Einwanderung die Rede ist. Diese Frage ist zum Glücke schon in Berlin entschiedenworden and an daS Hauptgrenzconntö gar nicht herangetteten, dem einfach die Ausführung der dorttgen Beschlüsse obliegt. E» wurde, wenn auch unter hatten Känipfen, auf dieses Mittel, dm westrusfifchm GlaubenSgmossen'zu helfm, verzichttt, nachdem sich fast alle competmten Sachkundigm mit Entfchtedmheit dagegm erklätt hatten. Wie sehr die Bei'sainmlung im Recht war, habm die letzten Mor ale erst von Neuem bewiesm. Die ofsiztive Kundgebung de- „St. Petersburger Regierung-anzeigerS", die die wmigm jüdischen Handwerker und Ackerbauer im Jnnem geradezu deS Mißbrauchemit dm verlüchenm Freiheiten (von Rechten ist nie die Rebe) beschuldigt, stellt schließlich eine Maßregel in Aussicht, die trotz ihre! harmlolm Gewände», fall» sie verwirk» (fdjrt werdm sollte, dem westrussisch«» Jndmthum dm Todesstoß versetzen muß: .Lwtsche» dem vttaißrrtum de» Zauer« u»d de« der Neichldemalaeu," sagt da» usfiziele 9kM,u fchtmte» pproirtfci «ahmdüm-m ft »>« Zwecke, Mt ptt lta»e*orit der acherbautreiteu»«» Ilde, OktfcMtM, de» «Ugemeivea, stk Personen de« vauerafiaade« gelteirdea Bestialmuugeu z» »dechelle»." vtssm Sie, «a» da» heisckt Die Führung der Lvllregister, dt« Bezeichnung der Milttairpstichtigm, die zu mtttchtmdm Abgabm sollm für die Zukunft in die Hand der griechisch-russischen Dorsschulzm gelegt werdm; dieser bildtt die nächste Behörde, der W.'hl und Wehe der jüdischm Landbewohner anheimgeaebm ist. Dann braucht fteilich die mssische Regierung nicht erst um dm Preis der Milttairfteihest die Laufe anzubittm. Der betreffmde ländliche Beamte besorgt da» einfacher; er braucht nm Mfpiete» weise daS Judmkind irtthümltcher Weise als gttauft zu rezistrirm, und Beide» ist erreicht: die Kirche hat eine Seele geworiim, ohne daß der Czar einen Soldaten eingebüsd- Wo ist die Instanz, bei welch,w Klage gefühtt weiden soll? Doch zugegebm, eS wäre dies nur ei» Schreckst uß, eia ftommer Wunsch der altrussischen Pattei, eine Drohun:. die nur von der stmndlichm Gesinnung de» russischen Gour rnemcntS gegen seine jüdischm LandeSkioter zeugte, ohne weiter, thatfäch» liche Folgm zu haben, — illustritt wird diese Sttmmung hinreichend durch ein Schreiben einiger jüdischer Landbewohner rm Gouvernement JekatennoSlaw, daS eigmthümliche Schlaglichter auf das Glück derjenigm Juten wirft, denen e» vergönnt ist im Innern Rußlands zu wohnen, lind gezenioättig im Besitz« der Ldliimo« iaraälite tft. Wenr diese Leute nicht competmt sind wc, ist es denn, und wenn sie von jeder Einwanderun; in taS Innere «brachen, wer will bann di.'selbe befürwottm und vw» theidigens Aber die Handwetter? rurd man stagm. 'Die find'ja in Derselbe Zustand herrscht in Rumänim. Geld schützt gegm alle llebelstänte. Ein deutscher Humanst bat daS treffend gezeichntt: „Wenn auf einer christlichen Tafel ein nach den Regeln jüdsscher Kochkunst zuberetteter Fisch aufgetragm wird, schaudem Kalb und Ochse; ist e» jedoch ein „Goldfischlein"» so wirst der Ochse ihm süße Blicke zu und das Kalb liebäugelt gar sehr und Alle rufen: Komm, mein Klemer, dü bist kein jüdischer Fisch". Nach Be euchtung der Zustände in Palästina schließt der Redner:'Jerusalem wird aus seiner Asche mtstehm und auf dem heiligm Berge Zion wird sich wieder erhebm ein Tempel zur Verehrung des einen, einzigen ÄotteS. Dieser Tempel, er wird errichtet werden, nicht durch die Alliance israflite universelle, sondern durch die universelle Alliance der Menschheit." E» ist 11 Uhr. Eremieux erhebt sich. „Es ziebt drei Relizionm, die die Herrschaft der Welt unter sich gttheilt hoben. Zwei von ihnm sind die Töchter des IudenthumS. Wir und der Stamm, sie sind die Zweige. Fälltt dm Stamm und die Zweige werdm fallm! Glaubm die-zwei rüdem Religionm an ihre Zukunft, um so sicherer ist die unsre. So lange sie lebm. werdm auch wir leben"). Wir warm die Erstn., wir werdm auch die Letztm sein." Die SitzllNg wird geschlossm. (Rach der „R«v. Isr.") Besuch des Kronprinren von Preußen in der Patriarchengruft in Hedron. In der Januar-Sitzung der archäologischen Gesellschaft zu Berlin derichtet« über diesen «.-such der persönlich« Adjutant de» Kronpriazeu. Hauptmanu von Ja«mund, und machte interessante Mittheilungen über da» Innere der Moschee und der darunter befindlichen Grabhöhle, die nach ' Ueberlieserung der Genest» von Abraham angekaust wurde und zum Be-! gräbnißpiay für ihn und seine Nachkomme« diente. Diese« ältest Denkmal! Palästina'« wurde von den J»ro eilte«, und später auch von >«n Türke»; und Christen sehr heilig gehalten. Boa den jüdischen Königen s ummt ch-re Zweifel die au« gewaltigen schön liebauenen angeblich marmorn.« Quälern ausgebaute Ringmauer von 4,» Fug .Höhe, die später von den Mvhamedar ern zur Errichtung ihrer Moschee veiwandt worden ist. Der Prinz von L ile« I war der erste Christ, seitdem Hebron den Kreuzfahrern wieder entri sen I worden, der die Moschee betrete» durste. Eine Beschreibung die'e« Besuche«! lieferte unser damaliger Konsul in Jerusalem G. Rosen, später sind noch j inchrere vornehme Reisende, namentlich der Marqui« of Bute in da« Heuig-; thum cingedrongen. Keinem ist e» aber gelungen, in die Grabhöhle selbst j hinab zu steigen. Der Kronprinz machte die größten Anstrengungen, vie« zu | erreichet, ICO NapoleonSd'or wurden geboten und schließlich versprachen die! Türken auch die Rcisendeu in der folgenden Nacht hinahzusllhren. Leider I komiten diese hierauf nicht eingehtn, da ein längerer Ausenthatt den! Dispositionen der ganzen Reise nich, za vereinbaren war. Judeffen batmi der! Kronpr nz und der BerichterstaNcr dir Ausdauer, durch eineLeffnunz von lÜZoll Turchme'scr in die unter der Moschee befindliche Höhle, die durch herabi hängende Oellampen erleuchtet war, ,o lange hinab zu blicken, bi« da« Auge! an den Glanz und da« Schweben di» Licht r gewöhnt, alle Einzelheiten in > den, etwa 4«) Fuß im Quadrat niesenden dtaum erkennen könnt. Doch» | erschien ganz leer, der Fußboden, auzeusäemlich durch Menschenhand gej glätteter Fel«, nur mit einigen Kedetzette n, die von oben herabgcwotsen; waren, bedeckt; an dem ein» Ende der Hihle sah man eine niedrige thürl artige Oeffnung, die mit eivem Gin» verschlossen war und die vermnrhlich! zu riuer zweiten Höhle, die nach dea Andeutungen der Genest» dimer der | andren Höhle zu denken ist, führte. Mauirwerk an den Wänden war r icht zu erblicken, vielmehr zeigten dieselbim dea natürlichen Fel». Bo fünstehn Stufen, und von einer Gebetkanzel, die nach arabischen und r.bbinishen Berichte« stch in der Höhle befinden soll. rvar nicht« zu entdecken. Das e« einen eigeneu Singoug zu der Gruft von der Moschee au» girbi, wird i icht * nur durch da« deu Türke., schließlich abgepreßte Versprechen, den hlhea Besuch in der Nacht einzulaffen, sondern auch durch den Umstant oestäizt, daß n»r wenige Gebeizettil auf dem Fußboden zerstreut lagen und von Lampenscherden nicht« zu scheu, beide» mfthiu pou Menschenhand sorrgeräum: worden war. (Nat. Ztg.) *) HosseMIiä länger! (Red.)

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