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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-23 · 8 (23.2.1870) · p. Seite 70

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 wahrlich fit einen Rabbiner ic., für einen Rentier, auch für den Geschäftsmann in mancher Branche recht'leicht, den tznüdath zn halten; aber «ch für Andere in de« Rtngkampft einer erdrückenden Konkurrenz? Da» Zudenthn» ist e», od#el au»* spricht*): „SBean Einer anch gegen da» Gesetz fehlt, so ist er dennoch Jude", und mancher HOT „Fehlende" ist vielleicht mehr, al» mancher „Beobachtende", von der Wahrheit de« Gotte»gefetze» überzeugt, denn er fühlt in sich die Lsst de» ZwiefpAlt», eifern» den Segen gleichförmig in den Pfad« de» Judenthum» wandelnder Treue au den Folg« seine» Thun». Man merke wohl, e» heißt: „obwohl er fehlt", aber nicht: „obwohl er die Verbindlichkeit de» Gesetzes läugnet"**)! —Daher spricht das Judenthum auch?): „Besser Fehlen <im Drange der Umstände u. dgl.), als im bewußten Trotz gegen da» Gebot sündigen". Nein, wir haben kein Recht, zu verdammen» wir dürfen nicht daran denken; nur tadeln und belehren dürfen und soll« wir, „rrcm rein", weiter feinen Schritt! So will e» da» Judenthum, es will „Liebe, Brüderlichkeit» Frieden und Wohlwollen", rar» rvntn oben nuni, ja es hat den fast überschwänglich tolerant« Satz??): „Wenn Israel selbst Götzendienst triebe und Fried« dabei hielte, so würde man fast 6m3) sag« können, Gott strafe darüber nicht". — ES find die Fanatiker der Link«, die ein« in der Gesetze»tr«e Schwank«- d« dräng«, indem sie zu ihm sag«: du hast ja mit dem Prinzip faktisch gebroch«, so sei consequent und wirf e» von dir; sie ruf«' ihm höhn«d zu: du siehst, daß da» Gesetz sich *). «in btran vgsntr ’o bi **). ra wtt *). prio vt pow im aeio??) J3re»eh. Bab, 38. mtt dem Leb« nicht verträgt, so gteb e» gänzlich Preis! s» find die Fanatiker der Recht«, die . da sprach«: Go du nicht da» Ganze hältst, für jedm Zweig de» Gesetze» deine bürgerliche Existenz eüchrtzest, so „geh' und diene feenO» Sötte«!" "f> D’TlH "K -lOy. Beide» ist ein ganz unsüdische« fanatische» Gebühren! ES giebt aber auch umgekehrt nicht W«ige, die die Gesetze beobacht«, ohne vielleicht von ihrer unverbrüchliche» Verbindlichkeit überzeugt zu sein. Sie Hab« ihre Zweifel, geb« ihn« aber in der Praxi» kein« Raum. Wir wollm, um der Mißdeutung nach Möglichkett vorzubeugm, hinzusetzm, daß wtt nur Privatleute, nicht Rabbiner k. im Auge Hab«. Anch solche Männer werdm gedrängt und gehöhnt. Da» ist aber wieder kein jüdische» Verfahr«! Wie, ihr werft «ch zu Jnquifitorm auf, fingt nach de« Nächst« Ueberzeugung, wollt erforsch«, ob die „Fa§on" echt sei?! Da» mag in einer Religion, die nur auf Dogmen basirt ist, am Platze sein; ja, da wird ei sich immer wieder auf- und eindräng«, denn fteilich, fich zu einem Dogma bekennen und fich nach ihm benennen ohne innere lleberzeugung, da» ist ein llnfiun. Gott sei Dank, je unentwegter »tt am echt« Judenthum festhalt«, desto leichter ist e» un» tolerant zu sein, desto femer liegt un» jede Art de» Fanatismus. Wmn wir also einersett» nicht nackte Thaten al» Maßstab nehmm könnm, andererseits nicht noch Ueberzeugungen inquttirm därfm, so ergiebt fich, daß wir al» ErkenmmgSzeich« zur Unterscheidung der religiös« Partei« die thatsächlich ausgesprochene Ansicht über da» Gesetz nehmm müssen. Do wird eS unS auch nicht schwer werdm, gewisse große Grupp« zu erkenn« und zu sondern. , * * * *•> u Feuilleton. veneral-Persammtung der ^Illnnee Isreöllte Universelle m Pari» am 3. Februar 1870. „Die Räume deS Sitzungssaales reicht« nicht hin, die zahlreich Hiuzuströmmd« aufzunehmm. Die Ankunft des Präfidmt«. Her« Crömieux, beruhigt die stürmisch erregte Versammlung. Der Bericht deS Sekretärs der Alliauee, Her« Nareisse Leven, verbreitet fich über die Thättgkeü derselbm in diese» ^ahre. Die Aufmerksamkeit de» Publikum» ist im höchst« Vrade gespannt bei der beredt« Schilderung der Lage der Judm in Weftrußlaud. Daran schloß fich die Darlegung de» Müglieds- und Kaffen-Bestände» durch dm Casfirer Her« Löonce Lhemann. Die Gesellschaft zähst 12,000 Mitglieder, die jährlich« Beiträge find auf fast 80000 FrcS. gestiegm. Da die 500 FrcS. übersteigend« Summ« bei Her« Allögri deponier find, beläuft fich der augenblicklich in der Kaffe befindliche Baarbestaud nur auf 250 Frcs. Der Rede deS Her« Crömieux entnehmm wir folgmde Sätze: „Der Fortschritt der Alliance ist vor Aller Augen. Unermüdlich verfolgt fie ihr Ziel. Wtt thun nicht nur daS Mögliche — da» wäre w«ig — fönte« auch daS Unmögliche für 'unsere unterdrückt« GlaubeuSgeuoffm. So lauge noch ein Jude leid« wttd, wird auch stet» ein Glaub mskwuder zu feiner Hilfe berett fein. Besser als Andere weiß ich e», daß man Prozesse gewinnt und auch welche verliert. Dm unfrigm «erden wir gewinnen, denn wtt plaidirm für die Humanttät. Wtt «erd« fiegm — selbst in Rrimänim. Lratiano, der Verfolger, ist! gestürzt. Ihm folgte Cogalnitcheano, der Verfolger — auch; er wttd fall«*)! Herr Daru, unser Minister de» AuSwärttg«, hat mir ver- 1 sprechen, fich mit sämmtlichm Großmacht« Europa'» in 8invemehmm zu setzen, um ideuttsche und mergische Not« an da» 1 rumänische Ministerium zu richten**). Die Alliance vereinigt die Judm der gesammtm Seit. Bei unserer neulich« Anwesenheit in Berlin find wtt als Brüder empfang« wordm. Dtt Idee der Alliance ist eine ftmzöfische; wtt find die Ekstm und die Andem — nein, nie wird es da Letzte gebenl Im nächst« Jahre wird für einen geräumiger« Saal Sorge gettagm werdm. Und doch wünsche ich nicht, daß wir dort bequemer fituirt wär«. Im E egentheil hoffe ich, daß, je länger e» währet, die Säle immer unzureichmder werden. Wir hoffen, daß die Gebmgtm fich ttöstm in t em Gedankm, daß die Andem besser gestellt find, wir gedmk« uns,rer Brüder in Rumänim, und dann könnt« wtt unS noch beklag«, daß wir nicht bequem Platz Hab«?! Der Graud-Rabbin, Herr Isidor, hob hervor, daß Deutschland d« Franzos« weder ik« staatlich organistrtm CultuS?) noch ihre WohsthättgkettSanstaltm, sende« allein dtt Alliance bmeide. Sie ist allgemein imrch ihr« Zweck, ftanzöfisch durch ihr« Eifer. Herr Albert Föhn giebt in sichüich ergreifender Rede die Resultate seiner jüngst gemacht« Beobachttmg« in Dmtschland, Serbim, Rumänim, Pol« und Palästina. In Rußland find dtt Judm unter dem D«cke von Ausnahmegesetz«. Durch Bestechung der Beamten allein entzieh« fie fich demselben. Der Stube! ist mächtiger al» kaiserliche Befehle. „Gott ist hoch", sagt der Beamte, „und der 6}ir ist «eit; er wird e» nicht erfahr«". *) Diese Prophezeiung ist seitdem bereits erfüllt. (Reb.) -) JBetgL «istre «orresp. Pitts in Rr. 7. <«».)?) Gewiß nicht. (Red.)

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