Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 7 (16.2.1870)
- Date
- 1870-02-16
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
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62 Schwierigkeiten und Kost« verbunden sein wurde, welche für die @. f. D. doch selbst pro nt» wenigen jüdischen Insassen der Zuchthäuser nicht aufgewandt werden können. Humaner al« unsre frühere Regierung kan» man in dieser vezithung wohl nicht verfahren. Dafür zeugt der » 22 der Nenvaltun^S-Ordnung für die Strafanstalten vom 31. Juli 1845 der ohne alle Agitation und ohne alle» Lärmen in der Presse schon vor 25 Jahr« erlassen wurde und über Gottesdienst, Speisen, Krankheitsfälle «. derzl. bei jüdischen Gefangenen treffliche Bestimmungen eitthält. Dafür zeugt ferner die Thatsache, daß in der Sttafanstalt zu Eelle auf Staatskosten ein "»V und jährlich ein 3^6 jithc angeschafft wurde, ja daß die Zuchthausdirettion jahrelang unter dm Abonnenten des „Institut» zur Förderung der israelitischen Literatur" figurirte. Aber trotz dem ist es nie Jemandem eingefallen, die exorbitante Forderung zu stellm, dah täglich besondrer GctteSdienst für die Judm gehalten werde.*) Hat doch auch der mehrfach wiederholte Versuch schrttern nüssen, dm Eträflingm im Allgemein«, oder mindest«» Einzeln«, welche mit beharrlicher Gewissmhaftigkeft lieber gehungett al» nv*NS grgesfm, dm Bezug von "®c Speis« während de» ganz« Jahres zu verschaff«. Man mußte sich überzmgm, dah selbst, wmn die Mehrkostm au» d« eignen Mitteln der Sttäflinge oder anderweitig gedeckt würkm, die Sache unausführbar blieb. Nur wenn eigne Anstalt« für jüdische Sttästinge eingerichtet würden, könnte allen religiös« Anforderung« für bie*- ff’bra gmügt werdm. So wmtg wir aber, mit jmem Emanripationsnarrea, als höchste» Zeichm der Gleichstellung, die Hinrichtung eine» jüdisch« Mörder» wünsch«, so wmig kann es in unir« Wünsch« lieg«, rn jüdische Zuchthäuser begründet und bevölkert zu sehen. Halt« wir un» daber an da» unter dm gezebmm Verhältniffm Erreichbare unk an dm altbewährt« Spruch: NvvN j N21-« ¥b nOBP „Allzuscharf macht schattig"! — N. S 2. Februar. Ein ebm eingehendes Ober-Präsidial-! Rescript in Bttreff de» Sabbath-Arbeitm» spricht ausdrücklich au», daß eine Amderung zu Gunsten (sic!) der jüd. Gesang«« in dm altl.indischm Sttafanstalt« (also nach dem Vorgänge der biefig« und au» Anlaß dett'elb«) beabsichtigt werde. krankreich. j e 2. Februar. (Orig.-Eorreip.) Die unerhört« i Verfolgung«, welche unsere GlaubmSgmoss« in Rumänt« zu > erdulden hob«, find — wie un» au» zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird — Anlaß zu Besprechungen im Ministerium de» Auswärtigen gewesen. Graf Daru gebühtt da» Verdimst, bei ti m «glischm und österreichisch«**) Botschafter die gerecht« Beschwerden der Judm zur Sprache gebracht und eine gemeinsame Note der Schutzmächte in dieser Sache in Aussicht gestellt zu haben. Diese Note sollte besonders gegen da» Verhalten des Ministers Eozolniticheano gerichtet sei», der im Grunde mit den empörmdstm Aeußerungen der Opposition einverstanden war und nur darum n«e judmfeindliche Gesetze nicht einbringen wollte, „weil daS die Schutzmächte zu intervmirm veranlassen würde." Die Ministerknsis in Rumänim und der Sturz des Ministers selbst bab« jmm gemeinsam« Schritt der Mächte sürerst als unthunlich erschein« lass«. Grund gmug zu späterer Intervention wird bei der Lage der Dinge auch wohl der Nachfolger Cogolnitscheano'» zeb«. *) Äir sprayen auch nur gegen die ZwangStheilnahme am christlichen! (Die Red.) —, Und lieg« »e« preußischen Gesandten die Lach« der Humauilät und! der itwilisatio» rreniger am Herren? (Die Red.) I Marsch«», 7. Februar. Die hiesig« Paßdetzchch, hat vm PeterSbueg au« die vetsung erhalte», «tue« gab«», »er nicht Luustaanu erster Sich» ist. »ater leine» Umstände» einen Pah dahin z» rrthrile», »ah «tue« seiche» auch nur eia Mal i» Jihre »nd ans nicht länger al« «le aaszwei Mvaate. Die Peter»dnrzer Seisung bezieht sich aus ewe sräher« verordn»»g in vetreff der Jude» der eruberteu Provinzen, «ie ktnHanen saaaat seine» RebeulLudern früher hieß, und «eist, daß fetzt, da die ■»tMMBic M Königreich« Polen ansgehört hat, auch diese« kaufe mUer feue« algemat««» Namen mit begriffen werden muß. Daß durch Verordmn-ge» aa« dem Jahre 1863, wo e« Peterlburg beliebte vor Europa sich liberal zu zeige», jene früheren Verordnungen aufgehoben find, darüber setzt sich der Judenhaß leicht hinweg. — Aach sr» einer andern Veite macht sich dieser J»denhaß wieder geltend. In beiden hier bestehenden große« Ressourcen nämlich wird fett vorigem Jahre gegen die «eitere Lusuahme von Jude» mit Erfolg agilirt. Die achtbarsten Männer, wenn ste Juden stad, selbst wenn sie von christlichen Mitgliedern von Ansehen »orgeschlagen werde», fallen bei der Ballotage durch, während gleichzeitig säwintliche nichtjüdische Landidatea ohne alle Aurwahl, nur um da« nichtjüdisch« Element numerisch zu ftätten, bereitwillig gewählt werte«. Wenn man den Polen hier diese« anachronistisch« tiersahren vorwirft, erhält man die Antwort, daß der Hanptagitator gegen die Juden doch ei« Deutscher sei. Die Herren vergessen um, daß an de« Manne außer dem Namen nicht« Deutsche« ist, «nfe daß man in Deutschland sich doch wahrlich von den Agitationen eine« so ungebildeten . Menschen nicht würde leiten lasten. (Bre«l. Z.) Amerika. * Hle»»«rü, im Januar. (Aus einem Privalbttefe eines nach mehrjährigein Aufenthalt iiz Europa in seine Heimath zurück» gekehttm Amettkaner»)-„So fand ich nur zwei Dinge wohlfeil hier: geräuchert« Lach» und — Ehescheidung«. Taxpreis beträgt eigentlich 15 Dollars da» Stück, aber nebm d« offiziell« Preis« lauf« die Tagesnotttungm her, welche verschied«« Eonjunkturen unterworfm sind. Ich habe diese noch nicht so recht studiren kön' Tt, aber so viel ist gewiß, daß in Ehescheidung« g«ug zu 12 und 10 Dollar» gemacht wird, irn Dutzmd noch viel billiger, versteht fich von selbst, also Mode« ohne Gleichen. Ich thue vielleicht nicht Recht, Euch das zu schreib«, dmn unsere 8«te Hab« ein faible für Hezle» und am Ende-. Doch muß ich noch Ein» hinzusetz«, nämlich die Umstände find ebmso unbcd«tmd «ie die llnkostm. Die Sache geht so glatt, daß gar mancher Mann und gar manche V Frau erst nach 2—3 Monaten zufällig durch einen gut« Bekannten gewahr wird, daß er oder fie geschiedm sei. Es ist freilich Gesetz, daß fcf? Scheidungsklage nur an dem Wohnsitze, wie Ihr drüben nach Eurer schwerfällig«, gebund«« Ansicht sagt: „bei dem zuständigen Gerichte", verhandelt werdm kann. Aber da» ist für Amettka kein Hinderniß. Wozu giebt es dmn Eisenbahnen? Man (das „man" kann natürlich auch generi» feminini sein) reist eine Strecke weit in» Land hinein, hält fich dott ein paar Tage auf, macht in irgmd einer von dm hundert Geschäftsbrauch«, die sich zum Schein oder meinetweg« im Emst in 8 —14 Tag«, enfilir« und wieder loswickeln lasten, dann meldtt man die Klage gegm dm nicht anwesenden Theil an. Folgt Bekanntmachung und Aufforderung an denselben. Das soll durch die Zeitung geschehm, versieht sich. Man erläßt also die Annonce in einem Winkelblättchen, welche» schon in der nächsten Bahnstatton kein Mmsch zu sehen bekommt, die Fttst verstreicht, da» Uttheil wird gesprochm, da» Ehejoch ist zerbrochm, Enregiftered — fettig! Man svricht, weil wir doch bei dem Kapttel sind, ebm von Masscnscheidunzm oder Ehe-Aunullirungen in einem der Süd- Staaten. Ich habe selbst noch nicht» Genaueres gelesm. Die Zeitung« werden wohl auch zu Euch die Sensations-Nachricht bringen*). •) St ist ebne Zweifel SUfonta gemeint, w». wie wir inzwischen gelesen haben, fett »berste Gerichtshof alle während fee» Kriege» geschlossene Ehe» für null und nichtig ertkärt hat, «eil feie mit Ausstellung bet Heirath«. lizenzen Betrauten leine Richter' l« legale« Vinn« gewesen seien. (Die Kck.)