Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 7 (16.2.1870)
- Date
- 1870-02-16
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 - Sanität«. Rath Dr. Berend in Berlin über „die Tage-frage der Kranken Häuser" gehaltenen Vortrag, da unS der Herr Redner da« darüber referirende Blatt der „deutschen Klinik" eingesendet hat. Eignet sich auch der eigentliche Inhalt de« Bortrage« nicht zur Mittheilunz in dieser Wochenschrift, so erwähnen wir doch gern die mannhafte und auf sachliche Gründe gestützte Polemik gegen da« widerliche pietistische Treibe» in gewissen bekannten Spitälern. „Da« Krankenhaus sei Selbstzweck und sein Wahlspruch sei: Toleranz und Humanität!" Beiläufig erwähnen wir noch, daß der Redner klein.7..l Privatkrankenhäusern, gegenüber dm großen oft vollgepftopftm Spitälern, dm Vorzug giebt. Die Gründe find in der That einleuchtend. Daß übrigm« Herr Dr. Berend nicht etwa gegm ein speziell jüdische« Hospital eingmommm sei, ist für diejmigm, die sein Wirken in Beziehung auf die bekannte Anstalt in Berlin kennen, selbstverständlich. — Dr. Güdemann in Wim schloß dm Cyclu« seiner Vorträge mit eirem drittm „über einige humoristisch« nmhebräische Dichten", dm wir nächstm« nach dem an« gütigst überlassen« Manuscripte briuzm werden. Doch schließm wir die« Capitel, damit wir nicht am Ende auch noch von unsem eigmm hier gehaltmm Vorlesungm redm. Aus Frankreich berichtmwir von einer Petition de« Redakteur; de« „llniv. 3«r." um Aushebung der Gesetze über die Wahl der Rabbiner, — d. h. ohne Zweifel um etwas wmiger Bureau kröne und etwas mehr Autonomie. — „Auch Du, BrutuS?" — Die Notiz, daß V. Roir von jütischer Abkunft sei, habm wir schon in Nr. 2 unsere« Blatte« gebracht; nach der „Fr. 3." gebm wir noch Spezielleres, da Juden gem Familienverhältniffe, JichuS, kennen lernm. »^Victor Roir'» Barer heißt Salmon uud ist oavrier en montres. Der Later diese» Salmon (nicht Solomon), also der Großvater von Bictor Roir, hieß Salme und war Borsäuzer uud Schächter in Kirchbcimbolandcu. Al» die Pfalz von de» Franzosen »ccnpirt wurde, marschirre Salme mit, der Rationalzard« von Lirchheimbolrnden narb Pari». Hier trat er in die franzöfische Armee, marschirte nach Italien, wird Korporal, machte später die Schlacht von Wagram mir und brachte e» bi« zum Kapitän der kaiserliche» Garde und r'iitter der Ehrenlegion. Er war einer der schönste» und tapfersten Männer der kaiserlichen Elite-Truppen. In einem Städtchen in Mähren kam ix bei Israeliten in Quartier, verliebte sich in die Tochter, uud da deren Later sie nicht nach Frankreich ziehen lasten wollte, quittirte er den Dienst und blieb in Mähre» in dem Geschäfte seine« Schwiegervater«.. L» erging ihm schlecht im Handel und er zog mit Frau und Sohn nach Pari», wo er wieder hebräisä,«» Unterricht gab. Er hiulerließ seine» Sohn Salmon (den Vater von Bictor Roir) in säst dürftigen Verhältnissen. Derselbe ward, wie erwähnt, onrrier en pendole*. Da dem Vernehmen nach Crömieux als Vertheidiger de« Peter Bouaparte fungirm wird, so würde in dem traurigen Drama noch ein Jude mitwirkm. „Corr. Israel."") bringt die erftmltche Nachricht, daß die Gemeinde zu Triest auf edle Weife ihre Verehrung gegen den seligen Rabbiner TedeSchi durch Versorgung der Wittwe dokumentirt. Weiter meldet man au« Italien zahlreiche Ordensverleihungen an Juden, meist Beamte. Erwähneniwerther ist. daß dem Dr. 8. Luzzato, Generalsekretär im Handel«- und Ackerbau-Ministerium, der Minifterposten selbst angeboten wurde, und daß er ihn auSgeschlagen hat, weil er erst 28 Jahr ist und daher noch nicht einen Sitz im Parlament einnehmen kann. Daß in Preußen auch mehrere Juden dekorirt worden find, ist den Lesern wohl bekannt, aber wir berichten noch von zwei solchen Verleihungen, die einmal die Kehrsette de« „schlägst Du meinen Juden ic." bieten. Der Bey von Tunis hat den J osua Levy zu Liffabcn und der König von Portugal den P. Levy zu Tunis dekorirt. Aber bester wäre e« von dem Bey, wenn er die Juden in seinem Lande vor Mord und Mißhandlung schützte. Man hört leider immer noch von solchen. Eine settene Auszeichnung widerfährt eben Herrn v. Rothschild, er ist in carrarischem Marmor au»gehauen, und zwar im Frack, und wird in der Halle de« Wiener Nordbahnhofe«, als deren Gründer, aufgestellt. Unsre« WistenS ist erst einmal einem Juden, To uro, eine Statue gesetzt wcrden. Da e« diesmal nicht Juden gethan haben, so ist die Sache nicht von Belang. Gegen die Touro- Statue erhob sich s. Z. Einspruch und gewiß mit Recht. — Nun kommen wir zur Nachtseite. Au« Eriwan erschallen im „Mazgid" klägliche Berichte über scheußliche Mißhandlungen der Juden, am Jom-Kippur haben sie begonnen und längere Zeü fortgedauert. Da« dürste, und wird hoffentlich, die russische Regierung doch nicht dulden! — Genaue Berichte in demselben Blatte gebm einm näherm Einblick in die bereits von un« be- *) I» der Monat»überficht de« Blatte« wird die Aeußernug del de* pntato Wandtrop über jüdische Offiziere berichtet, und da» Rubrum lautet: Jntolleranze prnseianal (Oho! E» find doch gottlob nicht alle Preußen Wantrup«!) Da „Menoburg" dabei genannt ist, so muß wohl unser Blatt benutzt sei», da wir desselben erwähnt haben. bei Zeitm au« dem Wege zu räumm, unzweifelhaft eine Aufgabe der jüdstchm Journalistik ist. — Wa« ist nicht Alle« schon über dm Gottesdienst der altm Hebräer gefabelt wordm! Sollen sie doch gar (wie der römische Geschichtsschreiber der Kaiserzett, Tacitu«, berichtet) in ihrem Heiligthum einm „Esel" göttlich verehrt habm! Jetzt will ein Herr Jame« Fergusson, der durch eine Geschichte der morgmländischm Baukunst bekannt ge» wordm ist, mtdeckt habm, daß bei dm Hebräem der Baum- und Schlangendimst einheimisch war. Wir erfahrm die« au« einem Aufsatze „über den Baum- und Schlangendienst" in Nr. dl des „Ausland" v. I., woselbst berichtet wird: „Bei dm Hebräem habm wir nicht bloß Baumdimst und Schlangendimst, fondem Baum und Schlange geheimnißvoll vereinigt tretm schon im Paradiese auf. Der Baum auf demBergeHoreb war dm J«raelttm schon geheüizt, bevor der Herr dort Mose« seine Botschaft erthellte. Daß Aron seinm Stab vor dem Pharao in eine Schlange ver« wandelte, weist ebmfall« auf eine Verschmelzung von Baum und Schlange. Mose« selbst huldigte dem Schlangendimst, dmn die eherne Schlange, die er anferttgm ließ, wurde 600 Jahre im Tempel austgwahrt, bi« König Hezekiah ihrm Dimst einstellte und sie zerbrach. Seit Hezekiah verschwindet Baum- und Schlangmdimst bi« auf da« christlich« Zeitatter, wo der letztere bei dm Sectm der Nicilattm, Gnostiker und Ophttm auSbrach. Die - letzterm fetztm die Schlange höher al« Ehristu«, «eil sie die Er» t kmnmiß de« Gutm und Böfm auf die Welt gebracht habe. Dm > Baumdimst anlangmd, so ist der Christbaumdimst bi« auf dm ' heutigen Tag beibehalt m." — Wir wollen hier bloß die au« der > Bibel hergeholtm Beweise in Kürze mtkräftm, wa« keinem Bibel» kundigm schwer fallm wird. 1) Daß die schlichte biblische Erzählung von der Schlange im Paradiese auf eine geheimnißvolle Vereinigung von Baum und Schlange Hinweise, mag vielleicht au« der christlichm Dogmattk gefolgert werdm, entspricht aber durchaus nicht der jüdisch« Anschauung. 2) Daß der Baum auf dem Horeb von dm J-raelitm geheiligt worden, — ist einfach Unfinn. Wir kenn« in der Bibel keine Stelle, die von einem geheiligten oder ungehetligtm Baume auf dem Horeb berichtete. Sollte jmer wtssmschastliche Forscher vielleicht dm „Dombusch"" mein«? 3) Die Verwandlung de« Stabe« Aron'« in eine Schlange soll, wieFergusson meint, nicht« Andere« al« die Verschmelzung von Baum und Schlcmge sein. Aber ist denn ein Stock ein Baum? Ebmsowmig wie ein Dombusch e« ist. Daß die Aegypter die Schlang«: (nebm anderm Thterm) abgöttisch verehrtm, ist bekannt, darum war die Verwandlung gerade in eine Schlange am Platze. 4) Der vierte Beweis endlich, daß Mose selbst dem Schlangmdimst« huldigte, «eil er die eherne Schlange anferttgm ließ, ist nun vollmd« haltlo«, denn die Bibel giebt ja die geschichtliche