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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-16 · 7 (16.2.1870) · p. Seite 59

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
7 (16.2.1870)
Date
1870-02-16
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 grammattlaltsch «ralysir« kam», in 6 oder 8 Semestern auf dem Halacha-Gebiete also heimisch werden könne, daß er sich nicht vor jedem vachur ob der größte« Schnitzer und Dummheiten lächerlich machen, und jeder zugereiste Pole ihn als Amhaarez bczeichnm werde, der — rede nicht mit, er versteht nichtvon d« Sache. Und wen« z. L. Herr vr. Geiger der Wahrheit die Ehre geben »vill, so wird er bekennen müssen, daß er da-, war er als jüdischer Gelehrter leistet, darum leisten kann, well er in seinem zwölften Jahr mehr Jüdisches „gelernt"^ hatte, al» er dm Studmtm der „Hochschule" nach 6—8 Se» meftern würte beigebracht habm, falls ste. nicht etwas Ordmt» licheS mitbringe». Und wenn derselbe vr. Geiger der Wahr» hett die Ehre giebt, so wird er gestehm, daß diejenigen, welche nicht also „gelernt" haben, auch nicht im Stande sind Rabbiner mrd „Lehrer in Israel" zu feilt Endlich fügen wir diesen kurzen Sähen, die gelegmtlich Ausführung finden mögm, noch ganz gelassen ein großer Wort der altm Weism hinzu: „gute Einsicht (in das Studium der Thora) Iraben Alle, die danach thun; merke wohl, es heißt nicht: die da lemm, sondern: die danach thun". Rir wird der eine gründliche Keuntnide- Jndrnthnms erlangen, der nicht in ihm lebt! Warum habm die Buxtorf, Hottinger und Andere, trotz mühevollstm Studium», da- Judmthum nicht Gegriffen? warum schreiben deutsche Gelehrte über die Völker des grauesten Alterthums, der mtlegmsten Zonm, über ihre Reli» gionm, Sitten «. s. w., die gelehrtestm Bücher und stolpern und r^m Unsinn, sobald sie über Judm schreibm, über Mmschm, die unter ihrm Augm (eben? Der Satz der altm Weism gibt Antwort und Mung. und das ist die Wahrheit. Und nun noch ein Wort! Der Jude ist fürwahr nicht so thöricht, wie ihr mch einredet. Ist ihm daS Gesetz des Juden- IhnmS nicht), so braucht er Niemand, der eS ihm auSleze, aufhebe, ihn davon diSpmfire, ihm sst ei« solcher Rabbiner ein bloßer Rhetor, ein Luxusartikel, beftm Falls ein „Synagogen- Requifit", w,e das gestickte Parochet, vor dem derselbe steht. Will er aber für sich selbst oder für Andere einen Mann, der da verkünde and erkläre, was da» Gesetz spricht, dann will er nicht einm sc lchm, der in da» Buch blickt oder au» dem Kopfe sagt, was da geschrieben steht, während er selbst darüber lacht. Noch ist daS Amt deS Rabbiner» ein VertraumSamt, und noch lebt Gottlob! im Judenthun. sittliche» Gefühl, welche» i>m hinwegstöbt, der da spricht: „handelt noih mein« Wort«, aber nicht nach meinen Thatm". Da» ist da» Parteiinteresse der jüdischen Wissenschaft, welche« w>r von derselbe« w«dee trmnm können noch wollm! Wochenbericht. Stettin, 10. Februai. Wir müssen in Hinsicht auf Rachrichtm au» Deutschland h.'ute einm lekanntmDichtersatz umkehren: „von Thatm ist nicht» zu berichtm, so laß ich Euch :mn Redm sehm". Vorträge in Mmge; es liegm darülier so viele ZeitunzSreferate vor, unt zwar ziemlich ausführliche, daß wir sie uuserm Le'ern nicht ermal zu sehen gebm kcunea. Au die erst« von »iw erwähnte Dienstags - Vorlesung r.i Ver'in, von vr. Zunz, habm sich feilem zwei weitere gereiht. Prozessor Steinthal sprach über die S ellung der Semitm in der!8eltges'hichte. Er knüpfte an las Wort „Raum gebe Gott dem Japhet und wohne in den >Mt« Zöem's" an; der Vortrag war von religiöser Wärme durchwcht; läßt sich von jüdischem Standpunkte auch gezm manches Einzeln« streiten, so scheint das Ganze doch von warmer Verehr», g gegen das Judenthu.n lebendige» Zeugniß gegebm zu haben; der Schluß war fast homüetisch gehalim, behandelte den Bc:; „iyr sollt hellig sein rc." und endete mit einem Gebet. Dm nächsisolgmden Vortrag hielt vr.D.Cafsel über daS Armenwefm im jüdischen Alterthum. Das hier da» Judenthum zu Ehrm kam, oersteht sich für dm mit dem Thema auch nur obmhin Vertrau.« von selbst, daß das * -»gefälschte Judmthun zu Worte kan, ist für Dmjmizen unzweifelhaft, der dm Geist des Redners kmnt, aber eS macht auch Herrn vr. Cassel Ehre, daß er ein solche» zu fesselnder Ausführung, zum eigmtlichm VortragSpabllkum-Futter nicht besonder» geeignete» Thema gewählt, und daß er es doch verstand« hat, wie wir Horen und lesen, einen interessanten Vertrag darüber zu halten*). Wir errähnen noch einm vom Geheimen *) Bei Postschluß gehl uns ein Privatbericht über einen weiteren io vieler Woche gehaltenen Borrrag »in Or. Ritter za. Derselbe wird schers getadelt, al» höchst tattlo» nab provozirend. Sollte e« der Müh« nerth sein dagegen zu pe'emifiren- Theaterstücke zu fabriciren; aber diesmal ist es nicht reine Erfindung diese- Dichter». Ein altes Geschichtchm, welches er gekannt hat, erzählt: Ein Christ hätte mit einem Juden einm ähnlich« Vertrag gefchlossm und hätte dem Juden, der nicht bezahlm konnte, wirklich ein Pfund Fleisch au» dem Leibe geschnittm; der Dichter kehrt nur die Sache um." Er. „3)aS ist ja aber ein furchtbar $ ßischuth." j Ich. „Sticht so ganz, mein lieber Ralibi; ich habe von dem i Stücke jedeSrnal dm Eindruck empfangm, als ob durch dasselbe | unserem Volke daS allergrößte Lob gespendet würde." Er. »,2!ch bin begierig zu hörm, wie Ihr das zurecht legt." Ich. „Sehet, lieber Rabbi, der Shakespeare hat niemals cinm Judm zu Gesicht bekomm«. Zu seiner Zeit dursten in j England keine leben. In der Wirklichkett kannte er weder sie, | noch ihr Leben; aber er kannte ihr furchtbares Geschick unter dm Christ« der damaligm und früheren Zeit, wie man sie »erachtet, ver'olgt, angespim, mtt Steinen gmorfm, vertrieben und zu Tausmdm hingewürgt hat, und sein Jude sagt das dm Christ« derb gmug ins Gesicht. Sein Jude ist darum nicht > der Jude, wie er wirklich war, sondem der Jude, wie er nach \ dem gewöhnlich« Verlauf der Dinge und dem gewöhnlich«! GnIwilÜungSgange der Mensch« hätte werdm müssm bei der furchtbar« kehandlung, die er erfahr«. — Aus Allem heraus, wa» dieser Shakespeare dort seine Leute sprechen läßt, höre ich die Worte: „Sehet, ein solches blutdürsttges Ungeheuer hätte der Jude werden müssen, wenn er gewordm wäre, waS Eure Behandlung au» ihm hat welchen wollen. Aber ist er in der That so geworden? Stein! Er hat immerfort sein gute», weiches Herz behalten. Seht, Rabbi, so ist das Stück eher ein Lob als ein Tadel der Jud«." Er. „Damit hat der Herr ganz Recht; aber sagt mir nun auch, welche Beantwortung ist da» aus meine Frage?" Ich. „Die Antwort ist ja ganz einfach: die Christen kennen uns oft genug nicht, ebensowenig wie uns Shakespeare gekannt hat, und schließ« nun, gleich dies«», wie wir der Natur der Sache nach handeln müßte», nicht wie wir wirklich, Hand«ln. Sie haben gedacht, oder denken leider bei Euch drüben noch: Wir habm Ströme Judenbluts vergossen, und es gelüstet »ns biSweilm «och danach, wie sollte nicht der Jude sich mit einem Tropf« von unserem Bütte räche» wollm? So schließt er von sich auf un»; was ist da zr verwunde«? (Forisetzixg folgt.) Lesefrüchte für jüdische Leser. «o» M. K. Die fortschreitende Wistmschafl mit chren neuen Entdeckungen scheint auch neue Jrrthümer in ihrem Gefolge zu habe«, die — insoweit sie daS Judeittj«» berühr« — aufzuklärm und

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