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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 54

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 darum nachsuchmdm Anzahl d,r au» Wien durch Kaiser Leopold vertriebenen Jude» die Niederlassung auf einen bestimmten Zeitraum, der später, auf neue» Ansuchen, wieder «mf Zeit verlängert wurde. Diesem Vorgehe» der vertriebene« Wiener Glaubensgenossen folgten einige Halberstädter*) jüdische Familien, und auch ihnen wurde, unter gleichen Bedingungen, die Ansä sizmachuug in Berlin gestattet. Ein Halberstädter, Namen» Jeremias Jacob**), war es auch, der in Berlin um das Jahr 1670 in daS Collegium der Aeltesten der Berliner Judenschast gewählt wurde und zur Berrffung deS ersten Berliner Rabbiners, des Rabbi Chajim auS der Neumark, viel beigeirazen hatte. Die Rechtsverhältnisse dieser neuen jüdischen. Ansiedler der kurfürstlichen Residenz waren freilich sehr trauriger Art. Die Nachfolger Friedrich Wilhelm's milderten zwar die lcsterm rach und nach durch verschiedene „Privilegien" (:jrtth2 Tire W): Die Juden aber blieben bei allem diesen, oder richtiger, eben dieser w:gen nichtweiter als eine gnädig geduldete Religion» zmossenschc.ft — bis endlich daS königl. Edict Friedrich Wilhelm'- IN. vom 11. März 1812 fie zu Staatsbürger! machte. Oesterreich. Wie«, 31. Januar. Eine Local-Correspondenz meldet, daß eine Anzahl jüdischer Auscultanten ein Comits ernannt habe, welches die Aufgabe hat, die Beschwerden der jüdisch« Auskultanten in Petitionen zur Kenntnis de« Justizminifters und des ReichsratbeS zu bring«. Es sollen in diesen Beschwerdeschristen alle speriellm Fälle angeführt werden, in welchen jüdische Auskultanten, wie es fast scheint, absichtlich übergangen wurden. Die beidm Schriftstücke find vom betreffenden Comtts bereits auszearbestet und werden einer demnächst zusammentretenden Versammlung zur Genehmigung voraelegt werden. ReichSraths- Abgeordneter L. Mende soll sich bereit erklärt haben, die Petition im Reichsratb einzubringen und zu unterstützen. (N. Fr. Pr.) —T7. Wie«, 31. Januar. (Oria.-Corresp.) Am 19.Februar begebt Herr Josef v. Werthe.mer seinen 70. Geburtstag. Wir glauben uns den Dank seiurr zahlreichen Verehrer im In- und Auslände durch diese Mittheilung zu verdienen. Die Leistungen des Mannes sind zu bekannt, als daß ich sie Ihnen weitläufig zu schildem l rauchte. Nicht bloß die hiesige Gemeinde, der er fast 40 Jahre verstand, sondem die Judenheit überhaupt ist ihm zu Danke verpflichtet. Von einer Solennität verlautet Nichts. Sollte ein» solche noch stattfinden, so werde ich nicht ermangeln, Ihnen darüber zu berichten. Uukland. Aetou«, 19. Januar. Endlich sängt man die allseitig als aotbwendig anerkannte Auswanderung der Juden aus Litthauen zu orzanisiren an. Seit dem 8. Januar, an welchem Tage aus hiesiger Statt der erste Äuswandercrtrupp sich aufmachte, strömen fast alltägliä, größere oder kleinere Häuflein mit Sack und Pack zur Bahn und ziehen nach Jnnerrußland ab. Freilich ist diese Richtung, welche die Auswanderer nehmen, die bequemste, aber eS ist tie Frage, ob alle Nothleidenden von Westrußland im Süden und Osten des weit« Reiches werden unterzubringen . fein. Vielmehr ist zu befürchten, daß, wenn nur dieser eine! Abzug für tie Auswanderer offen gelassen wird, die Roth mit \ ihncu wandert und sie in den weiten Steppen des Czarenreichs ebenso schwer bedrängt, als in dem heimathlichen Litthauen. Jndeß darf man dm Grund, daß jetzt die Auswanderung sich mit aller *) Das „Bislhum Halberstadt" kam dmch den westphälischen Frieden als erbliche« Fürstntthum an den großen Kurfürsten. Gesch. d. i«r. Gemeinde Halberstadr. S. 23. -) Sieh« Jost'» Gesch. 8. «. S. 29«. Kraft nach der einen Richtung wirst» nur darin suchen, daß erst »im vorig« Monat die Regierung d« jüdisch« Handwerkern das Recht verlieh» sich im ganz« Bereich der russisch« Herrschaft anzufiedeln. Davon wird nun jetzt Gebrauch gemacht, — freilich mehr, als im Interesse der Auswanderer liegt, denn wenn man bedenkt, daß Handwerker sich ebm nur in Städtm mit Aussicht auf Erfolg niederlassen könnm, der Oft« unsere» Rußlands aber an Städtm ungemein arm ist und bald genug in diesen wenig« Ueberfüllung crutretm muß, so möchte man wünsch«, daß bald der Auswanderung eine Direktion nach dem West« gegeb« werde. Kowoo sieht seit 14 Tag« schon ganz ander» au». Eine Menge vön jmen nothzeplagtm Phyfiognomim ist weg, die Bemittelt« in unserer jüdisch« Bevölkerung lass« es an Geld und Naturalien nicht fehl«, welche sie dm AuSwanderem als Viaticum inst auf dm Weg gebm. <V»st.) Ostindien. Momlap, 3. December 1869. (AuS einem länger« Briefe au den „Jew. Mess.") In einer großen Zahl der wohlhabendst« und einflußreichst« Käufieute von Bombay erkannte ich zu meiner groß« Freude GlaubenSgmoss«. ES sind dort zwei Synagogen, eine in dem Fort (dem GefchäftSthette der Stadt), die andere in Byculla, woselbst die meist« Privatwohnungm sind. Ich bin oft in letzterer gewesm; fik ist, glaube ich, in der That daS schönste Gebäude in Bombay. Der Fußboden ist von weiß« Marmorplattm, ebenso der Almemor. DaS Holzwerk ist au» eingelegtem Ebm- und Atlasholz zusammengesetzt. Sie wstd durch fünf prachtvolle Kandelaber erleuchtet, welche sowohl Abend» wie MorgmS gebraucht werden, da der GotteSdimst jedm Tag um fünf Uhr MorgmS und mit Sonnmuntergang beginnt*). DaS ganze Gebäude wurde auf alleinige Kost« de» verstorben« David Sassun aufzeführt. Für ein« Amerikaner oder Europäer ist der Anblick deS Jnnem der Synagoge sehr fremdartig, besonder» am Sabbath, wo viele Frauen anwesmd sind. Die Männer sitz« mit unter» geschlagmm Beinen und tragm Turbans und lange wallmde Kleider von allen Farbm. Die Damm (welche zum GotteSdimst in Sänften kommm) trag« auch Robm und weite Beinkleider von hellrothem, weißem oder blauem Atlas, ihr Gesicht ist ganz verhüllt mit Spitzm, so daß ich nicht sagen kann, ob sie schön sind oder nicht. Es ist eine sehr hübsche Gallerie für die Frau« da, wie bei uns, aber ganz dem Blicke der Männer entzogen. Die Gebete werdm wie in dm portugiesischen Gemeind« vorgetragm, und sie hangen noch an. dm alten Gebräuchm und halten sich in den Grenzen der Orthodoxie. Ich glaube bestimmt, wmr. man der Gemeinde „Schild David's" in Bombay so etwas wie Orgel und Chor erwähnm wollte, so würde sie dmkm, man wolle ibre Synagoge in eine Kirche verwandeln. Der Chasan, Jbrabim ben Selim, ist ein Araber, wie wohl die meist« hiesigen Judm, spricht jedoch ziemlich gut mglisch. Er erhält bei Verheiratbung eines Paares eine Gebühr von 100 bis zu 5000 Real« (d. h. 10—500 Pf. St.), und ein regelmäßige» Gebalt von 6000 Realm jährlich. Sie seh« also, daß da» Amt eines Chasan nicht daS schlechtest bezahlte in Jndim ist. An unsere Glaubensgenossen! Eine sehr driugeude Aktie um Mithilfe! Am 15. kislcw, bei dem 2tiftung»seste der hiesigen Chebra-kaducha, de» Krankenpflege- und Beerdigungiverein», Hane der Jahre»berichr festgestellr, daß im Lause de« Jahre« 38 Personen männliche» und weiblichen *) 3« ist hierbei zu bedenken, daß der Unterschied zwischen lauge» und Siehe Auerbach: | kurzen Tagen dort nur ein sehr geringer ist, daher der Morgengottesdienft ganz wohl da» ganze Jahr zur gleichen Stunde fianstudeu kann. (Red. d. i»r. «I

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