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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 55

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 Geschlecht» bn Orb« Ibtigebcn worben, und mehrere hundert Kraute Wege und Unterstütz nag «mpsange» hatten. Davon gehörte ja ünferer Syna- »Ich -mfm* «Mtzkr, «b bk 38 «erstorbene« ällekt waren,«»» S» Mchchich«»« russischen Ortschaft« gebürtig. Seitdem der hiesige Unterst ttznugsvereiu, an» beste» Aaste der größte Theil der Lusgaben he» obeugeuar ate» Vereins bestritten wurden, seine Thätigkrit eingestellr hat, stab Fälle entsetzlicher >rt «orgekommea. Wir saudrn einen Todkranken di einem Brrtrrverschlag« bei ernem abgelegenen Hause aus einem Lumpenlager, «,d Schnee «nd Sturm, welche durch die weite» Ritzen ungehindert eindrangen, stiben um ihn herum. Wir brachten den Kranken in ein gute» Lest mtd Ziimoer, koamen «brr trotz aller angewandten Sorgsalt nicht »ehr »rrhmdirn, daß der an» guter Familie stamr.ende, talmudgelehne jnnge Manu » solgender Rächt »erstarb. — Wir fanden eine ganze Familie von den russtsheu Borftenarbeiter», welche hier Beschäftigung suchten und thrilweise auch gefunden hatten, bestehend aus Großvater und Großmutter, Sohn und Sthwiegertochter und deren acht Kindern, halb verhnngert, fast sämmttich trank, in einer kattca Dachkammer aus faulem Stroh liegen; durch Sorgfalt konnten sie sänmittich dem Lebe» zurückgegeben werden, nur der «ater der acht Kinder, der Bersorger der ganzen Familie, war seine» furchtbaren Leiden erlegen. — Wir fanden, von einem Arzte in unserer Gemeinde, Herrn I)r. Laaser, der sich der Unglücklichen, was wir dankbarlichst «erkennen, mit der größten Sorgfalt «nimmt, daraus aufmerksam gemacht, 13 kranke Maschen — Lina davon ist bereit« gestorben — in einem engen kalten Raume derart zusammengepreßt, daß manche die Füße nicht au»' streckt» konnten. — Mit letzter Kraft schleppen sich die Unglücklichen über dir Grenze, oder werden von den russische» Fuhrleuten, welche zu Hunderten tagtäglich zu uns herüHerkommen, mitgenommen, um hier, ohne daß wir etwa» dazu thun können, ihrem Elend« zu erliegen. — Wir haben uns hier allesamml vereinigt und zahlen zur Krankenpflege bestimmte wöchenttiche Beiträge. Bor Allem haben wir beschlosten, ei» Hau» zu erwerben und zum Kra»ke«h«l»se I»errichten zu lasten. Zu besten Unterhaltung sollen von alle» a»s Rrßland hierher zum verkauf gebrachten Produkten — zu vier Millionen ist Iw Maimalsatz der Berkansssumme veranschlag» — ein halb pro Mlle erhobra werden. Einen fast eben so hohen Betrag, wie hierdurch, hosten wir durch jährliche, regelmäßige Beiträge zu erzielen; aber die Erwerbung»- und Einrichwugsfommr des genannten Hanfes, welche etwa 10,000 Thlr. betrage» mag, wissen wir «ter uns nicht aufzubringen. Air bürden uns durch diese Einrichtung eine Last «f, die schwerer und drückender nidit gedacht werde» kann; allein können nnd dürfen wir bi« Unglücklichen, die zu »ns herüberkommen, weil sie drüben in Rußland jeder Pfleg«, ja soxzw jedes ärzttichen Beift«drs entbehren, elendig Hinsterben kaffe«? »ir «ollen uns dieser schweren Last au» Lieb« und Mtleid mit »«seren in Aramth and Elend ganz nnd gar versunkenen russischen Elanbensbrüdern grrnwillig unterziehen; aber von Euch, Ihr Glaubensbrstder in alle» Ländern, die Ihr dieselben Lerpflichmagen habt, wie wir, verlangen wir zu» mindesten die Summe zur Herrichtung eines Werkes, welche« ein« wrhre Heilsanstalt für eine Bevölkerung von mehr als 100,000 Seelen von unseren Glaubensgenoffen zu werden verspricht. O, Ihr nritteidsvollen Brüder und Schwestern! . So eakseylich arm zu sein ist sehr schlimm, aber arm und krank zu sein, da« ist das Aller' schlimmste! Erbannrt Euch der kranken Armen! Gebet bald und reichlich, und ein fegen »volles Werk, wie e« kaum seine» Gleichen finden dürfte, kann sofort ins Lebm treten. «Wer de« leidenden Brudersich erbarm», der findet Erbarm,» bei dem Allbarmherzigen!" Memel in Preußen, im Januar 1870. Julius Hirsch, Saul vloch, Vorsteher der Synag.» Gemeinde. Vorsteher der poliu-ruff. Synagoge. 2eis«r Lewy, Rabbi S. A. Wohlgemuth. Borfiehec de» Beth-Hamidr. MorHi-Zodek. Dr. «uls, Prediger der Synagogen Gemeinde. Die BesprqchKtzg eines wifftrschafrlichen Kataloge» in einem populären Blatte würde stltsßm erscheinet^, roenn bit« Blatt nicht eia jüdisch»« wäre. »j--w -wi^. VlfW MVfMMv I» »»••• wW Wr^^nirr flWIW Iw Judenthrun find nichts ohne ihre Literatur, in dieser aber steht sür immer voran die Bibel und ihre Erklärer» ol o eben der im vvckiegenden Buche behandelte Theil der Druckwerk: »er S eminar-Bibliothek, der drittgrößten Europa'» an hebräischeu Werke». Die Mannigfaltigkeit der r«i Juden, arößtrntheil» nicht im Dienste der Wissenschaft, sondern zu piaktisch-relgiösea Zwecken edirten Bibeln ist stäruenerrrgend. Da nnn hat der Herr Bersaffer es verstanden, durch übersichtliche chronologische Anordnung nnd Angabe aller an der Edition betheilialen Pers»ne>i, sowie der verschiedenen Approbationen, neues historische» «uteiial dein Forscher in bequemer Form,» bieten. Die Auszählung und Beschreibung der größteurheil» hebräischen Handschriften bietet gar manches Interessante; so spricht MS. 101 einen beretten Protest gegen die Phrase von ter Vernachlässigung de» Unterricht« der jüdischen Mächen ans, >>a e« selbst in blendend schöner italienischen MmuSkel 1788 von einer Dame (Paula) geschrieben und mit einem Rachwerte versehen worden ist. In Vorworte bietet da» Buch ein« populäre Darstellung all' de» sür die Benutzung und Würdigung eines Kataloge« hebräischer Werke Röthigen. So geben «ir un» denn der Hoffnung hin, daß die volleildang diese« Werkes sowohl in wiffenschaftlicker Beziehung als auch für e ue gerechtere Würdigung de» jüdische» Mittelalter» erfreulich wirken wird. A. Lt»V, Prof. Dr. M. A., Die biblische Geschichte nach dem Werte der heiligen Schrift de, israelitischen Äugend erzählt. 3. verbesserte Aufl. (VIII. und 240 S.) Breslau 1870. Schletter'sche Buchhandliinz (H. Skutich). So traur.g die Erscheinaug ist, das die Lektüre der heiligen Schrift in der Ursprache immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, so erfreulich ist c», daß man wraigskii» Sorge trägt für ein möglichst gute» Surrogat, wenn es auch da» Original nicht ersetzen kann. In der guten, alten Zeit (was Glauben-Wärme und Innigkeit betrifft, war fie gut, die istte Zeit) sog da» Kind die erste Nahrung stlr kein leligiösrs Bedürftnß unmittelbar au» dem „Ehumesch", und erwarb fich dabei eia Tiffea, da» all- Bedürfeisie nach dieser Seite hin befriedigte. Aber die Zeu hat sich geändert. Weber bei de» Anforderungen, welche keutzutage da» Leben an die Schule stellt, die Zeit zu so HLusigem Besuch« der ReligionSschnle nehmen, »der, richtiger, woher die Eltern nehmen, welcbe einen so häufigen Besuch dir Religion», schule ihren Kindern auch nur gestatten würden? Doch da» ist au» eininal nicht zu ändern und deshalb freier wir uu», in I cm vorliegenden Weilchen ein Buch begrüßen zn können da» viele Borzüae hat. Zunäeist schließt e» sich möglichst tteu an da» Wort der heiligm Schrift an. well man „die Herzen dir Kinder durch den kindlich herzigen Ton, den die Bibel anschlägt, schon ftühzeitig für diesen Unterricht« zweig giwmmt!" Dadurch gla.itt der Herr Bersaffer auch noch den Bortheil zu errncheu, daß die Kinder 'helfest werdch, welch« Hoffnung ihn aber nrsire» Erachten» täuschen wird, wm bibelfest macht nur die Kennmiß der stiibel in der Ursprache. Der Be. kaffer erklärt ja selbst, Laß er mit der Hermstaade seiner „biblischen Geschichk." keine«weg« beabsichtigt habe, dadurch dem Kil>ellesea (verbunden mit dem Unterricht m der Bibelkmide*) Eintrag zu thun. Uusei Vorschlag würde daher lauten: Mau belasse in den Schulen, wo man viblisüu Geschickte, Bibellesen, Bibelkunde lehrt, die dafür verwendeten Struten lieter dem Chumesch-Untericht! Würdm dann nicht unsere Kinder auü, oline eia Lehrbuch der biblischen Geschichte, ohne Spruchbuch und ohne eine »eine Bibelkuud« eine genüg,»de Kennmiß vom Judenthum erhalten? Sbr'. der jüdische Religionsunterricht hätte dann keine Aehalichleit mehr mit dem nichtjüdischeu — und da» wäre «abrlich nicht schlimm. Da« Buch zeichne« sich feiner durih seine Bollftäodigkcit an». Er beginnt mit den Worten ,Hm Anfänge" und schließt mit der Tyätigkeil Rehemia'S und Maleacki'S, woran fich dann noch die „Geschichte de» srvmmeu Hiob" anschließt. Dabei wird in v<is!,r:d«r Weise eine kurze Darftellnug der Gesetze mir eingkstochten. Doch wäre wohl eine etwa» genauere Darstellung auch der sogenannten Eeremonrrlgesclze ain Platze gewesen. Ferner ist hervorzu heben, daß alle Namen auch mit der hebräischen Aus «racke angegeben steck und daß zu Ende jeder Erfüllung ein Bibel- und ein Spinchver« biazngesllat sind, welche, so zu sagen, die „Moral der Geschichte" ausdrLcken. Auch die schöne Aurstaittmq empfiehlt da» Buch, das, t>enn einmal nire biblische Geschichte unumgänglich nistdig ist, in der Hand ii-e» tüchtigen Lehrer» -echt brauchbar wird. X. Da« hiefize Unterstützung»-Lomir«- macht hierdurch bekannt, daß e» ftinen Restbettag, bestehend in 1733 Thlr. 6 Sgr„ wenn hiegegen seiten« der Spender kein Widerspruch erhoben wird, gleichfalls zu genanntem Zwecke hergiett. — Die Spmden zur Herrichtung de» Krankenhauses nimmt der bisherige Schatzmeister des Unterstützung». Eoarite'«, Herr Juli»« Hirsth, Firma Zs. Hirsch «. Ev., entgegen. Die Vorstände und Cultus-Beamtin, sowie einen Jeden, der es vermag, bitten wir, Sammtuugen zu diesem Zwecke veranstalten zu wollen. — Ein« ftanzöfische Uebetfitzing di-s kU-eo HaSoer mit Anmerkungen , ist in '1 Bänden erschienen, bend-itet voa Sautayra, Biccpräfidenlen de» Gericht» in Algier und Sharleuille, Grandrabbi von Oran. — Wir machen die Leser taraus aufmerksam, daß Herr Silbermana in Lyck die Snbscriptton ans den 4. Jahrg de» Bereiu» Meküe XirJainim (zur Herausgabe ungebruckter helräischer W,wke> eröffnet har. Da» Aboane- \ ment beträgt' 2 Thlr. und bindet nur sür je ein Jahr. Tie Theilnetmer , haben bisher wttthvolle Werke für den geringen Preis erhalten, und ist für; dos 1. Jahr da« Gleiche in AaSfichr gestellt. Literaturbericht. AKcker»«»«, Dr. B-, Katalog der Bibliothek deS jüdisch-theologischen DeminarS in Breslau Erster Theil: Bonvort, Handschristen, Druckwerke: Bibel. (Als „Programm" dem Jahresberichte des jüd.-tteolog. Seminar« für 1870 vorgedruckt.) Berichtigung. Die Notiz au» Amerika in Rr. 4, s. 37, ist nicht au»!xw Mainzer „Israelit", sondern aus dem Cincinnati „ImaeLite“. Re.!i, ®. 45 ist zu lesen: Der zim Professor in Innsbruck ernannte vr. M. ') Hierbei merkt der Bersaffer an: ,Mr habe» zu diesen« Zwecke ein« kleine Bioelkunde herausgegtbcm. Breslau 1859."

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