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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 50

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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jchicht-forschung Geschichtschreibung körnen und c», unparteiisch Lm^.„geschij Neschichte", daEßnh^b» stl 'ind die gefeieiDen Heschü bet Neuzeit, dH AlHth parteiisch? «k>Mt man tliche UkPart 3M' chreitzr i und^tzer t unfthwer ad solle», so scheint Druckschriften, L«r keil. «Wnteiffche huMÄ i» Nmen ihr politische-, soziale-, religiöse- Glaubei-bekmntniß? Und wenn Au-Mii««. ßwbt» Historiker, .dir. «iwRauk«, .tzb«H bet M Au»e>näMttleg«ng brt Thalsachen und der Beweggründe stehen bleiben, stch jede- Urtheil» mtlialtm, ja keinesittlichen, nationalen oder polittschen Zornefähig find — ist dadi» Jdeal der Gesckicht-schretbnng? Hier nun handelt e» sich um jüdische Theologie, um di« Lehrer au der Hochschule für die Wissenschaft de- Judenthum-. Sollen fie keiner Partei anzehörm? „Zehnten ist Recht, nicht Zehnten ist Recht, und wie man'» rnccht, ist'- auch Recht", mit diesem einem gemüthlichm Landpfarrer in de« Mund gelegten Au-spruch« bezeichnet 'der'- Volk-witz in Süd ^Deutschland den moralische» oder therlogischm Jndijferenti-mu-. Soll« die Lehrer an der Hochschule lehren: Anr prffach Gesäuerteeffm oder feinen Sohn nicht beschneide« lassen ist Recht, und da- Gegentheil davon thun ist auch Recht? Daran dmken doch die Herren L. und St. wahrlich nicht. So können fie denn nur zweierlei im Sinne gehabt haben; von zwei — Jrrthümern hat ihnen euer rorgefchwebt, welcher? bleibe dahta gestellt. Entweder fie haben die „Wiffenschaft de» Judenthum;" auf ein höchst enge- Gebiet begrenzen, auf einen sehr neutrale« Loden stellen wollen; rder e» ist ihn« ei«« jener Verwrch-longe» zwischen Jüdischem und Christlichem «ntergelaufen, lenen man so sehr oft begegnet. Da- Erster« ginge dahin, baß sie da- Judenthum hauptsächlich al» Gegenstand geschichtlicher Forschung behandelt sehen wollen. Man ermittele Geburt-« und Tode-jahre bedeutender Männer, katalogifire Hand« und .<» Lörrectoren, Setzer und Preffenzieher, kurz di« Wiffenschaft, welche dar sei. Rabbiner bezeichnet ltch bekannt«! weHntz-w«»» woMch man^a, immer nura^t hinan. Man entwickele en betz i'rtnpart« auch den Jdcengang lit eine« ziem« kann gelehrt laubt, verboten, lg gewesen, aber hl bian» Herz und den Kreide» Gesammtanschauung g«p»iffer' Epachetz^i» Judtnthum,; tzd« chn» irn ot otuckü,. so wie man einr Geschichtr der vvrfokrastschen Phüosophie oder über die Religion-anschauungm der vuräten schreibt. Dazu lommen noch grammattkalffche, lexikalffche?or« schungm und noch gar manche-; doch ist da- Gebiet dann eng begrenzt, die jüdisch« Theologie ist da» alle» nicht! Hat man vielleicht darum den Au-druck Hochschule re." statt de» vorgeschlagenm „jüdisch»theologisch« Fakultät" gewählt? Man hat darüber so gesprochen, al» sei dal ganz gleichgültig; aber mit Verlaub, so — naiv find wir doch nicht, um nicht unter« schtiden zu können. Theologe Ist elne«iffeüschast, die-ftd«. falleine« Logo», eine« Spruch uud Au-spruch.für da» Leben der Gegenwart abzugeben hat; Wiffenschaft de» Judenthumist ein nenttale« Ding, rragirt durch«»- nicht auf irgend eine Strömung der Zeit. Wiederum, um jüdffcher Theologe zu sein, muß man vor allem Jude sein; Wiffenschaft de- Judenthumkann jeder treib«, Franz Delitzsch hat tteffliche Bausteine zu ihr geliefert. Da» wäre also da- Eine, waman gemeint haben kann. Da» Ander« bezeichnet«! wir aleine Beiwechselung von Christlichem und Jüdischen!. Wenn man die HH. L. und St. ftazen würde: sollen nicht an der Hochschule Männer von entgegengesetzt« Richtung nebenetnand« wirk« dürfen, wetteifernd und kämpfend lehren, so wie einst in Halle Gescntu- und Wegscheid« nebm Tholuck und Gunike, in Bon» (kurze Zeit) Br. Bau« neben Ritzfch? — gewiß, di« Herren würdm und müßt« bejahend antworten. Nun schwebt ihn« Feuilleton. Jüdische Zumüeute im 16. unil 17. Jahrhundert. Stracche, ein italienischer Jurist de» 16. Jahrhundert-, spricht in seinem Wnke übet Versicherung von der Anwendung d« Jnhabersorm aus Affecuranzvolicen. Er «wähnt, daß die jüdischen Kaufleute von Al«andrien die Klausel ,,od« Jemand And«eS" zusammen mit einem erdichteten Namen alS Namm de- Berftacht«» in die Policen setz«: ließen, die ihnen üb« ihre zur S« versandt« Waaren cm-gestellt wurden. Sie wählen, berichret Sttaccha» „einen christlichen Namen, z. B. Paulus od« Scipio, damit nicht ihre Ladung von christlichen Piraten, von dem Navarch und Präjekten der katholisch-königlichen Flotte wezgenommen werden, denn die letzt«« pflegen die Waaren d« Hebrä« und Türke« zu plünd«n." Die hi« zu Grunde liegende Simulation erkkirt d« Schriststell« für! nicht ver««fiich. Wo man ekaum erwartet, in d,m Frankreich Ludwig devierzehnten, fiedelten sich jüdische Haideltreibende an, wie wir au» öffentlichen Aktenstücken jener Zet «sehen. Am 8. September 1673 schrieb d« Minist« Kollert an den Jntendantm *von Air: „Sie dürfen sich nicht wundem, wmn dir Marfeill« Ihnen so viel von den Juden sprechr«, die sich in Marseille nied«laffen. Denn sie beküminern fid) nicht um da» Gedeihen de« Handel-, sondem nur darum, daß Alledurch ihre Hand geht und auf ihre Weife geschieht. Eft Nicht» so vortheilhaft •fit da» allgemeine Beste de» Handel», al» die Zahl d«« zu «ehren, dt« tbn treibm: so daß, ml den Bewohnern von Marseille nicht nützlich ist, dem Gtmä-gmzm nützlich ist, um o mehr al» die Niederlassung« d« Ilde» niemalum de» Handel» willen v«boren worden find, da derselbe stch gewöhnlich üb«all vermehrt, wo sie sich aufhalten, sondern nur d« Religion wegen. Da jetzt nur von dem Handel die Rede ist. so müffen Sie nicht auf die Reden gegm die erwähnten Judm höre», die Ihnen entgegengetragen w«den." Colbert scheint keine Veranlassung gesundm zu habm, seine Ansicht von der Bedeutung d« Judm für dm Handel zu ändem. Dmn acht Jahre spät«, aldie offm hnvortretmde Jntol«anz deabsolutisttschm Königdafernere v«bleibm d« jüdischm Kaufleute im Südm de» Landein Frage stellte, schreibt « also an dm königlichm Beamten in der Provmce: „Ich bitte Sie, sich sorgfältig nach der Zahl der Judm in Marseille zu erkundi« gm, ein gmaue- Gutachtm darüb« aufzusetzm und mir zuzu« schicken. Da der König sie im Lande nicht duldet, auß« an dm Ortm, wo sie, wie in Metz, eine ausdrückliche Erlaubniß zu wohnen habm, so Hot Se. Majestät lmm« da» Recht fie zu v«jagm, so oft « will. Darum werdm Sie gefälligst prüf« mit Klugheit und Umsicht, ob diese Lmte d« Stadt Marseille nützlich sind oder nicht. Dabet müffen Sie sich vor dem Neide hütm, d« die Kaufleate dazu bringm wird, zum Fortjagm zu rathm. Sie müsjm sich üb« di« Prtvatinteressm «hebm, um zu mtscheiden, ob ihr Handel durch die Correspondmtm, die fie an dm Mitgliedern ihr« Secte in allen Thellm d« Welt habm, dem Staate vortheilhaft ist und in welchem Grad« und ob n nicht durch Franzosen «setzt »«den könnte, wmn die Juden v«jagt würdm." In noch fernem Grgmdm erwähnt Judm, die durch »trth« schastliche Thätigkeit sich An«kennung verschaff«, ein Schreib« Ludwig'» vom 23. Mai 1671: „Da ich gehört habe, daß die Judm auf Martinique und dm übrig« Inseln, die von mein« Unterthanm bewohnt find, bedmtmde Au-gab« für die Be»

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