Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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für die religiöse» «»d soziale« Interessen des Jude»th««fi. 1.Achr-«»G. VkschelM ftv» MiMiich. D«t» »üEvach M eiftttgrvMf«. imkältmpHtt fh Mi >rrts»«l»tß! Prtitzeil« «feer tarnt Rami BtmuwaUtch« Rtbattar tsb Hem»1-«l-«r Rabbiner Dr. JU LreNesfek» in Stettin. Breslau, S. Februar 1870. l» bqletze» d«ch alle B«chhi»RitNii» «ck »esiealalte«. -Nleratm-MaNcktz«« >» ki SchlmeTschi» Dm<ha»dlii»g (H. E-Küsch) - ta »««lau. Anhalt Settender Nttikek: Visseafchaft »ad Partrtiateresse I. Geuttlete«: JRdls-e »«»fleatr »u 16. »ad 17. Jadrh»»dert. 4M»c Sltiti: *»#r«. Roe»rfersch»», »ad G»»»si«. LaOe»fta>r». Sdocheudatcht. verübte »ad «r»«fp»»ta»z«»: Deatschlaad: R»«d>» Bevta». S6dd«»»chla»d. Oesterreich: «e». «OL Riff«»*: «mm». Ofttadlr»: vomdav. „»» »»er« Gla»te»«ge»»sfe»", «e»rl. Sttemtmdettcht. vertchtt»»»«. v»ea»«e»Stst». Zuserote. Wißenschaft unt »arteiiuteresse. l. Da Erttvmf de« Stadtt« der Hochschule für die Wissenschaft de« Jntanthum«" hatte, wie unsan Lesern mttgetheilt worden, in ß. 2l eine Bestimmung enthalten, welche dafür Sorge trage» wollt«, daß nicht „tm Sin» und Interesse ein« religiöse» Partei, sondern lediglich tm reinen Interesse der Wissenschaft" gelehrt «erd«. Gegen dies« Paragraphen habe», wie sich vor- ««»sehen liest die einander entgegengesetzte» Wchftmtzen Etnsprnch erhebe». Siaa l« «tchMde» EouWWMoemafte; ^nen» -MMM^IHkN^crMgmwkih, daflon SMvath von Gott eingesetzt, und i-aß die Grenze da an demselben erlaubten und verbotene» Baiichtuugea durch Tradition festgestellt fei, so wadet ihr sage», d«r Mann lehre im Sinne und Interesse da Orthodoxe»; wenn aber ein Anderer doziren wird, da Sabbath sei da Tag de« Saturn und von den Anden nur herübazmommen, so wahrt ilr da« al« eine rein wiffmschastliche Ansicht bezeichnen". -ndreirseit« hatte auch vr. Geiger gegen jene Be»- stimmnng Einwendungen gemacht, dam Wortlaut unS nicht bekannt ist; und so ist da Paragraph, wie mttgetheilt worden, abgeändat, die obm angefühttm Worte sind gestrichen. Wmn wir auf dieselbm zurückkommen, so geschieht die« also nicht, um, wie da Talmud sich auSdrüctt, „einm todtm Mann zu tödtm", sondern um Erläuterungen daran zu knüpfm. Wir wism nicht, wa da eizmtliche Verfass« de« Entwurf« ist; die fünf Mama, welche ihn unterzeichnet habm, find indeffm nicht nur solidarisch für dmselbm haftbar, sondern Waden sicherlich dieso Solidarttät auch nicht ablehnm. Sonach steht e» un« frei, au« dam Zahl beliebig haauSzugrerfen, und wir wähl« au« Gründm, die wir also nicht anzugebm brauchm, die ab« für die Andem keinerlei Zurücksetzung einfchliehm, die HH. Prof. Lazaru« und Steinthal. Daß diese bei dm in Rede stehendm Wortm nicht nur etwa» gedacht, sondan al« Manna von hervoaagmda, unsrn Anerkennung gar nicht bedürfend«, wissenschaftlich« Durchbildung etwa»Bestimmte« gedacht habm müssen, ist sÄstvaständltch. Man könnt« nun vielleicht versucht fein jene Wotte dahin auSzulegm, daß die vafchiedmm Richtung« in da heutig« Judenheit im Lehraeollegtum da Hochschule vettretm und möglichst gleich vatretm sei« sollt« — aber dann wlre die Fassung de« Paragraphm höchst ungeschickt, uud da« ist nicht za vamuthm; auch ist jeda.da beste Au»lega sein« Worte. Al« ab« jeue Forderung von konservativer Sette zu dem ftaglichm Paregraphen be'ttunnt formulirt, und die Aufnahme beantragt wurde, erfolgte eine entschiedene AbKhmmg de« Yartlätr-Ammdemml». Wir müssen also da Sach« ettva« näh« treten. Rn» ist e» klar, daß di« verschicdmstm Wissenschaften, nicht nur theologte, Juriüprudimz und Staatsrechtslehre, sonder« auch Medizin, Altathums-, ja Münz- und Wappmkuade, oft genug in dm Knechtesdienst irgend einer Pattei gttretm find, sich ttgmd ein»» Zntaeffe untergeordnet habe«. Sie haben dann nicht di« . flllWir“ atf-'V r»d die gesuohme «n» «kannte nutgesproche«. sondan sie haben von vomherein et« bestimmte« Resultat findm oder beweism wollen. Dc« ist ober einfach Fälschung, die reine Prostitution, solch; Forschung und Gelehrsamkeit hat auf dm Namen „Wissenschaft" keinm Anspruch. Soll der § 21 Derartigem Vorbeugen, soll er nur eine höfliche Umschre.bung oet Gedanken» sein: al» Lehr« da Hochschule sollen nur ehrliche Männer gewählt und belassen werben? Diese Auslegung will uns wird« nicht in dm Sinn. Wir müssm aber weita zweierlei Parteilichkeit auseinander halten. Einmal kann die wissenschaftliche Forschung von außen beeinflußt werden, indeni sie entweder bewußtermaßm sich für Geld, Ehren u. dgl. verkauft, cda indem sie, da einmal gefaßten uud ausgesprvchenm Ansicht, da Eonsequmz und da eigne» Ehre willen, sich zezm bessere Erkenntniß verschließt. Auch dies nennen wir Beeinflussung von außm, indimi die einmal gewählte und agriffme Patteistellung etwa» Amßaliche» geworden ist. Dem gegenüber steht die Beeinflussung von innen; da Forsch« hat in sich eine Uebazeugung auSgedildtt, die ihn letttt, von da a sich weda loS« machen kann noch will, nicht au» Eigmsinn, aus falscher Scham, fonl>an aus ehrlichem Usbazeugtsei» und dem danach gtftaltetm System, welche» auf syn wrssmschaftliche» Lebm maßgebend« Einfluß übt. In dem erstm Falle gleicht da Forscher einem Richta, da sich ftnfai bestechen o>er von Borliebe für eine private oda politische vattei leitm läßt, in dem zweitm demjenigen Juristen, da nach erra vorg-saßtm, aba auf redlich« Uebazmgung beruhen!!» Richt-anficht utthalt. Daß diese zweite Att da „PattMhkeft" weda wissenschaftlich noch sittlich tad«ln»vath ist, wird niemcnch beftrettm; ab« man wünscht wohl, daß die Wissmthaft sich auch von dieser ftei hafte. Es fragt sich nur, ob e« Möglich und, wnm möglich, ob e» wirklich so l«ssa und vorzuziü» sei. vlnbm wir bei/dem nächstliegaLm Beispiele stehen. Ge-