Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
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f 46 nehmen. Wir theilea audemselben nur mit, daß bet der dies- | jährigm dritten Vertheilung 23 Wohnungen gegeben werden > konnten, daß ferner zwei Cisternm neu angelegt resp. restcmrirt j worden find» daß ein Glaubensgenosse 5000 Thlr. zu dem Fondj gegeben hat, und daß kaum ein andere- Unternehmen so wie diesegeeignet ist, den Missionairen, welche die armen Obdachlosen zu fangen suchen, entgegen zu arbeiten. 3n der letzten Zeit iind, derussischen Notbstandes wegen, die Gaben an da- Central» > TomitS für die Armen» und Pilgerhäuser spärlich geflossen*). J Ch. Magdeburg, 16. Januar. (Orig.-Corresp.) Die hiesige! Gemeinde hat in dem letzten Dezennium einen bedeutenden Auf» j chwung genommen, nicht bloin Bezug auf ihr numerischej VachSthum, sondern ganz besonderin Betreff der inneren Cr» 'tarkung, der Kräftigung des jüdischen Gemeindelebcns. Wer >ätte je daran gedacht, daß hier drei Schächter, mit fixirtem Gehalte al- Gemeindebeamte angestellt, unter Aufsicht des Rablinerfunziren würden! Im Tempel findet täglich Morgens und Abends Gottesdienst statt, und ist für den Winter die Vorhalle zu einem (heizbaren) Gebetlokale eingerichtet worden. Im Schooße der Gemeinde bat sich eir Synagogen-Gesanz-Verein, bestehend aus jüngeren Gemeindemitgliedern, gebildet, der in höchst anerkmnmswerther Weise zur Verherrlichung dcS Gottesdienstes an Sabbath¬ und Feiertagen beiträgt. Die aus früherer Zeit einzeführte Orgel wird nur zu Trauungen, GebuttStazen des König-, Eon» > sirmattonen (die während der Oster ha l b feiertage stattfinden) benützt. Der aus andachtsvoller Brust hervordringende | religiöse Gesang wirkt andachterrezender, alS die einem todten Instrumente entlockten musikalischen Tonstücke. Die Religion-» > schule, das Vereins- und UnterstüyunzSwesen stehen in schönster! Blüthe, die Gemeinde und ihre Vertretung sind opferbereit, wo \ e» die Förderung einejüdischen Interessegilt — (so hat,die» ' selbe auch ihren Beittctt zum Gemeindebund erklärt). — .! Vorige Woche fand aus Anregung unsere- Herm Rabbiner-! eine »Mendelssohnfeier' statt, bei welcher derselbe einen an»! sprechenden Dorttaz über »Mendelssohn'- Bibelüber» , setzung und ihren Einfluß auf die Cuiturentwicke» lung feiner Glaubensgenossen' hielt. An der hiesigen städtischen höheren Töchterschule, die von circa 80 jüdischen Schülerinnen besucht wird, wird diesen daselbst der Unterricht in biblischer Geschichte und Religion von den jüdischen Religicn-lehrern erthcilt. Facta loquuntur! Wen« in manchen Gemeinden die;ecn den Breslauern angeregte Petttion Vcranlaffung zu Differenzen zwischen Vorstand und Repräsentanten »Versammlung gab, so war in den meisten Fällen das alleinige Vorgehen de- Vorstandes (ohne Zurathe» ziehung der Repräsentanten) Schuld daran. Sachlich stimme« alle Eltern, denen der Religionsunterricht ihrer Kinder nicht Nebensache ist, mit der Petttion überein, ohne sich jedoch der Illusion hinzuzeben,' daß es unter dem gegenwärtigen CultuS» Ministerium besser werden würde. Oesterreich.; —rz. Mit», 16. Januar. (Oriz.»Eorresp.) AuS Zahlen > läßt sich beutzutage mehr lernen, als aulangathmigen Gutachten i und dicken Büchern! 144 Uebertritte zum Judenthum | haben hier im Laufe devergangenen Jahrestattgefunden!**); Die Konvertiten könnten allein schon eine Gemeinde bilden, freilich ein „Kah&l Gerim“, aber dem sei wie ihm wolle — liegt* *) Sir vereine» unsere Fürbitte mit der der Unterzeichner oben «r<! «-Hute« Aufrufe». («ed.) —) Sir fügen zur Vergleichung dir Zahle» der zu andere» Religionen Uebergetreteue» («ach der „Gegenwart") dei: zur kacholifchen Kirche S2, >ur evangelisch«» Aulgld. Lauf. 73, zur Hel». Leus. IS, zur griechische» 3.! «ed. d. tfc. S. darin nicht Beweisegenug für die Lckm-kräfttgkett und Anziehungskraft de« Judenthum-?') Keine andere Eoufefsion i» Sande kann sich so vieler Trophäen rühme«! — Nicht umntrrrffant dürste Ihn« ei« andne Zahl sein. Gegen 800 Trauungen haben im letzten Jahre stattgefnnden. Dabei habe ich nur diejenigen im Auge, welch« in den Gemeindebüchern immatrikultrt sind. Fünfzig bihundert Brautpaare lasten sich au-wSrttrauen, um den Taxen, Steuern u. f. w. zu entgehen, oder au» anderen Gründen. Zur Immatrikulation berechtigte Trauungen konnten früher nur in den beiden Gemeindefynagogen, der Stadt und Leopoldstadt, vollzogen werden. Nunmehr ist diese- Recht auch zweien Privatsynagogen, der Schiff» und Mariahilfer Synagoge, jedoch nur nach vorau-gegangener Delegation eineder Herren Prediger, zuerkannt worden. — Hier haben Sie auch eine Zahl von der Nachtseite der Gesellschaft: gegen 25 Scheidungen hat unser Rabbinat im Laufe de» Jahre» 69 vorgenommm! Bringt man diese Zahl in ein Berhältniß zu der der Trauungen, so müßte man unter 100 der letzteren immer acht alü für vergeblich vollzogen dettachten. Dawürde stetlich kein gute- Zeugniß abzeben für den Emst und die Vorsicht, womtt die Ehen geschloffen werden. Aber die Folgerung ist glücklicherweise nicht ganz berechtigt da ganz gut ein Drittel der Scheidungen auf auswärtige Ehepaare entfallm. Immerhin ist die Zahl der Scheidungen groß genug! In Jhrm nordischen Gemeindm dürften — selbst wenn man sie alle zusammmzählt — kaum so viel Ehescheidungm im Laufe eine- Jahre» zusammm» kommen. Es wäre gut, wenn unser Rabbinat von Jahr zu Jahr über die einzelnen Detail» dieser Scheidungen, ihre Veranlassungen, anderweitige dabei in Bettacht kommend« Umstände, ob durch einm Botm vermittelt, oder nicht, ob überseeisch, oder nicht u. s. »., sich äußern wollte. Dagäbe Material, auf Grundlage dessen sich sin Wort über Ehegesetze, Ehaliza u. s. w. in Rabbinerversammlungm redm ließe! Wakann aber dabei herau-kommm, wenn dergleichm von Rabbinem besprochen wird, die vielleicht nur 3—4 Scheidungen in ihrem ganzm Lebm vollzozm, vielleicht nie einm Get gesehm haben? Bei diesem Anlaß will ich bemerkm, daß unsere Gesetzgebung in diesem Punfte höchst liberal ist. Sie hat daganze jüdische Ehegesetz — für Jude» — in da» bürgerliche Gesetzbuch ausgenommen. Bei Begründung der nmm Aera liefen die Judm Gefahr, in diesem Puntte zu kurz zu kommm, und man war nahe daran die jüdische Ehe von StaatSwezm für unauflöslich zu erklärm, oder ihre Auflösung erheblich zu erschwerm. Da war e» unser ttefflicher Kuranda, der darauf aufmerksam machte, wie diese An LiberaliSmu» für die Judm einm Rückschritt bedmte; so blick eS beim Altm.! 21. Januar. (Orig.-Corresp.) Die Kabbiaatton. gelegenheit ist noch fern Boa ihrer Erledigung. (Ein neue« Provisorium ist dadurch geschaffen, dag dir Repräsentanz, »ach Abdaukuug de» «abbiuer Freund, die «abbiuatsfuaktioue» mtter drei Perfoaeu vertheist hat. De» offizitllru Shell der Robbinaiahandlungen, Dränungen und Scheidungen, hat mau Herr» Adler, da« Paltenen Herr» Deweie«, da« Koscherfieischwese» Herr» Fürth übertragen. Ob damtt jemandem gedintt, steh« sehr in Frag«. Die hier erscheinend« „Gegenwart" erzählt von einem „jüdische» verrheidiger von Judenfeinde»". Zwei Individuen hatte» im Dezember Excefse gegen Juden begangen, Fenster emgeschlagen n. bergt Sie standen am IS. d. vor Gericht. Die gewöhnlich«, sonst sehr glaubliche Aulred« „wir sind betrunken gewesen" tonnte diedmal au«uahm»«eise nicht« Helsen. - Der vertheidiger vr. Zucker, ei» Jude, löste seine Aufgab« ebenso würdig, wie geschickt. Er redet«, statt gegen den Staawanwalt, zu de» Angeklagte». ,,E« däucht mir, sagt« er, dag euch di« Geschichte herzlich leid th«. So s^t e«, bevor der hohe Gerichtähos da» Urtheil fällt". „O ftellich, gnädiger Herr, e» soll auch nicht wieder geschehtn!" «eim« Dobiafch, und d«r jugendlich« Vkacha li«. serte di« Thräueu zu dem Geständnis seine« (komplicen. Der Gericht«ho« fühlt« «in menschlich Rühren und diktirte eine gelinde Strafe. *) Ein weitere« Heil könne» wir aber darin a»ch nicht erblicke». Judivtdnelle «»stcht d. Re».