Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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Während die Männer der Regulative befurchten, daß die jüdischen Lehrer die Stand« in der Botanik oder der Math«, matik benutz« ward«, um die Christmknäbleiu mafsmhast mit jüdisch« Ilde« zu iuficirm, fitzt in der Kriegsakademie ein Jude als Docent, wel ebm nur dieser ein« Jude in speciellem Fache ei» Meister ist. Seit 1834 find« in Berlin Bekehrung-» predigt« für die Jnd« statt, seit ebm so langer Zeit vergeud« englische Fromme ihr Geld, um Judmseelm, die nach statistischer Berichnung einige Tausmd Thaler pro Stuck kost«, zum ewig« Heil zu gewinnen, im Jahre 1869 trat« in Oesterreich nicht nm mehrere hundert einzelne L«te, sondern in Siebmbürgm mehrere christliche Gemeinden freiwillig zum Judenthum über. Se. König!. Höhest der Kronprinz sprach in Jerusalem von der vollständig« Gleichstellung der Israeliten in Preuß« mit dm übrig« StaatSbürgem, dasselbe Wort ist wiederholt vom Ministertische ertönt — et muß also wohl wahr sein. Der Boden, von welchem auS Graf Lippe standhaft die Unmöglichkeit vertheidigte, jüdische Assessor« alS Richter an» zuftellm, erhält unter der AmtSfübrung feine- Nachfolger» Leouhardt ein Loch »ebm dem ande«. Graf Lippe mag darob im Herrmhause stöhn«, so viel er will, da- Rad der Zett läßt fich nicht aushastm. Da» Rad der Zest! ZS treibt nicht nur dm geistig« Be» wegungSorganiSmoS, eö zermalmt auch gleich dem un-rbittlichm Mahlstein die verrottet« Bemrtheile. Der norddmtfche Bund wstd für diese Art Reaftton, die kleinlich« konfessionelle Rück» ficht« kmnt, zu groß. Frankreich, England und Holland sind in der Judeaftage fest lang« Zeit« dm mg« Idem Deutsch, land« vorausgeeilt, daS Rad der Zeit rollt auch im norddeutschen Bunde über die letzt« Dorurtheile und zermalmt sie unerbittlich, und gegm Narr«, die fich ihm mtzezmstellm wollm, ist Don Ouixote rin kluger Mann." NichtSdestowmig« Hab« wir über Einzelheit« noch immer zu kämpf«, bald gegm d« Starrsinn der Reaktionäre, bald gegm d« Doktrinarismus der Liberal«, bald für die Frei«, bald für Gefaugme. Daß die Commission de- Abgeordnetmhause« sich gegm die Gestattung besonder« GotteSdimste» für die jüdisch« Sträflinge und für Beibehaltung de» Zwange» zur Theilnahme an der christlich« AadachtSübung auSzel'prochm hat, Hab« wir erzählt. Jetzt berichtet die „N. A. Z." daß Anträge gestellt sei«, die jüdisch« Gefangen« von der Gabbatharbett zu befteim und sie dafür am Sonnlage arbettm zu lass«. E» wird anerkannt, daß die Verpflichtung zur Arbest am Sabbath „einem GewiffmSzwange gleichkommt, da gegm die Mitglied« andaer religiös« Gemeinschaft« nicht geübt wstd." Da Minist« hat dah« dem Snstaze volle Berücksichtigung zu Theil werdm lass« und dst Regierung« zu gutachtlich« Aeußaung l aufgefordert. West« heißt eS:! „AlS «ünfchmSwerth wstd in dem ministeriell« Erlaß noch! bezeichnet, daß dem Berichte da» Gutachtm von jüdisch« Gelehrt« beigefügt wade üb« die Frage» ob nach dm Satzung« ihr« Religion eine zeitweise DiSpmsation von dem Gebote d« ArbettSmthaltuug am Sabbath für zulässig «achtet, resp. ob solche an Gefaugme, dst darum nachsuch«, fett«» d« Rabbin« für dst Dau« d« Detentton ertheilt wird." Warum muß d« Minist« hstrüb« erst anftagm, warum kann jede« jüdische Schulkind diese Frage mtt „unmöglich" beantwort«? Weil d« Christ, auch d« Protestant, sich nicht von d« Id« trenn« kann, daß d« „Geistliche" die Macht be» I sitze, besitz« müsse, zu bind«, zu lös«, zu vabietm und z» diSpmsir«, währmd dem Judm ein solch« Gedanke gar nicht beikonnnt. In Wien hat d« Gemeindevorstand sich schon vor Jahr« wstd«holt an die Regierung mit d« Bitte gewendet, da» jüdische Spstal, welche» übenviegmd von Fremd« in Anspruch gmommm w«de, zu unt«stützm. (So 1867 untn 684 Krank« 646 Fremde, dah« auch 14000 fl. Ausgabe und nur 681 fl. Einnahme von zahlmdm Kranken.) Diese Büte, bi»h« stet» abgeschlagen, soll jetzt Aussicht auf Gewährung Hab«. Die» erinnert un» daran, daß d« jüdische Vorstand in Berlin fich (laut dessm Jahre», bericht, s. u. No. 2) ebenfalls au d« Magisstat gewmdet hat, um von d« Stadt ein« Zuschuß zu d« Armenpflege zu er» halt«, da dst speciell jüdische Armenpflege ja d« Stadt eine große Last abnimmt. Der B«lin« Magistrat hat jedoch ganz einfach «klärt, „nicht in d« Lage zu sei«, dem Anträge Folge zu gebm". Er würde natürlich sehr bald in d« Lage sein, wenn die Judm einmal dst Probe macht«, ihre Arm« an die Stadt zu weis«. Ab« wir kmnm diese Esau-Consequmz nicht und wollm sie nicht kmnm, dst mit lebendig« Menschen expe» so lautet: „Zwei Jud« einen Griechm, zwei Griechm ein« Armmi«, zwei Ärmmier ein« Tmfel" — sich selbst Hab« sie dabei vergessen, und Dieterici «gänzt e« sehr richtig dahin: „Zwei Tmfel ein« Türkm." D« Schlüssel zu diesem Schmäh» Worte findet maa in dem schon Eingang» erwähnt« Umstande, daß die spanisch« Judm (und von dies« ist dabei nur die Rede) dm Türkm nicht nur nicht gefährlich sind, weil sie nie» mal» daran denken könnm dem Reiche eine Provinz zu ent. reiß« oder ein« Aufftand zu mach«, sondem ihnen al» aufrichtig «gebme Vertraute vstl nütz«, dmn sie feh« mtt dm Muhammedane« in dm christlich« Rajah» dm gemeinsam« Feind nicht blc» ihr« Religstn, sond>in auch ihre» Stamme», und bei dm jüdisch« Verhältnissen nicht ganz mit Unrecht, wie z. B. da» befreite s«bische Fütstmthum e» durch die Thal bewies« hat, indem e« hinsichtlich d« Judm eine ähnliche Vorkehrung staf und äuftecht «hält, wie da» selbständig gewordme Königreich Norweg«. Im Uebrigm glaube ich behaupt« zu dürfm, daß dst spanisch« Judm d« Türket dm O»man« nicht gleichkommen, denn dies« ist beim Verfolg« eine» Vorthetl» nicht» heilig, nicht einmal ihre Religion, ab« dm and«« Rajah» find sie sich« an Schlauheit und and«« bei Geschäft« sehr wichtig« Eigmschaftm ebmbürttg, sie überflügeln sie obendrein durch ihr eisernes Zusammmhalt«, ihr nie verleugnete» Einstehm für einant« und durch ihre größ«« Rührigkeit, v«. bundm mit d« Gabe, in jed« Nmerung da» für ihre Gemein» schuft Borthellhaste h«au»zuwitt«n und schnell zu benutz«, ehe noch dst and«« dmkkrägm Stämme darauf komm«. So find ihre ärm«m Klaff« in BoSnim die einzig«, welche dm Vortheil de» europäischen Gewnbebetriebe» erkannt Hab« und, um desfelbm theilhaftig zu w«d«, ihre Söhne bei österreichischm Handwerke« in die Lehre gebm. Dst Reich« aadererseit» habm mit schnellem Blicke die Bortheile de» n«m Handel», gesetzbuche» mit seinem Conrmlverfahrm erkannt und waren die erst«, welche sich von dem alt« schwerfällig« Baarkaufgeschäft emancipirtm und auf Kost« dmtsch« und östeneichischer Häuf« gemeinschaftliche Bank«otte in Seme setzt«, bei dm« für eine Masse von 200,000 Guldm 1'/,°/, Abzahlung binnm drei Jahr« geboten, ab« nicht einmal gezahlt wurdm. D« gelehrte nord» deutsche Consul vr, Blau war d« erste» welch« ihn« bei dies« Handel»gaun«et störend in dm Weg trat, und ihn unterstützte wack« jm« jüdische Ehrmmann, d« seine Frau in ftänkischm Kleide« und L la francia frisirt erschein« läßt. Leid« Hab« die gelehrigen Snben dm ihn« von ihr« jüdisch« Mit-Rajah» gezeigt« Weg nun auch mit solchem Erfolge bettet«, daß jede« Geschäft mit BoSnim (und dem Fürstmthum S«bt« nicht minder), welche» nicht auf Vorauszahlung in klingmd« Münze b«uht, mit ein« Beschädigung unser« Expotteure abschließt. Jm Bmehmm unterscheid« sich die in Rede stehmdm spansschm