Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 5 (2.2.1870)
- Date
- 1870-02-02
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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- 43 Ehre da, wo lachende«, heitere« und freundliche« Leben im eigen»' strn Ginne de« Borte« sich zeigt — im Theater. Giebi e« wohl heute einen Theaterbesucher, der njcht schon aus der lvühne ein« Handeköfude» gesehen hätte? Im Gommer und im Winter ist der HaadelSjude eine stehende Figur. 8er hat nicht Couplet« mit angehört, in denen der HandeUjnde figurttt? Ein neue« Berliner Stück, da« in der preußischen Residenz, wo die grüßte Judmgemeinde de« NordbundeS ist, mehr al« hundert Mal aufgeführt wird, und natürlich auch auf daS Repertott der Provinzialbuhnen übergeht, betitelt: „Von Stufe zu Stufe'' bringt in einem Couplet unter verschiedenen Variationen üb,r da« Thema: „auf de» Ton kömmt» an", den uralten Witz vom: handle reiht", nach welchem der Handel«jude der» jenige ist, welcher da«Handeln betont, während der —(christliche!) Sämllehrer den Nachdruck aus da« recht legt. Ist solche» nicht kränlend für tm«f Muß da« un« nicht verletz«, empören? I» der zweite» Hälfte de« neunzehnten Jahrhundert« darf un« nicht auf der Lckhne ein Jude, fei e« al« Person, fei e« in Wort und Lied, mauschelnd und schachernd vorgeführt werden; e« ist endlich einmal ari der Zeit, solche unliebsame Carricaturen dem Auge de« Publikum« zu entziehen. Wie e« vor hundert Jahren zeitgemäß war, daß Lessing „die Juden" schrieb und auf die Bühne! brachte, sc ist e« heute zeitgemäß, den Juden mit einem Jargon, der lhatsächlich nur auf der Bühne noch sich vorfindet, von den Brett nm, die die Welt bedeuten, fern zu halten. Soll die Bühn« ihrer Aufgabe, die Sitten de» Volke« zu veredeln, getreu bleibe», fr darf sie nicht, um dem Janhagel auf dem Olymp") zu schmeicheln, Gestalten und Worte vorführen, die geeignet sind, > religiöse Feindseligketten und Vorurtheile zu nähren und zu wecken, i 8» muß un« Ehrensache sein, für die Säuberung der Bühne von solcher Fratzen und Zerrbildern mit ihren geschmacklos« und verletzender Manieren und Geberden Sorge zu tragen. Wie wtt da« können? Nun, bei der notorischen Neigung unserer Glaubensgenossen beiderlei Geschlecht« für den Theaterbesuch, ist e« ein Leichte«, sei e« friedlich und still, sei e« mit Eclat, dies« unsauber» widerlichen Gestalten zu verscheuchen und auf immer zu entfern«: durch die Preffe, durch Rücksprache mtt den Theater- Direktoren u. dgl. So lange wtt un« ruhig solch unzeitgemäße *) Ar ch weiter unten! (Red.) rmd höhnende Darstellungen mtt ansehm; so laug« wtt, vielleicht innerlich empört, unser Mißfall« äußerlich kund zu zebm un« scheu«, ein gezwungene« Lächeln gar haben, wo wir unsere «Kttrüstung an den Tag legm müßt«: so lange trage« wtt selber Schuld an der länger« Dauer de« Risch«», helfm wtt selber mit dtt stustern Mächte de« Binurthftl«, der Unwahrbett und der Unduldsamkitt zu nähr« und großznzieh«. Für unsere Eh muffe» wtt persönlich einsteh«, und e« ist unser wenig würdig, feig« oder gedankmlo« gleichgültige Zuschauer eine« Spiele« zu bleib« deffm Einfluß und Nachwirkung im Leb« fich gar oft ernst und empfindsam geltend mach«. Thun wtt da« Unsere uw unser selbst willen, um unsrer Kinder will« — eS gilt die Ehr, der Judeaheit und de» Judmthum«. Vielleicht komm« wir in einem zweit« Arttkel auf ein« Gchand- und Schund-Literatur zu sprechen, gegm die zu käinpfer un« gleichfalls Ehrensache fein m»lß. vr. Wallerstitn. (Nachwort d. Red.) Die hier beregtt Angelegmhrit ist schon vor Jahr« in der jüdisch« Presse mehrfach besprachen. <Sie ist von Belang, aber so leicht wie H. W. dtt Sache beseitig« zu könnm glaubt, ist e« nicht. Daß die auf der Bühn« carrikirten Typ« fich gar nicht mehr in der Wirklichkeit fänden, ist lettcr nicht wahr. Allzugroße Empfindlichkeit schadet auch oft. Doch ist noch manche« zu sag«, darum: m quid habe» rectius istis, candidua impcrti! Wochenbericht. Stettin, 27. Januar. Wir beginn« h«te mit einige« Sätzen au« einem „Hep Hep!" überschrieb«« Leitartikel der „Ostd. Ztz." vom 2l. d Mt«.: „Währmd Graf Brühl über die unangenehnre Grsellschast von Juden, Krämern und Postschriübem schimpfte, befanden fich bei dem Her« Salomo« v. Rothschild einige Herzige ge müthlich auf der Fasanenjrgd. Bor Kurzem schüttelte sich bei spaßhafte Schulrath Wantrup im Abgeordnetenhause trctz dei Krankmzimmertemperatu^: vor Frost, wenn er nur „daran denk«' sollte, daß ein Jude Offizier werden könnte» fast an dewselber Tage wmde ein jüdische,' Major in WieSbadm gettaut. Schuldentilgung, resp. Bereicherung, dimte. In Ungarn würden wtt 1886 ebenfalls ein Maffacre der Judm erlebt Hab«, wenn die pr«ßisch« Heere ttefer in da« Land gedrungen wärm und dtt Autorttät der heimisch« Behördm durch Vernichtung der kaiserlichere Landeövettheidiger ohnmächttg gemacht hättm; dieß habe ich cm« dem Munde ungarischer JSraelitm erfahr«, dm« .zufolge der ungarische Bauer und Kleinbürger damals an nichts Wetter dachte al« an Plündern und Todtschlag« der Juden. Wa« ich sonst über dtt bosnisch« Jud« erfuhr, ist nicht immer schmeichellast für diese Leutchen. Sie werd« beschuldigt fanatisch orthodox, erschrecklich unwissend und unduldsam zu fein, und jtt' soll« in i>iesm Punkt« die Judm Ungarn« wettuu« überlresse», obwohl diese von all« deutsch« Jud« am meist« zurück find, so daß ich aus der Dampffahtt »feine" Kauflmte unter ihnen kenn« lernte, dtt fich von ärmlich gekleidet« Bimer Judm den Inhalt edier Adreßkarte mußt« «tziffem lass«. Der niedr ge moralische und intellektuelle Zustand der bosnisch« Judm findet jedoch eine ou-reichmde Entschuldigung in d« Zustand« M türkischen Reiche«, und besonderder verwahrloste geistige Instand der bo«asschm Jüdin«« darf nicht befremd«, doch mvß ich gestehen, daß mtt der Su«d«ck von niederer Sinnlichkeit, gepaatt mtt Stumpffiu», wtt ich solch« auf d« meist« Gesicht,rn der von »ir gesehen« Jüdin»« bemerkt«, geradezu entsetzlich vorkam,, »ad meine Beobachtung« beschränkt« fich nicht bloß auf die reich« in KiffössaÜ beobachte! en Familien denn ich halt, auch Gelegmheit eine Grunde von Sarüjewo an der großer Miijütschka-Brücke eine zahlreiche Versammlung jüdii her Familier der ärmeren Klaffe im G>.irusse de» Landleben« zu überrasch« Außer dm in Rede stehend« Fiaum und Mldlben Hab, ich fteilich keine spanische Jüdinnen in Bo»nttn zu sehen be krmmm, weder auf der Sttaße» noch in Geschäs.m, denn fi> verdm türkisch gehalten und sind nicht, wie bei ur , dtt eifriger, und klug« Gehilfinnen der Männer, wtt e« tt.^st in jenen Lande die Serbin»« im Kaufladm sind. Zu dm Prostituttten stell« indess« die Mädchen der ärmer« jüdisch« Klasse ebmfall» ihr Eonttngent. L! änderbar berühtte eS mich al» ich in Bertschka an der S«a in dem vorttefflichm Ga'thofe de» österreichisch« Judm Ignatz (dem'ich «in« Gegenbesuch machte), ein dmtsche» Volkslied mit schöner (Stimm« und auSdruckSvo 1 fing« hötte, da» erste, welche« ich in BoSnim vernahm, un, beim Nachsehm ein hübsche« Judmulädchm «tdeckte, da« lach«) mim« Eomvlimentrn « floh. Ei war dtt Nichte de« Wttthei, dess« saubere und nette iZrau muh der Wttthschast sah und sich gleichzeitig bemühte, midi in verständiger Weis«! zu unterhalte», und dtt im Stande war mtt über alle« Auskunft zu eriheileiu Und doch gehört« diese Leutchen rmr unser« unter« Ständer an; aber welch' ein Uaüi chttd zwischm deutsch« und bosnischer Jüdmnm! Me Türk« brbm ein Sprichwort erfänden, loelche l