Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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38 Anstalt«, wie das Breslau« Seminar, besuche», um alt tüchtiger, taluwdifch und wisimschaftlich gebildeter Rabbiner ei» echter Volkslehrer zu werden. 6. 15. Januar. (Orig.-Corresp.) In bei» kommender „Bromb. Ztz." von gestem erhalten Sie den Wortlaut einer Petition, welche von den 34 Vätern der hiesigen 42 jüdische» Gymnasiasten an daS Provinzial-Schul rollegium gerichtet und unter Befürwortung der städtischen Behörden abgegaugen ist, während der Corporations-Vorstand Abschrift derselben dem Ministerium überreicht hat. Dasselbe ist von unserm «ackern vr. Davidsohn, Vorsteber der Stadtverordneten und der Synagogengemeinde, verfaßt un„ . -zieht sich auf die auch in Ihrem Blatte bereits (Nr. 1.) erwähnte Angelegenheit des jüdischen Religionsunterrichts am hiesigen Gymnasium. Es wird Jhrm Lesern kaum mit Abdruck des ganzen Textes der Petition gedient sein, wir haben leider stets dieselben Gründe vorzubrinzen und stets dieselben Ausreden, ja Sophismen, zu bekämpfen. Nur auf die Punkte, die hier anders und für die Juden günstiger als sonstwo liegen, mache ich Sir aufmerksam. Die hier im Jahre 1858 gegründete städtische höhere Knabenschule wurde, ebenso wie die Mädchenschule, von vornherein als eine ganz paritätische errichtet. Der Schulunterricht fiel am jüdischen Neujahr und Versöhnunzstage für alle Schüler auS, Freischule und Lehreranstellunz sollte für alle Confessionm gleich sein, und der jüdische Religionsunterricht in der Schule selbst und aus deren Kosten gegeben werden. Die ersterwähnte Bestimmung wegen der jüdische» Feste wurde vor einige» Jahren auf Befehl dB Cultus-Ministers ausgehoben, alles übrige blieb und bleibt zu Recht bestehend. Jetzt, da die Schule vom Staate übernommen worden ist, wurde auch der jüdische ReligioaS-llataricht md die Remuneration dafür gestrichen. Der Minister bat auf die dag:gen erhobene Beschwerde des Magistrats refcribirt: „Die städtischen Behörden könnten doch nicht ernstlich*) verlange«, hier eine Einrichtung fortbestehen zu laffm, die in keinem Königliche» Gymnasium vorhanden seit'. ES wird ferner gesagt, eS fehle im Etat an einer Stelle für jüdischen Religionsunterricht — also weil man eine neue Linie in die Schemata entschieden muß! — Ferner heißt es in der Petition: „Ebensowenig kann der Hinweis auf die anderen höheren Anstalten,' deren Lehrplan den jüdischen Religionsunterricht nicht enthalte, für diese Schule zutreffend und maßgebend fein, in welcher seit der Gründung mehr als 11 Jahre hindurch bis zum heutigen Tage dieser Unterricht mit Genehmigung der AufsichtS- 'behörde al» ein obligatorischer atheilt wird. Und selbstverständlich kann nur ein solcher, indem der ReligionSlehrer im Besitze der TiSciplinarzewalt, im Rechte der Cem'urertheilung verbleibt und dm Unterricht während der normalm Unterrichtszeit im Schullokale selbst ertheilt, von Werth uud Nutzen sein. — ES haben die Eltern der chriftlichm Schüler an der Nutzung der Anstalt kein größeres Anrecht erworben, auch niemals weder jetzt noch früher beansprucht. Und wenn der gegenwärtige Herr Cultusminister im Abzeordnetmhauie auf die Interpellationen wegm Beeinträchtigung der Rechte der Judm in dm Schulm wiederholt erklärt hat, daß ein Eingriff in die bestehmdm Rechte der bisherig« chriftlichm Schulen den alleinigm HinderungSgrund abgebe, dm Anfprüchm der Judm gerecht zu werdm, so fällt ebm diese« Hinderniß für das Schneidemühler Gymnasium fort, daS eine Simultan-Anstalt im Geiste der Verfaffung ist und nach der Absicht der Stadtbehördm bleibm soll. Daher ist auch *) Wenn wir uni recht erinnern, hat der Sulms-Minister, »der das Provinzial-Schul-Eollegmm, auch dem Breslauer Magistrat gegenüber diese oder eine ähnliche Wendung von „nicht Trust" gebraucht. Früher sprach man vom „beschränkten Unterthanenverftand", j-tzt ist man — höflicher: „Die Herren Lradträth« belieben zu scherz»n". (Red. d. isr. W.) die Berufung deS König!. Provinzial-Schnlcolleginm auf das Judmgesrh vom Jahre 1847 nicht gerechtfertigt; denn abgesehm davon, daß die Verpflichtung oe» Gemeindevorstande» zu Fürsorge für dm Religionsunterricht sich nur auf dir Kinder im schulpflichtigm After, somit nicht auf dm größer« Theil der Gymnafiastm, in keinem Falle aber auf die auSwärtigm Schüler bezieh« könnte, hat jenes Judmgesetz zweifelsohne in Folge der Verfaffung keine Geltung mehr. Am «migstm aber könnt« wir die Aufhebung oes jüdischen Religionsunterrichts, auf deffm Erhaltung wir ein Anrecht erworbm zu habm glaubt«, in dieser Stadt erwartm, die so gerecht verfährt, daß sie in der Töchterschule fest Jahrm für 2—3 Kinder, jetzt für ein einziges Kind, das vom Schulgelde beftett ist, dm kathoftschm Religionsunterricht mtt 50 Thlm. jährlich honortrt. Wmn Angesichts solcher Thaffachm nunmehr plötzlich der Religions-Unterricht unserm Söhnen mtzogm wird, so werdm nicht nur diese, smdern auch die chriftlichm Schüler den Religions-Unterricht für mtbehrlich zu eracht« lauen. Ueberzeugeude Gründe dafür, daß die Schüla da städtischm Gynmasim eines jüdischm Religions-Unterrichtbedürfen, daß derselbe aba im König!. Gymnasium überflüssig sei, kennen wir nicht und vamögm wir unseren Söhnm nicht mftzutheilm, und schwa wird eS uns wadm, diefelbm die Achtung vor dem Gesetze zu lehr«, wmn da Schutz deffelbm durch die Behördm uns mtzogm wird, denn auf Gruud da Verfaffung habm wir die Gleichheü vor dem Gesetze unbedingt zu fordern." II. Kaunvver, 1b. Januar. (Orig.-Corresp.) „Ich will kein reich« Mann ftin", sprach jma Schnorra, „im Gegeutheil, ich möchte da einzige Gascht sein und die Judm alle müßt« mir noch gute Worte gebm, daß ich ihnm ihre 2äolro abnähme". DaS siel uns ei», als diefa Tage hia ein Cirmlar vom Varia zur Beförderung von Handwerk«» unta dm Judm im ehemaligen Königreich Hmmova aosgegebm wurde. Da Vaei» hat 140 Lehrlinge aus seine Kost« auslanm laffm, 50 andere untastützt, 25 Meistan Vorschüsse u. dagl. gegebm, im Gauzm 10,200 Thlr. auSgegebeu. Die Mittel find ausschließlich in da Gemeinde da Hauptstadt aufgekommen, während die Wohlthatm' dem ganzm Lande zuzefloffm sind. Jetzt also gebt auch ihr Andern unS Geld, erwattet man als Nachsatz. Weit gefchlt! Jetzt habm wir noch Geld genug — wie viel, ist nicht angegebm — ain Niemand will eS unS abnehmm. „Trotz uns«« regelmäßigm öffmtlichm Aufforderungen ist die Wirksamkeit, ja die Existenz unseres Vereins nicht genügend bekannt". DaS Cirmlar würdigt die Vahälwiffe, dam Umgestaltung diesm seftsamm Geldübafiuß und Nehmmwollm- Mangel herbeigefühtt hat, richtig. Da» Nähae gehört nicht hiaha, aba e» ist auch die» ein „Zeichm da Zeit"*). Oesterreich. -E- Attofe«. (Orig.-Correjp.) Nicht um effektvolle Schilderung«, sondern um eine mhige, sachliche Darstellung unsna Zustände zu gebm, «bitte ich für meine Berichte ein Plätzchm in Ihrem gechrtm Blatte. Bei u«S zu Lande wird da Kampf zwffchm Fortschrittlern und Confavattvm mtt Erbitterung geführt. Ist a selb« ab« DW 0&6? DaS muß, ehrlich gesagt, verneint wadm. Scho» al» durch die Bemühung« einflußreich« GlaubeiiSgenoffm im Febmar 1868 durch da» CultuSministaunn 32 VattaumSmänner einbaufm wmdm, gelang e» einzelnen, sichalich ehrlichm aber üba die Folgm ihre» ThunS völlig unklarm Männau allaonS die Gemüther gegen die OrganisasionSpläne de» vr. Hirschler aufzurezen. Gleich dem Zaubalehrling aba vamochtm dann Jme die von ihnm wachgnufmen *) Wir trinunu uns kürzlich einen ähnlichen Bericht »der eine ähnlich« Klage aus Frankfurt a. M. (?) gelesen zu haben. Red.