Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 lefnitg bei Dr. 3m«J, mit weicher bet Cyclus bet „Dienstag». Vorträge' diesmal eröffnet wurde. Sr sprach über „IHrael'l gottesdienstliche Porste". — Die „9t. fr. Presse" berichtet über eine Voiesrmg des Dt. Güdemanu in Wien, womit derselbe einen Tyelu« von Vorträgen eröffnete, der« Zweck nach dm Sortm deS Redner« ist, dal Interesse für da« Historische im Judmtham zu weckm*). Au) Amerika bringt «nl der „Jlr." die wichtige Kunde, daß da« Judenthum gerettet ist. vr. Wise hat amgeordnet, daß von jetzt ab jeden Freitag Abend um 7 Uhr ein feierlicher Gottesdienst in der von ihm geleitetm Synagoge gchalten werdm soll, unt beweist auf 1'/» riefmgroßm und kleingedruckten Spaltm die unermeßliche Tragweite dieser Reform. Wir bedauem sehr, dies« Lewei« nicht ganz mittheilm zu könum. Nur ein«: »Man hat an« entgegmgehaltm, daß doch Biele Theater und Oper dem Tempel vorziehm werdm-. Nein, wir glaub« da« nicht. Die Herr« und Damm werdm zu un« komm« und ein andermal die fände«?] Künstler hören. Ja, die Direktorm der Theater und Operu werdm ihre Galla-Abmde von Freitag auf Sonnabmd verleg« müssen." So Herr Wise. Die Synagoge wird die Eoncurrmz de« Theater« schlagm! Bravo! In Triest starb am 21. December 1869 der Oberrabbiner Prof. Marc. Tedeicht im 52. Lebensjahre. Er war in Montferrat g:borm, wurde 1848 Profeffor der fchönm Wiffmfchaften und dann Rabbiner zuerst in Nizza, dann in ander« Städtm und zuletzt 12 Jahre lang in Triest. Er war Verfasser mehrerer Werke rnd besonder« all Redner gefeiert. Berichte und Correspondenzen. Weulschlaat. U ’gtetß«, 12. Januar. (Orig.^orresp.) Jbn Elra bebehaupt« t» daß da« Buch Esther au« dem Anlländischm in« .H»räische übertragm sei, weil der Name Sötte« nicht darin verkomme. Zu einem ähnlich« Gedankm wird man bei Durch. ' •) Wir «erde», sobald «» brr «am» gestattet, die «eserate über beide Vorträge abdruckm. (Ileb.) Pie Jude« in B"nie«. von Franz Maurer. («alzüglich «ach dem „Nurland".) (Fortsetzung.) Die Judm Bosnien« bedimm fich noch heute de« Spani» schm o!8 Muttersprache, sie sprechen aber — und die» ist mir von Slcivm auf Befrag« ausdrücklich versichert Word« — die Sprache der Eingebomm accmtfrei. Die Scheidung aller Judm der Welt*) tu zwei große Hauptgruppm, in spanische und in deutsche, ist eine höchst intereffante Thatsache und könnte, wen» vom Ursprung an erforscht, nicht blo« die wichtigstm Aufschlüsse über da» Leben der jüdisch« Nation nach der Zerstörung ihre« Reiihe«, fondem auch werthvolle Einblicke in die altm europäischm Verhältnisse gebe«; man dmke nur an die wunderbare Rolle» »»eiche z. B. Prag in der jüdischm Tradition spielt. Diese sprachliche Scheidung hat da« eine «»«erwählte Volk Gotte« in der Thal in zwei auSerwählte Völker auseinander geriffm und hat zu üner Aversion geführt, die nicht gut geläuguet werdm kan», d>»n die Judm spanischer Zunge haltm fich für etwa« Beffere« al« diejenigm unserer Sprache» sie vermeid« auch nicht •) iSon dem in der klnflSsung begriffenen BrnchtheU der tkaraiten nnd «der« SÄdnmern wirklich jüdischen Blnte», nicht blo« »osaischer Religion, die sich in Ihina nnd «nderentvrtrn gefunden haben, km» füglich abgesehen werden. Anm. d. Vers. lesonz der Hochschul.Statut« geführt. Da ist ängstlick, jeix- Erinnerung an dm religiös« Gehalt de« Judeuthaui« »«rauben W.ffmschaft ohne reliziöse Durchdringung ist kein jüdischer Ge> danke, ist au« dem Anlländischm übersetzt noaift« nK*r,|'N cm „ohne Gottesfurcht keine WeiSheir," lehrt« unsere altm Weis« und die Wissenschaft des JudmthumS, welche sie lehrten, hae« erhalt« in allem Wechsel der Zeit. Die jüdische Hochschul - soll iudessm ein parteücse« Institut werdm, oder vielmehr, du die« nicht angeht, soll keine Partei davon auSzeschlossm sein. Fragm wir jedoch nach d m Bürgschaft« dieser Berücksichtigung auch der konservativen Partei, so find« wir sclche im Statut nirgends autigesprochm. Der Schwerpunkt de« ganz« Instituts liegt im Euratorium und man hat allerdings Sorge getcag« daß bei der erst« 38ahl deffelb«, welche für eine Zeitdauer vor: fünf Jahr« gültig ist, die Hälfte deffelb« au« Männe« besteht die bisher für die conservativ« Jnteressm aufgetreten. Damtt is aber auch die Summe ihrer konservativen Gesinnung gezogen da ihr Leb« nicht auf jüdisch religiöser Gesinnung basirt, womii wft indeffen dies« Männiun, die unsere Hochachtung verdimm keineswegs zu nahe tret« woll«. Wir könnm also hierin kein, genügmde Sicherheit dafiir finden, daß das religiöse Jnrereff, deS Judenthums durch da» Projekt nicht beeinträchtigt werde. Bemerkmswerth ist e8 auch, daß man bei Beftagung von Sachverstäntig« gerade die Männer Übergang« bat, die wirf« lich praktische Erfahrung in dieem Punkte besitz«. Wir find« eS deßhalb vollkommen gerechtfertigt, wenn fich die konservativ« Mstglieder der hiesig« Gemeinde bei der Constitnirung de« Institut» nicht betheiligt haben, und könnm ihn« nur empfehlen, selbstständig dafür zu sorg«, das, eine Anstalt, welche hier schon besteht, dahin erweitert werde, daß sie als Vorschule für künftige Rabbiner dime. Wir mein« die Schule de« Talmud-NereinS, die mit gering« Mitteln zu einer Rabbinerfchule erweitert werdm kann*). Werden hier die rabbinifch« Studim gepflegt, so wird dem jung« Schüler auch die Gelegenheit nicht fehl«, sich die sonst aöthigm Kenntniffe anzueignm, und so ausgerüstet mag er dann anderweite, das religiöse Leben nicht ignorirmde wiffmschastliche *) Ueber den Vorschlag in Betreff de» Talmndverein« in Berlin haben wir kein Urtheil. Aus die Hauptfrage kommen wir nächsten» zurück. (Red.) bloß in Bosnien, sondern in Holland und Frankreich Heirathm mit den dmtschm Juden, ja die Sache geht so weit, das, beide Nation« auf finanziellem Gebiet eine feindliche Stellung zu einander einnehmm, und auf französischem Boden fich offen bei' ihren Finanzoperation« bekämpf«; ging doch der spanische Jude Pereira so weit, bei Gelezmheit de« Prozesses weg« seiner!>erüchtigt« fehlgeschlagmm Manipulation« offen zu erklär«, daß sein Sturz von den dmtschm Juden herbeigeführt werden fei, die unter sich allen Gewinn monopolisirtm und unter ihrem finanziell« Oberhaupte Rothschild daS ganze Börsengeschäft beherrscht«, eine Herrschaft, der er (Pereira) entgegmzutreten »ersucht habe, um dm spanischen Judm zu ihrem Rechte zu verhelfm »md dem Monopolisir« ein Ende zu machen. Man darf >.mnehmen, daß eS dem hinreichend gekennzeichnetm GefchäftSinarm mit diesem Geständniß nicht bloß um eine Jdealisirung feiner .Handlungsweise zu ihun war. Merkwürdig ist e«, daß die deutsch«, in der ganz« Welt zerstrmtm Judm fich dm spanisch« aus einem Gebiete unterordnen, woselbst man von ihn« eine Unterordnung am wenigsten erwart« sollte» nämlich auf dem der Aussprache de« Hebräisch«, indem Vorbeter und Chorsänger fich befleißig«, die heilig: Sprache (wie sie daß Hebräische im Gegensatz zur Alltagsoderllstuttersprache nenn«) mit sogmannter portugiesischer d. h. fpanifdier Aussprache vorzutragen. (Fons, folgt;