Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 4 (26.1.1870)
- Date
- 1870-01-26
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
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SS Geister -licht zu bannen. Denn nun führt« die aufgeregt«, durch Erdichtung« tu Lugst gesetzt« Orthod^e» im Kongress« die in parlamentarisch« Versammlung« unerhört« Scmen roher Withauöbrüche herbei. Jetzt wiederum geht daS Gerücht, der Preßburger Rabbiner erstrebe «ine offene Trmnung in Israel. Unglaublich — und wenn doch wahr, so ein n«er Beleg, wohin man durch Vorspiegelung« selbst die edelst« Charaktere treib« kann. Zu solch unseligem Schritte kann dieser allverehrte Mann nur durch die Lüge gedrängt Word« sein, als beabsichtigten die Neolozm, ihm die Erhaltung der ihm über Alle» theurm Jeschiba, des Vermächtnisses seines selig« VaterS, zu verbiet«. Unwahr uns erlog«, dazu ersonnm» dies« Freund deS Friedenunauflöslich mit der lUique zu verbind«, welche Verdummung auf ihr Banner schreibt und Abfall vom Judenthume l'ewirkt. — Die Majorität deS Landewill nicht mit unserer Ueberlieferung brechen, will im Gegenthe-l die Verbreitung unseres ureignm WisienS durch Errichtung neuer Pflanzstätten des Talmuds fördem. Wo liegt da das llnjüdifche? Ihr Rabbinen, die ihr wahrhaft ftorr m, gebt Euch nicht her zu Werkzeug« für die Männer, die, wie Korah, die ganze Gemeinde erregen — um selbst die Kührerstelle zu erlang«! Italien. Ftom. Wir Hab« fest dem Beginne des ConcilS hier unablässig Regengüsse, welche die ohnehin schlrchtbestelltm Straßen unzugänglich mach«, und mit so ungewohnter Hartnäckigkeit anhaltm, dich der FlavuS Tiber bereits alle tieferlkegmdm Stadttheile übi-rfchwemmt hat. Der Platz, auf welchem das am best« erhaltme auf unsere Zeit gekommme Meisterstück alter Baukunst, daS Pantheon, steht, die nach dem Vatikan führmde und andere Straß« sind theilweise unter Wasser. Am ärgst« find jedoch die armen Juden daran, in der« Ghetto daS Flußwaffer bereits über daS Erdgeschoß gedruugm ist. Die unglückliche jüdische Bevölkerung RomS ist, wie Sie wohl wtff« werdm, in einem der ältest« Stadttheile zu wohn« verurtheilt, wo sie in dm mgstm C-ttaßen in vierstöckig« Häusern deS gebrechlichstm AlterS und in wahre» Höhlen von Lad« ihr« Handel und Wandel treibt. Roch unter dem früher« Papste Gregor XVL wurde dieselbe mit einbrechender Nacht von der übrig« Stadt durch zwei grosie Eismgitter abgeschlossm, waS bei Feuersbrünsten oder plötzlicher- Ueberfchwemumnzm ebm nicht sehr väterlich war. Aber auch heutzutage ist dm Judm nicht gestattet, sich in ander« besser gelegmm Theilm der ewigen Stadt niederzulassm. Ja, übe> zehntausend Menschen iind verurthellt, jährlich eine Ueberschnemmvng zu besteh«, welche ihre Waar« beschädigt und ihr Leb« in die größte Gefahr bringt, da daS Wasser meist«» über die Erdgeschosse bi» in den erst« Stock dringt. — (trifft Ztg.) Litera turbericht.*) OffsttzS von Max Müller. Zwei Bände. Leipzig W. Engelmann. 1869. Der erste Blick in da» schöne Werk de« berühmte» Sprachforscher» lehrt, »«»halb wr hier seiner gedenk«. ttl zeigt in meisterhafter Skizziruug ei» Gebiet, bat erst seit Stauern entdeckt, »och jetzt säst gänzlich uubekmmt ist. E» eatwirs den Plan zn einer Wissenschaft, die »ach Müller» großartiger Lnschmtong „der Welt einen ne»en Anblick verleihen wird, der letzten aller Wissenschaft», tmlch« die Menschheft an»zuarbeitea bernfen ist", einer Geschichte de» religiöse« Glauben» der Menschheit. Große Entdeckung« sind in «nserer Zeit gemacht Word«, di« e» erlaub«, an die Möglichkeit einer solch« Wifenschaft zu d«ken. Di« kanonisch« Bücher von drei Hauptreligioa« der altei« Welt stad avfgesund« Word«, der Veda — denn e» giebt »ach Müller nur Lin« — da» Zendavesta, da» Dripftaka der Buddhist«. *) stteceastontezemplare bin« wir der Schletterfch« Buchhandlung in Breslau übirsend« zu «oll«. Red. iki» neuer Geist der Forschung hat neue» Sicht auch über die semitischki Religion« verbreitet. Die Götzenbilder de« Bel und RiSwch steh« «jede, vor unfern Augen. Au» den verfall«« Tempeln Aeghptenl hat «an Bruch, flicke geholt, um da» PaMheoa fr* uralten Saude» wieder herzu sie Len. Amt die Religion« Ehiaa», der wianischen Biller und «me 'ka» find, man kam sag«, wiediw entdeckt Word«. Nur einzelne «nffä?e über diese Stoffe enthalt« Müller'« Essay» aber Auffätze, die uirg«d» die Hand de« Meister« vermiss« last«. Mülle, vertheidigt hie und da sein Werk gegen Angriffe, wie sie in dem äußerlich streu, kirchlich gesinnt« England nicht ausgetliebm find. Wir bedürfen diesei Stertheidigurig nicht. Wann hat da» Jndimthum die Bergleichuug mit ander, stleligioam gesch«t? Ja, da» Werk Mt ller» selbst wehrt Angriffe ab, di» eine falsche Wissenschaft gegm da» Judearhum gerichtet hatte. Bekaanckich hat Renan dem zwischen Bolle da» Vorrecht, allein von allen Bolle« der Monotheismus gelehrt zu Hab«, ^gesprochenund ein« monotheistischen Instinkt für alle Semiten beansprucht. Ja glänzender Weise widerlegt Müller die Renan'sche Hypothese. Wir lönam nicht näher kierauf eingehen, aber ein« kurz« Au»zng diirs« unsere Leser von un» ve.langen. Müller faßt in folgenden Worten da» Resultat seiner Forschung zusammen (Sb. I. S. -*97 ff.): „Anstatt ein« nioaotheistischen Instinkt aanehmm zu müsien, der jedem Tliede der semitischen Familien angeboren ist, können wir den Glauben an den einen lebendigen lllott aus d« ein« Mann zurückführe a, iu oem alle Geschlechter der Erde gesegnet «erden soll«. Wmn wir von unserer frühest« Jugend au zu Abraham, dem Freund Gottes, mir Liebe und Verehrung mf.jrfrluft haben, wmn wir unsere frühesten Begriffe von einem wirklich gorteSslirchtig« Leb« t» wandel ihm entnahmen, der da» Land seiner Väter verließ, um, ei» Fremder, zu wohnen in dem Lande, in da» Gott ihn be«f«, der nnmer auf die Dttmme Gcttes hörte, ob diese Lumme ihm einen Lohn für sein Alter verhieß, oder ihm befahl, diesen Lohn, seinen einzig« Lohn Jlaak zu opfern, so wird diese ehrivürdige Gestalt noch ehrsurcht-gebietender in un)',» Augen, wenn wir in ihm d'e Quelle de» Glauben» seh«, der alle -üolke verknüpseu sollte . . . „Und ftagt man un», «voller Abraham einzig und al te nicht nur da» erst« Schauen von Sott hatte, durch da» er sich der ganz« Menschheit offenbart Hut, sondern wie -r auch, indem er alle ande« Kotter abschwor, zv: Lr> kenntniß des einrn Gotte« kam, so genügt un» die Antwort- Durch persönliche, göttliche Offenbarung. Wir ergeh« un» dabei nich: in theologischen Phrasen, so ade« wir nehmm jede» Wort in seiner voll« Bedeut,,ng. Der Vater der Wahrheit wählet seine Prophet« und spricht zu ihum in einer Stimme, die sülrter ist al» die Stimme des Donner». 2» ist dieselbe innere Stimme, durch die Gott zu un» all« spricht. Liese Stimme inag schwächer wtd schwächer werdm, bi» wir sie kaum mehr vernehmm; st; kann ihren göttlich« lklang verlier« und sich in die Sprache der gewöhttlilijen Weltklugheft verwandeln, .aber von Zeit zu Zeit nimmt sie für die Aurmvühlten Gotte» ihr« wahren lklang wieder an m»d erlöut ihrem Ohr ivie eine Stimme mm Himmel. Ein göttlicher Instinkt" klingt vielleicht wissenschaftlicher und wmiger theologisch, ist aber einer«eit» keine paffend« Bezeichnung für das, mit eine Gabe oder eine Gnade ist, die nur wenig« zu Ts eil gewerd«, wtd andererseil» durchaus kein uiiffmschastlucherer, d. h. verständlicherer Ausdruck al»persönliche Offenbarung." staun ein Prediger mit i»migeren Worten die Smdnng Abraham'» vertheidig«, al» Map Müller geg«.Renan e» thut? Ein gcündliiherer Forscher al« der berühmte Berfnffer de» Leben» Jes» ist Spiegel. Auch dieser Geleljrle har manchen Jrrthum in sein« Arbeit« über die Ze.idreligion sich zu Schulden kommen lass«. £i hat aanehmm zu müff« geglaubt, daß Abrah-mi und Zoroastrr in «gstem Verkehr mit rinander gestand« haben» daß viele Aasihauuug« der heilig« Schrift perfisihem Liaflaffe zuzuschreiben sei«. Wir müff« leider hier darauf verzichten, auch au» dieser Partie rmige Auszüge zu geben, und nur der ausriihtigr Dank soll dem lörrsaffer für ein Werk nicht vorenthaltm werdm, da» wie wmig andere dem Lai« und dem Gelehrten eine willkommene Gai« ist. J. Neueste Nachrichten. A»t«reü, 20. Januar. Die amttiche Zeitmz enkhält ein Rundschreiben deS Ministers Cozalnitfcheano. dciS die Behörde avweist, die Gesetze gegen das Anwacksen der jüdischen Bevölkening im Lande mit Strenge in Ausführung zu bringen. Btitffafcn der Redaktion L. in She:f. Unbegreifliche« Mißverständnis! Freilich habe ich selbst gesagt: „Worte find der Dmttlrg fähig." Sa« sie sag« wid wollen, weiß, will und sage ich auch. Wozu »ilfo die Ihrig« abdruck« V loaeUi #ri. Immer noch nicht zu gedenk«?! Wenn Gründe — ja — Ihre Bescheidenheit aber gebt mich nicht» in!