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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-26 · 4 (26.1.1870) · p. Seite 36

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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3« ehren, so bleibt nicht« «etter übrig, als diese Frage im Wege der Gesetzgebung zu regeln. In Folge dieser Erklärung wurde die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen." Ueber die Verhandlungen der Delegirtm» Commission für Wärtemberg (s. Nr. 2) bringt der „Israelit" ausführliche Berichte. Die Kämpfe find heftig, die Angriffe gegm den „Ober- Kirchmrath" bitter, die Vertheidigung und die Vertheidiger desselben schwach. DaS Institut, einst vielgepriesen, hat sich vollständig überlebt. Die Zeit für das Reglemmtiren und von oben her Rescribiren ist vorbei. Von einzelnen Details werden wir berichten, wenn der Abschluß der Verhandlungen vorliegt. Die badische Abgeordnetenkammer hat mit allen gegen eine Stimme den Gesetzentwurf angenommen, wonach an allen Gelehrtenschulen Lehrer jeder Confesfion angestellt werden können. AuS Görlitz berichtet die „Bresl. M.-Ztg." von der Beerdigung des zur freien Gemeinde gehörigen ehemalig« Abgeordneten Hoffmaun, bei welcher, da kein christlicher Prediger sprechen wollte, der dortige Rabbiner Freund die Rede hielt „und auf die Zuhörer eine tiefe Wirkung hervorbrachte"'. AuS Rußland fortwährend Klagen. Die Vertreibung aus den Grenzstädten Bessarabims ist bis zum Frühjahr aufi geschoben, aber nicht aufgehoben. Auf diese Angelegenheit bezieht sich auch die angerufme und gewährte Verwendung des Präsidenten Grant, nicht, wie nach der bereits per Kabeltelezramm bekannt gewordenen Nachricht*) anzunehmen war, auf die Lage der westrusfischm Juden. Wir entnehmen dm neuest« amerikanisch« Blättem noch die darauf bezügliche Notiz, daß, als der russische Gesandte in Washington die Ausweisung in Abrede fieQte (si fecisti nega), die Deputation der Loge „BnaiBrith“ alsbald in Europa telegraphisch anfragte und die Antwort erhielt: „Expatriations commencent, continueront sans «laute an printempa". — Nicht weniger Entsetz« unter unser« arm« Glaubensgenossen vc-rbrettet der ebm. erfolgte UkaS, welcher dm Juden diePflicht auferlegt, bis zum 31.Lebensjahre zum Milttairdienste gezogm zu werdm, während die Christ« nur bis zum 23. Jahre diese Verpflichtung Hab«. Zwar enthält jmer UkaS auch eine große Vergünstigung für die Judm, *) Durch Berseheu ist diese m der «origen Nummer d. Bl. wieder »bgedrmlt. sie werdm vom Miiitair ganz frei, wenn sie — sich tauf« lass«! — Da« unlängst gemeldete verbot de« Bane» einer Synagoge in MoSkan wird von russisch« Zeitung« in Abrede gestellt. Die Judm in Moskau wollmeine Schule gründm und mit dieser eine Synagoge verbinden, die» werde ihn« nicht verweigert werden, fall« die Unterrichtssprache die russische sein solle. Da« „Journ. d. Döb." berichtet, daß zwei Brüder Hillel Ben-Mauoach in Bukarest 150,000 Frc«. gespendet und der Universität al» Unterstützungsfonds für rumänische Studtrende, ohne Uiüerfchied der Confesfion, welche ihre Studim an ausländisch« Hochschulen fortsetz« wollm, überwies« habm. „Die Herr«", setzt das „I. d. D." hinzu, „habm damit nicht nur ein« Akt der Großmuth, sond-rn vielmehr ein« der Weisheit geübt. DaS sicherste Mittel geg« Bwfolgungm in jmm Landm, in dm« noch die Geißel des Reiigionshasses wüthet, ist: „die Verfolger in die Schule zu schick«". Hoff« wir, daß da« rumänische Parlammt diese» Unterrichtes nicht ^edürfm nnd e» von selbst begreif« werde, daß, so eS da» Land d« Weg rivilifirter Nation« befchreüm läßt, eS nur fein eigmeS Interesse fördert und feine eigme Ehre." Eine charakteristische Anekdote auS Rumänim geben wir nach dem „Maggid." Ein Rumäne ttat in ein« Bäckerladen, gerieth mit dem Inhaber in Sttett, weil das Brot zu klein fei, und prügeüe ihn durch. Deßhalb angeklagt, wurde er freigesprochen, weil — der Bäcker wie ein Jude ausgesehm habe, der Attentäter also in dem gut« Glaub« gehandett habe, er mißhandele nur einen Juden. Gegm dm Protest, welch« vr. Rülf zurückweist <s. v. Nr.), erhebt auch der Redaktmr des „Maggid" Silber mann, ebmfalls Mitglied deS KömgSberger Comitö, feine Sttmme. Er spricht sich zwar sehr schonend aus, gibt aber doch d« Protestirmdm zu bedenk«, daß sie sich, übereilt habm, und daß zu ihr« Be» .. fürchtungm gar kein Grund vorliege. In London ist eine jüdssche Suppmanstatt errichtet worden. . Aus Hamburg wird daS 50jährige Doktorjubüäum deS Arztes H. M. Cohen seu. berichtet. Die Festlichkeü« find die üblich«. ErwähnmSwerth ist jedoch, daß der Jubilar über 2000 Mark an verschiedene WohlthätigkettSanstaltm gefpmdet hat. Wir erwähn« noch zwei Vorlesung«. Die „Boss. Ztg." berichtet ausführlich über eine am I I. d. MtS. gehattme Vormalige Christenthum war in theologisch« Spitzfindigkett«, Sekten» haß, Menschenvergötterung, Bilderdimst und Reliquienverehrung auSgeartet-: Die Verkündigung des ein« geistig« GotteS, der Ergebung in sein« heilig« Will«, der durch ein sittliche- Leb« zu erringend« Seligkett des Paradieses hatte da ein gutes Recht und wird es behaupt«." Im Koran und in der Sunna, d. h. der mohammedanisch« Tradition, der« ganze Entwickelung, beiläufig gesagt, sehr merkwürdige Sehnlichkeit« mit der jüdisch« Tradition aufweist, finden sich nebm manchem Kleinlich« mb nach unser« Begriff« Ungehörig« viele erhabme Sittenlehrm und Lebensregeln, die auf die großen Massen wohlthätig wirkt« und in einer bedeutmdm Anzahl dmkmder und inniger Verehrer dcS Islam die Sütmreinhett geradezu bis zm ideal« Höhe steigert«. Der Islam war berettS einige Menschmalter nach Mohammeds Tode eine Weltmacht gewordm und hatte sich von seiner Geburisstätte Arabim aus über ganz Kleinasim, nach dem Gange« und Kaukasus, nach Nord-Afrika und Spam« hin verbrettet. Im Ganz« genommm hat das Judenthum wmiger Ursache, sich über diese seine jüngere als über die ältere christliche Tochterreligion zu beklag« Die Bekenner deS Halbmondes habm dem Judenthum bei Weüem nicht so tiefe und nachhaltige Wund« geschlagm als die Bekenner deS Kreuze-. Die Geschichte der Judm unter arcriischer Herrschaft ist ftettich auch reich an dunklm Blättem, aber im Allgemein« viel lichter und erftmlicher als die Geschichte der Judm in dm christlich« Reich«. DaS rege wiffmschaftliche Treib« unter dm Arabem hat in jüdisch« Kreis« bedeutend nachgewirkt und Männer wie Saadias, Gabttol, Juda Halewi, MaimonideS u. A., die al» tteffinnige Denker und Dichter ein« ehrenvoll« Platz in der allgemeinen Weltliteratm einzunehmm berechtigt sind, habm ihre Amegungm aus mabisch« Quell« geschöpft und ihre Werke znm Theil in mabsscher Sprache veröffenllicht. Bei all« Auswüchsen und Verschrobenheit« ist doch der JSlam eine großarttge historische Erscheinung, er besteht nun schon zwölf Jahrhundette und hat sich zu mehr alS 100 Million« Herz« dm Weg gebahnt. Der größte jetzt lebende Kenner de« Islam AloiS Sprenger, selber ein Christ und zwar ein katholischer Christ, stellt dm Islam über da» Christmthum, da«, wie er sagt, Aberglauben, düstere Weltanschauung und Religionszwang beförderte, das nach einer nicht übertrieb«« Berechnung 9 Million« Hex« und unzählige sogmannte Ketzer verbramtte, während der JSlam bei fein« besser« Bekenne« eine wahre Helligkeit deS LebmSwandelS erzeugte. Anstatt diese einschneidende Behanpttmg anzunehmm, wollm wtt lieber die gut« Elemente, die in beiden Region« Vorhand« sind, hervorkehrm und auf ihre erste Quelle, die jüdische Religion, znrückführm.

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