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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-26 · 4 (26.1.1870) · p. Seite 35

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
4 (26.1.1870)
Date
1870-01-26
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 Sfr |c$en dabet von denen ab. die nur de« Name» nach de« Jndwithum« angehörm und der«» Ausscheide« den Gemeinde» t» religiöser Beziehung mehr nützt, al» <f materiell schadet. CM gtebt »na dagegm nur ein Mittel, welche» dergleichen Zwistigkeid» im Keime unterdrücke«, und wenn st« thatfächltch geworden, schlichten kann, nämlich: wenn die Gemeinden durch frei« Bereinigung sich eine Organisation gebe», und auf diese Seife sich ein Forum schaffen, dem stch zu unterwerfen Ehrensache jede«» sein Bolk und seine Religio« liebenden Juden sei« muß. Sir wollen uns klarer »«»sprechen: wa» der Leipziger Gemeindetag für ganz Deutschland sei» wollte, leider aber durch sei» Zusammengehen mit der Synode vorläufig*) selbst vereitelte, möchten wir zunächst für die einzelnen Provinzen in» Lebe« gerufen sehen. Di« Hauptgemeindm jeder Provinz möge» gewählte Vertreter jeder iöemeind« zu einem Orovinzial-Gemeindetage derufen. Hi« ist zunächst eine angemrssme Organisation zu be- Wicken, G.-sammtangelegmheitm zu berathe« und etwaige Differenzen innerhalb der einzelnen Gemeinde» zu schlichten resp. zu entscheiden. Sir können hier nur Umrisse de» Plane» andeutm, der, wenn er Anklang findet, sicher von geeigneter Hand eine spectellere Aufführung finden wird. Aut solche» Provinzial- Gemeindelagrn wird dann mit Letchttgklit ein allgemeiner deutscher Jsraelitentag hervorgehen, wen«, wie wir hoffe» dürfen, dabei von aller Einmischung in religiös«Frag« abgesehen wird.—) Schon da) Bewußtsein, daß die Angelegenheit vor einer größerm Versammlung zur Verhandlung, kommt, wird Manchen abhalten, seinen Lrctz und Eigensinn, bekanntlich echt jüdische Eigenschaften, zur Geltung zu bringen. Daß dies« Idee durchaus nicht chimärisch, daß fl« praktisch aufführbar, kann Referent au» Erfahrung Nachweise». Wir waren . selbst vor «ehr al» einem Jahrzehnt Mitglied elner solchen Versammlung von Gemeindevertretern, die in einer Provtnzialstadt abgehalten wurde. Die Verhandlungen, ganz parlamentarisch geleitet, machten aus all« Anwesenden einen erhebenden Eindruck; die gefaßte» Beschlüsse konnten freilich nur thellwelse zur ») »wr auch nur verlsnfi-, »tr baffen tit Q«fk. (Ktb.) **) $i« ist freilich M Vieser »ngeteßenhes» »ich« «chgltch, aber u«. parteiisch» »erechriMt maß -esrrvert wer»«. (IM.) Aufführung komme«, weil sväter politisch« Stowt hindernd dazwischen traten, aber alle Anwesende« hatte« da» Gefühl der Zusammmgebörigkrit gewonnen, «a» an stch schon ein Gewin» war. Möge durch diese Anregung eine weitere Besprechung, wozu dick Blatt hoffentltch seine Spalten nicht verweigern wird, angebahnt und dt« Ausführung dck Vorschlag» herbeigefühck werden. Wochenbericht. Stettin, 20. Januar. E» gewinnt ganz de» Anschein, al» ob der Gegenstand, den der vorstehende Artikel bespricht, di« Frage der Neugestaltung der Grundlage jüdischer Gemeind« in Preußen, nicht mehr von der Tazckordnunz schwinden werde. Sir haben, mag ck auch zufällig geschehen sein, unsere 'tote Ueberficht damit begonnen. Die Schatten, von dm« wir damals gesprochen haben, kommen rasch näher, die Solken ballen sich zusammen, ck heißt allerdings: „fchaffck Rath, was wir rhun sollen!" Sir beginnen auch heut« mit einer einschlägig«Notiz; daß solche da» erste Interesse in Anspruch nimmt, leuchtck gewiß ein. vr. Rosen stock in Rössel hatte seine« Austtitt au» dem Judmthum erklärt, ohne zum Chrtstmthum überzutret«. Die Gerichte und in letzter Instanz da» ostpreußische Tribunal hatten ibn jedoch, auf Anruf« dck betreff «dm Gynagozmvorstandck, angehaltm, die Cultussteuer weiter zu bezahl«. Rose «stock wandte stch schon in der vcrigm Sessic» an da» Abgeordnetenhaus und wiederholt in diesem Jahre seine Petttton. Au» dem Bericht der Pettttons-Eonimiffion «taehmm wir Folgmde»: „Der Regierungscommtssar erklärte, bei Justtzmtnister habe dem ostpreußischm Tribunal die Erwägung anheimgegebm, ob dasselbe sich nicht der Auffassung «nschlftßm wolle, welche bei ander« Appellattonsgericht« und >uch im Justizministerium vorherrsche und wonach dm Judm allerdings gestattet sei, au» dem Judmthum zu tteten, ohne zum Eimritt in die christlich« Kirche gezwung« zu sein. Da» ostpreuhisch« Tribunal sei aber bet seiner Auffassung steh« geblteb-m, und da der Justizmtnlster kein wetterck Mittel hat, um da» Uttheil dck Tribunal» zu «edifiltchft» sti dm Weg ttaten. In demselbm verhlltntß, al» der Stderstard der Judm gebrochm ward, vergrößerte sich Mohammed's Mrcht und Einfluß auf die Araber, und Mchammed konnte bet feinen Tode auf dt« von ihm begründete Lehre bereits al» ans ein« dauemd«, in dm Gemüthern haftende Schöpfung bltckm, obgleich er selber etgmtltch nur dm Grundstein zu dem Gebäude gelegt hatte, da» von dem Chaltfm Omar, der im Islam ungefähr dt rselbe Roll« wie Paulus im Chrtstmthum spielt«, weiter ausgebaut und gefesttgt wurde. Wie gering man auch von dem Koran denk« mag und wie eigmthümltch, ja sog« lächerlich uns manch« Erzählungen, die Mohammed von sein« jüdischen Lehre« an» der heiligen Schrift und Legend« vernahm wrd in seiner Seift entstellte, auch vockommm mögen, so enthält doch der Koran «ich manche in dichterischer wie in sittlicher Beziehung vortrrfflühe Parthtem und ein« Fond» von Moral, der mächtig zur Gittigung und Veredlung der wild« Beduinmstämme beitrug. Eoeth« sagt: „der Styl dck Koran sst frfnent Jnhatt und Zweck gemäß groß, strmg, furchtbar, stellmwet» wahrhaft erhaben; ck treibt ei» Kell dm andem und so darf sich Niemand über die groß« Wirksamkeit dck Buchck verwundern." Dat Judenthum darf da» Gute im Islam theilweise als sein Eigmthum in Anspruch nehmen, wie ck für die Auswüchse dckselbm die Berantwocklichkeit ablehnen kan». Man muß sich auch wohl hütm die Vedmtung dck Islam al» Religion nach dm Strkungm die fle vn» in der groß« Mmfder Mohammeoaner mrgegmbring', zu beurtheümr ck wäre d^ck ebenso l falsch, al» ob wir dm G halt dck Jrtbmtbum» an dem Maß-! stabe schwärmertschm CH« ifidtsmu»' i'rurthetlm wollt«. Jede ' Religion wird von einem größer« ot,.<r geringer« Thto« ihrer! Bekenner abwetchmd von :«m ursprü» glich« rein« Geiste aufi gefaßt und muh sich mannigfache Entstiungm und Verzerrungen I gefall« lass«. Es ist ibmsowmig Schuld des Islam, daß! feine heutigen Bekenner in der Cultur zurückgebliebm find, ai»! ck da» verdimst dck Ehr, tenthum» ist, die moderne Cultur er- I zeugt und gesegt und gepflegt zu habe». Sie wissen ck, di« moderne Eultnr hat sich nicht etwa unter dem Schutz« des Christ«, thum», vielleicht eher ttotz der wmig blldungsfreundltchm Rtchttmg dck Katholicismu» durch da» Zusammemvirkm ai derer hier nicht näher zu befprechmder Umstände Bahn gebrochm Llnderersett» ist festzuhattm, daß unter der Herrschaft dck Halb mond» sich im Orient und in Spani« eine Blnthe der Kuns und Wissenschaft entfalteie, die von der damalig« christlich« Srlt kaum verstand«, geschweige «reicht wurde. Auch wirb vor gmaum Kmnem dck Islam di« Ethik, di« Sitter lehr« bckselbm wett über die christliche geteilt. „Gegenüber dm Dogmat unl Satzung« byzanttnsslher und indischer htoester—sagt M. Carrtdri — war Mohammed» Wort dem verstand eine einleuchtend« Lehr« und dem Herz« ein leicht»» und wohlthätigck Gebot. Das da-

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