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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-19 · 3 (19.1.1870) · p. Seite 30

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
3 (19.1.1870)
Date
1870-01-19
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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schul«') zählt, so komme« im ganze« Staate auf je 10,600 Katholik« nur 23,««, auf 10,000 Evangelische 37„«, auf 10,000 Juden 226,,, Schüler einer höher« Lehranstalt.' Wir Hab« zu diesem glänzende.'! Zmgniß nur hinzuzufügm, daß wir auf eine „Parität", welche u JuLm besondere Gymnasim re. zuerkennt, selbst wmn diese au» dem Staat»sä«kel unterhalt« «ürd«, nicht blo» Verzicht«, sondern sogar dazegm auf da« Entschiedenste proteftirm würdm. Dageg« verlang« wir nicht vbn der „christlich« Liebe", fordern fußend auf unserem verfassungsmäßigen Rechte, daß an dm Gymnasien :c. jüdische Lehrer angestellt werd« Was aber dm Schmerz de» ultramontan« Blatte« über da» Streb« der Judm, ihr« Kinde« eine höhere Bildung zu gebm, bettifft, fo sagen wir dazu ■JK,»1 .jo« ruir irre byz m «»4M4. Oesterreich. •|* Me», 5. Januar. (Orig.-(?orresp.) Soebm ist der Jahresbericht der hiesig« Gemeinde-ReligionSschule erschimm, welcher das n«e in der Schulconferenz unter dem Vorsitz de» verdimstvoll« vr. Kompert festzestellte llnterrichtsprozramm enthält. Dem Programme geht ein sehr umfangreiche«, vom Religionslehrer Hammerschlag verfaßte» Vorwort voran, da« die Rothwmdigkeir de» hebräischen Unterricht» darthon will. Leider bedarf e» hier noch, oder vielmehr jetzt erst recht eine» solch« PlaidiyerS. Dmn für sehr Viele ist die freiere Entwickelung de» Judmthum» gleichbedmtmd mit der Verringerung der hebräischen Studien. Da» Vorwort ist mit Warme und wissenschaftlichem Ernste und — wa» man hier nicht von all« hebräisch« Erzmgniffen sag« kann — gut geschrieb«. UMer den Auszeichnung« der letzt« Zeit ist auch die Er» ncvnnuz de» sehr tüchtig« Direktor» der Taubstummmanstalt, Jo»l Deutsch, zum kaiserlich« Ratb zu erwäbnm. 8. St«hk»eitze»t»rß, 3. Januar. (Orig.-Corresp.) Gestern wurde ein Trau«gotte»dimst für dm verstorbmm Rabbiner I)r. M. Zipfer zu Rechnitz (geb. 1815, gest. S. Decbr. v. I.) in hiesiger Synagoge abzehaltm. Der Verewigte hatte vierzehn Jahr hier gewirkt, bi» er in Folze von Kränkung« und Verfolgung« feine Stelle niederlegte. Die Angelegenheit eine» Scheidebriefe« lor) führte, wie die Predigt sagte, feine Scheidung von der hiesig« Gemeinde herbei. Diese Predigt wurde von Hem» Oberrabbiner 1)r. Kohut im Beisein zahlreicher Hörer, oanurtrr auch vi-ser christlicher Mitbürger aehast« und machte dm tiefst" Eindruck, wie die» nach Ferm und Inhalt derselbm, nach dem Gegmstande, wie nach dem glänzenden Gewände, in welche» er gehüllt ist, nicht ander» sei» konMe. Die Predigt wurde al»bald gedruckt vertheilt, der Erttag ist der Wittwe de» edlm Verblich«« gewidmet"). — *) Au», t» Ne». 2« liege» uni nach ein ausführlicher Berich« »her dies« steier, di« erwähme Predig!, Bericht über eiue ähnliche au demselben Zey i» Pest drrch Rabbiner vr. Loh» gehalten, Trauerrede, dazu in de» ungarische» Blättern zahlreich« Berichre, Reftiloge u. f. w. vor. Wir gebe» auszüglich einige Notizen. Der sel. Zipfer Ixsaß große Belehrsamkei», war Schüler hervorraqeuder Talmndiften und ha« durch schriftstellerische Serke sich wohl bekannt gemacht. All >852 Verhandlungen über Zulassung der Jude» zum englischen Parlament ftattsaoden, schrieb er ein Büchlein ,Mergpredigt", in der, er nachwie«, wir sämmUich« gepriesen« Seulenze» jener dekannten Predigt den. Talmud und den Midraschim entlehut seien. Lieft klb- Handlung ftll damal» in England bi« in die höchsten -reise hinaus bedeutend« Wirkung geäußert habe«, so daß Z. mit Rech« von seiner Brochure rühmte, daß sie viel zum Siege der guten Sache beigetrageu habe. Er pflegte i« Hiubliek auf diese» Erfolg zu sagen rn» m~ vrs nrp V „mancher erwirbt sich durch kurze Arbeit unsterbliche» verdienst". — Wir erfahren ferner, daß er ein handschriftliche« Werk .Zosephur und oer Talmud" hiuterlaffen, und machen gern auf dasselbe aufmerksam, wünschen daß e» dem Druck übergeben werde. Bon deu edlen Eigenschaften de» Berstorbrar» wird, wie wir auch hier hervorheber, seine Wohlthätigkeit nicht nur in de» Worten der Nekrologe und Eedächtnißrelxa gerühmt, sondern e» werdeu rührende Beispiele angeführt. Desto traurige,, daß er seinen Hinterbliebenen nur de» guten Namen hinterlassea und daß fix diese schier am offenen Grate Prlttütreich. 12. Januar. (Orig.-Eorr«sp.) Die diesjährige Generalversammlung der Allianc« bn»lite UnivMwll» findet am 8. Februar statt. Dt« vorfitzrnd« und Mitglieder der Zwetgveretne «erd« dringend etngelad« (lnstammentprtö) daran Thetl zu nehme». TtgeSordnung: Bericht über dt« Arbeit« der Gesellschaft; Rede de« Prästdentm; Kaffmbericht. Wir mach« Sie auf d« Bericht de» vniv. l»r. aufmerksam, nach welchem unser Glaübensgenoffe Mr. Lambert, Unterpräfect von Toul, bet einem Brand« ein Kind mit eig«er Leben»- gefahr au» dm Flamm« gerettet hat. Ihre Leser wstd e» tnteressirm, daß Victor Notr, der mit feinem Blut« die Feindschaft zwischm dem Herrscher «ad dem Volke Frankreich» hat bezahl« müssen, jüdischer Abkunft ist. Roir ist ein Pseudonym. Da» Opfer Pierre Napoleon'» heißt Salmou. Welche» ungeheure Aufsehm die» Ereigniß in ganz Pari» macht, da» werd« Ihn« die polittschm Blätter erzähl«. Ein Gegenprotest.*) Memek, dm 3. Januar 1870. Ich erkläre hiermit öffent» lich und feierlich, daß durch dm Protest de» Her« Distrikt»- Rabbtner» Seligmann Pär Bamberger in Würzburg und all der übrig« Amtlgenossen da» Rettung»werk der unglücklich« Glaubensgenossen in Westrußland, wmn auch nicht ganz gestört, fo doch mindest«» stark beeinttächtigt wird, und daß dies« Herr« sich dadurch eine Verantwortung aufladm, mit welcher sie weder vor Gott noch vor der Welt werden besteh« könnm. Wer giedt Jemand« da» Recht gegm Werke und gegm Person« zu pro» testjrm, welche von o« best« Männern, den Delegirt» von viel« Tausend« unserer Glaubm»gmoffm find gutgeheißm und destgnirt ward«, Alänaer, welche ihrem Glaub« ebm fo tteu und ihrem Volke eb« fo ergebm sind, wie Ihr, aber zum Helle derselbm gewirkt haben vielleicht noch viel mehr al» Ihr. Ihr hattet da» Recht, wie da» von viel« Seit« geschehen und auch berücksichtigt ist, da» Programm de» Königsberg« Comitö» durch Wort und That zu rectificir«, ab« nicht zu protestiren. Welch« Gründe habt Ihr für «rm Protest geg« da» Köntg»b«g« Comitö? Weil Ihr t« religiös« Gesinnung de»selb« mißtraut, darum mißtraut Ihr auch sein« Wirksamkeit? Unsne russischen Glaubm-brüdn denken nicht so. Sie mißtrau« beu Dmtfchm, auch Euch, »«stehet wohl: auch Euch, und Ihr dürfet thu» wa« Ihr wollt und dürfet eifem fo viel Ihr wollt, st« ««dm Euch al» Gleichstehmde nicht an«kennm — nur Eure Thal« »ehmm sie g«n. Ihr mißttauet dem König»b«g« Eomltö, dämm wollt Ihr Euch de» vorzüglichst« Rettungömittel» lieb« begeb«, nämlich: gesammell werben muß. Hoffe» wir, daß wenigsten» »er Erfolg entspreche; in Pest hat sich ebensall» ein Comite zu diesem Zwecke gebildet. — •) Der Inhalt de« birr bekämpften, im ,Israelit" veröffeaNichte» Proteste« geht au» den Sorten de» H. vr. R. genügend hervor. Wer, wie dieser Manu, für die nothleidendeu ruff. Inden gewirft ha«, nicht dnrch Geld- Annahmen und Seitersendeu (was kein« groß« Ausgabe ist), sonder« dnrch persönlich« Hingabe und Aufopserung, wer, wie er, Dag für Dag Von den Hungernden und Schreienden belagert, gequält und — hundertfach betrogen, sein Herz nicht hat verhärte» lasten, der hat ei» Recht, gegen eine» Protest, der seine Person mit betrifft und das lange aogestrcdte und endlich der Verwirklichung sich nähernde Proftkt gefährdet, zornig und klagend aufzutreten. Wahrlich, das wäre das oou plw, oltr» eines schlechten Konservatismus, di« Zustände der jüdischen .Jugenderziehung in Rußland conservirea zu wolle»! Wir nehme» daher obigen Artiftl ans, wir versteh« den Schmerz, der ih, dictirt hat, und könne» uns von der Lage» in der sich vr. R. befunden hat, einen Begriff mache«, wenn wir die Last und Seeleupeiu, die russisch« Roch, leidend« uns hier bereitet haben, etwa mit 100 mnltiplicire«. Daß wir in Betreff der Answauderrng «ine andere Austcht haben, al» der Einsender, gehört nicht hierher. Red.

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