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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-19 · 3 (19.1.1870) · p. Seite 31

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
3 (19.1.1870)
Date
1870-01-19
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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81 die Heranbildung der Jugend zu zeitgemäßem vffs« «nd nützlicher vrrafllchätigkett. Habt Ihr auch eine Ahnung von dem entsetzlichen GeschÜe der russische« jüdischen Jugend? Mehr aldie Hälft.!!>erselb«n find entweder wirklich Kaisen, oder doch dadurch rerwatst, daß die Bäter, Brot mb Hülfe suchend, hülfrlo» s e zurücklassend, sich anderwärtaufhalten; die geistig« und leibliche Verwahrlosung dieser unglücklichen Kinder ist nicht zu beschreiben. Und auch unsere russischen Brüder denken hierüber anderal- Ihr. Wir unterstützen hier bereit- 25 Schulkinder und sieben Handwerkerlehrltnge, und Hunderte von Bewerbungen auallen den rusfischm Städten in der Näh« md Feme find bereit« an dm Unterzeichneten erzangm, aber noch ist Alle« nicht hinlänglich geordnet, noch find zu wmig Mittel vorhandm, um alle diese berücksichtigen m können. Wir werden dafür Serge tragm, daß fit religiös leben, die Speisegesetze und dm Sabbath haltm, ihr Gebet verrichtm, dm Gottesdienst so oft als möglich auch in dm Wochmtagm befuchm und Unterricht empfangm, sowohl in welttichem alauch in religiösem Wissen; und in Königsberg werden sie e« sicher ebmfo haltm; dem mar. hat e« sich zum Prinzip gemacht, nur nicht der reli» gtöfm Ueberzmgung der russischen Glar bmSgmossm zu nahe zu tretm, wrniger deSwezm, weil man alsdann unserer Hülfe widerstrebm würde, soudem weil da« Niemandm etwa« angrht — wir wollen nicht reförmiren, wir wollen helfen! Ihr mißttaut dem KönigSberger Comitö aus reliziösm Skrupeln. Wie kann man nur dm eignm Principim so zuwider handeln! Die Au-wandemng wollt Ihr gefördert wiffm, selbst vom König-berger Eomitö; nun weiß doch ein Jeder, daß die Au«!vand.rer, und am allerwmigstm die russisch«, mit religiös« Skrupeln sich gar nicht lange ttagm und plag«, daß vor Allem der russische Jude, wem er ou« seinem Kreis» Herme« ist, am ehest« da» gesammte Judmthum »hinter sein« Rückm wirft'. — Und zunächst mr di» Auswanderung wellt Ihr unterstützt und gefördert wiffm.? — Habt Ihr Euch auch schon klar gemacht, daß in jeder Mittelstadt in dm hundettm von Judm bewohnter, Städten der verschied«« Gouvernementso viele Judm sich befinden, wie im ganzen Königreiche Dürtemberg? Wmn Jlr Hundert oder gar Tausmd aujedem Orte fortschaffet, n a« habt Ihr da geholfm md auf wie lange geholfm? Und habt Ihr die »estmsfifchm Judm auch schon geftagt, ob sie au-wandem wollm? Mit Händm und Füßen sträub« sie sich dagegen und wmige Andere al- Landstreicher oder höchst«- Flüchtlinge werdm der Au»wanderung»gelegmhett sich bedienen, und auch diese zu befördem, werdm all «re Kassen nicht zureichm. — E» giebt nur zwei Mittel, um der Gesammtheit der westrussisch« Glanbm-gmossm zu helfm: die gleichmäßige Berthetlung dersribm über dagesammte russische Reich und die zettgemäße Heranbildung der Jugmd zu Wiffm md Beruf; mit leidensäiaft«- und vorurtheil-lofer Einmüthigkeit ist Alle« und ohne diese ist Nicht» zu erreichen. Dr. »ßlf. Weihnacht-schstie». i Vir ntiKbmni der Slllg. Zig." folgend« Sätze ei»er Zuschrift au» l London d. ä. 29. December: „Tit comphmenU ol tbe kuoh sind gri trunken, di,: große Wrihnacht»schlacht iß geschtaaeiv md di« Berichte üb<r di« gestrige i Vorgänge in den verschiedene» Polqeigerichtlhösen beweisen, ' daß der Coiflict am Montag (boxiog <lay und Haupt^chlachtkag) ein ungewöhnlich hejnger war. Di« Zahl der vom ßanwsplatz al» „kampftmföW" dimveggetra zenen nnd in den Poliptigefäogmßzelleu oorsirglich verwahrten Opfer der Seihnachtlfeier war aitHrrordeatlich groß.... dagegen werden am allerdüig» begMckwünscht, daß di« dirtjährigen llhtiftma«.Orgien s« harnttos derlansen und die io der Polizriaerichtspsteae anerläanten Pins Stadler der Trnnkeuheit (di unk — drunk and incapable — drink and aboiivc — drunk tnd violent — drnnk and riotoni), wtter welche wohl an. Sannabend, Sonntag »nd Montag der größere Theil der «knnftchen nnd» wn fürchte», «tu nicht geringer Theil der weiblichen Vrvölkomng m de». Brr. einig»» Königreiche« claMetrt werden mußte, derhältnißmö ßig z» so weniger TodtschUlaei« geführt haßen. Blut iß aNerdMg« »«er de» zwei letzt» Kategorten gesilffen, und in »oqelnen Fällen trage» dir Grimltthätigleiten der ItteihoichtSseier «tuen so bösartigen ckharafter an sich, daß di« P-iizeirichter l«n ihrer festlich«» Toleranz ei«! klnönahme mach«» »ad die Slngekisgle« (ülUijm Zeit in das Geftininiß lende« mnßten." VtthnachtSfeier — MhnachtSschiaWt — «ampspla» — «olizeigelängniß — rhrißotaövreiea — Trnnkenheit — Bim — wentg Todischllla«-wir «nthaite» na» jede» weiteren Cmnmenrar». Wenn wir, unserer l «sie gedenten, '»llrn wir dann nicht voll Inbrunst wieder beten lernen mit i>en vor»» unserer Festgebete nrm „Dn, » «ou, hast tw» ant..-- iore» au» allen Völkern^ Ob jüdisch« «Item, dt», wir sie sagm. « kchnz, üSeihnachtölichter arqünden. auch wiffm, wa» sie thnnV Kn diese «eihnachtSschaitei. möchtm wir aber auch noch die,migm trimmt, die s, gerne jede Errungenschaft der Eultnr, der Sunst. Viffensches, und Gesittung dem ikhristmthnm ga gute schreiben, Gewiß, da« Jndenthnm liar keium «rund, die eivilisatorisch«. veredelnde Macht, di« in seinen rochier, «eligtoam liegt, zu verkletnem, — weil ans jüdischem Boden die Lehre« und Lnschaunngm ursprünglich erwachsm sind, mit »«„«» alle Sleschlechtn der Erde sich segnm. «der wk.l diese« Ursprung» »ft gedankenlo« «nd «». dankbar vergeffm wird, müffm wir solchen, welche Buchdinckrrkunst oder gai Telegraphie und Rähmaschine mt: dem Lhristemhum in urs.tchliänn Zusammen, lang bringen, ein Entweder — Oder ,»rufen: entweder ihr nehmet de» londoner Polizeiberichr der Weihnachiliage mit seinem hübsche» Elimap: Trunkenheit, Ehristmaöorgien. rvdtschlägen, gleichsall« aus» Conto de» llbristen «hum» — oder ihr gebe« zu, daß unsre yeutige livilisatiou »ad Bildung tderbaupt mit dem Lyristenthuni nicht so enge verbunden ist, al» man gern plavven machen möchte. Ist- Literaturbericht. Jützische I»«ilieM»ipierk. Briefe eines MisfionairS. Herausgegeben von Gustav Meinhardt. 8°. 384. Da» alte lateinische Sprichwort „linbent »n» katn lib«Ui" „gar eignethümlich ist da« ««schick der Bücher" bewährt fich auch, an obigem im (lahre 1868 bei Otto Meißner in Hamburg r.schieuene» Binhe. In keiner jüdischen Zeitschrift ist unsere« Wissen»*) bi» letzt aus diese „Familienpapiere" hinzcwiesen worden. Die Mahl de« Titel« ist wohl leine glückliche zu nennen, denn der Zusatz Griefe eine«. Mssionair»" iü mehr geeignet iöraelinsche Leser in vershtuchen. al» zu aeivinuen. lk» find lffriese eine» Manne», der alleit mg« zum Missioneir bestmimt ward, allein durch die Gespräche und noch mehr durch da» Leben eine» rerwanrten Rabbi znm Indenchum zurückgesührt rrird. Die Eeelenvorgärrge tieir» Revert iten, Aubeinandersetzungen und venachwngen überJiwemhum und Shriften- >!mm, find interrffam, unterhallind, belebreud. Zur gewöhnlichen, flüchtigen Iltomanlertüre ist die« Buch snilich nicht geeignet: ernsten und denkenden Lesern und Leserinnen dürfte e» »ur Bereicherung ihre» Wiffen» Lnreaung, und zum Nachdenken vielseitigcn ««off bieten**). W. «ßsßut, Dr. Alex. Ebel Kobed, Gedüchtuißrede zu Ehr« ' de« verewigten Dr. Mcjer Zipfer, weil. Lberrabbiner zu Stuhlweißenburg und Rechnitz. (Siehe oben Eorresp. Die Predig« ist in würdigem und sehr schwungvollem Zotu gehülten.) «etzn» MR» Hefäuge zvc fünfzigjährigm StiftunzSfrier der jüdischen Stadtschule in Mark. Friedland am f*. Der. 1869. Die betreffende Schlüe wird in den Reden al« di« erste öffentliche jüdische in Preußen bezeichnet. Da« lßeftchen enthält außer den non Rabbiner I)r. Zuckermandel gedichteten Gesänge die Festrede »effesben und eine Siede de« Lehrer« Liudenberg über die Geschichte der Änstal,.) Neueste Nachrichten. HSresksN, 15. Janu. r. Herr Dr. H. Graetz, Lehrer am jüdisch-theologischen Seminar in BreSlau, ist zum Honorarprofessor in der philosophislben Facultät der hiesigen Universität ernannt worden. Diese AuSzetchriuna ist ein« um fo höhere rmd ehrendere, als Herr Dr. Graetz me als Privatdocent an hieflger Universität gelehrt hat und die Ernennung durchaus der Ättiative der hiesigen Fakultät zu verdanken ist. Sttz«eiße«üßk, 12. Januar Aus diesiger Stadt ist eine Petitton um Beibehaltung des jüdislben Religionk unterrichtein unserem Gymnasium durch die stättilcke Behörde an den Herrn (iultuSmini'Ier abzesendet worden. Briefkasten der Redaetton. Die Herren, welche sich wegen Ueberfendong de» Blatte« und Gegenofferten an wich gewendet, bitte ich sich an die Berlag».Handlung wenden zu wölken. Die» noch für H. K. K. in k'. »ad H.,F. in Sr. — Rat. 6. in W Predigten hier abdrncken?! . rxpo $r frs *b — W. in D. . narr, nr tco p* atr: e« komm, noch. — F. in B. Dies Broschürch, n über F. jez.t noch enväl>nen, würdt wie pers-allch« Schmeichelei au»sehen. Unmöglch! Drnckfetler-Berichtigung. Zn No. 2, Seite 21, «nur LMeirnch, Mien, (Crig.-Gcrrtfp.) 11. Zeile von nntrn soll ti heißen: „Franz-Joseph«- Otbcn", nicht s.^nzösifcher Jvsepb»-Orden. *) G» schwebt mi» gedoch >m, eine Erwk hnnng gelesen haben. Red. **) Sir denken gelegentlich Sntzüge zn g den. Red.

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