Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Antrag, daß die dem Rabbi»eramte sich widmenden Studenten eine» näher zu bestimmenden Trab rabbinischer Borkamtnisse habe« müßten, von vr. Lazaru» als selbstverständlich zurickgewtesen. Die H, welche die Höhe der jährlichen oder eimnaltgm Beiträge fixiren sollen, riefen in der zumeist au» Kaufleutm bestehenden Versammlung die längsten Debatten hervor. (Wir last« die Detail» der Beschlüffe weg. Red.) Al» zur Wahl der Curatoren und Beiräthe geschritten werde» sollte, wnrde von einem Mttgliede Bertagung beantragt, um jene durch eine größere Versammlung vornehmen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit wmde vom Vorsitzenden mitgetheilt, daß die Mttglteder de» Gemeindevorstandes nicht ringeladen worden seien, well der Prüfe» desselben dem Projekte feindlich entgegengetreten sei. Di» Wahl wmde darauf, nach Borschlag de» Comitö'S, welche» (angeblich) 4 Reformgesinnte, 4 konservative und al» Bertteter der Mittelpartei Herrn Or. Philippson nominirte, dmch Scclamatton vollzogen. (Wir erhalten eben von dem Her« Korrespondenten noch eine Kritil de» Statut» und der Verhandlungen, welche wir, um da» Blatt nicht mit der einen Angelegenheit zu füllen, heute zurücklegrn. Red.) S1«iH«rtz in Pommern, im Januar. (Orig.-Corresp.) In einer in Stuttgart von der Regierung zusammen berufenen Commisficn ist ein Entwurf vereinbatt, nach welchem .jeder J-raelit irgend einer kirchlich i-raelttischm Gemeinschaft angehören muß, an deren Pflichten und Rechten er patticipirt.' ES waren zu der Commission Delegitte au» den zwölf Rabbinatm de» Lande» gewählt worden, von dmm nur ein« Minotttät für absolute Freiheit stimmte. Wie wird die preußische Regierung in dieser Angelegenheit verfahren? Die gediegenen Eorrespondmzm »Au» der Provinz Preußen' in der Nat-Ztg. über die Schulfrage athmen den liberalst« Geist in Betreff der Juden. In Nr. 600 gedachter Ztg. bespricht der Korrespondent einen Schmerzensschrei de» ultramontanrn »Dinziger katholisch« Kirchenblatte«' gegen die preußische Unterttcht»ver«altung, weil unter den 22 Gymnasien der Provinz nm 6 katholische find, uns sagt unter Anderem: »Nach den offiziellen Tabellen de» Sttehlschen Centralblatt» , (Oltcber- Hest 1869) steht die Sache so: Ilnsere 22 Gymnasien werben van 7351 Schülern besucht, darunter find 5445 evangelische, 1347 katholische und 559 jüdische. Sind nun — die Rechnung ist ja leicht gemacht, für die Evangelischen 16 Gymnasien mit dmchschnittlich je 340—341 Schülern, so hätten um der »Parität' will« die Katholisch« ja nur 4 Gymnasien für je 336- 337 zu verlangen. E» würden mithin noch 2 Gymnasien übrig bleiben, die dam ebenfalls am der .Parität' willen den Juden zufallen müßten, allerdingt mit dem Dottheil, daß diese I> . schon für je 279—280 Schüler ein Gymnasium bekämen. Freilich nach der» ultramontanen Blatte — und unsere offiziellen und nichtofsiziellm Ottbodorm denken ja genau ebmso — wäre «S zwar vollkommen unetträglich, wenn die Kinder der Christm von Juden unterttchtet werben sollten, aber der Jude natürlich nruß e» sich gefallen lassen, daß seine Kinder von Christen unterrichtet werden; ja, er vmß es noch al» eine besondere Gnade und mit dem allerdemüthigsten Danke anerkenn«, wem wir aus »chttstlicher Lieb«' mt soweü Heruhlassen, seinen Kindern neben dm msttgen einen Platz auf deffelbm Schulbank «inzuräumen. Doch wer weiß, wie lange die ultramontane« Herrm, wem sie einmal wirklich Herrm gewordm sind, eine solche Herablassmz übm werden. Giebt daS ulttamontane Blatt doch jetzt schon seinen Schmerz darüber zu ettmnen, »daß der Bruchtheil Juden der Provinz, welche natürlich im Allgemeinen einen volleren Gelddmtc! haben, al» die meist armen Katholiken, sehr bestrebt sind, ihren.Kindern eine höhere Bildung geben zu lassen, und daß wir diese Thatsache nicht nur in unserer Provinz, sondern im ganzen Königreiche und in vielen andern Staate« finden.' In der Thitt, wmn man zu dm höher« Lehranstalt« nur die Gymnasien, die Progymnasim. die Realschulen 1. und 2. Ordnung und die höherm Bürgerschulen (und zwar alle ohne die »Borbttrrffmden Herr« in reform-türkischer Tracht, die sich erbot«,! mit mir italienisch zu sprich«, Judm war«, da ihre Gesicht»«! züge nicht» :,on dem an sich hatt«, wa» wir gewohnt sind, al»! semttisch zu bezttchnm, wa» aber vielleicht richtiger alt-ägyptisch! gmannt «erd« könnte. In vonjaluka ttaf ich wieder mit Leut« diese: Nation zusammen, die theil» al» Krämer, theil» al» Dolmetscher mit mir in Berührung kam«; doch muß ich offm gestehen, daß ich ihre Nattonalität nicht errathm hätte, «mn mir nicht ein tlraelitischer Kaufmann au» Ungarn gesagt hätte, wa» sie wärm, besonder» »Isaak der rothe Bursch', der mir in seiner doppelt« Eigmschaft al» »Apotheker und Arzt' Moschu» veisiaufte, hatte so derbe nordische Gestcht»züge, daß ich ‘ ihn für einen niedersächsischm Baue« hätte halt« könnm. Er! behaupt«:, dm vorerwähten Ramm im Hause eine« preußisch« Diplomat« zu Konstantinopel erhalt« zu habm, bei dem er seine Studien al» Arzt und Apotheker gemacht habm wollte. G«tf«»«ng folgt.) -er Am ha-arez am grünen Lisch. Eine wahre Geschichte. In der Gemeinde T. wurde ein nmer Rabbiner ausgenommen. Der bei wettem größte Theil der Gemeinde war in religiöser E-eziehong strmg conservattv zu nennen. Allein die Gemesttd« Vertretung enthielt manche reformistisch gesinnte Elemmt«. Der «me Rabbiner wurde von dies« gedrängt, mit Reform« »orzugehm; natürlich standen die beliebt« Cultu». reformm in erster R.rhe auf der Tage»ordnung. Der Rabbiner wich, um da» Bettraum der Gemeinde nicht zu verlier«, so lange e» anging, au». Endlich mtschied er sich für einige Gebet» änderung«, unter d«m sich auch eine mildere Fassung der Gebetformel befand. Die gttroffm« Amkerutlg« wurdm xrorlamirt. Die otthodor« Gemeindemitzlieder reclamittm, opponirtm, demonstrirt«, wollt« hauptsächlich eine Aenterung in der 8oämonö eversü nicht gelt« lasten; da sie beim Wochentag- Gottesdienst fast ausschließlich im Tempel anwesmd waren, halt« sie da» faktische Recht für sich. Die Angelegmheit kam »wchmale vor die Gemttndrvertretung, die e» nicht duldm durfte, daß ihre Beschlüste mißachtet wurdm. Man beriech ein« ehrenvoll« Rückzug. Da erhob sich ein hochweise» Mitglied und schlug folgmdm Ausgleich vor. An Wochentag«, wo nur «in« geringe Anzahl Betender im Tempel vorhanden sei«, und rin Vorstandsmitglied zur Aulrechterhaltung der Ordaung nicht anwesmd sei, solle man e» bei der althergebracht« Formel dei beromd« last«, dagegen an Sabbath« und Feiertagen müste dir neue Formel mit aller Macht durchgefetzi werdm. — Svrach'» und -sin schallmde» Gelächter dir Versammlung folgte auf dies« pathetisch gesprochmen Antrag. Der AntragSstrller wußte nicht, daß da» C,:'e6oi7i nur in der Wochmtag-8cllmone-essred vorko-nme. Wie oft hängt aber doch da» Schicksal ein,» auf religiös,- Angelegmheit« bezüglicher Anttag» in kleinen und großen Derfammlungm von der Stimme solcher Ignoranten ab! B.