Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 Begleichung viel zu ehrmvoll. 8» erinnerte eher an das Toben Trunkener in einer Schenke. A« den i« vorigen Berichte erwähnten Zeichen einer sich vorbereitende« Agitation wegen der jüdischen Gemeindeverfassuag tragen wir folgenden Artikel nach, der (auS der »Post'?) durch rerfchiedene Blätter gegangm ist: Dir neue Gesetzgebung in Betreff der jüdische» Preichen wird sich, in Verwirklichung de«8n. 15 der Berfafs»»g«»rk»lld«, auf vvllfttndigrSvnagogenfreiheit zu beschränken haben. Die Initiative diese« Gesetzgebung »akre« dürste »an dem Ministerium der geistliche» Lagelegenhesten ausgeh«», au zweiter Stell« lamme» die Ministerien de« Inner» und der Justiz. Den erwähnten Ministern liege« übrige»«, wie man hört, Dentschriste» angesehener jüdischer Einwohner vor, welch« jede staatliche Einmischuug iq di« inneren Angelegenheile» der Syrmgogeoaemeinden ablehne» und auch einen noch au» dem Sude de« 17. Jahrhmchert« stammenden Britraglzwang endlich gesetzlich beseitigt wissen wallen. Di« Parochiallast sall m» kau« r»t freiwillig sein. Was für ein Gesetz ans dem Ende deS 17. Jahrhunderts hier gemeint ist, «iffen wir nicht, die »Parochiallast^ ist jedenfalls kein jüdisches Institut. Sollte da» preußische Ministerium wirklich Vorhaben, von dem alten Grundsätze, daß jeder Staats» angehörige zu einer bestimmten Religion sich öffentlich bekennen und zu einer bestimmten Religionsgefellschaft beisteuern müffe, zu Gunst« (?!) der Juden abzugeh«, uns da» Erstgeburtsrecht der vollständig« Religionsfteiheit zu gewähr«, oder an uns und mit mi« das Experiment anzustellen? Wir werd« noch vettäßlichere Nachricht« abzuwattm Hab«, dann wird es an der Zeit sein über diese überaus wichtige Frage eingehend zu red«. Au« dem Statuten - Entwurf für die Berliner Hochschule tragen wir di« wichtigsten Paragraphen zum Berstüudaist de« unten falzenden Bericht« »ach. g I. Unter dem Rame» „Hochschule für die Wissenschaft de« Indenthumt" wird zu Berlin eine selbstständige, va« deu Staats-, Gemeinde- und StzaagagenbehSrd«» unabhängige Lehranstalt begründet, g 2. Zweck derselbe» ist dir Erhaltung, Fortbildung und Brrbreituag der Wissenschaft de« Juden- > tbam«. » 7, 22, 23. Dir Berwaltung geschieht durch eia Euratariam vo»! 9 Mitglieder»; diesem wird für gewisse Hauptpunkte, nameaNich: Lehrplan,! Person der aazustellrade» Lehrer u. s,«. «in Beirach, beürhead au« de» Lehre» i »ad 8—w (ameadirt 3—b) ander» gelehrten »der wiffenfchaftlich gebildete» j Männern zugesellt, j 13. Luratare» können nicht sein: die Lehrer der An-! stall, di« Rabbiner und geistliche» Beemtea, sawahl der Hauptgemeinde | als etwaiger Separatgemeindeu iu Berlin. — g 2t. Sieh« «uvn in bw Larrespmrdeaz Berlin. — f 25. Di« 2Indien stad auf eine» Lursu» vor sechs Semestern auzulege» (II). — f 26. Di« Studirendeu müssen dar« ihre wiffcnschaMche Vorbildung zn der Umversttät« -Studie« ber»ch tigt sein «Als» ei» Mawrität«zeuguiz besitz« — zur Erlangung ein-« solche» ist bekanntlich die lkeuntnih de» hebrSischeit Alphabet« nicht erforderlich.) — s 23. Alle Larlesuugen und Uebuugen sind unentgeltlich, — g 29. Die jeuigen Studireadea. welch« de» vollen ilursu« van sich« Semestern durch gemacht haben, sind berechtigt ihre Prüfung zu verlang,n-und er haltet' ihr Rabbiuat«-Diplom Wir werden deinnächsl «ine Beleuchtung deS Entwurf» bring« Da» Decemberheft bei: »Gartenlaube' brachte zwei intirreffant, Briefe Friedrich Wilhelm» lll. rrsp. de» Prinz« August .mdm Major Burg, vielleicht einzig dafteh«de allerhöchst' eig«. händige Aufforderung« zoi Taufe. Bei der weit« Verbreitung der »Gattenlaube' glaub« wir von dem Abdruck der ffftnf-'iife abfefcen zu können. Aber der jüdisch« Geschichte gehör« sie in, und da» Andmken Mens Burg's bleibt zum Segm |ns "Dl! Dürfm wir ihn nicht auch BTTp ein« Märtyrer tt«nm? Es wird sehr überschwänglich erschein«, wenn wir an j«m Rabbi Amnou erinnern, den auch sein Landesherr und (Gönner persönlich zur Taufe zu beweg« suchte, man findet eine solche Parallele vielleicht ganz unangemessm. Der Lohn, dm Gott der Trme gibt, Hab« wir nicht zu bestimm«, Verdienste gegen einander abzuwägen ist n'cht unser Beruf. Aber wir gebm zu bedmkm, daß das Abhauen von Hand« und Füßen mm nicht mehr zeitgemäß ist. Ein vierzigjähriges Eittlagen ist wahrlich nicht genug anzuchlagen, und wer wollte sich hinwiederum erdreittm zu läuznen, daß ein Mann, der trotz aller Lockung aus Ranz und lAlanz verzichtete, nicht auch bereit gewesm wäre für sein Judenthum noch Schwerere-, Schmerzhaftes zu erduld«! Schließen wir mit iZrftmlichem. DK unlängst kerbreittt« Nachricht, daß der Magifttat zu Kiel der dortigen jüdischen Gemeinde einen Bauplatz zu einer Sh na zöge zu schenk« veffvrochm u«b nachher nicht Wort gehalten habe, wird dahin bettchtigt, daß die Gemeinde cuS eigenem Antrieb ein« anderen als d« vom Magistrat offerittm Platz gelaust hat. Aymä, die ihn durch Spottgedichte reizte, ermord« ließ, ist bereits gesagt worb«. Dassetbe Schicksal widerfuhr dem greis« uud talmtvollm Judm Abu-Afak, der die Bewohner von Medina durch feine Gedichte gegen Mohammed aufstachelte, und dem angesehmen uud einstußreicheq Kaab b. Afchraf. Mit der steigend« Macht de» Prophtt« wuchs auch der von ihm geübte Terrorismus. Er vettanschte allmählich die Rolle eine» Friedensboten mit der eine« rücksichtslos vorgehendm Eroberer». Sticht bloß einzelne Judm, die sein« Plänm hindettich warm, simdm» ganze jüdische Stämme fiel« seiner Rachsucht zum Opfer. Zunächst kam der jüdische Stamm der Banü-Kaynoka an die Reihe, der ungefähr 70V waffenfähige Märm« zählte, die sich fast ausschließlich mit Juwelier- und Goldarbeiten beschäftigt«, lllkohammed forderte sie auf, ih« als ihr« Prophtt« anzuerkmum, und als sie sich deff« weigetten, überzog er sie mit Krieg. Er hatte zwar früher ein Fnedmsbüuduiß mit ihn« geschloffen, doch hatte er ja al» Prophtt da» Recht zu bind« und zu lösen und ließ sich in ein« Sure von der Erfüllung d« dem jüdisch« Stamm gemacht« Zusazm entbind«. Die Lauü- Kaynoka, nachdem sie sich 14 Tage in ihren verschanzt« Thürmm gehalten hattm, «gaben sich auf Gnade und Ungnade. Mohammed ließ sie alle knebeln in d« Absicht sie zu tödt«. Auf Fürbitte einflußreicher Arab« scheuste « ihn« da» nackte Leb«, doch mußt« sie auSrvandern und ihr Hab und Gut dem Sieger zurücklaffm. Nicht viel beff« erging eS eü.em and«« jüdisch« Stamme, dm Bauu-Nadhir. Mohammed r.suan ein« nichtssagenden Borwand, um an dies« Stamm die Aufforderung zm Auswanderung zu stellen. Die Banu-Nadhir macht« ihm dm Vorschlag zu ein« öffmtlichm Disputation zwischm 30 Auhängeru des Islam uud 30 jüdisch« Schriftgelehtten. Sollte m diesem ReligionSzespräeb d« höhere Werth des Islam erwirk« w«dm, so würdeu sie sich zu der neu« Lehre bekeuu«. Sie kahe» jedoch bald ein, daß 60 Person« sich sch«« verstävdigm würdm, und trat« mit einem neuen Vorschläge auf: es sollt« ein ReligionSgespräch zwischm drei Rabbinern iml> drei An» yängern des Islam stattsind«. Mohammed ging auf ihr« Vorschlag nicht ein und sie «arm bereit® entschloss« auSzuwandern, als sie von dm Nachbarstämrum zum Wider? andangefeuert wurden. Trotz oller Anstrmgungm vermochten fi. sich nur kurze Zttt zu halt« und sie «gaben sich unter d« Bedingung, daß sie ft« abzieh, m uud mit Ausnahme der Waffen ihr ganze» Hab und Gut mrlnebmeu duttt«. Nur zw« von ihn« bekehrten sich zum Islam, d« ganze übrige Stamm zog mit Saug und Klang aus Medina und besetzte sich in Syrien. Um die unfreiwillige Auswanderung au» Arabim an Mohammed zu räch«, setzten sie sich mit einig« heidnisch« Araberstärnmen in Verbindung und bracht« eine zahlreiche Armee zusammen, mit d« sie gegen Medina, dm Sitz de» Prophtt«, zog«. In Medina lebte noch ei« jüdisch« Stamm, d« bis dahin von Mohammed mangesochtm gebliebm war, d« Stamm d« Banu- Koraytza, und die Angrttftndm rechnet« daraus, daß die Bauu- Koraytza mit ihn« gemeinschaftliche Sache mach« und im gegebmm Augenblicke Mohunmed im Rücken angreifen würden. Als sich die feindliche Arm« Medina nähette, wurden die Bewohner dn Stadt von Schrecken und Augst erfüllt; Mohammtt jedoch behaupttte feine Geistesgegmwatt, ließ ttum verschanzt« Ärabea um die Stadt aufwerfm und schlug die An greifend« zurück. Die Banu-Koravtza, die ohne Zweifel mit ihren an-