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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-12 · 2 (12.1.1870) · p. Seite 21

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
2 (12.1.1870)
Date
1870-01-12
Page
Seite 21 (sequence 9)
Language
German
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Israelitische Wochen-Schrifl. - BeUckge M Ni X» ' Breslau, 12. Januar 1870. L Jahrgang durch de» ehrmwerthmD«; utirtm Codresc» auf-Tapet >;ebracht •mwcbt Me Tochter de« Rabb. vr. L. in G. mtt eiuem ftanzösisch« Offizier wpulttt und zwar dmch den Vater det Braut. St» Land, jede, der es mit augesehe», erzählte mir damal» topff Afittdnb und seufzend, daß die Tochter de« Rabbiner L. ein« Christ« gehetrathet habe! ,Wa» fällt euch «fall* lachte ich. »Run, ich habe <• doch selbst gesehen, einen Offizier mit rochen Hofe», rin schöne« Kerlchen, wirb so'ne Liebesgeschichte sein, bi« der Vater Ja ge. sagt hat, aber e« ist doch zu arg-.' Der Man» glaubte indes, meiner Versicherung, daß e« i» Frankreich genug jüdisch« Offiziere gttbe, u«d »ach einem augenblickliche» Nachdenken über di« mir wohlbekannten Familienverhältnisse konnte ich ihm auch sag«, daß die Neuvermählten ohne Zweifel mit einander ver» wandt, und der fragliche rvchhofige Spaulettträger ebmfall« Nachkomme eine« berühmt« Rabbi fei, Jetzt, nach zwölf Jahr«, fällt e« wohl keinem westerwälder Baue« mehr schwer zu begreif«, daß ein Jude ganz wohl Offizier sein könne, nur Wan» trup begreift H nicht; dafür begreif« denn fast alle vernünftigen L«te d« preußisch« Schulrath nicht. Und unter solchesoll« unsere prächtig«, alt freisinnig« Lehrer und Schul« gestellt wcrd«! Gut, daß da« nicht hierher, nicht in Ihr Blatt gehört; Sie wiff«, daß da der Scherz aufhört und daß «« mir allzuschwer wäre, darüber so zu schreiben, daß Ihr junge« Blatt nicht in preßgesetzliche Wetterungen käme. Auf die Petition weg« Abänderung «uferer jüdisch« Gemeindeordnung ist noch kein Bttchetd ergangen. — Die orthodoxe Gemeinde, welch« sich hier abgezweigt hat, hat in der Person de« vr. Leo Kohu, eine« Badenser», ein« Prediger und Lehrer «gagttt, der Sonnabmd vor acht Tag« seine Antrittspredigt gehattm hat. vorschnelle« Uttheil ist nicht meine Sache und solche« zu hör« oder zu verbreit« nicht Ihr Wunsch. Watt« wir denn noch ab. Oesterreich. -j. Mie«, Decbr. 1869. (Orig.-Corresp.) Bei dm Wahl« für dm Vorstand hat diesmal eine ungewöhnliche Regsamkeit stattgefundm. Bon heiler Haut hatte man eine Opposition gegm da« auSgeloste Mitglied Paul Schiff in Scene gefetzt, weil-nun well er charaktervoll genug war, um unserer hiefigen „gedruckt« öffentlichen Meinung' zu mißfall«. Ein sonst achtbarer und um da« Judenthum nicht unverdienter Mann, vr. Knepler, ließ sich in seiner Arglosigkeit zur Annahme der Gegm-Kandidatur bewegen. Die Gemeinde hingegm mtschied nmrrding« für Her« P a u l S ch i ff. War die« schon im Hinblick auf die Unbild« geboten, welche dieser Mann im Laufe de« Jahre« durch publicistische Berdächttgungm seiner finanziellen Thätigkett erlitt« hatte, so erfordert« auch seine Verdimste um die Gemeinde und seine ungewöhnliche Freigebigkeit diese Anerkennung. Herr Schiff erhielt denn von 676 Stimm« nahezu 600. — Der bekannte Dichter und Secretair der jüdisch« Gemeinde, L. A. Frankl, hat den französisch« Joseph«- Orde» erhalten, der jüngsthin auch dem zartsinnigm Novellisten vr. 8. Ko mp ert zu Theil geworden ist. — Die „ Morgenpost" berichtet: Der Vorstand der Wimer iSraelittschm CultuSgemeinde hat jetzt dm Prediger Her« vr. Moritz Güdemann zum Rabbiner ernannt. vr. Güdemann, «in geborener Hannoveraner, war Zögling de« Rabbiner-Seminar« in B reSlau und früher Prediger in Magdeburg. Er ist 34 Jahre alt. Kumauieu. Antarefi, 30. Decbr. 1869. In der Bukarester Kammer ist heute, wie die »Presse' berichtet, die Judmfrage wieder einmal worden. Di« Radikal«, l'fe Joan Lratiano schon 13 'Renate auf der Ministerbank^vermi!'«. glanbm in eine» erneut« Jud«hetze da» geeignetste Mttttt zu sirch«. da« conservattv« Mnisterttm Eogolnttscheano zu stürz«. Unter diesem Minister ist zwar im letzt« Sommer schon da« Projekt einmal aufgeraucht, mittelst rintd angeblich« Vagabundm-Gsetze« die Judmvertteibung umerdtng« in Scme zu setz«; allein Me Sach« verlief im Sande, da lie Bedacht« sofott in der abmdvndtsch« Presse Lärm schlug ir. Hmte nun bringt Codrefcu da« populäre Thema in Form « ner Interpellotton vor dt« Kamm«. Tr hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß die »Alliance Isnulite' dm Beschluß gefaßi habe, in Rumänim ein« ,n«e» iSraelittschm Staat' zu gmvdeu. Der thättge Agent der ,?lliance,' Herr Armand Lev:,, gebe in seinem Bettcht an die Gesellschaft die Zahl der im L,mdc wohnmdm Judm auf 400.000 an, und diese Ziffer bewrise zur Gmüge, daß die Besorgnisse hinsichtlich der Uebecfluthurg Rumäaim« durch die Juden nicht uagegründet seien. Keinem Lande sei da» jüdische Element so gefährlich wie Rumänier, denn währelch in Oesterreich, d»n mtt Judm am meist« gesrgvetm Staate, auf 33 Oesterreich« r 1 Israelit fällt, kommt auf 5 Rumänm 1 Jude (wa« vor 20 Jahren doch noch ander« war, da unter 27 Rumänm 1 Jud: war). Codrefcu stellte dal«r dm Anttag: die Regiemng wrge den Judm keine Pachtungen mehr im Lande gestattm. Die von dem Ministerium de« Innern angeordnete Maßregel, daß kein Jude auf dem flach« Lanse eine Schänke haltm solle, möge auch ernstlich durchgeführt Werder. Die Regiemng solle nicht länger gestattm, daß Judm Jnmobilim erwerbm. Endlich möge die Regierung lieber die Ccnsular- Jurisdiction noch länger ertragen, als vie Invasion der Judm )ul2e,. Minister Cogoluitscheano behandelt in seiner Antwn^ die Fragwie ein rohe« Ei; er tritt dem Unsinn de« D:putirtm nicht prinzipiell entgegen, ionlem sucht ihn mir auf allerlei Umwegen ack adsuräum zu fuhr«. Er müsse, ebmso wie Codrefcu, die Macht der »Alliance' anerkennen, wckche durch ihre Intelligenz und ihr viele« Geld hmte soviel Einfluß habe, wie eine europäische Großmacht. Die Invasion der Judm nach Rumänim könne uicht verhintert werdm, weil die Judm durch alle Grmzwachen ducchschlüpfm rmd sich wie Ameism im Lande auSbreiten. Um dieser Uebersch venunung entgezenzuarbeitm, müßte man einen CordonHiehen, der die unerschwingliche Summe von 30 Millionen kost« würde. Die Regierung dürfe keine Maßregeln gegm die Judm Vorschlag«, um nicht die Mächte zu reizen und die Rumänm abermal« im Abendland« al« Barbarm in Veiruzu bringen. Der Minister ferbert daher die Kammer au-, firröze doch selber von ihrem Rechte der Jnitiattve Gebrauch mach m und einm Gesetzvorschlag einbringen. Georg Bratiano schildert darauf in düstren Farben die Unterdrückung »der edlm stlumänm durch die schamlosm J'udm'; da« einzige Mittel gegm )a« Ikon poseumuo de« Minister« sei da« Judenverttlgung«-Projekt der 33 Moldauer Deputrrtcn vom Jahre 1867. ES schließt mit der Drohung, dw.i j che Rej gimmg, die sich dem Will« de« Volke« widersetze, unterzeher müsse.! Der Minister lacht. Entrüstung auf dm Bänken der Lttikm. Eine Stimme ruft: Erttänkt die Judm in der Dcnau! Eine andere: Nein, gieb ihn« lieber Güter in Pacht! Allgimrines lHelächter. Mit dergleichen feinen Späß« schließt die würdice Versammlung die Debatte vom 30. December. Am 31. December wnrde die Debatte mtt mdlosm Schimpf-

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