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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-12 · 2 (12.1.1870) · p. Seite 20

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
2 (12.1.1870)
Date
1870-01-12
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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minister gefällig zu fein. Diesem zum Trotz wurde Töplitz damals Mt gewählt. So mußte Venn die Regierung, da alle kleinen Mittelcheu fehlfchlugen, in den sauren Apfel beißen »ad an dem königlichen »christlich«' Gymnasium zu Lissa einen Juden als Lehrer aastellen. Die von Herrn Wan trup befürchtete Anarchie und DiSciplinlosigkeit blieb au-, und die christlichen Schüler zeigten wirklich mehr Bildung und Sitte, als ihnen der orthodoxe Herr Schulrach zugetraut hatte. Bor einig« Wochm nun wurde durch die Berfetzwlg de» Oberlchrer» Steußlof «ach Lemgo eine Stelle vacant, und »ach der gewöhnlich herrschend« Norm stand zu erwart«, daß der der Anciennttät nach nächste Lehrer in dieselbe einrückm werde. Da« war nun strmggmommm Herr Töplitz mcht, vielmehr war er nach 2ljähriger Wirksamkeit und trotz glänzmd« Leistung« noch immer der jüngste ord«tltche Lehrer. Der Direktor und da« Lehrer-Collegium indeß glaubte von diesem Formalismus abseh« zu müssm und schlug« Hem» Ti plitz für die Vakanz vor; da« Provinzial- Schul-Collegium «doch, als tteuer Dimer und Interpret de» Minister», dessen zweite» Wort »Freihett, Geist, Gleichheit' ist, überging Herru Töplitz und wählte -in« andern wett jünger« Lehrer für dm off«« Posten. Imer hat schon vor mehr«« Wochm die Glückwünsche über sein Avancement in Euqssang genommen, versteht schon seit dieser Zeit die Funktion« seiner neu« Stellung und keiner der Betheiligtm weiß etwa« davon, daß, wie der CuliuSminister sich ausdrückt, die Sache noch in der Schwebe sei. Vielleicht jedoch gelingt e» erneut« Anstreuguuzm d« Stillstand zu befestigen und die Sache »vieder in die Schwebe zu bringen, um sie dann nach dm Grundsätzm mcht einer formal«, sondern einer wirklichen Gerechttgkeit zu schlichten. — Herr Töplitz ist übrig«» mcht nur ein Märtyrer de» Confessionalismus, sende« auch ein eifriger Vorkämpfer gegm denselben. Al» vor eiuiger Zest die Regierung sich mit dem »«lockenden Anerbieten an die hiesige Stadtverordnetenversammluug wandte, eine höhere Bürgerschule hierorts erricht« zu wollm, wenn die Commune zu einer Beisteuer von 1000 Thlm. sich verpflichtete, beschloß die Versammlung, zu der« Mstgliedem Herr Töplitz zähst, auf seine Veranlassung und unter lebhafter Mittvirkung der Herr« Moll und Hausen einstimmig, die Commune wolle 2000 Thlr. bewillig«, w«n in die Statuten der Schule die Gleichberechtigung der Corfessionm aufgeoommm würde. An dieser Bedingung scheiterte nun ftestich der ganze Plan, aber e» gereicht der Stadtverordnetmversammlung zur Ehre, daß sie all« wiederholt« Versuch« gegenüber kein Haar breit von ihrem liberal« Standpunkte wich. — Auch um den jüdisch« Religionsunterricht am hiesig« Gymnasium hat sich Töplitz daakmSwerthe Verdimste erworb«; sein« Bemühung« allein ist es zelungm, alle Hindernisse au» dem Wege zu räum«, so daß die jüdischen Schüler ganz ebmso wie ihre christlich« Genoss« Religionsunterricht empfang«. Ob nun dieser obligatorisch oder nicht, daran kann höchst«» dm« waS lieg«, die um Namen streit«; un» befriedigt völlig die Thatsache, daß die jüdisch« Schüler bis in die höchst« Klaff« in der Kenntniß ihrer Religion unterrichtet werdm. Da» ist aber einzig und allein das Verdimst Töplitz'S. Hoff« wir, daß der wackere Manu durch die öffentliche Besprechung seiner Zurücksetzung im preußischen Abgeordnetmhause endlich auS der Aschmbrödelstellung, welche er bisher inne hatte, herauSkommm wird. Diese Hoffnung ist ftestich, da sie sich auf etwaige liberale Anwandlung« des CultusministerS stützt, weit weniger als felsmfest. o Wasen, Tecbr. 1869. (Oriz.-Corresp.) Zu Öftere d. I. wurde der «egen seiner Tüchttgkest allgemein geschätzte Lehrer, Herr Igel, von der ihm vorzesetzt« Behörde, dem Magistrate, au» der städtisch« jüdisch« Schule, an der er fest viel« Jahr« wirkte, on die städttsche Mittelschule versetzt. Die letztgmannte Schule ist eine Simultananstalt, an der evangelische und katholische Lehrer 20 - nebeneinaad« unterricht«. Der dritte Thest der Schüler besteht au» Jud«, für die ein besonderer jüdischer ReligionSlehrer augestellt Ist. Der Magistrat, der eine Reorganisation fimmtlichcr städttsche« Schul« aus der Bast» der ConfessionSlosigkrst vorbereitet, übertrug Herrn Igel mttZustimnumg de» in pädagogisch« Kreis« wohlbekannt« Rectors der Anstalt, Hern» Hielscher, eine ordentliche Lehrerstelle au der Mittelschule, ia welcher er zur voll« Zufriedenheit der städttschm Behördm wcchrmd de» Sommerhalbjahre» «irtte. Al» Herr Igel für die beide« Tage de» Neujahrsfeste» und für dm Bersöhaungtlaz beurlaubt M seine Steümrttetung d« christlich« Lehrern überttaz« wurde, knüpften dieselb« an die Dertteiung allerlei Klauseln, beschwert« sich über d« Rector bei« Magistrat, und als ihn« dieser letztere eine strmge Rüge etthellte, bet der Köntgl. Neuerung, indem sie diese Gelegmheit bmutztea, um dm Nachweis zu führ«, daß bfc Anstellung eine» jüdisch« Lehrer» an der Mittelschule uuzuläffig sei. Der Köuigl. Regierung bot di« Petition der Lehrer ein« willkommen« Aulaß, um die Pläne der freisinnigen städtisch« Bo> hördm zu durchftrezm und Kraft ihre» Oberaufsicht-recht» d« Igel der Lehrerstelle an der Mittelschule zu entheb« und a« die städtisch-jüdische Schule zurückzuversetz«. Die hiesig« Couuuunalbehördm »erd« zioeifeüo» dm Kampf mit der Regierung aufnehm«. Der Posen« Magistrat zählt drei jüdssche Stadträthe (darunt« eia« besoldet«, dm einzig« in Pr«hm) und die Stadtvnordnetm - Versammlung zwölf Jud« zu Mitgliedern. Beide Collegi« find vom Geiste d« Freisinntgkett erfüllt und e» ist anzunehmea, daß sie mit derselb« Beharrlichkett wie bei der Anstellung de» Dr. JutrosinSki an d« hiesig« Realschule auch in dem vorliegend« Falle vorgehm w«dm und daß httr ivie dort der Erfolg d« gptm Sache nicht au-bleibm rvird. Die Angelegmheit hat die städttschm Collegi« wiederholt beschäftigt. Da die Anhand lung« in dies« wie die mit der Regierung jedoch vielfach nur die Frage nach der DiScipliuar-Cou»p«teuz de» Magistrat» den Lehr«« gegenüb« betrifft, so bietm sie kein speziell jüdsscheS Interesse. Aruutftrrt a.M. (Orig.-Correfp.) AuS Anlaß eines Toaste», welch« Friedrich Stolze gelegmtlich des zu Ehr« uus«e» Abgeordnetm Guido Weiß hi« v«austaltet« Banket» auf Ludwig Börne, »den Vorkämpf« de» republikansschm Dmtfchland»,' ausbrachte, soll nunmehr hwrorts dem Letzt«« ein Dmkmal «richtet »verd«. ES hat sich b«ett» ein Ausschuß zu diesem Zwecke gebildet, an dessen Spitze Johann Jacoby au» Königsberg steht. — Bei dies« Gelegmheit sei e» «laubt auf ein Wo« Börne's hinzuweis«, da» « vor 40 Jahr« mtt Prophetischem Blick üb« uus«e Stadt gespwchm. Er schreibt nämlich in seinem 11. Pariser Briefe (vom 30. Octod« 1830) wörtlich wie folgt: ,D« heutige Constitutionnel meldet, ein Corps deutsch« BundeStruppen, von einem Nassau« G««al commandirt, »verde zusammmgezogen und das Hauptquartt« solle nach Frankfurt komm«. Hab« Sie davon gehört? Das arme Frankfutt sieht doch ein« ttaurigm Zukunft entgegen. Seit 15 Jahr« ist dort daS Hauptquartt« d« Dummheit und w«n diese einmal rhre Früchte trägt, wttd e» Frankftrrt am Erst« schmeck«!' Nicht leicht hat sich eine Prophezeihung so buchstäblich bewahrhedet, une diese BörnS'sche «ach 36 Jahr« E. B. Wiestatze», 30.Decbr. 1869. (Orig.-Co«esp.) Die Notiz au» uus«« ,Mitt.Z.' üb« die hi« dies« Tage vollzog«« Trauung * eine» französisch« Gardeofficier» jüdisch« Religion, sammt der > daran geknüpft« Nutzanwendung für Ehren-Wantrup, ist in viele Zeitung« üb«gegangm und sonach gewiß auch Ihn« und Ihren Lesern berett» zu Gesicht gekommen. Auch die» ist ab« »längst dagewesm', nur daß e» damal» manch« Leut« n« erschim, wie ich Ihn« «zähl« will. E» mögm ettva zwölf Jahre sein, da Hierzu eine Beilage.

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