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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1870-01-12 · 2 (12.1.1870) · p. Seite 19

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
1 (1870)
Issue
2 (12.1.1870)
Date
1870-01-12
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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19 meine künftigen Schilderungen immer nur auf Lhatfächliche« gründen. Da ist zuerst die nunmehr definitive Constttuirung der „Ada« Jidroel". — Sodann ist der „Entwurf de« Statut» der Hochschule für die Wissenschaft de« Judenthum«" ausgegeben worden, und e« hat am 26. d. M. die erste Versammlung zur Eonstttuirung eine» Verein« zu diesem Zwecke, zur Feststellung de« Statut« und zur Wahl de« Curatorium» der Hochschule stattgefunden. (Wir bedauern, sowohl die un» mttgetheillen Hauptpara» graphen der Statut« der «da« Ji»roel, wie die der Hochschule in dieser Nummer nicht geb« zu könn«. Beim Schluffe de« Blatte« erhalt« wir ein« ausführlich« Bericht über die er» »ähnle erste Sitzung. Wir thell« darau« h«te nur mit, daß nach langm Debatt« einige wichttge «enderungm gettoffm sind, und daß am 5. d. M. eine zweite Versammlung 'tättfindm wird. Wir werdm in der nächsten Nummer über beide bericht« und laff« daher da«, wa« der Herr Correspondmt in vorstehmdern Schreib« noch erwähnt hat, vorerst weg. Red.) ll. Werk«, 30. Decbr.1869. (Orig.-Corresp.) Ich übers-de Ihn« hierbei die »Ueberficht de«'Haushalte« der jüdisch« gemeinde zu Berlin in dem Jahre 1868'. Au« demselben haben hiesige und aulwärttge Zeitung« in geschäftiger Elle einige Nottzm in die Welt ges«det, z. B. daß die Zahl der Bei» tragmdm 5000 bettage, (gegen 1131 im Jahre 1843) daß der Bettrag durchschnittlich 16'/, Thlr p. a. bettage, und daß die Bamechnungen übe* die neue Synagoge noch immer nicht abgeschlossen fei«, daß jedoch da» ganze dieSurnrne von 650,000Thlrn. »wohl nicht übersteig« werde.' Für ihre Leser werdm jedoch auch noch andere Ziffern von Interesse sein, zu der« Erwitte» lang ich Ihn« einige Fingerzeige gehe. Beacht« Sie zunächst die großartig« Summ«, welche durch vierzehn unter Verwaltung de« Gemeindevorftante« steh«de Wohlthättgkettsanstalt« vertheilt werdm. (Wir können leid« au» Raummangel keine Detail« geb«. Red.) Außer dies« besteh« aber noch viele andere, von der Gemeinde unabhängige. Eine derselbm, der Verein »Hachnasa» Kallah', wird im Jahre 1870 da« 150jährige Stiftungsfest feiern; die Mitglieder rühmengem, daß ihr Verein älter nl» die Kehilla selbst sei; fteilich nicht ganz correkt. Inter» effant ist auch wohl eine Vergleichung de« Etat« der alt« und der nmm Synagoge. Hier 578 Thlr. für Heizung, dort nicht«; die Besucher der alt« mögm sich dräng« und durch heiße Andacht wärm« — vielleicht .stimmt e«', wie der Berliner sagt. Ehor und Dttigmt in der alt« 1498 Thlr., in der neu« Chor allein 2333 Thlr., dazu Organist u. s. w. 498 Thlr. Dagegm Mizwötgeld«: a. S. 564 Thlr.; n. S. 352 Thlr. Bedenkt man dabei, daß doch an Rosch-Haschana und Jomkippur beide Tempel gefüllt sind und die Einnahm« an dies« beider, Tag« ziemlich dieselbe hohe Summe bring« rnüss«, so ergiebt sich, daß für die übrige Zett in der a. S. wohl da« Dreifache geg« die neue einkommt*). 1 J>M)i|, 30. Decdr. 1869 (Orig.-Corresp.) Heber den zum Mttgliede de« Bundes»Oberhandel«zericht« designtrt« Prof, vr. Goldschmidt werdm folgmde Notiz« von Interesse sein. Derselbe ist von hier gebürtig, studirtt in Berlin und Heidelberg, wo er sich auch später al»Privatdozmt habilttirte. Jnzwisch« hatte er hier in Danzig al« Referendar gearbettet und narnmttich als Betthetdiger sich ein« ansehnlich« Ruf erworbm. Sein Vater war der vor einig« Jahr« verstorbme hochgeachtete Kaufmann David Goldschmidt. Seine Brüder sind der hiesige Commerzimrath Lasar Goldschmidt und her berliner Meyer Goldschmidt, welcher bi« vor einiger Zett Direktor der Bank der Diseonto- Gesellschaft war — jetzt ist er in, BerwaltungSrath. Bor einig« *) Eine wichtig« Mittheilung «ul dem Vorbericht» de» Vorstände» »erd« wir nSchstra» besprechen. Jahr« ward Lasar Goldschmidt hier von der Kaufmanr schuft tu da« Handelsgericht (wie es!si« heißt: Commerz» und Admiralität,! - gericht) gewählt, aber von der Regiem ag, weil er Jude war, „ichbestätigt. Derselbe ist Vorsitzender drr «eltestm derKarfwann schaft. Er war auch zun: Provinziallandtag hier gewählt, abei ebmfall« von der Regiemag nicht betätigt. V /iffa,imDecbr. (Lrig.-Corresp.) Das Cuitus-Minisierium und da» Prinzip de« ausschließliche? Confesfionalismu», welches seit mehr al« einem Bietteijahrhundert in unserem Vaterland hinschevd geword« und von dem fast jede Stadt in Pr«ß« ein Lied zu fing« weiß, hat auch über Lissa seine Segnung« au«; ebriitet. Schade nur, daß die undankbare Stadt für so viel Hui» merksamkeit und Sorge um ihr Seelmheil dem Cultus-Müiish: schlecht lohnt. Der Abgeordnete unsere« Kreise«, Kreit-Gerichts. Direktor GotschewSki, zur nattonal»liberal« Partei sich zählmd, hat in der Debatte über da« Cultu«»Ministerium einen Fall schwerer Zurücksetzung eine« jüdisch« Gymnasial» Lehrer» mit bitte« Worten zur Sprache gebracht, der Cullu«» Minister hat, wie immer, eine ausweichende laue Antwort zur Hand gel-abt, und damit scheint dies« Fall, wie andere sociale Beschwwdepunkte, verschob« und au'geheb« zu sein. Biclleicyt jehoch bewirft eine genau«e Darstellung de» Sachverhalts, daß bei der Schlußb«athung de» Etat« k« CultuS-Minister durch errieul. Interpellation veranlaßt wird, mdlich mit klaren, kurz« Wort« darüb« Rede zu steh«, tnafl er in feinem Reffort Gleichberechtigung nennt. Lasten Sie sich diesen Fall etwa« gmau« «rzählen und erkennen Sie darauk, welche» heitere neidm»w«the Loo» eine« jüdischen Landidatm deS höhnen Schulamts wartet. Herr Töplitz ist in, Jahre 1648 als HilfSlehr« in daS Lehr«-Collegium de» hiesigen Gymnasiums eingerreten, liamalS, wie alle Welt, von d« fteudigm Zuvnjicht erfüllt, daß die Revolution alle eonfessione I« Schranken aufzehebm und jedem, auch dem jüdischen Talmt, Bahn gebrochen habe. Als >ie Reaktion eintrat, gehörte Töplitz zu dm wenigen Beamt«, welche nicht entfernt wurden; sein: geradezu außerordmtliche pädazogische Thätigkeit, die Beliebtheit der« er sich bei seinen Collegen wie bei seinen Schülem zu «freuen hatte, und der lüernh: Sinn feine« Vorgesetzten, Hem Direktor Ziegler, sicherten ihn vor l« Angriffen orthodoxer Unduldsamkeit. Aber er blieb Hülstlehr« mit 400 Thlm. fixen Gehalts, und dazu hing über fernem Haupte stet» das Damoklesschwert augenblicklich« Amtsentsetzung, '»bald er durch irgend einen ge.ingfüzizen Umstand daS Mißbehagen seine« Vorgesetzten sich zugezogen hätte. Die Regiemng erkannte wohl daS Mißliche solcher Zustände, ab« ihr System erlaubte ihr nun einmal nicht dein wohlverdimt« Beamt« eine feste Anstellung zu geben. E« war in dm 50« Jahrer, zur Blütezeit der Reaftion, als ein hochgestellter, einflußreich« Beamter deS CultuS-MinisteriumS ausdrücklich dm Lehr« Töplitz zu: Taufe animirte, um so dm sich und der Regiemng unbequem« Zustand zu beseittgm. Dn dem Z udenthum ergebene und überzeiiguagSttme Mann ging natürlich auf dies« Vorschlag nicht ein und blieb — 20 Jahre HilfSlchrer. Töplitz hat e« stets verschmäht um sein Recht zu betteln, und wäre wahrscheinlich noc, heute Hilfslehrer, wmn nicht Horn, der jetzigeOberpräsidmt d« Provinz Preußen, der damals der Regi«ung in Pos« Vorstand, sirpersönlich seiner angmomrr« hätte und direkt nach B«liu gereist wäre, um diese Mißstände mrch die definitive Anstellung Töplitz's au« d« Welt zu schaff«. Schon früh«, al« da« Direftcrat der jüdisch« Realschule in Frankfurt a. M. «ledigt war, hatte Töplitz an Sein« Excellenz, dem C iltuS-Müiist«, ein« übereifrigin Für» fprech« gesund«, nur daß d« sonderbare Mann, d« Jahrz.hnte lang da» Martyrium de» C mfessionaliSmuS hatte «dnldm wüsten, keine große Lust bezeugte ar die Spitze ein« eonfesfionellm ikchule, und sei e» auch ein« jüdisch«, zu treten, und daß eich die Frankfurt« Gemeinde w«ig Neigung bekundete, dem Cultus-

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