Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 2 (12.1.1870)
- Date
- 1870-01-12
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
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1» genügt, um sich von allen Rechten und Pflichten der Genossen» schast loSzulös«, und daß von Seite» de« Staate« keinerlei Zwang geübt werden kan» z« Gunsten der kirchliche» Genossenschaft. Die ,9t. bad. L. 3.* setzt hinzu: »eine Entscheidung von der größte« Tragweite im Sinne der Religionsfreiheit und, wie Fach» männer behaupten, eine der liberalsten, die ein Verwaltung«» gericht«hof je getroffen hat.' JnSlnttgart tagt« eineDelegirtenversammlunz der würtembergtschen Israelit« unter pm'önl. Leitung de« Minister« v.Golthrr undbertetheine Reorganisation de« israeltttschenKirchrn» wesen«. Der ,St.A.' berichtet darüber, daß der festgestellte Entwurf nur die Eigenschaft eine« ganz vorläufigen habe, und daß die künftige Verfassung der israelitischen Religion«gefellschaft eine Form finden müsse, welch.- di« gleiche Berechtigung der ver» schtedenm Standpunkte sichert. An Aufhebung der gesetzlichen Lritrag«pflicht zur Syn.-Gemeinde scheint man jedoch nicht zu denke«. Auch in Darmstadt find nach dem »Franks. Journal' Agitationen für eine andere jüd. Gemeindeverfassung in« Leben getreten; in Wiesbaden beschloß eine Versammlung um Suf» hebung der bi«herigen CultuSgemeinde- Verfassung uib eine Einführung de« preußischen Gesetze« von 1847 vorstellig zu werden. Zn Lemberg endlich schließt der dort erscheinende »2«raeltt' eine gut geschriebene geschichtliche Uebersicht der galizischen Gemeinde» (Kahal-) Verfassungen mit dem Rufe nach Umgestaltung derselben im Geiste vollständiger Freiheit. »Lakai muß eine reine fteie Relizion-genossen'chaft werden und sein Zweck ist, den Bestand der jüdischen Religion zu wahren und daher die jüdischen religiösen Anstalten zu erhalten und zu vervollkommenen. Wir müffea un« selbst das Gesetz geben. Man lasse die Freiheit walten, erwecke die religiöse Zusammengehörigkeit und der Erfolg wird und muß zeigen, daß auf diese Weise der Gleichgültigkeit abzeholfen wird. Laßt unS ein neue« Lakai, gegründet auf fteien Willen und religiöse« Grfühl, aufbauen. In Bayer« sind drei Juden in die Kamme« gewählt. Der eine von diesen, vr. Frankenburger, dürste nach allem, wa« uns über ihn zu Ohren gekommen, berufen sein eine bedeutende Rolle zu spielen. Auch in den Gemeindevertretungen sind dort auf 1870 zahlreiche Israeliten gewählt. Zum Mitglied de« BundeS-OberhandelSgerichtS ist ein Jude vorzeschlag« (s. unten, Danzig). Wir erinnerten unS dabei an einen Ausspruch von Crömieux in seiner jüngst in Berlin gehaltenen Rede: »Sobald die Juden den Andern erst einmal gleichgestellt sind, werden sie auch einen Schritt voraus fein.' Der französische Ausdruck lautete noch etwas prägnanter. Au« Altona berichtet man von den dem dortigen Arzte vr. L. Bend ix, einem Juden, bei der Feier des 2S jährigen Bestände« de« »evangelischen Krankenverei»«', dessen Arzt der Genannte während der ganzen Zeit gewesen, erwiesenen Ehren. Au« den von vr. Alb. Cohn an mehrere Blätter gesendeten Reiseberichten nehmen wir in diesem Zusammenhänge die Notiz auf, daß sich im Gefolge deS Kaiser« von Oesterreich auf dessen Orientreise ein Fregattencapitai« Funk, ein Jude, befunden hat. (Oesterreich ist freilich auch kein »christlicher Staat', und Franz Joseph hat Wantrup nicht um seinen Rath gefragt. Vgl. unten, Wiesbaden.) Kerner, daß derselbe Kaiser dom (.'Ksodam-vasodi (Ober-Rabbiner) von Jerusalem, dem Arzte deS dortig« Rothfchlld'schmHospital«*), vr. London, — welcher gute hebräische Berichte für dm »Mazgid' schreibt — und dem Gemeindepräse« Valero d« Franz-Joiephordm verlieh« hat. Wir mach« aus die Mitthetlunz de« Candtdatm Tietz (in der A. Z. d. I.) aufmerksam, wonach die jüdisch« Gefangmm in Preußen dem christlich« täglich« GotteSdimste bei- *) Dasselbe hat 1868 über 13,000 Personen, Jude», Christen und Türken, ärzNich behandelt «ad 475 Personen in seine» Betten gehabt. wohn« müssm, und di« Bitte, sie davon zu dt«penfirm, damit sie für sich bet« und Tephilli» leg« können, von dem Minister al« »mit der Anstaltöordaung unverträglich' zurückgewiesm ist. Ein himmelschreiender Gewissenszwang! Der »Di«', ei» in Odessa erfchetnmde« jüdische« Blatt, polemtstrt, wie wir au« dem »Maggid' ersehen, gegm dm vr. Treuenfel« weg« seiner vorlängst gemacht« Vorschläge über Auswanderung der russisch« Judm nach Amerika. Gt« soll«, meint der »Di«', in« Innere Rußland« zieh«, sie Hab« tt dort gar trefflich. Damit conttastirt leider gar zu schroff die Schilderung der Leid«, welche die Rekrutirung augenblicklich über die Judm in Smvalkt bringt. E» klingt au« dm Bericht« doch gar vemehmlich der Ruf herau«: »rettet un» an« Rußland!' — mit Wort« wird man'« freilich an Ort und Stelle nicht sagm. Auch die AuStteibung der Judm au« dm Grmzdtstriktm der Moldau bestätigt sich leider. Au» Galizien wird eine Schauergeschichte erzählt von der Erdrosselung eine« jüdisch« jung« Manne«, der eine Christin heirathm und sich tanfm lass« wollte, durch den eizmm Vater. Da» Schwurgericht hat dm Vater und ein« seiner Gehülfm bei der That, zum Tod« verurtheilt. — Auf die amerikanische Rabbiner-Confermz (s. Nr. 1) zurückzukommen ist allerdings nicht der Müh« werth. Die Beschlüsse sind inzwischm bekannt geworden, und die Kritik hat jensejt« wie dicSsett» de« Ozean« ihr Amt geübt. Da ein Eingeh« auf die Frag«, welche dabei in Bettächt kommen, durchaus nicht in den Wochenbericht gehört, so wollm wtt nur (cferixm, daß die Urtheile der radikalen und der orthodoxm Blätter gleich absprechend lautm. Berichte und Korrespondenzen. Deutschland. ’ Fterki«, 3I.Decbr. 1869. (Orig.-Corresp.) Sie verlang« Schilderung hiesiger Gemeindezustände —? Aufgeben ist leicht, liefem schwer — und Lieferung abnehmen ohne Mucken und Zuck« — wissen Sie wa« Differmzm sind? Ich meine natürlich zwischm Redattmr und Correspondmt«. Ultimo liegt wohl in der Lust, daher diese — Einkleidung meiner Eimväade. Aber Borwände sind e« wirklich nicht, sonst schützte ich mich einfach hinter die Beschäftigungen de« Jahresschlüsse«. »Wa« geht Sie dmn JahreSschl-?! * Wa« geht die Leser meine Person und mein Geschäft an? — Zur Sache! Fang« wir mtt Erstell» lichem an. E« scheint sich da» Prophetmwort z« erfüll«: »Ich sende Hunger in» Laad-zu hör« Gotte« Wort.' Wir hattm vormal« einen Prediger, »einen, aber ein« Löwm', dann war alle« still wie da» Grab, auSgenommm an dm hohm Fest«, und in dm »Lokal«' keine Predigt; jetzt predig« fast allfabbathlich Anb, Hildesheimer, Nascher, Uugerleider, außerdem »sprech«' noch einige nicht fest angestellte in verschiedenen kleiner« Synagogm. Dazu koinmt demnächst Geiger. Jeder hat sein Publikum; mtt Ausnahme der neu« Synagoge sind die Bethäufer wohl besetzt, manch« gefüllt, manchmal gedrängt voll. Wa« will man mehr? Kann man da eigentlich über Mangel an religtöstm Leb« klag«? E« ist nicht einmal nöthig ein« Eettmblick auf die Kirchm zu werfen. Daß mtt dem GotteSdimste di- Wohlthätigkeit wenigstengleich« Schritt hält, ist allbekaqnt, und da die gotteldimstlichm Borttäge aller jmer Herrm doch immer religiöse Belehrung und Anregung bietm, da zu dies« noch verschied«« Borttäge und Redeübungm von und für Jud« über religiöse Aagelegmhettm gehakt« «erd«, so Hab« Sie die alt« „drei Säulen" 1« bester Ordnung. So nehmm Eie für heute »och zwei thatsächliche Mittheilungm au, Thatsach« sehr verschied«« Art; ich möchte aber