Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 2 (12.1.1870)
- Date
- 1870-01-12
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5369809-5934980-5935127--0094-5369841- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 nicht weil wir diese Ansicht theilten, sondern damit di« von ihm so oft kundgegebm« Wertschätzung seiner Religion ihn veranlasse, anch der unseren ihr Recht zu gewähre». »Rechtfertigen dies« Borte und dies« Borschläge Vorwürfe, wie fie gegen u»S erhoben worden sind? Haben wir auch nur mit einem Worte um Unterricht in den Gnmdsätzm gebeten, wie fie der jüdisch-theologische Verein bekennt? Ist de« jüdisch-theologischen Seminar« in Breslau auch nur gedacht worden? Wird nicht der Religionsunterricht an den Gymnasien naturgemäß von dem Religionslehrer ertheilt werden, den die Gemeinde selbst fich gewählt hat? Kämpfen die für confesfioaelle Schulen, die» wie wir in unserem Circulair erklären, »daß vielleicht wenig dagegen einzuwenden sei, wenn an den Gymnasien u. dgl. gar kein konfessioneller Unterricht erlheilt, und dieser ganz der Fürsorge der Eltern resp. der Religion«» genossenschaften zugewiesen würdet Denn da« wünschen wir, und gehen damit weit über die Forderung derer hinaus, die bloß confesfion«lose Schulen verlangen. Aber wir wiffen wohl, daß »och manche» eindringliche Wort wird gesagt werden muffen, ehe fich da« jetzt herrschende System hierzu entschließt, und wir möchten nicht gern ganze Generation« in Unkenntniß ihrer väterlich« Religion aufwachsm seh«, weil vielleicht in hundert Jahrenaller Religionsunterricht dm einzeln« Confesfionm zuzewies« werdm wird. »Wir hak« daher alle« aufrecht, was in unserer Petition und unserem Circulair gesagt wordm ist. Aber wir wollm nicht, wie eigensinnige Kinder, um Worte feilsch«. Wir möchten nicht ge«, daß jüdffcher Religionsunterricht zum Zankapfel werde, um den jüdische Gemeinden mit einander bade«. Wir werdm zusried« sein, wenn uniere Petition e« bewirkt, daß der jüdische Religionsunterricht in d« Räum« der Lehranstalt« des Staates währmd der regelmäßig« Schulzeit ertheilt wird und der Staat ein« Zuschuß zu der Besoldung der Religionslehrer giebt. Wir find daher gem bereit, da« Wort .obligatorisch' in unserer Petition fall« zu laffm und dm Satz »Ew. Excollmz Hab« oft und mit Emichiedeuhest erklärt x.', der zu Mißverständnissen Anlaß gegebm hat, zu streich«, vir hoff« hiermit auch da ängstlich« Gemüt he« da Wahn zu benchmpn al« heiße Einfüh«ng de« jüdisch« Religionönnternchte« iu die Lehranstalt« de« Staate« Beschränkuug der religiös« Freiheit der Gemeind« Dir hoff«, daß fortan nur die an unserer Petition «ustcß nehmm «erd«, bei dm« der Kampf gegm confesfionelle Schul« da« Streb« birgt, Religion und Religionslehre au« Schule und Leb« zu tilg«.' Ja dieser verändert« Faffung ist die Petition, nachdem alle Gemeind« bis auf eine zugestimmt Hab«, abgesendet. Da« Resultat wird abzuwartm sein, dann werdm wir auf die Sngelegmheit zurückkomm«. Was von Her« v. Wühler zu erwart« ist, weiß jeder der Absender, da« Recht zu fordern blieb da«m doch Pflicht. Da« u«e Unterrichtsgesetz würde dm Sachverhalt ändern und andere Schritte von'Seit« der dadurch schwer bedroht« Judmgemeindm erfordern, doch ist die Verwerfung de« Entwurf« wohl unzweffelhaft und daher Schritte unsrerseits mtbehrlich. In dem Reffort de« Cultu«» Minister« aber liegt auch für «uS der Schwerpunkt der Bewegung. Die« ist auch der Grund, wamm wir eS für zweckmäßig halt«, die untm folgend« Berichte au« Liffa und Pos«, die UN» schon vor Monatsfrist zugegangm, noch jetzt zu gebm. Wir werden noch mit manchem Berichte über Schul-Conflikte die Spalten füllen müssen, ehe »unser Recht wie Sonnmglanz, hervorgegangm' sein wird! Wochenbericht. Stellt«, 4. Januar. Schon lange stehen die Juden nicht mehr isolirt. Boa alle« Wichtigen, wa» sich für au« und unter uns ereignet, über na» verhandel» wird, von Gesetzen und Gesetzentwürfe«, die un» beüber fie zu verbreit« und die Reinheit chreS Glauben« zu verdächtig«: fie soll« Esra göttlich verehr« und deßhalb auf einer niedriger« Stufe der GotteSverebrunz steh« als die MMimm, die an ein« einzig« Gott glaub«, ferner leim in der heilig« Schrift ausdrückliche Hinweise auf die prophettsche Sendung Mohammed'« enthalt« z>nves«, die Jsraelttm aber hättm die heilige Schrift gefälscht und jme Stell« auSgemerzt, — nebenbei geiagt, ein Vorwurf, der auch von dm christlich« Judmbekehrern de« Mittelalter» oft ..ihoben wurde. Bei solch« bloß« Wortgefecht« ließ eS aber Mohammed nicht bewend«; fein heftiges, aufgeregte« Naturell, seine RückfichtSlofigkeit in der Niederwerfung aller fich ihn» entzegmsetzmdm Schwierigkeit«, und ich will bmzufügm, der Glaube an seine Sendung, drängt« ihn bald zu offmer Gewoltthätigkeit gegen die Juden. (Fortsetzung folgt.) Die Jude« in Doruien. Boa Franz Maurer. (Nutgllglich nach dem „tlu»laud".) Zu d« intereffantestm der Bewohner Bosnien« gehör« unstreitig die dottig« Ivb«, etwa 5000 an Zahl, von dm« ungefähr die Hälfte « Sarüjewo anfäßig sein soll. Die Vorfahr« dieser Latte find au» Spanim eingewandert, und ließ« sich zunächst unter de« unmittelbar« Schutze de« Padischah von Konstantiaopel nieder, von wo au« fie fich allmähllch über die ganze «ropäffche Türkei verbreüetm und überall, zum Theil bi« auf dies« Tag, der Regierung gegenüber «ine Stellung einuahmm, die ungefähr derjmigm «spricht, welche weiland »die lieb« Kammerknechte de« helligm römisch« Reicht deutscher Ration' bei uninne hatt«. Sit bildet« und bilden bi« auf dies«; Tag eine besondere Rajah-Ration, der« höchste» dem Pforten- Ministerium verantwortliches Oberhaupt dm Rang eines Diuschir oder Feldmarschall bekleidet und, wie diejenig« der andcm Rajah«, in Konstantinopel geehrt. Der größte Theil der in der asiatisch« Türkei ansäßigm Judm soll übrig«» von jmm spanffchm Einwanderem abstamm«, die fich gleich bei ihrem erst« Auftretm in Konstantinopel dm Gewalthabern sehr nützlich zu machxn wußtm, indem fie diplomattsche und andere Mission« ubemahmen, sich dm Handwerk«, besonders dem Baufache widmet«, und überhaupt als eine mit dm ander« Rajah« tödtlich verfeindete - Nation in der Türkei eine große Wichtigkeit erlangt«, die fie I noch heutigen TagS besitz«, obwohl ihre religiöse Stellung noch > niedriger ist al« die der andern »Ungläubig«,' waS ich mir,! wenn eine Erklärung überhaupt möglich ist, nur damtt erklär« kann, daß eS dem cSmanischm unduldsam« Uebermuthe gefiel, dies« Rajah«, welche Schutz iu der Türkei sucht« und trotzdem nicht dm »recht« Glaub«' annehmm wollt«, noch besondere Demüthigungm aufzuerlegm, um einerseits ihre Hartnäckigkeit zu bestraf«, und andererfeü« ihr« Abfall verlockender zu mach«'). Zu dm besonder« Zurücksetzung«, welche die Kinder J«rael« in Bo«oim über fich ergeh« laffm mußt«, gehött die Vorschrift hinsichtlich ihrer Todtmäcker. Ich bettat ein« solch«, der in der SÜihe der christlich« Friedhöfe bet Banjaluka angelegt ist, und! war in der That betroffen, al« mein Degletter mir sagte, auf welchem Bo dm ich mich befand. Ich stand nämlich auf einem | nicht eingehegtm Felde, welch«« durch nicht« von dem übrig« *) Also dergl. ist, wen» llterhaupt erklärlich, mira»»dr«»»ma»ifchra j «»duldsame» Uebermuth z» erkläre«, aor t» der Dtrkei mögllch. Lhrtftliche ttedr tarn eisen solche» Gedanken kaum faste», hätte «i« (o verfahre» kttme» Senn da» «icht die Geschichte von Splitter und Balken istl — Red. d. ift. S.