Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 2 (12.1.1870)
- Date
- 1870-01-12
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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14 ein Kämpfer, der für die Idee »Gut und 33lm* einsetzte und billgab, nicht mit Phrasen, sondern in der Thal und Wahrheit — so bleibt ei. Nur daß wir, um für die Wahrheit zeugen zu können, auch bestrebt sein «iss«, jeder an s>äne« Theüe wirklich die Höhe der Zeitbildung zu erreichen und an chren guten Strebungen un« kräftigst zu bethrllig«, denn sonst beweisen wir freilich nicht» l Der unwissende, ungebildete Fromme hat im Judenthum nie in besonderem Ausehen gestanden; gesstige Armuth selig zu pressen ist un» nie in dm Sin» gekommm; heutzutage aber kann die ungebildete Frömmigkeit vollmd« an der Aufgabe J-rael» nicht Mitwirken. (Daß wir fie darum nicht verachten, hochmülhig abfertigm wollen, begreift sich im Zü,ammmhange wohl.) Also: Judenthum und Wissen, Religiosität und Humanität! Damit rettm wir dann auch der Mmschhett da» schwer bedrohet« GotteSgesetz, ohne welche» fie doch wieder in da» Ehac» der Barbarei zurücksinkm müßte. — Unsere, uu,re» Blatte», spezielle Aufgabe aber wird es sein, diese Gedanken wetter zu begründ« und zu verbreitm. Für heute überlass« wir ihre Autführung getrost dem dmkendm Leser. Tagesfragen. Der jüdische Keligionrunlerricht in den Htaatsschulen. (SB wird noch unvergessen sein, daß vor einig« Monat« von dem Conntö de» südisch-theologisch« Verein» eine Petttion an da» pr«ß. Cultu»-Minifterium »um Einführung de» jüdisch« Religionsunterricht» al» eine» für die betreffend« Schüler obliga'orischm Lchrgegmst-ndeS in die höher« Lehranstalten* entwirf« und an die Gemeind« zur Unterschrift versendet wurde. Ueber diese Petition hat fich in der Presse, hier und da auch in den Gemeind«, ein heftiger Kampf mssponn«, dm hier zu resumftm oder gar wieder rufzunehmm weder un» noch dm Lese« angenehm sei» würde. Nur da» sei erwähnt» daß etwa 200 jüdisch« Gemeind« fich-für, acht öffmtfich geg» dieselbe erklärten. Die Sache selbst bleibt nicht «ur wichtig und wesmütch, sondem di« Hebung und Förderung de« rellgiösm Wissen» bei unserer Jugend ist geradezu da» Wichtigste, wa» wir zu thun Hab«, ist eine LebmSfrage für da» Judenthum. Da» könnm un» alle möglich« «nd unmöglich« Ermugmfchaftm und Erfolge nütz«, wenn die nächste Smeration, der sie zu Gute komm« soll«, dem Judmthum nicht mehr angehört?, Da» wffrde aber in Wahrhett der Fall sein, wenn sie «» nicht kennen lemt. Man bleibt frelltch dogmatssch ein Jude, wenn man einmal al» solcher geborm ist, und ebmso social, so lange man e» noch »der Rase anfieht;' aber hier sst nicht von dogmatisch« Sätz« oder social« Vorurtheilm die Rede. — S» steht femer vollkommm fest, daß die Schulftage für Prmß« überhaupt und»für die preußischen Judm tn»besondere von höchster Wichtigkeit ist. Wir geb« daher in Betreff der erwähnt« Petition nachstehend dm Wortlaut*) eine« darauf bezüglich« Ctrmlatr», welche» von dm» vereink- Eomttö an die Gemeind«, »vrlche dieselbe unterzeichnet hatte«, versmdet Word« ist, um zu einig« Abänderung« der« Zustimmung etnzuholm. Man wollt« nämlich da» Wort »obligatorisch* und ein« Satz, welcher Anstoß erregt hatte, »veglaffm. »Obgleich »vir kaum der Hälfte der Synagogmgemeindm unsere» Baterlande» unsere Petttion hattm zngeh« lassen könnm, sind doch über 200 derselbm beigetretm. Gewichtige Stimm« au» der Mitte der liberal« Tagetpreffe, wie z. B. die Kölnische, Nattonal- und Magdeburger Zeitung, Hab« unsere Fordemng al» ein« gerechte anerkannt. Die Versammlung der rheiutfchwestphälischm israelitisch« Lehr-r hat beschloss«, eine im We- *) Mit Wkglaffnng der Lingaiig». und Schluß!ätze imd einige», durch Xamnbelchränkthei» gebotene», »»wesentlichen Nürznugen. Feuilleton. Mohammed und die Juden. * Bon Rabbmer Dr. Perle«. (Aonse-ung.) Bei solch vertrautem Verkehre mü Judm und Jüdinnm konnte Mohammed mtt Leichtigkeit Manche» au» der helligm Schrift erfahr«, was ihm bei seiner Relizionsstistung von Nutz« war. Da er de» Lesms und Schreib«» unkundig war, so war er darauf angewiesen, die chm gemachten Mittheilungen seinem Gedächtnisse einzupräg«, das ihm, wie wir sehm werdm. manch« schlecht« Slreich spielte und manche ungereimte und lächerliche Behauptung in die Sammlung seiner Prophezeiung«, d« Koran, aufnehmm ließ. Um nur ein Beispiel anzuführ«, kam eS chm nicht darauf an, ein Jahrtausend zu überspring« und Mirjam, die Schwester MofiS» für ein und dieselbe Person mit Mirjam oder Maria, der Mutter Jesu, zu halt«. Der jüdssche Einfluß zeigt fich bei Mohammed auf Schritt und Tritt. Die Sammlung der Offmbarungm, die ihm nach feiner Angabe der Engel Gabriel im Aufträge Gotte» mittheilte, nannte er Korsn oder Furksn, Schrift und Erlösung. Beide Ramm sind jüdisch« Ursprünge». Eine ganze Anzahl von Ausdrücken kommt im Koran vor, die der helligm Schrift oder der jüdisch« Tradition und Legmde «tnommm find, und die ein echter Araber ohne Commentar gar nicht versteht. Ganze Parttem der diblsschm Geschichte, und mit besonderer Vorliebe die dem arabisch« Geschmack am meist« zusagmdm Erzählmz« über Joseph und Salomon — Juffuf und Suleima», — an deren Person« fich auch in jüdssch« Kreis« eine ziemlich reiche Sazmliteratur heftete, werdm im Koran in allerdings eigmtbümlich« Verballhornung reproducitt. Ich muß mich auf die bloße Andeutung de» für dm Zufammmhang zwisch« Judenthum und JSlam sehr interessant« und wichtig« Punfte« beschränk«, weil mich der Nachweis im Einzelnen, so verlockmd und lehrreich er mir auch scheint, schließlich doch zur Versündigung an der Geduld der Leser führ« mußte. Mohammed gab fich in der erst« Zeit seine» Auftretenalle erdmftiche Mühe, um die Judm für fich zu gewinn«. Um sie für seine Absicht« günstig zu stimm«, nahm er ein« Theil ihrer Satzung« auch für die Schaar seiner Gläubig« an. So führte er z. B. den VersöhnungStag für seine Anhänger al» Fasttag ein und gab ihm dm Nam« Aschura, von asor, zehn» weil der VersöhnungStag bekanntlich am 10. Tischri gefeiert wird. Als er später in eine feindselige Stellung zu dm Judm gerieth, behielt er zwar dm Fasttag Aschura bei, verlegte ihn aber au» Oppositton auf den 10. eine» ander« Monat», de» Monat» Moharram, ungefähr wie die christlich« Kirchmlehrer dm Sabbath der heilig« Schrift beibehieltm, aber zur Unterscheidung vom Judmthum auf dm Sonntag verlegt«. Femer bestimmte er Anfang», daß sich sein« Gläubig« beim Gebete nach dem Vorbilde der Judm mit dem Gesichte nach Jerusalem wendm sollt«, die sog. Kibla, später setzte er an Stelle Jerusalems das hellige Mekka; desgleichen beabsichttgte er Anfang», sein« Gläubig« dm Beginn der Gebetzeit« nach der bei dm Judm in alter Zeit üblich« Weise, nämlich durch Pfeif« anzukündigm. Au» Oppofitton geg« die Jud« aber bestimmte er zu diesem Zwecke zwei Hölzer, die geräuschvoll zusammmgeschlagm wurdm, — beiläufig gesagt eine Sitte, die schon der Talmud kennt und die fich in manch« jüdisch« Gemeind« bl» auf dm heuttgm Tag in der Form dk» sog. Schulklopfm» erhalt« hat. Indem er diese und noch zahlreiche andere Vorschrift« dem Judmthum entlehnte, und ganz besonder» durch dm Umstand, daß er die Einheit und