Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 1 (1870)
- Issue
- 1 (5.1.1870)
- Date
- 1870-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t-in')’1': i)0 i"»! Nufere Aufgate. Die Leser erwarten in der ersten Nmrmer der Wochenschrift «in Programm, ein GlaubenSbekenntniß der Redaktion, eine genaue Darlegung de« religiösen Gtandpunfte«, den da« neue Blatt ein» eh men wird. Genügt der Au-spruch: »wir wollen ein Organ der Mtttelpartei schaff«*? Wir könnten unS jetzt, wenn un« daran gelegen wäre, auf eine allerhöchste Autorität berufen und unserm Programm einen Au-druck verleihen, der dem jüngsten Ergüsse kaiserlicher Rhetorik entlehnt, also selbstverständlich klassisch ist. ,3a der Mitte zwischen denjenigen, welche ohne Unterschied alle« beizubehalten ttachten und jenen, welche auf den Umsturz alle« Bestehenden sinnen, giebt eS ein« ruhmvollen Platz, de» man einnehmen darf.* Aber dieser Satz ist sehr allgemein uud jener »Platz* ist breit, hat für viele Raum, eS wollen recht viele auf ihm ftehen. Ja e« giebt eigentlich nur wenige, die ihn nicht eimiehme« und ausgesprochenermaßen auf exttemem Standpunkt sich bewegen wollen. Der Mittelweg ist so sehr al« der beste berufen, daß jeder dm seinigm dafür auSzebm möchte, und wie jeder Herodet noch überherodest werden kann, so findet jeder auch seinm Meister und Tröster, der noch weüer recht« oder link« steht. Wir wissm asso, daß mst dem Worte »Organ der Mittel- Partei* noch nicht viel gesagt ist, dennoch bittm wir, für dm Augmblick diese Bezeichnung und die in unserm Borwotte gegebene Erlänterung genug sein zu lassm und rechn« bei unsem Lesern auf entgegenkommende« Berständniß dessm, waS wir wollm und anstrÄm Wa« nützte auch gmauere Formulirung? Wotte bleibm immer der Deutung fähig, dem Mißverständuiß und übelwolkmder Auslegung prei«gegebm. Dm Lehriahalt de« Judmthum» in ein GlaubmSbekenntniß, in eine dogmattfche Formel zwängen zu wollm, Ist vergebliche«, schädliche« Kemühen; der gesetzliche Inhalt aber ist so mannigfach und vielseitig, daß wft» um unsem Standpunkt wirklich zu kennzetchnm, auf viele Einzelftagm eingehm mühtm. Der Leser wolle un« also Zeit gewähr«, in einer Reihe von Aussätzm und Abhandlungm un« nach und nach mit ihm zu verständigen und im llebrigm durch die ganze Haltung de« Blatte« mehr al« durch Wotte darzulegm, wa« wir im Ganz« und im Einzeln« für recht erkmnm, verfechtm — oder verwe-'m. Wir beginn« mst einer Bttrachtung über »unsere Aufgabe', 3- 1 d. h. die Aufgabe der Juder und de» Judenthum« in der ' Gegenwatt. Zu den wlchttgsten Errun;enschaftm, welch« un« die Rmqestaltung der Lebensverhältnis e gebracht hat, gehört die «8rkmntniß, daß da« Judmthum nicht blo» der Judm wegen da sei, sondem daß e« eine große, ja die größte Aufgabe und Bestimmung für die Mmschhett, für die weltgeschichtliche Eutwikelung hat. ES ist die« erst in der Neuzeit un» wieder zum 1 Bewußtsein gekommen. Die lange Periode der Absperrung! und Ausschließung hatte dm Gesichtskreis vermgem muss«, so j daß nur einzelne hervorragende Geister jme große Idee zu faism vermochten; der Menge blieb di>: Höhe unerreichbar, von der eine AuS- und Umschau über lie Menschheit möglich ist. Was die Prophet« vom ersten bis z>m letzt« verkünden: da« Jutenthum ist ein mächttges Werkzecg in Gotte« Hand — da» ist durch Wott und Schrift in wei:e Kreise gedrungen; euch außerhalb Israel« bttcht sich dieser Satz allmählig langsanr Bahn Die Brsttmmung Israel« ist im Wesentlich« immer i)ie- 1 selbe gewesm, doch hat sie sich zu verschied«« Zeit« verschieden . entfalten müssen. Zu den Aufgaben, die dm Judm in der Neu zett zu lös« gesetzt warm, gehört in erster Linie der Kampf für die Religion«- und Gewissenifreiheit. Duldend und ringend haben wir für sie einstehm mü sen. E» ist längst autgesprocben, daß der Stand der »Judenfra,«' Barometer und Tlwrmomet« für dm Stand der modernen Civilisation und den allgemeinen Fortschtttt sei. Barometer für die Schwere de» Drucke«, der . auf dem Volke lasttt und die Entfaltung hemmt und für die j Spannkraft der Luft, die zrm frei« Aufathmm de« Geiste» , geeignet ist; Thermometer z^in. Meffm der inner« und äußern! Wärme, welche da« Gedeih« der Toleranz, der Humanität, der j recht« Freiheit bedingt. Abi r wir sind nicht blo« Mcßwwk-; zeuge, wir haben mitgethanl 6» bleibt der Nachwelt Vorbehalten, : unbestochen und unbeirrt von Haß und Mißgunst festzustelen,! welch« Autheil die Judm, ihre Vorkämpfer und Fürsprec-er,! an dem Siege der Religionsfreiheit seit hundett Jahr«*) Hai»«. I Wir dersthn zunächst an Deutschlmid. Da« alle Jahr hat für! un« eine Epoche zum Abschluß gebracht; d>r« auf dm , Wigger«'schm Antrag «gangme Bundesgesetz hat, hoff« lich! definitiv, die vollständige Rechtsgleichheit der Judm festgestellt. Warwe wlr gerade von ,,h» idert Jahren" sprechen, daN Wer t» einem der wichsten Bliltter. Winde etträglich zu mach«. — Ich habe, wa« mir gebühtte, ohne Stteit gmommen und Ander« da» Ihrige ohne Rückhalt gewährt.* Aber die Judm in Arabi« könnt« nicht blo« ungeftött ihrer Religion oblieg«, sie gewannen sogar, ohne e« zu beabsichtig«, n«e und mächtige Anhänger für dieselbe. In der arabisch« Provinz Jemm herrschte eine KönigSfamilie Tobba. Ein König diese« Stamme«, Abu-Kartba-ASsad-Tobba, der Anfang« die Judm bekämpfte, wurde später durch Unterredungen mit zwei jüdisch« Weis«, Kaab und ASsad, zum Judenthume bekehrt und vmanlaßte auch ein« Theü seiner StammeSgmossm, da« ^Judmthum anzunehmen. Sein Sohn und Nachfolger auf dem Throne, Zora-Dhu-Nowa«, dm Lockmkopf gmannt, war noch viel etfttgm dem Judmthum zugtthan. Er verwandelte fein« arabisch« Namen in dm jüdisch« Jussuf odm Joseph. In einm solch« von jüdisch« Elemmtm stark durchzog«« Atmosphäre wurde dm Stift« de» J«lam, Mohammed ibn Abdallah, zeborm. Seine Beschäftigung al» Kaufmann fühtte ihn von sedier Gebutt«stadt Mekka, wo nur wmige Judm wohnten« nach dm groß« Meßplitzm Arabien« und brachte ihn in vielfältige Berührung mtt dm Hauptträgmu de« Handel«, dm Jnd«. Mohammed, mtt ein« überreich« Phantasie und tnem hohm Grade von Schwärm«« auSgestatttt, sog mü groß« Gier in seinen Unterhc ltungm mit dm Judm die von ihnen vorgettazenen Erzählumm au» dn heilig« Gchttst und d« jüdisch« Sage ein und lefreundete sich mit dein obnstm Grundsätze de« Judmthum«, nit dem Glaub« an einm einzig« Gott. E« ist ganz natü rlich, daß « sich bei dem Sttebm, da« vielgestaltige arabische Hoidenthum zu stürz« und seinem Volke eine neue und dessme Religion zu gebm, an das ihm zunächst liegende Vorbild, an da« Judmthum, inlehnte. D« chttstliche Einfluß auf Mohammed ist vmhä'tnißmäßig sehr gninz, desto größn und bedeutsam« ich« d« jüdische. Da Mohammed wedn lesm noch schreib« komte, so war « ganz uud gar auf die Eingebungen sein« Phantc sie und auf dm Unterttcht sein« Lehrer angewiesm. Ein« seiner Lehr« war Bahyra au» dem von Judm bewohnt« Städrcheu Tayma, ein ander«: Waraka ibn Raufal, eia Verwandt« von Mohammed« Fra« Chatiga. D« Umsta-d wurde ihm von den Mekka«« zum Vorwurf gemacht und er fand e» nothweudig, sich im Koran ausdrücklich dagegm zu verwahr«: »Wir wissm wohl', heißt e» im Koran, »daß sie sag«, e» unterrichttt ihn ein Mmsch; allein die Sprache dessm, auf dm sie hindeuterc, (nämlich die Sprache de« jüdisch« Lehrer«) ist kauderwelsch, die (spräche de» Koran ab« ist unon« kmnbar arabisch.