Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 27 (1903)
- Issue
- No. 9. (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
- Rashi 1× ep/1002670
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34 S Bedeutung des Wortes ״Tyrann“ in der altgriechisehen Periode, im Gegensatz zum Tyrannen der Gegenwart, an den ״Ritter“ des Mittelalters und den Ritter (hoher Orden) der Neuzeit. Dennoch ist obiger Einwurf belanglos, denn es lässt sich erweisen, dass zu Mose’s Zeit das Wort Rea ausschliesslich die Bedeutung ״Nächster“ oder ״Nebenmensch“ hatte, während zur Bezeichnung des ״Volksgenossen“ gewöhnlich אח, seltener עמית oder עמך p, niemals Rea diente. ־ Das Wort Rea kommt zunächst in der stehenden Redensart איש אל רעהו häufig vor, d. h. einer den andern; so in der Erzählung des Turmbaus zu Babel 1. B. M. K, 11,8: ״Sie sprachen einer zum andern“; ferner 1. B. M., K. 43,33: ״Die Brüder Josephs wunderten sich einer gegenüber dem andern“; 2. B. M. 18,7: ״Und sie (Mose und Jithro) fragten einer den andern nach dem Wohlbefinden“ u. dgl. m. Wie ersichtlich, kann bei dieser stehenden Redensart ganz gewiss nicht das Wort Rea als Volks- oder Religionsgenosse aufgefasst werden. Doch wer darüber noch im Zweifel ist, der lese Kap. 11, V. 2 des 2. Buchs Mose. Dort wird Rea sogar auf den Egypter angewandt und kann also die Bedeutung des Volksgenossen gar nicht haben. Wir kommen nun zu einer Stelle — 2. B. M., K. 2,13 — die besonders wichtig ist, weil es sich hier um den Gebrauch des Wortes Rea im Munde des Mose selbst handelt. Dort heisst es nämlich: ״Und er (Mose) ging am zweiten Tage aus und siehe, zwei hebräische Männer zankten sich; da sprach er zu dem Unrechthabenden: ״Warum schlägst Du Deinen Nächsten?“ (Reacho), oder sollte, da es sich um zwei israelitische Männer handelt, vielleicht übersetzt werden müssen: ״Warum schlägst Du Deinen Volksgenossen?“ Man lese jedoch den vorhergehenden Vers 11. welcher folgendermassen lautet: ״Es war in jenen Tagen, da Mose gross geworden, da ging er hinaus zu seinen Mitbrüdern (d. h. Volksgenossen) und sah sie bei ihren Lastarbeiten. Da sah er einen Mizri, welcher einen ibrisehen Mann (מאחיו) von seinen Volksgenossen schlug.“ Zweimal ist hier von Volksgenossen die Rede, beidemal aber wird dafür das Wort אח (nicht Rea) angewandt. So würde ohne Zweifel auch Mose ausgerufen haben. ״Warum schlägst Du אחיך, Deinen Volksgenossen?“ wenn er den Ungerechten hätte zur Rechenschaft ziehen wollen, dass er den Mitbruder misshandelt. Aber nein! ihm war es gleich, von wem und gegen wen das Unrecht geübt ward; sein Rechtsgefühl gebot ihm, die Schlichtung des Streites anzustreben, ganz gleich, ob die Streitenden ״He■» bräer“ waren oder nicht, ebensowohl, wie er es ja auch am Tage zuvor gethan und ebensowohl, wie er später den Töchtern Jithro’s gegen die Gewalt der Hirten beistand, ohne vorher zu fragen, wess Glaubens sie seien. Auch der grosse Kommentator Raschi scheint das Rea an dieser Stelle gegen die Auffassung ״Volksgenosse“ verwahren und es nur alsGesinnungsgenösse erklären zu wollen, denn er fügt erklärond j׳ hinzu: ״Deinen Nächsten, d. h. Deinen Gesinnungsgenossen, der ein solcher Bösewicht ist wie Du.“ So galt also im Munde Moses das Wort Rea als ״Nächster", את dagegen als ״Volksgenosse“. Darum auch sagte er eines Tages zu seinem Schwiegervater Jithro: ״Ich möchte zu meinen Volksgenossen (אחי und nicht רעי) zurückkehren nach Mizraim, um zu sehen, ob sie noch leben.“ (2. B. M. 4,18.) (Schluss folgt.) Etwas über Bibelkritik. Dreierlei Beweise sind es, deren sich neuere Kritiker bei ihren Untersuchungen zumeist bedienen und denen sehr viele kritische Erscheinungen ihre Entstehung verdanken, die aber dennoch aus dem Bereiche der exegetischen Kritik fortgeschafft werden müssen, wenn diese allen Ernstes auf Wissenschaftlichkeit Anspruch zu machen gedenkt: Sprachanalogien, historische Beziehungen und Anspielungen und endlich das Nichtvorkommen gangbarer, signifikanter Ausdrücke. Was das erstere, die Sprachanalogien betrifft, so sind diese, wenngleich überall sonst von manchem Wert, in der Bibel schon deswegen von geringerer Bedeutung, weil sie sehr viele Aehnlickeiten in Gedanken, Ausdruck und Konstruktion enthält, so dass, wenn man diesen irgend eine Beweiskraft beilegte, sich alle möglichen Ungereimtheiten beweisen lassen würden. Man findet selbst bei den verschiedenartigsten Propheten mitunter sehr viele Analogien, wenn man sie aufmerksam liest. Arnos und Jesaia I haben ungeachtet der ungeheuren Verschiedenheit ihrer Sprache demnach folgende nicht unbedeutende Analogien: Amos. Jesaja. Kap. 1, 2 ואבלו נאות הרעים Kap. 13,20 ורעים לא ירבצו 1) 1, 2 ויבש ראש הכרמל 11 33, 9 ונער בשן וכרמל 1) 1, » רושם בחריצות מ 28,27 בחרוץ יורש «ז 1, 8 וחשיבותו ידי על 11 1,28 ואשיבה ידי עליך יו 1,14 בסער ביום סופה 11 29, 6, סופה וסערה 17,13 11 3, 4 vergl. mit Jesaias 11 31, 4 מ 3, 6 11 « מ 11 8,16 und 24,8 1t 4,11 n יי י1 1» 13,19 4,11 r מ « 11 7, 4 האורים העשנים 1t 6, 2 נפלה לא תוסיף קום 11 ונפלה ולא1תוסיף קום 24,20 11 5, 7 לארץ הניחו 11 28, 2 הניח לארץ 11 5,11 גוית בניתם. 1י 10, 9 גוית נבנה Was soll nun aus diesen Aehnlichkeiten gefolgert werden? Doch wohl nicht, dass Jesai den Amos oder umgekehrt Amos den Jesaia benutzt hat? oder dass sie zu gleicher Zeit gelebt haben? Das einzige, was daraus hervorzugehen scheint, ist, dass der Vorwurf des Einerlei, der gegen die Schönheit der hebräischen Sprache und ihren poetischen Wert erhoben worden, ein berechtigter sei. Aber dieser Vorwurf hätte jenen Kritikern als Fingerzeig dienen können und sollen, auf die Analogien der Bibel nicht allzuviel zu bauen. Hätten sie diesen