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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 5. (1903) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 5. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 doch muss die Verbindung zu Xenophons Zeit unterbrochen gewesen sein, sonst wären die Griechen schon hier über den Tigris gegangen, um sich ihren persischen Verfolgern zu entziehen, was sie erst weiter stromaufwärts durchführen konnten. Xenophon selbst erwähnt nichts von einer Brücke. Dagegen hat das von den Parthern geschlagene Heer Julian Apostata’s sicher hier, d. h. bei der inzwischen erbauten Stadt Kinns den Strom überschritten. Ein Jahrtausend später, als Timurs Mongolenscharen hereinbrausten, erfahren wir wieder von einer hier bestehenden Schiffbrücke, und noch heute ist eine solche vorhanden. Der Verkehr von Türken, Arabern, Kurden, Persern, Chaldäern, Nestorianern, Armeniern, Juden, von Kamelen, Pferden und Eseln wogt noch immer auf und ab. So bedeutungsvoll ist der Stromübergang noch bis in unsere Zeit geblieben, dass selbst das verfallende türkischeRegiment um die Mitte des ,Jahrhundert den Versuch gemacht hat, eine Steinbrücke zu erbauen. In dem Ueberschwemmungsgebiet hat sie auch die Steinpfeiler erbauen lassen, in den eigentlichen Strom haben sich ihre Techniker jedoch nicht hineingewagt, und so besteht immer noch der Uebelstand, dass zur Zeit des Hochwassers die Schiffbrücke abgefahren werden muss. Mossul ist wohl sicher schon in altassyrischer Zeit der befestigte Brückenkopf und die Vorstadt von Ninive gewesen. Zu selbständiger Bedeutung ist es im Mittelalter gelangt; es hat die mongolische Herrschaft überdauert. Heute ist es eine Stadt von 40— 50000 Einwohnern, die ein buntes ethnographisches Gemisch bilden. Beinahe ebenso zahlreich wie die Völkerschaften sind die Religionen vertreten. Man findet Mohammedaner, Juden, armenische Christen und Nestorianer, dazu Missionen der römischen Katholiken und englischen Protestanten. Die Stadt ist meist eng gebaut, die Strassen krumm und meist ungepflastert, die Vorderseiten der Häuser enthalten nur wenige Lichtöffnungen und jedes bildet eine kleine Festung für sich. Meist sind sie nicht aus Ziegeln, sondern aus einem alabasterartigen grauweissen Gips gebaut. Die verschiedenen Relionsgemeinschaften bewohnen ihre besonderen abgeschlossenen Viertel. Der Schiffsbrücke gegenüber liegt ein riesiges türkisches Cafe mit zwei gegen den Fluss hin offenen Veranden. Hier ist gleichsam die Börse für alles, was mit dem Karawanenhandel und -Verkehr zusammenhängt. Und da man im Orient immer Zeit hat und bei einer Tasse Kaffee und einer Wasserpfeife stundenlang ruhig sitzen und schwatzen kann, so ist das Cafe stets gut besucht. In starkem Gegensatz zu diesem Ausläufer ehemaligen blühenden Lebens steht die grossartige und erhabene Ruhe des Ruinenfeldes von Ninive. Die Paläste und Gärten der Saigon und Sanherib und Sardanapal sind dem Auge völlig entschwunden. Was noch von ihnen vorhanden ist, liegt unter einer dicken Schicht von Lehm und Sand. Nur die Erdwälle, deren wir schon gedachten, bilden eine melancholische Erinnerung an die verschwundene Weltstadt. Diese Wälle bilden ein regelmässiges Viereck von zwölf Kilometer Umfang und bezeichnen das eigentliche Ninive im Gegensatz zu dem, was der Prophet Jona im Auge hatte, und zu der Angäbe Xenophons. Zwei grosse Schutthügel innerhalb der Umwallung enthalten aller Wahrscheinlichkeit nach noch viele Ruinen, Bildwerke, In- Schriften, so viele geflügelte menschenköpfigo Stiere und Löwen mit Keilschrifttext, so viele Reliefs mit altassyrischen Jagd- und Schlachtszenen, auch schon durch Layard und spätere Ausgräber nach dem Britischen Museum inLondongebrachtsind. Viel liegt sogar offen am Tage und ist der Verwitterung ausgesetzt; man kann es wegen Ueberfülle nicht wegschaflfen. Der grössere Hügel bildet ein Quadrat von s/4 km Länge und ist entfernt noch nicht gänzlich durchforscht. Der kleinere Hügel heisst Nebi Junis, d. h. Grab Jonas. Der ״Prophet Jonah“ soll hier begraben sein, die Stätte geniesst auch bei den Mohammedanern religiöse Verehrung und ist daher Ungläubigen verboten, doch hat Moltke sie mit dem ausdrücklichen Befehl des Sultans betreten dürfen. M. von Oppenheim war nicht so glücklich. ״Es ist“, so schreibt er, ״nicht möglich gewesen, nähere Untersuchungen des Schutthügels anzustellen, doch haben oberflächliehe Grabungen, die jedoch, nachträglich untersagt, wieder eingestellt werden mussten, ergeben, dass auch hier zweifellos grosse Paläste zu finden sind.“ Meine erste Preisarbeit Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. (Fortsetzung.) Der zweite Teil der ersten Frage lautet: ״Ueber die nach der mosaisch-talmudischen Lehre obliegende Pflicht, dem Nächsten bei Gefährdung des Eigentums beizustehen.“ Der Verpflichtung zur Rettung des Lebens am nächsten steht die Verpflichtung zur Rettung des Eigentums eines Nebenmenschen. Es gilt bei dieser dasselbe Prinzip, das wir jener vorangestellt haben: ״Es genügt nicht, dass man nicht selbst einen Mord begehe.man muss auch gegen einen solchen schützen.“ Und ebenso auch bei Eigentumsgefährdungen: ״Es genügt nicht zum Bestehen der menschlichen Ge- Seilschaft, dass man dem Eigentum eines ihrer Mitglieder selbst keinen Schaden zu füge, sondern man ist auch verpflichtet, jede einem Besitzstück drohende Gefahr abzuwehren, denn: ״Die Habe deines Nächsten sei dir eben 80 lieb und wert wie die deinige.“1) Gefährdet aber ist des Nächsten Eigentum in folgenden Fällen: 1. Wenn es der Beaufsichtigung des Eigentümers entrückt unbewacht daliegt und vollständig für diesen verloren sein würde, wenn du dich desselben nicht annähmest und es dem Eigentümer zuführtest ■ואבירה) 2 Wenn demselben Schädigung droht, so du die Gefahr nicht schleunigst, sobald du sie gewahr wirst, abzuwenden bestrebt bist (2‘•(מכריח ארי) ') Aboth II. 17. Ueber diese tMmudischen termini teclinici siehe w. u.

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