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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 1. (1903) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 1. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 von ganz Egypten oder des Stellvertreters, denn diesen Sinn schliesst das wiederum echt egyptische Wort Adon in sich, des Regenten selber. Auch dieser Titel, und zwar genau in derselben Fassung kehrt auf einzelnen Denkmälern zur Bezeichnung des höchsten Amtes im Staate wieder, häufig genug mit dem Zusatz hinter dem Namen des altegyptischen Reichskanzlers: ״Der Zweite nach dem König“. Dasselbe sagt auch die biblische Ueberlieferung mit den Worten Pharaos von Joseph aus: ״allein des königlichen Stuhles will ich höher sein denn Du.“ So erscheint Joseph auf Grund seiner Titel als ein Vertrauter am Hofe Pharao’s, dem die Verwaltung des königlichen Hause’s (״Du sollst über mein Haus sein“, ganz in Uebereinstimmung mit dem egyptischen Titel des Hri-pir oder: der über das Haus gesetzt ist) übergeben war, und der als erster Reichsbeamter die höchste Stelle im Staate bekleidete. Der egyptische Name Josephs: Zaphnatpaneach und die zweimal in der heiligen Schrift wiederkehrenden Eigennamen Potiphar und Potiphora, altegyptisch: Petiphera ״das Geschenk der Sonne“, haben ihre eigene Bedeutung für die äusserste Grenze der Abfassung der biblischen Erzählung von Joseph in Egypten. Sie sind den älteren Epochen der Denkmälerwelt vollständig ihrer ganzen Bildung nach unbekannt und treten als Namen echter Egypter zum ersten Male im neunten Jahrhundert vor Chr., also etwa volle tausend Jahre nach der in der Schrift geschilderten Begebenheit auf. Frühestens in dieser Zeit hatte der unbekannte mit egyptischen Verhältnissen so wohl vertraute Herausgeber der Geschichte Josephs die vorhandenen schriftlichen Ueberlieferungen, deren ältere und jüngere Redaktionen die Verschiedenheit in der Anwendung der Gottesnamen Elohim und Jehova in erster Linie verraten, zu einem Ganzen verarbeitet, wie es den Lesern der Bibel späterhin geboten ward. Die Namen, welche ich soeben angeführt habe, beruhten auf seiner Erfindung, wie er denn überhaupt Egypten und die Egyptische Hofhaltung von seinem späten Standpunkte aus behandelt hat. Es tritt die Frage nahe, in welcher Zeit und unter welchem Könige Egyptens Joseph gelebt haben möge, d. h. also unter einer Regierung, unter welcher der Nil sieben Jahre lang seine Schuldigkeit zu thun und das Land zu überschwemmen verabsäumt hatte. Von Jahren der Hungersnot, sogar von ״vielen Jahren des Hungers“ ist auf den Denkmälern in einzelnen Inschriften die Rede. Die paar Stellen, in welchen sich diese allgemeinen Andeutungen vorfinden, gehen jedoch in die ältere Periode der egyptischen Geschichte zurück, ohne eine Gewähr dafür zu bieten, dass dies ausschliesslich nur für die Altzeit anzunehmen sei. Die Notiz, welche irgend ein Gelehrter dem Namen des vierten egyptischen Königs Uenephes oder Vevenephis in der manethonischen Königsliste beigeschrieben hat: ״zu dessen Zeit eine Hungersnot wütete“ ist eben so nebelhaft als der König, auf welchen sie sich bezieht und hat scheinbar keine Bedeutung zur Entscheidung der Frage, die mich beschäftigt. Aber anders sieht es mit einom Denkmale aus, das soeben erst einer zweitausendjärigen Vergessenheit entrissen und auf photographischem Wege zur Kenntnis der gelehrten Welt gebracht worden ist. Die lange Inschrift, welche den Gegenstand meiner Betrachtung bilden 8011, ist das neueste und das wertvollste, was seit langem den egyptologischen Wissenschaften geboten worden ist, denn die sieben Jahre der Hungersnot finden sich darin ausdrücklich erwähnt und zwar im Zusammenhänge mit einem geschichtlichen Datum. Bekanntlich bildet der erste Wasserfall bei der modern egyptischen Stadt Assuan, der älteren Stadt Syene, deren egyptischer Name Swene so viel als ״Handelsplatz“ bezeichnet, die Südgrenze des egyptischen Reiches. Sie liegt am rechten Ufer des Nils in einer palmenreichen Gegend; in ihrer Nähe befinden sich die weltberühmten Steinbrüche von Rosengranit, aus welchen die egyptischen Baumeister und Künstler das Hartmaterial zu ihren Werken zu beziehen pflegten. Die riesigsten Blöcke, ich habe nur an die Obelisken zu erinnern, fanden ihren Weg von hier aus nach den nördlich im Lande gelegenen Städten und Tempeln. Gegenüber von Syene breitete sich die gleichfalls von Palmen bekränzte Insel Elephantine aus, offenbar so benannt als Stapelplatz für das sudanesische Elfenbein. Die Tempelbauten, welche meist die Insel schmückten, sind bis auf wenige Ueberreste verschwunden und mächtige Scherbenhaufen allein bezeichnen heutzutage ihren ehemaligen Standort. (Fortsetzung folgt.) Meine erste Preisarbeit am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, eingereicht im Dezember 1855, an meinem 18. Geburtstage. Rabbiner l)r. Moritz Rahm er. Am 10. August 1854 wurde das jüdisch-theologische Seminar in Breslau eröffnet. Im Früjahr 1855 wurde vom Direktor desselben, Oberrabbiner Dr. Z. Frankel s. A., den Hörern der oberen Abteilung die folgende Preisaufgabe zur freiwilligen Bearbeitung gestellt: I. Ueber die nach der mosaisch-talmudischen Lehre obliegenden Pflicht, dem Nächsten bei Gefärdung seines Lebens oder seines Eigentums beizustehen, und II. ob bei Rettung des gefährdeten Eigentums des Nächsten nach dieser Lehre rechtlich eine Belohnung oder Schadloshaltung beansprucht werden kann.

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