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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1903-01-01 · No. 1. (1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
27 (1903)
Issue
No. 1. (1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 ein Messer vor und sagte dann zu Joseph: Komm und zeige dich ihnen! .,Als sie ihn nun sahen, da priesen sie ihn sehr, schnitten sich in ihre Hände und sagten: Bei Gott! das ist kein menschliches Wesen, sondern ein verehrungswürdige]• Engel!“ ״Darauf sagte sie: Seht, das ist derjenige, um dessentwillen ihr mich so getadelt.“ ln denjenigen Ländern des Ostens, in welchen das Verbot des Islam gegen die bildende und malende Kunst, insoweit sie die gotteslästerliche Nachahmung lebender Wesen betrifft, keine Beachtung mehr findet, und es dem Künstler frei steht, mit der einzigen Ausnahme des Gesichtes einer für heilig angesehenen Person, auch das Lebende mit Pinsel und mit Farbe wiederzugeben, bildet die angeführte Stelle des Koran einen sehr beliebten Vorwurf der künstlerischen Thätigkeit. Ich hatte oft Gelegenheit, auf meinen Wänderungen im Lande Iran in den Häusern selbst hochgestellter Personen von geistlichem Stande Wandgemälden gegenüber zu stehen, deren Gegenstand mir anfänglich durchaus unverständlich war. Man stelle sich eine farbige Komposition von mindestens hundert Personen vor, die sämtlich dem schönen Geschlecht angehören und von denen jede, mit einem Messer in der Hand, damit beschäftigt ist, einen Apfel zu schälen und in Stücke zu schneiden. Aus den Fingern fallen reichliche Blutstropfen zur Erde nieder. Aus Mangel der richtigen perspektivischen Auffassung sitzen die Gruppen der Frauen nicht nebeneinander, sondern übereinander. Die Augen der versammelten Damenwelt sind auf ein schönes Pärchen gerichtet, das über den Köpfen Aller nebeneinander sitzt. Eine vornehm gekleidete Frau wirft einen süss-zärtlichen Blick auf ihr Gegenüber, einen schönen rotwangigen Jüngling, der bescheiden das Auge zu Boden senkt. Das Alles, was der Künstler damit sagen wollte, sollte als eine Illustration zu deran geführten Koranstelle dienen. Die vornehme Frau ist Madame Potiphar, der junge Mann neben ihr der schöne Sklave Joseph, die versammelte Damenwelt stellt die eingeladenen Gäste dar, welche von der Schönheit des Jünglings so berückt sind, dass sie kein Auge von ihm lassen können und sich beim Apfelschälen in die Finger schneiden. Mögen unsere Künstler ein Beispiel daran nehmen! Man ist schon längst darauf aufmerksam geworden und hat es als eine vollendete Bestätigung der Wahrheit des biblischen Berichtes mit Recht angesehen, dass gewisse Einzelheiten der Erzählung, soweit sie das Verhältnis Joseph’s zu dem Pharao seiner Zeit berühren, sich durchaus mit den Angaben der Denkmäler decken. Dazu gehört die Auslegung von Träumen fürstlicher Personen. Ein zukünftiger Pharao, dessen Haupt dereinst die weisse Krone des Südlandes oder Oberegyptens und die rote Krone des Nordlandes oder Unteregyptens tragen sollte, sah im Traume zwei Schlangen neben sich, von denen die eine mit der weissen, die andere mit der roten Königskrone auf dem Kopfe geschmückt war. Als er aus dem Schlafe erwachte, warf er die Frage auf ״Warum ist mir dies geworden־?“ der Traum wurde ihm in dem Sinne gedeutet, dass er über das ganze Egypterland herrschen würde. Das Wohlgefallen, welches Pharao an der Auslegung seines Traumes von den sieben fetten und sieben mageren Kühen und von den sieben vollen und sieben leeren Kornähren empfand, erhielt nach der biblischen Erzählung seinen äusserlichen Beweis durch eine echt egyptische Investitur. Die Bibel sagt es mit den Worten: ״Und that seinen Ring (Tabaat) von seiner Hand, und gab ihn Joseph an seine Hand, und kleidete ihn mit weisser Seide (Schesch; nach Luther: in ein Byssosgewand) und hing ihm eine goldene Kette um den Hals.“ Genau ebenso verfuhr die egyptische Majestät, wie es die Denkmäler in Bild und Wort bezeugen, sobald sie das Verdienst eines Mannes nach Gebühr zu belohnen im Begriff stand. Der königliche Siegelring, auch in der altegyptischen Sprache mit dem Worte ״tabaat“ bezeichnet, wurde dem zukünftigen Würdenträger verliehen, ihm ein Festgewand aus feinster Byssosleinewand (sches) und die un vermeidliehe ״goldene Kette“, an Stelle unserer modernen Ordensdekorationen, feierlichst und vor versammeltem Volke überreicht. Das Umbinden der goldenen Kette um den Hals bildete Sogar einen sehr beliebten Vorwurf des hierarchischen Ehrgeizes bis in die Gräberwelt hinein. Viel bedeutungsvolle]•, weil die genaueste Kenntnis mit dem altegyptischen Titelwesen vorauszusetzen ist, sind dagegen der Name und die Bezeichnungen der Würden, welche Pharao dem ehemaligen Sklaven asiatischer Abkunft verleiht. Der König wählt für ihn einen egyptischen Namen aus, den Joseph fortan zu führen ermächtigt wird. Er nennt ihn Zaphnathpaneach, was freilich unser Luther irrtümlich, älteren Auslegungen folgend, durch ״heimlicher Rat“ verdeutscht hat. Sinnvoll, wie alle egyptischen Eigennamen, bedeutet der aus mehreren Wörtern der egyptischen Sprache zusammengesetzte Name: ״Es sprach Gott: Er lebe.“ Unter den Würden, welche Pharao dem jungen Beamten verlieh, ist keine, welche in den egyptischen Inschriften nicht ihr Gegenstück fände. Josephs Ernennung zum ״Ab“ — Luther hat das egyptische Wort für das gleichlautende ebräische mit dem Sinne von ״Vater“ gehalton -י ist gleichbedeutend mit unserem deutschen ״Beschliesser“, und als das hohe Amt jener in der nächsten Umgebung des Pharao befindlichen und häufig aus gekauften Sklaven (den modernen Mameluken) bestehenden Hofdienerschaft zu bezeichen, denen nach dem Beispiel der heutigen Abdar in den Palästen der orientalischen Fürsten die Sorge überlassen blieb, das königliche Eigentum bis zu den Speisen und Getränken hin unter Siegel zu halten. Dass die Stellung der ״Beschliesser“, und zwar mit dem Siegel Pharao’s, den Wert eines Vertrauenspostens hatte, liegt nach dem Gesagten auf der Hand. Joseph erhält einen noch höheren Beweis der pharaonischen Gnade durch seine Erhebung ״zum Fürsten in ganz Egyptenland“, genauer zum ״Adon“

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