Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 8. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-5990882-5999257--3055-5369703- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
62 Tradenten verleitet, für jung zu haiton geneigt wäre, unbestreitbar alt soi; dass fornor manche Agada iirspriinglieh ״ar nicht, den harmlosen Charakter hatte, den sie jetzt ihrem Ursprünge entrückt und unter anderen aufgeführt, zu haben scheint, vielmehr die steten Reibungen zwischen Juden und Christen in den ersten fünf Jahrhunderten auf die Gestaltung der Agada bedeutend eingewirkt hatten, wodurch der ursprüngliche Sinn der Adagoth und die tiefere Beziehung derselben zu den Zeiterseheinungen er mittelt werden dürfte.“ Angeregt durch diesen Artikel seines grossen Lehrers und Meisters nahm der Herr Redaeteur dieser Blätter vor mehrals vierzig Jahren noch als Hörer des Breslauer Seminars ,,die kritische Vergleichung der hebräischen Traditionen in den Werken des fruchtbarsten und des Hebräischen kundigsten Kirchenschriftstellers des vierten Jahrhunderts, Eusebius Sopbronius Hieronymus, mit den jüdischen (Quollen und den ältesten (griechischen, syrischen und aramäischen Versionen in Angriff.“ Die erste Eracht dieser Studien war der im Jahre IStil (Breslau Schletter'sehe Buehhand׳ lung'1 erschienene, die .,(,)uuostiones in Genesin“ behandelnde erste Theil der ״hebräischen Traditionen in den Werken des Hieronymus“ mit einer einleitenden Abhandlung: ״Hieronymus und seine jüdischen Lehrer“ und einen An hang: ״l'eher den Werth der Vulgata für die Kritik des alten Testaments“. Dies(• gediegene, fleissige, von griind lieber Forschung und ausgebreitclem Wissen zeugende Schrift lies kaum 24 jährigen jungen Gelehrten fand nicht nur in den jüdischen, sondern auch in den nicht jüdischen gelehrten Fachkreisen die freund liebste Aufnahme und grösste Anerkennung. DiebedcutondstenTheologonund()rientalisten sprachen sich theils in ihren Rezensionen der fraglichen Schrift thcils in ihren Schriften bei gelegentlichem Hin weise auf diese Schrift höchst belobigend aus und ausser ten den Wunsch, dass der Herr Verfasser seine um die Geschichte der wissenschaftlichen Exegese liöelist ver dienstvollen Studien fortsetzen möge. Dieser hohen Auer kcnniing wissenschaftlicher Fachkreise erfreut sich diese Schrift noch jetzt und im Laufe der letzti n vierzig Jahre erfolgten wiederholt die ehrenvollen Aufforderungen an den Herrn Verfasser, die Fortsetzungen seiner Studien zu veröffentlichen. Ausser seiner anstrengenden Amtsführung als Rabbiner in Tborn und später in Magdeburg ver hinderten den Herrn Verfasser noch die mühevolle und auf lei bell < le Th ätig keil als Redaeteur der,, Israeli tischen Wochensehrift“, des ״Jüdischen l.ittcraturblattcs“ und des ״Jsr. PredigtMagazins“, sowie die Herausgabe mehrerer Schulbücher an der Ausarbeitung und Drucklegung seiner Studien. Nur von Zeit zu Zeit erschienen einige l’rohen in der Frankcrsehen ״Monatsschrift", in l.iiw's ״Ben ( bau nnja", in Griitz' ״Juholsohrift“ und, in den letzten Jahren in schnellerer Aufeinanderfolge, in der Brann'sehen ״Monats sehrift" und in diesen Blättern. Mit dem Eintritt ,in das (in. Lebensjahr tr עכלI, war, wie der Herr Verfasser sagt, auch für ihn die ״Zeit des Sammelns" gekommen und eingedenk des Spruches Koheletb 11,(1: ״Aul Morgen säe deine Saat, aber auch am Abend lasse deine Hand nicht ruhen", will der g. 11 r. Verfasser nun in steter Aufeinanderfolge seine Studien zu den .,('ommentarieii des Hieronymus zu den l'ropheten“ veröffentlichen. Zunächst sollen die 11' )״ m in e 11• tnrii" zu den ״zwölf kleinen l’ropheten“ verölTent licht werden, weil auch Hieronymus von allen prophetischen Büchern ״die zwölf kleinen l’ropheten“ zuerst oommeiitirt hat. Diesen sollen dann die ״Uommcntarii“ zu den drei grossen l’ropheten: Jesajah, Jeremia und Jeclicskel folgen. Der vorliegende Band enthält die erste Hälfte, die Studien zu den ('ommentarieii zu: Hosen, Joel, Ainos, Obadja, Jona und Micha und kann auch in zwei Heften: I. Hosen, Joöl und Ainos; II. Obadja, Jona und Micha bezogen werden. Letztere Einrichtung erfolgte auf den Rath mehrerer Universitätsprofessoren, um den Studirenden die Anschaffung des Werkes zu erleichtern. — Dieser zweite Theil der Studien über ״die hebräischen Traditionen in den Werken des Hieronymus“ reiht sich würdig dem vor 40 Jahren erschienenen ersten Theile an und jeder fachkundige Leser wird dem Urtheile des Prof. Dr. E. Kautzsch in Halle, dem einige l’robebogen Vorgelegen hatten, beistimmen, dass auch diese Studien des s. g. Verfassers ״wichtige Beiträge zur Geschichte der exegetischen Traditionen" bieten und dass durch ״dieselben der Einfluss des Midrasch — im weitesten Sinne dieses Wortes - - auf die patristische Bibelexegese und (.'ommentirung seine volle Würdigung und wissenschaftliche Begründung finde". Dass ich trotz dieser vollen Anerkennung des hohen wissenschaftlichen Werthes der Arbeiten des s. g. Hm. Verfassers dennoch in manchen Blinkten den Ausführungen desselben nicht beistimmen kann und, nach meinem unmnssgebenden Erachten, die Auseinandersetzungen des s. g. Herrn Verfassers hier und da theils der Berichtigungen thcils der Ergänzungen bedürfen, liegt in der Natur wissenschaftliclier Bestrebungen. Duo eum faciunt idem, non est idem. ״Wie die <iesichtsziige des Einen verschieden sind von denen des Anderen, so sei der Gedankengang des Einen verschieden von dem des Andern“, bemerkt der Midrasch zu 4. B.-M. 27,lti. Zu den Artikeln des zweiten Heftes: Obadja, Jona, Micha habe ich noch während ihres ersten Abdruckes im v. J. dieser Blätter dem s g. Herrn Verfasser meine Bemerkungen zugesendet und der s. g. Herr Verfasser hat in riihmenswerther Weise imune Bemerkungen beim Son tlera bd rucke theils unter die ״Zusätze und Berichtigungen“ theils in den Text selbst aufgenommen. Zu den Letzteren bemerke ich, dass Micha Seite 2ö Anmerkung noch hiiiznzufiigen sei: l’esikta ed. Buber pag.Mfib und B11 her ״Einleitung in den Tanchuma“ Seite 128 und dass, nachdem mein Hinweis auf Koheletli sutta und Schocher tobli Micha Anhang Seite öS in <1**11 Text aufgenommen wurde, der ursprüngliche Text dahin verbessert werden müsste, dass der Text desJalkut Sehimconi1 dem des Midrasch sutta und des Schocher tobh entspreche und nicht ״an beiden“ sondern ״an allen vier Stellen“ 11. s. w. lauten müsse. Neuere weiten1 Bemerkungen sollen weiter unten folgen. Zunächst will ich den im Anhänge zum zweiten Hefte» enthaltenen und: ״War der Agadist. Borechja der jüdische Lehrer des Hieronymus:■׳“ ü bersch riebenen Artikel besprechen hezw. meine abweichende Ansicht ausführlicher begründen. 111 seinem (.'onnnentar zu Koheletli führt Hieronymus als Referenten einer Tradition zu Koheletli 4,14; 14 einen ״Baruchiam“ an Dass dieser nicht der Lehrer des Hieronynius gewesen war, wie Rappoport'־‘ angenommen hatte, zeigt der g. Herr Verfasser sehr evident. Dagegen kann ich ihm, dem Herrn Verfasser nicht beistimmen, wenn er mit Vallarsi die Leseart: ״Baraeibam" bevorzugt und diesen mit R. Akiba identifiziert. Der Herr Verfasser gesteht seihst (S. öd ״dass R. Akiba weder in den Talmüden noch in den Midraschim als: Bar Akiba aufgeführt werde". Meines Erachtens aber ist die Bezeichnung 1 Die Stelli'iuuiguhe: וווו; £5רי Wunde des .lalkut Scliiiueoni II!171 (nicht •'171 bezieht sieh bloss auf die Deutung zu Koheletli 4,!l— 12 und isi Sil're, Dem. tj :fUö) eullehnt. s tu seinen unter dein Titel: אגרות יש ר״“ l’rzemysl 188•1) erschienencn!»riefen II, 80. Auch das ist lirhtig. dass liaelier , Agada der pal. Ainoräer 111,;102 Anni. :< ,,die Stelle iin Hieronymus garnicht eingesehen habe.“ Daraus darf mau aber ifaOier keinen Vorwurf machen: der Meister eines grossen Hanes bedarf der (Jo hülfen, auf die ersieh verlassen kann lind muss. Darum hat er, liaelier. auch ״nur an wenigen Stellen die Vebcrsetzung und Erklürung des Hieronymus zur Vergleichung lierangezogen", was der s. g. Herr Verfasser (Vorwort Seite IV' innigst bedauert.