Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 8. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Der Pentateuchcommentar des Nachmanides. Von M. K. (Fortsetzung). Eiue der Hauptbestrebungen Nachmaui s ist es. stets den Zusammenhang mit dem Vorangegangenen zu erklären, und hier zeigt sich sein tiefes Eindringen in den Schriftsinn, und seine Gewandtheit als Exeget; in die scheinbar aller Logik ermangelnde Zusammen- Stellung der verschiedenen Gebote bringt er System. Man vergleiche nur beispielsweise seinen Commentar zum Abschnitt Mischpotim. Er beginnt zu Anfang gleich mit den Worten: סוכל הפרשיות כמדי־ ובבונה :כינה. geht hierauf an die Classifikation und Gruppirung der einzelnen Geboie. Er lässt sich hierbei von dem Gedanken leiten, dass alle Gebote von Ende des Abschn. Jetliro bis gen Schluss von Mischpotim die Specialisirung der 10 Gebote seien, und zwar in der im Dekalog beobachteten Reihenfolge, die er vorher als die richtige nachgewiesen hatte. — Das seiner Stellung nach sehr schwierige Cap. 36 Genes., welches das Geschlechtsregister Esau’s und die Namen der aus seiner Mitte hervorgegangenen Stammesfürsten enthält, dessen Abfassung die Kritik (vergl. Ibn Esra ib. 36,31) in die Zeit des Königs Josaphat legte, Hndet er in ganz richtigem Zusammenhang mit Cap. 27.40. Es ist die Ausführung, oder vielmehr die Erfüllung des Esau'sehen Segens ״Von deinem Schwerte sollst du leben“, und soll zeigen, wie Esau zeitig ein herrschender Stamm geworden. Es wurde nur durch die Schilderung des ob des Segens zwischen beiden Brüdern ausgebrochenen Hasses unterbrochen; nach ihrer Versöhnung wird der Faden der Erzählung wieder aufgeuommen. — Bei dem Wechsel des Inhalts der Abschnitte sucht er einen passenden Uebergang nachzuweisen, und wie dieser Inhalt aus dem Vorangegangenen sich nothwendig ergebe. (Man vergl. beispielsweise den Anfang des Abschn Thernnm.) — Auch in dem Punkte begegnete er dem Rationalismus, der sich wunderte, dass die Bibel bei Wiederholungen ähnlicher Abschnitte nicht wörtlich sei, (vergl Ihn Esra's Einleitung zum ersten Dekalog), indem er den Satz aufstellte: ״Die Bibel pflege bei doppelten Erzählungen absichtlich nicht genau zu sein, und mit Synonymen zu wechseln, oder gar in der einen Erzählung etwas hinzuzufiigen oder wegzulassen, und in solchen Fällen gilt die Regel, beide Erzählungen zusammengehalten geben erst das Richtige, denn sie ergänzen einander1). Nachmani ist es vorzüglich darum zu tliun. ein sinngetreues Verstiindniss des Pentateuch zu verbreiten, und mit klarer Wissenschaftlichkeit ist er beflissen, den einfachen Sinn des Gotteswortes zu ermitteln. Er bedient sich hierzu nicht nur der grammatischen Formenlehre, sondern dringt auch in den Geist der Syntax ein und weiss dadurch manche Anomalien zu erklären. Wir heben einige seiner Bemerkungen als Beispiele hervor. A Ueber Pronomina. 1. Zu Genes. 12, 1. — Das Pronomen pflegt oft als Dativus ethicus zu stehen, z. 11. לד לך, אלבה לי ,הלה .הלך לו ׳: Vergl. <!en. 4),a; 42,21 והבתוב יא יחוש כאשר הוסיף בסיפור ובו So erklärt er die doppelte p.rzählnng Klieser's, des plmruon. Traumes, die Verseil jeden heit in den lieiden Deka Ionen 11. a. 2. Zu Genes. 21, 7. — Das Pronomen interrogat. סי hat eine verächtliche Nebenbedeutung (etwa wie das lateinische iste) z. B. ומי in מי אבימלך, מי שבפ, מי בן ישי. 3. Zu Nuin. 11, 5. — Das Relativum אשר pflegt oft zu fehlen, und muss supplirt werden, z. B. ובל (אשר) יש לו נתן בידי, את הדרך (אשר) ילבו בה, בעבור זה אשר) עשה). 4. Zu Lev. 4, 22. — Das Pronomen אשר bedeutet oft soviel wie ״wenn" (באשר ״) z b. אשר נשיא יחטא ״wenn ein Fürst sündigt.“ 5. Zu Exod 35. 15. — Das Pronomen steht oft als Suffix, obwohl das Substantiv folgt; oft auch ep exegetisch ותראהו את הילד, יביאה את תרומת, לא יעבדו אוחו את נבובדנצר, אני נותן להב לבני, ופניתי אני וראיתי אני. 6. Zu Num. 11, 15• — Das Pronomen personale femin. (את) wird auch von männlichen Substantiven gebraucht דבר את עמנו, אם בבה את עושה. 7. Zu Genes. 38, א. — Das Masculinum steht oft, für Femininum .והיה בבזיב, והיה הנערה --•והיתה 8. Zu Genes. 18, 3. — Man pflegt im Singular oft zu Vielen, d. i. zu jedem Einzelnen, zu reden. Oft gar wechselt der Numerus in demselben Satze, z. B- .ראה . . . לפניבב ,ובקשתם . . . ומצאת ,ובקוצרבם . . . לא תבלה '3. Zu Genes. 14. 7. — Bei Genealogien ist der Plural nicht immer genau (Genes. 46. 7) z. B. בני דן השים, בני פלוא אלי אב. Mit dieser einfachen Regel wirft er eine Menge von Oombinationen der anderen Exegeten und mehrere aus der Schwierigkeit des Verses entstandene Midraschim über den Haufen. Fortsetzung folgt.! Litteratiirbenclit. Recensionen. Hicrony 111118’ ('onimeiitar zu den 12 kleinen Propheten. Durch Vergleichung mit den jüdischen Quellen und ältesten Versionen kritisch beleuchtet von Dr. Moritz Ralimer. Rabbiner in Magdeburg. Erste Hälfte: Hosen. Joel, Arnos, Obadja. Jona. Micha. M. Poppelauer s Buchhandlung. Berlin HK 12. Besprochen von Kalibiner Dr. (ioDlfnlin. Im dritten und vierten Jahrgänge (1854,5) der Krankel' scheu ,,Monatsschrift“ veröffentlichte der selige Prof. Dr. Grätz seinen lichtvollen und bahnbrechenden Artikel: ״Die hagudischeu Element»• bei den Kirchenvätern“. Mit diesem Artikel beabsichtigte er, wie er ausdrücklich (Jahrg 1855 S. 11)2) erklärt: 1. zu einem eingehenden Wissenschaft liehen Studium der Agada überhaupt, 2. zu einer kritischen Untersuchung der gegenseitigen Beziehungen der Agada und der Kirchenväter zu einander und endlich 3. zu einer kritischen Sammlung der agadischen Elemente hei den Kirchenvätern und deren wissenschaftlicher Beleuchtung durch Vergleichung mit den Agadoth in den beiden Tal müden und in den Midraschen, anzuregen. Ein solches eingehende, kritische und vergleichende Studium der Aga dotli und der Kirchenväter werde zu der Erkenntniss führen, ״dass so manche Agada, die man auf den ersten Blick, durch den äussern Schein der Umgehung oder der