Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 7. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 der Trinität temlentiös interpretirt worden ״heilig“ — Gott, Vater, ״heilig" — Gott. Sohn, ,.heilig" Gott, heiliger Geist. Um dieser christologischen Interpretation entgegenzntreten, wird hier und nur hier — bekanntlich wird im Morgengebete schon zweimal früher ,.heilig, heilig, heilig" und zwar jedes Mal ohne Paraphrase reeitirt — den Worten ״heilig, heilig, heilig׳‘ aus apologetischen Gründen die aramäische Paraphrase hinzugefügt. Das dreimal ״heilig־' verherrlicht den einig-einzigen Gott, dessen mächtiges, weises, segensreiches Wirken in dreifacher Hinsicht gewürdigt wird. Der einig-einzige Gott wird dreifach als ״heilig“ verherrliclit. ״Er ist 1. heilig in den Himmeln der obern Höhe, 2. heilig auf Erden, wo 'er täglich seine Macht. רז יה ausübt und heilig in den Welten der Welten und in den Ewigkeiten der Ewigkeiten“. Das dreimal ״heilig" verherrlicht also nach Massgabe der aramiiischeu Paraphrase den einig einzigen Gott in seiner Allmacht, Allgegenwart und Ewigkeit. Die zwei andern paruplirnsirten Stellen treten anthropomorphischen Redewendungen über den rein geistigen Gott entgegen.' Die mit mustergiltiger Meisterschaft gruppirten Propheten- und Psalmstellen geben anschaulich etwa folgenden Gedanken Ausdruck. Der Erlöser ist für Israel noch nicht gekommen und der Bund mit Gott ist gewissenhaft und treu aufrecht zu erhalten Gott lässt seine Gnade, seine Liebe und sein Erbarmen auch jetzt noch in den Zeiten schwerster Bedrängniss walten. Wohl ist die Not gross, die Zeiten )insagbar schwer. Verführung zum Abfalle und zur Abtrünnigkeit macht sich breit. Trotzdem darf man nicht verzagen. ״Gelobt sei der Ewige Tag für Tag. Legt er uns auch Lasten und Leiden, Anfechtungen und Versuchungen auf. er legt uns nicht zu viel auf. Er bleibt doch der Gott unseres Heiles und unserer Hilfe, unserer Befreiung und endgiltigen Erlösung". Was ist in dieser Lage erforderlichV ln erster und letzter Reihe Gottvert ra neu. unbedingtes,unverbrüchliches, unerschütterliebes, felsenfestes Vertrauen zu Gott. Von diesem Gedanken und Ruthe hallt unser Gebet förmlich wieder. Darum gehen den originellen und charakteristischen zwei Stücken dieses Gebetes Stellen, welche das Gottvertrauen betonen, voran und darum schliessen auch Stellen gleichen Inhalt dieses — wie wir meinen - auch historisch bedeutsame und ethisch wichtige Gebet ab. Der Pentateuchcommentar des Nachmanides. Von M. li. V Kabbala. Seit, dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, d. i. seit Beginn der durch Mnimuni s ״Mmvlr und ״Madda“ angeregten philosophischen Epoche, machte sich unter den verschiedenen Richtungen, die die Exegese einschlug, auch die kabbalistische geltend. Man fand keine Befriedigung an dem Gewöhnlichen und Einfachen, und knüpfte Inhalt und Bedeutung biblischer und talmudischer Lehren an die Gesetze der Weltordnung und au die Mysterien der göttlichen Majestät. Nachmauides wandte sich erst sehr spät der Kablmlistik zu. das hohe Alter machte ihn der Mystik geneigter; er begnügte sich nicht mehr mit dem halaehischen und hagadischen Wissen, das Streben nach tieferer Ergründimg der metaphysischen Dinge leitete ihn zur Geheimlehre. Tiefe des Geistes verbunden mit einer tiefen Innerlichkeit des Gemiiths erzeugen stets die Mystik. Im Peutateuch-Commentnr ist Naclnnani sehr zurückhaltend mit seinen Mysterien, sie dienen ihm hier grösstentheils nur als Waffe, mit der er die Vordringenden Rationalisten zurückschlägt. Die vom Rationalismus durchwühlte, in Bezug auf religiöse Innigkeit und Gläubigkeit geschwächte Zeit, gab seiner schriftstellerischen Tlüitigkeit die Richtung: zunächst durch eine gesunde, auf Glauben und Tradition sich aufbauende Exegese, und wo diese nicht ausreichte, vermöge einer mystischen Unterlage, die er vielen Geboten und Ceremonien gab. dem schneidenden Rationalismus die Spitze abzubrechen. Durch seine tvanscendentale Theorie und mystische Begründung der Gesetze wollte er den Bestrebungen der Rationalisten auf dem Gebiete der speculativen Theorie entgegenarbeiten. Hatte der Rationalismus die Schöpfungsgeschichte und die Satzungen in gar zu nüchterner Weise gedeutet, batte die Kritik an Stellen wie Gen. 12,b; ib. dli.il 1; Deut. 3.11 M Anstoss genommen, so legte er seinen Protest dagegen ein. und fand in der Schöpfungsgeschichte ein völliges kosmogonisches System ausgebildet, und in den Ceremonien und dunkeln Satzungen tiefe und heilige Geheimnisse. In diesen: Sinne konnte er den Satz aufstellen: ואין הפרש בין והמגע JS IW /,-W i 1b/ <-> t ll!«.<»' n IWy j—1 W«*£ I I >• iVj.1V Recht hebt daher der Verfasser des Jochasin von ihm besonders hervor: ״Die Rationalisten, die als Gegner der Tradition auftraten, bekämpfte er und erwarb sich den Namen ״der gläubige Gelehrte-)." Sein Verfahren gegen die Rationalisten sei hier an einigen Beispielen gezeigt. Gleich im ersten Bibelverse, wo der Midrasch zu dem Worte .“בראשי die Bemerkung בשביל ראשיה macht, die voll den Freidenkern in'8 Lächerliche gezogen wurde, deutet Naclnnani die Schwierigkeit zuerst im allegorischen, dann im kabbalistischen Sinne, und schliesst mit den Worten היברתי :1זה לבלוט פי קטני אמו: ה, מיעוטי הבמה, המלעיגיט על דברי הזי Zu dem Verse (Gen. 21) ״Und Gott segnete den Abrn- 1 in in mit Allem (בביי)" bringt der Midrasch u. A. die Erklärung בה היהה לו ובבל שמה. Diese Stelle musste den Rationalisten Veranlassung zum Spötteln gegeben haben, und Naclnnani geht darum näher auf sie ein. ״Bewahre! — ruft er aus ־ dass es etwa die Absicht des Midrasch gewesen sei. den grossen Segen Abraham s zu verkleinern, und das Alles umfassende Wort בבל auf eine einzige Tochter zu reduzieren, hier liegt vielmehr ein tieferer Sinn zu Grunde. Es soll in dem בבל die Eigenschaft Gottes als Allmächtiger ausge sprocheu sein u. s w.״ Es ist dies eine an s Kabba• listisehe streifende Erklärung, die er hier durch einige Belegstellen ans der Bibel fasslich und populär zu machen bestrebt ist. (Doch auch hierbei ist er nicht 11 1111 1‘omiiM‘ntar zum lfoh<a1tlip<l jtolvmisirt <»r Ihn K>r;1: השרי עי נפשך ‘*היות מין י־ארור בי עז :סופי הוסי־ע בו ריבי גהעתקתי י זו כפייה גמורה: zu Deut. 1,2. *) S. Jorluisiu, «hI. Kruktui 1:12 והוא הנדיא היב המאמין: כרו והכנעני אז באיץ הנה ערשו עיש ביזי icfr. Ilm K ךייירייד .׳די