Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 7. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r>4 Ein Wort über die Tendenz des Gebetes .ובא לציון:ואל Von KaMnner Pr. Immanuel Peutsrli. ln unserer Liturgie nimmt *las < י eitet ופא לציון eine hervorragende. eigenartige Stellung ein. Es giebt keinen Ta״ im Jalire. an welchem wir nicht dieses (lebet zu verrichten hätten. An Werktagen bildet es den otficiellen Abschluss der reoipirten Alorgengebete. Wan hat es unmittelbar vor ..Aleinu״ zu sagen. An Sabbat heil und Festtagen gehört dieses Stück zum Bestände des Winchahgehetes und wird nach ..Aschre“ verrichtet. Selbst am Versöhnungstage leitet es das stimmungsvolle Ne'ilah-Gebet ein. Es giebt aber auch Tage im Jahre, an denen dieses Gebet — allerdings mit Weglassung der ersten zwei Stellen (Jes. 51*. 20. 21) zwei mal gesprochen wird. Am Ausgange eines jeden Sablmthes. auf welchen 0 volle Werktage folgen, soll dieses (lebet verrichtet werden. Selbst wann der ernsteste und traurigste (ledenktag seinen Einzug bei uns hält, am Abend des 0. Ab. findet■ dieses (lebet in derselben Fassung, wie am Ausgange des Sabhathes seinen Platz Daraus geht zur Genüge hervor, welch' hohen Werth man diesem Gebetstücke /!!erkannt. Rechtfertigt es auch nach Form und Inhalt die hohe Wichtigkeit, welche man ihm beimisst V Ausser einer sehr kurzen Stelle aus dem Pentateuch!* (11. B. AI. 1:‘>, 18) setzt es sich fast ausschliesslich aus Propheten- und Psalmstellen zusammen. Originell und charakteristisch siiid nur di!* Stellen: ברוך אלהינו שבראנו לכבודו ידז׳ר שנשמור הקיף Charakteristisch ist ferner,!lass in diesem Gebetsiiieke und. nur in diesem Gebctstiieke. drei Schriftstellen (Jes. ti.;5. Jechesk. 112 .1־. II. B. Al. Io, 18) die aramäische Paraphrase beigefügt ist. Aus Babli Sotuli s. 4Uu wissen wir. dass der Passus ואתה קדוש mit der entsprechenden aramäischen Para]>11 rase קדושא דבידרא genannt wird. Raschi z. St. nmtivirt diese Benennung mit!lern Hinweise, nach der Verwüstung des heiligen Landes seien die Spuren des Fluches mehr wahrzunehmeii. als die des Segens. Die Beschäftigung mit der Thora vermöge diese unseligen Folgen einzuschränken. Darum sei Jedem in Israel die Beschäftigung mit der Thora zur Pflicht gemacht, das Lesen des Textwortes mit!1er den Text erläuternden Paraphrase. Diese paraphrasirten Stellen eigneten sich hesonders als Krsatz für das Thora-Studium, weil sie ein!* zweifache Heiligung betonten, die Heiligung des göttliehen Namens und die des Thora-Studiums. —- Dass in diesen paraphrasirten Stellen die Heiligung und Heiligkeit des Thora-Studiums!!!!gedeutet sei, vermögen wir trotz der Autorität Raschi 's nicht zu finden. Der Pflicht iles Thora-Studiums schon bei Gelegenheit dos Morgengohetes Rechnung zu tragen, wird thatsiichlich beim Beginne der Alorgenandacht durch Heeitiren des Priestersegens, der hekunutcn Alischnah aus Peali, Wisi hnah aus Sehachim und der Boraitha des R. Ismael ausgiebiger als hier genügt. l’eber das uns geläufig!* Gebet בא "ציון* spricht sieh der Talmud in Sota.11 z. St und wohl auch anderwärtig nicht aus. Ich nehme an.!lass «11*1־ Talmud dieses Gebctstiick in der von 11er Liturgie reoipirten Zusammensetzung. Gruppirung und Anordnung noch nicht■ gekannt hat. dass es später wohl nach Abschluss des Talmuds aus einem bestimmten, dazu förmlich nüthigendeu Anlasse zusammengestellt und in die Liturgie eingeführt wurde. Vielleicht hat diese Piece jünger!! Datums ihren Platz zunächst ganz am Schlüsse der ofliciellen Morgengebete gerade deswegen gefunden. Welche Veranlassung mag wohl für die Einfügung dieses Gebetstückes Vorgelegen haben? Baer führt in seinem ־1 ודת יישראל,' zwei Ansichten an. Abudruham vertritt die Ansicht,!len zu spät kommenden. nicht gelehrten Betern habe man hier die Möglichkeit geboten, doch noch nachträglich die Keiluscha zu hören und zu verstehen, darum die Paraphrase in der ihnen geläufige Landessprache. Das ganze Gebet sei als Extract der weitläufigem Gebete, ähnlich, wie מנן אבות aufzufassen. Dieser Ansicht stehen gewichtige Bedenken entgegen, auf welche!vir hier nicht näher eingehen wollen. Rokeach trifft, wohl das Riehtige, wenn er sagt: שתיקנו־ בשעת השמד. Das lässt sich unserer Auffassung nach leicht unter Beweis stellen. Eine Verfolgung der Juden, welche gezwungen werden sollten. Tauf!* und Ghristeuthum anzunehmen, liegt durchsichtig diesem Gebetstücke zu Grunde. Darum, obgleich in der ersten Eulogie der 18 Benedictiouen die Erwartung der Erlösung mit den Worten ומביא נואר לבני בני־ב bereits ausgesprochen ist. wird hier das thema prohanduni eindringlich angekündigt mit den Worten: ..Kommen wird für Zion der Erlöser‘. Die Gefahr und Not der Zeit, iir welcher es sich um Ge wissensknechtung und um Abfallshestrebuugen vom israelitischon Gottesglauben und Gottesgesetze handelt, spiegeln anschaulich die 2 originellen Bestaudtheile unseres Gebetstückes wieder. In tief trauriger Stimmung und doch mit innig gläubigem unverbrüchlich gottvertrauendem Herzen wird die zuversichtliche Envartung ausgesprochen: .,Gelobt sei unser Gott, der uns erschaffen hat zu seiner Ehre und 11!1 s a!)gesondert von den Irrgläubigen, der uns gegeben ilie Lehre der Wa 11 r 11 eit und!las ewige Leben gepflanztin unserer Alitte! Er öffne unser Herz seiner Lehre und leg!* in unser Herz Liebe und Ehrfurcht gegen ihn (Gott), dass wir seinen Willen erfüllen mögen und ihm dienen mit ganzem Herzen, auf dass wir uns nicht um Leeres und Nichtiges mühen und Nichts in die Welt, bringen zu Verwirrung! Möge es!loch beschlossen sein vor dir, Ewiger, unser Gott und unserer Väter Gott, dass wir beobachten deine Satzungen in dieser Welt, dass wir das Glück haben, zu erleben, zu schauen und zu erwerben Heil und Segen für die Jahre der Zeit des Erlösers und für das Leben der künftigen Welt‘־ Der Glaube an den künftigen Erlöser und an die künftige Erlösung war das ergiebt sich aus dieser Stelle bedroht und gefährdet. Bedroht und gefährdet war er durch einflussreiche, mächtig!* Bekenner des herrschenden, christlichen Glaubens. Der christliche Glaub!* legt auf das Dogma der Trinität entscheidenden Wert. Christologiscln* Deuter mögen! darauf hingewiesen haben, dass auch die Bücher des יה j alten Bundes diesen dogmatischen Standpunkt theilen. | Als besonders dassisches Beispiel wird die Stelle in! Jes. ü.fi citirt worden sein. Das dreimal ..Heilig“ ist | jedenfalls von den christlichen Seelenfängern im Sinne