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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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4fi diesen Aeusserungeu ist ersichtlich, dass die Kenntnis« über die Juden des Alterthums eine sehr mangelhafte war. Dr. M. G. Ueber den Namen IT. Ueber diesen Gottesnamen, den Professor F. Delitzsch (in seinem Vortrage: Babel und Bibel) schon auf den assyrischen Keilschriftentexten gefunden haben will, — es ist ihm bereits von mehreren Seiten, jüngst von dem Bonner Professor E. König, eingehend nachgewiesen worden, dass er sich gründlich geirrt habe — schrieb Professor A. H. Sayce (Oxford) schon vor mehreren Jahren Folgendes: ״Als Gott den Moses berief, seine unterdrückten Brüder aus Egyptenland zu führen, da offenbarte er sich ihm mit dem Namen J e h 0 v a h, unter dem er fortaii den Kindern lsrael’8 bekannt war. Die Ueber- Setzungen des Alten Testamentes haben diesen Namen in einer verderbten Form übernommen. Die hebräische Schrift diente nämlich, wie bekannt, ursprünglich nur zum Ausdruck der Consonanten, während die Vocale der Sprachkenntniss des Lesenden überlassen waren. So lange die Sprache lebte, war dies ohne weitere Schwierigkeiten. Als dieselbe aber auszusterben begann. erhielt sich zwar in den Synagogen eine traditionelle Aussprache der heiligen Schriften, aber dieselbe wich gar bald von der ursprünglichen alten in einzelnen Punkten ab und lief Gefahr, noch weitere Aenderungen’ zu erfahren oder gar vergessen zu werden. Da schufen im sechsten Jahrhundert christlicher Zeit* rechn ung die sogenannten Massoreten, jüdische Schreiber, ein Punktationssystem, das die Aussprache des hebräischen Kanons, wie er in der grossen Synagoge zu Tiberias in Palästina recitirt, oder besser vorgesungen wurde, darstellen sollte.1) Diese Punktation und Ausspräche des Hebräischen wird noch heutzutage gelehrt. Ein Wort aber konnten oder wollten die Massoreten nicht sehulmiissig fixiren, die Bezeichnung Gottes, dessen Name, obwohl er im Alten Testament so oft in freiem Gebrauch wiederkehrte, schon vor der Abfassungszeit der griechischen Septuagintalibersetzung in abergläubischer (?) Scheu vermieden und dort allenthalben durch das Wort xtipio? ״Herr‘־ ersetzt wurde. Den Septuaginta schlossen sich die Schriftsteller des Neuen Testamentes und die Massoreten von Tiberias an. So oft der heilige Name vorkam, lasen sie statt seiner das Wort adönai, ״Herr“ und setzten deshalb, wenn sie ihren Kanon vocalisirten, unter die vier Cousonanten J. H. W. H. das später sogenannte Tetra-, grumm. die Vocale des Wortes adönai. Dies sollte weiter nichts heissen, als dass man da Adönai lesen sollte, wo der heilige Name vorkam. Den Gelehrten nun. welche das Studium des Hebräischem von neuem im modernen Europa einführten, war diese Thatsaehe unbekannt; sie bildeten sich ein, dass die Vocale von Adönai (a oder e, o und ä) mit den Consonanten. unter 11 Uns existimide massorctiselu System von Vocalpunkten 11111! Accenten wird dem Mocha von Tiberias '470 11. Chr.) nml Keinem Sohne Mose!• zngeschrieben, die dasselbe auf einer kurz vor her von Aelia, dem üabylonier, erfundenen basirt halten sollen. Nur einige wenige in dem hab.vlonischcn l’unktationssystem geschriehene Handschriften sind bekannt. denen sie standen, zusammen gelesen werden sollten: das Resultat war die Bastardbildung Jehovah. Es giebt zwei verschiedene Ansichten über die einstige wirkliche Aussprache des heiligen Namens zur Zeit, als das Hebräische noch eine lebende Sprache war. Einerseits liesse sich aus den gleichzeitigen assyrischen Monumenten schliessen, dass der Name Jahu ausgesprochen wurde. Trifft man in den Keilinschriften einen israelitischen Namen an, der, wie Jehu oder Hezekiali, mit dem Gottesnamen verbunden ist, so erscheint der letztere als Jahu: Jehu entspricht Jahua und Hezekiah Chazaki-jahu. Selbst den Massoreten zufolge muss er Jeho (d. i. Jahu) gelesen werden, wenn er einen Theil eines Eigennamen bildet; ferner transscribirten ihn die früheren Gnostiker ins Griechische als Jaö, d. i. Jahö. Andererseits können die vier Consonanten J. H. W. H. kaum anders als Jahweli ausgesprochen worden sein, welche Aussprache auch von den beiden griechischen Schriftstellern Theodoret und Epiphanios unterstützt wird, die angeben, dass das Wort Jawö geklungen hätte. Die Bildung Jahweh aber ist unvereinbar mit der Bildung Jahu (Jeho), die in Eigennamen vorkommt, und man hat behauptet, dass dies auf ein Wortspiel hinauslaufe, von denen man ja so viele Beispiele im Alten Testamente findet. Man meint, dass die Schreibart mit dem finalen h angenommen worden ist, um den Leser an das hebräische Verbum, welches ״sein“ bedeutet, zu erinnern, worauf eine bestimmte Anspielung ,in Exod 3. 14 zu deuten scheint.') Der berühmte Oxforder Assyriolog äusserte sich ferner (in The Expository Times) darüber wie folgt: ״Unter den Keilsclmfttexten, die neuerdings vom Britischen Museum veröffentlicht w׳orden sind, findet sich ein Brief, der von Ja(11)um-ilu an Igasnin-sakli adressiert ist. Dieser Brief ist in die Dokumente der Khainmurabi- oder Abraham periode ein geschlossen und, wie die Paläographie zeigt, mit Recht Nun dieses Ja(h)um-ilu ist das hebräische Wort Joel, das für Jehoel steht, mit der altbabylonischen und südarabischen Mimation (nämlich dem Ausleut m).“ Dies ist von dem gleichfalls wohlbekannten Münchener Orientalisten F. Hommel in einem bald darauf veröffentlichten Artikel mit folgenden Worten bestätigt worden: ״In dem Namen Ja ü-m-ilu ist die Silbe Ja mit dem gewöhnlichen Zeichen für i-a geschrieben und setzt einen Gottesnamen Jäum voraus, d. h. Ja mit der semitischen Nominativendung und der Mimation. Dies ist natürlich der männliche Gottesname A-a, den ich früher in meiner ״Altisraelitischen Ueberlieferung“ besprochen habe, ein Name, der ebensowohl A1 wie Ja gelesen werden kann, nur dass in Jäum ferner die Nominativendung sich darstellt.“ Diesen Sachverhalt bekräftigte er auf S. 48 nochmals durch die Bemerkung: ״Der altsemitische Gottesname war also AI oder Ja mit der Nominativendung: Jäum.“ (Jehova oder Jahwe bleibt Eigenthum der Hebräer.) ■; Im Itritischen Museum befindet sieh eine aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammende Münze aus Gaza, deren eine Seite die Figur des cuimauitisehen Hanfs in einem feurigen Wagen darstellt, sonst aber die Attribute des griechischen Zeus aufweist; darüber ist das Wort IUF. (d. i Jahu oder Jeho) in nlt-phüuikisehen Huchstaben zu sehen.

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