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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. Seite 45

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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45 Einleitung zu seinem Pentateuchcommentar lustig macht, und ihnen in satyrischer Weise Widersprüche nachzuweisen bemüht ist, Ein solches Verfahren bringt Nachmani zur grössten Entrüstung.1 2 * **) ״Damit er (lbn Esra) sich nicht zu weise dünke, und meine, er habe unsern Lehrern Unsinn und Widerspruch nachgewiesen, muss ich reden, und ihm erwidern: ״ln der That lassen sich jene Vorfälle nicht ohne Wunder erklären u. s. w. was Du aber fragst, warum erwähnt die Schrift ihrer nicht, so will ich Dir eine goldene Regel für ähnliche Fälle an die Hand geben: ״Nur die durch Propheten oder Engel vorher angekündigteu Wunder nennt die Bibel, einen bei weitem grossem Theil lässt die Vorsehung im Geheimen für ihre bestimmten Zwecke vollbringen. ..Dieses, so schliesst er, möge wie glühendes Gold auf den Mund dieses Klugen gegossen sein gegen alle seine spöttischen Bemerkungen über die Worte unserer Weisen hier und anderswegen1R). Mit seiner Ansicht über Prophetie und göttliche Erscheinungen steht er wiederum im stärksten Wider- Spruch mit lbn Esra und dem More18). Maimonides hatte das Erscheinen der 3 Engel vor Abraham für ein Traumgesicht erklärt, und überhaupt ein wirkliches Erscheinen der Gottheit oder göttlicher Wesen bestritten. ״Wie, frägt hierauf Nachmanides entrüstet, also hätte Sara nicht wirklich den Teig geknetet, Abraham nicht wirklich das Rind zubereitet, Sara gar nicht ob der Botschaft gelacht? Auch zu Lot kamen demnach die zwei Engel gar nicht, er hat auch nicht die ungesäuerten Kuchen gebacken, — das wären Alles nur Träume gewesen? Träume wie alle andern, und Träume sind Schäume!17) Aber was fiel denn den Sodomitern ein, Lot’8 Haus zu belagern? Und wenn Jacob mit jenem Engel des Nachts nur im Traume rang, warum hinkte er denn des Morgens? Lauter innere Wider- Sprüche, die das Ohr gar nicht hören und das Herz nicht glauben darf.“18) Nach einer solchen Polemik kommt N. nun zur Darlegung seiner eigenen Ansichten. Er macht vor Allem einen Unterschied zwischen wirklich göttlichen Erscheinungen und blossen Visionen, zwischen der Prophetie Mose's und der der andern Propheten, zwischen Mose’s Auscliauen Gottes und dem der Patriarchen, zwischen wirklichem Reden und blossem Erscheinen. — Solche Spekulationen über Prophetie und Inspiration haben wohl auch den Hauptanstoss dazu gegeben, dass sich Nachmani im Alter der Kabbala znwandte. (Fortsetzung folgt.) Die Juden in der klassischen Litteratur. Die ältesten Nachrichten über Juden finden sich in den Schriften des Lysimachus (400 vor der gew. Zeitrechnung); er bringt eine Beschreibung des Aus¬ 14} Vergl. seinen (.'omni, zu Gen. 46, 16 יהנה פן יהיה חכם בעיניו 5בסתירת דברי רבותינו אני צריך לענות אליו וכ׳ Auch zu (Jen. 26, 84 sagt Nachmunides zu Ihn Ksra's Auslassung: :ואין אלו אלא דברי שחוק. ‘6) Ibid. יזח זהב רותח יוצק בפי החכם על מה שהשיב על דברי רבותינו ls) Die Stellen sind zerstreut, die wichtigsten sind Gen. 12,6 Gen. 18,8, die oben besprochen wird, ferner Kxod. 6,3, Num. 8, 2 und 12, 6 und 7. ,7) Gen. 18,8!וא״כ בא החלום ברוב הענין כחלומות השקר ״') Ibid. ואלה דברים סותרים הכתו אסור לשומען אך בי להאמין zuges aus Egypten. Ausser den Notizen bei Josephus sind nur noch drei griechische Autoren zu nennen: Choerilos, Herodotus und Hekataeus. Ersterer war ein Feind der Juden, als solchen bezeichnet ihn bereits Josephus. Wenn Herodot von ״palästinensischen Syiem“ spricht, so meint er damit die Juden. Herodot hat ohne Zweifel viel über Juden gehört, wenn er auch selbst nicht in deren Land gewesen, denn zu Herodot's Zeit waren die Juden bereits in der Gefangen- Schaft. Hekataeus von Abdera war ein Zeitgenosse Alexander s des Grossen. Er soll eine Geschichte der Juden geschrieben haben. Darin wird auch behauptet, dass Plato ein Schüler des Propheten Jeremia, Pythagoras ein Semite und Kleon, der Athener, ein Jude war; aber diese Behauptungen ermangeln des Beweises. Wenn aber die griechische Litteratur nur ein schwaches Licht auf das hebräische Altherthum wirft, so sind doch die hebräischen Schriftdenkmäler von hohem 111teresse für das Griechische. Homer wird in der Mischna (Jodajim P. IV,6) erwähnt. Die talmudische Transscription griechischer Worte wirft ein Licht auf die Aussprache des Griechischen. Eine unmittelbare Verbindung zwischen Hellenen und Hebräern fand erst dann statt, als sie beide von ihrer politischen ßedeutung gesunken waren und auch nicht mehr ihre ganze Eigenthümlichkeit gewahrt hatten. Auf römischen Boden sind die Nachrichten über Juden viel ausführlicher. Bei ihrer Berührung mit den Karthagern hatten die Römer zuerst den Einfluss der Semiten empfunden. Aber erst in den Tagen des Augustus finden wir directe Mittheilnngen über Juden. Ein kurzer Abriss der jüdischen Geschichte wird von Diodor Siculus gegeben. Ohne eine böswillige Absicht bei Diodor anzunehmen, muss dennoch behauptet werden, dass er entweder ein mangelhaftes Buch als Quelle benutzte oder aber die Notizen, die ihm gegeben wurden, falsch anffasste. Cicero's Vertheidigungsrede des Pröconsul Flaccus, der beschuldigt wurde, Gold genommen zu haben, welches die Juden alljährlieh für den Tempel nach Jerusalem schickten, ist hier auch zu erwähnen. Auch Horaz in seinen Satvren I, 4 erwähnt die Juden. Aus Horazen’s Be merkung: Credat Judaeus Apella, liaud ego! ״Dass möge der Jude Apella glauben, nicht ich“ schliesst Cohen, dass Apella ein bei den jüdischen Römern sehr geläufiger Name gewesen. Aus Ovid scheint hervorzugehen, dass viele römische Matronen die Synagoge an dem von ״den Juden Syriens“ gefeierten Sabbatli besuchten, an einer anderen Stelle spricht er von dem Festtage, der jeden 7. Tag von den Syrern Palästina’s gefeiert wird, als von einem Tage, an dein keinerlei Geschäfte verrichtet werden dürfen. In Vergil ist zwar kein directes Citat über die Juden zu finden, die 4. Ekloge jedoch, die über die Neugestaltung der inensclilischen Gesellschaft handelt, hat eine auffallende Aehnlichkeit mit der Beschreibung der messiani8chen Zukunft im Propheten Jesaja. Strabo und Juvenal erwähnen gleichfalls der Juden, Juvenal’s Worte sind dunkel, soviel darf aller dennooli daraus geschlossen werden, dass er von den ärmeren Juden spricht, die, von Domitian vertrieben, nichts besseres thun durften, als betteln zu gehen. Aus all

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