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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. Seite 44

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 den griechischen und arabischen Philosophen üXy] (היול) genannten Urstoff hat Gott zuerst geschaffen, und zwar einen Himmel- und einen Erdstoff“. Dieses lehrt ihn der erste Vers der Bibel. Unter ארץ seien ausser Erde auch die andern 3 Elemente miteinbegriffen, daher auch nichts von ihrer besondern Schöpfung gesagt wird; im zweiten Verse sind sie schon vorliandeu: תהום ein Gemisch von Erde und Wasser, חושך, setzt das Eiementar-Feuer voraus und רוח die Luft. Die Erde tritt nach griechischer Anschauung (כאשר ידמו היונים) als Ballen aus dem Wasser hervor, wird daher vom Wasser umgeben, welches die Luft umringt, über welche das Feuer sich scliliesst. Aus dem Himmelsstoff lasst, der Schöpfer das Licht entstehen, und zwar Alles durch seinen blossen Willen. — das Werden der Dinge werde bei der göttlichen Schöpfung durch אמירה, ihr Bestehen durch ראיה ausgedrückt, dieses letztere bezeichne auch die Vorseliung. Ohne diese fällt die Welt in ihr früheres Nichts zurück. Die Schöpfung des Menschen werde durch * * * * * 6נעשה) eingeleitet. Nachdem Gott die CiX>j geschaffen, hierauf die Elemente sich gesondert, das Wasser und die Erde die lebendigen Orgauisinen hervorgebracht hatten, sagt Gott: נעשה אדם. .,Wir, d. h. ich und die Erde wollen den Menschen schaffen“, die Erde gebe den Stoff, ich werde die Seele geben. Und auf diese Zusammensetzung des Menschen beziehe sich die im folgenden Verse vorkommenden Ausdrücke בצלמנו. בדמותנו, denn der Mensch ist stofflich der Erde ähnlich, der Seele nach aber göttlich. Ein solches Geschöpf war etwas Neues, und von ihm passe daher der Ausdruck 6ויברא)• 2) Unsterblichkeitsglaube.— Die vielfach aufgeworfene Frage: Warum spricht die Thora nichts von der Unsterblich keit der Seele? beantwortet er mehrfach.7 8) Erstens, dass diese als selbstverständlich vorausgesetzt werde, denn sie sei ein nothwendiges Postulat (כי קיומה מחויב בדרך היצירה). Ferner: es lag nicht in der Aufgabe der Bibel, eine philosophische Abhandlung darüber zu geben, und drittens, Moses, der zum ganzen Volke sprach, konnte diesem nicht die Unsterblichkeitstheorie als Lohn für die Befolgung der Gesetze hinstellen, er musste die Nation auf das Glück und den Glanzpunkt einer Nation hin weisen : ״Der Herr wird Dir das Land geben u. 8. w.“ Uebrigens enthalte die Bibel eine Menge Andeutungen und Redewendungen, die von der Voraussetzung des Unsterbliclikeitsglaubens ausgehen. So heisse es schon bei der Schöpfung des Menschen ״und Gott hauchte ihm eine lebendige Seele ein“. In den Segens- Worten: ״Ich werde unter euch wandeln“ (Lev. 2b, 12), ist sie ebenfalls vorausgesetzt. Ferner in dem Satze: ״und der Mensch kann mich nicht sehen, so lange er lebt“, daraus folge: wohl aber nach seinem Tode. Indem Verbote ״Ihr sollt euch nicht verletzen um eines Todten willen, denn ihr seid ein heiliges Volk“ (Deut. 14.) sieht er auch einen deutlichen Hinweis auf die U11- 6) Dass der Plural christlieherseits auf die Trinität bezogen wurde, weiss er »ehr wohl, (vorgl. Deruscha p. 24); im Commentar aber erklärt er den Ausdruck ohne Polemik. ״) Demgemäss erklärt er ספר תולדות אדם ftt ״diege» ist die .Schöpfungsgeschichte eines jeden Menschen.“ *) I״ev. 20». 12. Perusoha p.!W und 84. und Lev. 18. 29. Sterblichkeit.6) ״Ihr sollt euch itn Hinblick auf die Unsterblichkeit nicht zu sehr der Klage und dem Schmerz hingeben“. In einem ausführlichen Excurse beweist er die Unsterblichkeit negativ aus der Strafe der Ausrottung (9ברת). Ueber den Glauben an eine belohnende und bestrafeude Gerechtigkeit Gottes hat er ein besonderes Werkelten, ישער הנטול genannt, geschrieben. Auch im Pentateuchcommentar nimmt er oft Gelegenheit, darüber sich auszusprechen.1״) Nachtnani's Ansicht über die Wunder in der Bibel. — Ueber diesen Punkt spricht er sich sehr scharf und entschieden aus, und betont ihn, so oft sich ihm die Gelegenheit dazu dafbietet, dem Rationalismus gegenüber sehr stark. Der Glaube an die Göttlichkeit der mosaischen Lehre, 80 sagt er,11) bedingt den Glauben an Wunder, da sehr viele gesetzliche Bestimmungen und Verheissungeu darauf basiren. ״Wie könnte sonst Belohnung und Bestrafung, Erfüllung des Segens oder des Fluches statthaben? Wenn Alles seinen natürlichen Gang hat, so lebt oder stirbt der Mensch nicht nach Verdienst oder Schuld. Wie kann z. B. Gott versprechen zum Lohne für die Geboterfüllung, ״den Regen zu senden“ — oder als Strafandrohung sagen: ״Und die Himmel sollen euch wie Erz sein u. s. w.“ — steigen bei der Erfüllung der Gebote mehr Dünste auf, oder kann, wenn Regen sich entladen will, verübter Götzendienst ihn aufhalten?“ Zum Verständniss der Bibel gehört also nothwendig der volle Glaube an all’ die Wunder, die die Bibel uns vorführt. Die Wuuder nimmt er (nach Vorgang der Misclma in Abotli P. V,(>) als seit der Schöpfung in der Natur vorbereitet liegend an. 12 *) Sie sind mitberechnet und mitbedingt zur Ent- Wickelung des menschlichen Geistes, und lagen im Plane und in der Anordnung des Weltall s, zur Re&lisiruug des Gottesbegriffs unter den Menschen. — Hiermit hat er die Ansicht der dem Aristoteles folgenden Rationalisten16), die die Möglichkeit der Wunder bestritten, weil sie gegen die N at ur sind, widerlegt. Die Wunder gehören mit zur Natur, sie lagen vorbereitet in der Natur seit der Schöpfung, und wickelten sich am Webestuhl der Zeit ab, bis sie zur bestimmten Stunde zum Vorschein kamen, somit ging die Schöpfung nicht unvollkommen aus des Schöpfers Hand hervor. Noch iii einem Punkte musste er den rationalistischen Auslegern der Schrift begegnen, Wie verhält es sich mit den Wundern, die der Midrasch zu so vielen Stellen der Schrift nachweist, obwohl sie nicht in derselben erwähnt sind. Wir wissen, wie Ihn Esra sich in solchen Fällen über die Midraschlehrer in der ״) Vergl. Commentar z. St. ולפי דעתי כי עם קדוש הבטחה בקיום נפשות. *) Am Schlüsse des Abschnitts אחרי. 1״) Gen. zu שכרך חרבה מאוד, Lev. 18,6 zu והי בהם u. a. m. ■*) Derascha p. 18. Lev. 26,6. Gen. 46, 15 u. a. a. 0. ■י) Exod. 16,27. 1a) Siehe Pent.-Comm. zu Levit. 16,8: לחסום פי המתחכמים בטבע הנמשכים אחרי היוני אשר הכחיש כל דבר זולתי המורגש לו והגיס דעתו לחשוב כי כל ענין שלא השיג הוא בסברתו אינו אמת. Wenn Ihn Esra zu Deut. 8, 6 שמלתך לא כלתה echt rationalistisch bemerkt, ״der Mannagenuss habe die Schweisshildung verhindert, darum schwollen auch ihre Piisse nicht an u. s. w.“, so erwidert ihm Nachmanides mit liecht: ״Er möge doch ein Stück Holz, das nicht schw-itzt, mit einem neuen Kleide bekleiden und sehen, oh es nicht nach 40 Jahren vermodert sein wird“.

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