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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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43 bindung gebracht. Orakel und Omina von heiligen Baumen und Banmcultusstätten sind unter allen Völkern sehr verbreitet (vergl. Bötticher, Baumcultus der alten Völker, Berlin 1885). Es liegt nun auf der Hand, dass die Stimme eines Baumes nur im Rauschen vernommen werden kann, das etwa der Wind in seinen Zweigen hervorruft, wie ein solches Geräusch dem David als Zeichen gegeben wurde, dass der richtige Augenblick zum Angriff auf die Philister gekommen sei (II.Sam. 5,2(1). Der berühmte heilige Baum bei Sichern, der die ״Zauberer- Eiche“ genannt wurde, (Rieht. 9,37) und die Terebinthe Mamre, d. h. Baum des Orakelgebers, müssen Stätten eines kanaanitischen Baumorakels gewesen sein. Die Phrophetin Debora ertheilte ihre Antworten unter einer Palme bei Bethel, die nach der Ueberlieferung das Grab der Amme der Rebekka bezeiclmete. Ans der Zeit der Einwanderung in Kanaan berichtet das Buch Josua von einem Baum an gottesdienstlicher Stätte unter einer Eiche (האלה) bei Sichern, auf dem Heiligthiune Jahwe s (d. h. auf dem Jahwe geweihten Platz), errichtet Josua, nach feierlicher Ernenerung des Bundes einen grossen Stein zum Gedenk- Zeichen (Josua 24,27). — Vom König Saul wird wiederholt das Sitzen unter einem Baume erwähnt; unter dem ״bekannten“ Granatenbaum bei Gibea (1. Sam. 14,2) und unter der Tamariske bei Gibea (1. Sam. 22,6); im letztem Falle ist der König, den Spiess als Scepter in der Hand haltend, und von allen seinen Knechten umgeben, deutlich entweder als einer Gerichtshandlung oder als einem Reichsrathe vorsitzeud zu denken. Unter einer Terebintha bei Opbra erscheint der Engel Gottes dem Gideon (Rieht. 6,11) und daselbst baut dieser Jahwe einen Altar (24). Selbstverständlich sind diese ßibelstellen durchaus nicht misszuverstehen. Wenn die Bibel von den gefeierten Gottesmännern der Vorzeit, in deren Charakter- Schilderungen Musterbilder israelitischer Frömmigkeit aufgestellt werden sollen, erzählt, dass sie Bäume pflanzten an den Stätten, wo sie Gottesdienst übten, so können die Erzähler damit unmöglich sagen wollen, dass einstmals die Bäume selbst den Hebräern als ein Göttliches, oder als eine Wohnung der Gottheit galten; der Gott Israels ist stets selbst in den urältesten Anfangen von allem Irdischen gesondert und wird in der Himmelshöhe gedacht; vielmehr können die grünbelaubten Bäumen für die biblischen Erzähler nur in Betracht kommen als eine Offenbarung der von der himmlischen Gottheit in die Erde gelegten Lebenskraft. Sonst haben wir keinerlei Anzeichen dafür, dass faktisch die gottesdienstlichen Bäume von den Hebräern jemnls anders angesehen wurden. Oer Pentateuchcommentar des Nachmanides. Von M. K. V. Geist der Nachmani’schen Exegese. Bevor wir auf die einzelnen Bcstandtheile — wortgetreue, hagadisclie, halacliische und kabbalistische — der Nachmani’sclieu Exegese in seinem Pentateuchcommentar näher eingehen, wollen wir erst den religiösen Standpunkt, den der Commentator dem heiligen Buche gegenüber, das er comunentirt, einnimmt, klar stellen, gewi88ermassen sein Glaubensbekenntniss hören. Für jene Zeit der religiösen Parteiungen und der verschiedensten Glaubensmeinungen ist dies für das Verständniss des Commentars nothwendig. Der Autor hatte dies selbst eingesehen und zu diesem Behufe seine bereits erwähnte Derascha תורת ה׳ תמימה vor dem Erscheinen des Commentars veröffentlicht. Auch in seiner Einleitung zum Pentateuch hat er seine gläubige Ansicht über die heilige Schrift niedergelegt. ״Moses, unser Lehrer, hat diese ganze Thora vom ersten bis zum letzten Buchstaben vom göttlichen Geist eingegeben niedergeschrieben“. — Das sind seine ersten Worte in der genannten Einleitung und hiermit ist sein Standpunkt der Bibel gegenüber bezeichnet. Wer erkennt in diesen Worten nicht auf den ersten Blick seine oppositionelle Stellung der Rationalisten gegenüber, die den Satz hinstellten; ״Moses hat, wie jeder andere profane Gesetzgeber, aus seinem Kopfe diese 5 Bücher niedergeschrieben“. Ihnen ruft er mit aller Kraft seiner Ueberzeugung wiederholt zu; ״Das Bibel wort ist Gottes wort!“1) Darum gebüliren demselben alle Lobeserhebungen und Epitheta, von denen die prophetischen und hagiographischen Bücher, die Talmude und Midraschim voll sind, mit vollem Recht. Die Frage lag jedoch nahe — und Naclnnani stellt sie auch in seiner Derascha —: Was mag es wohl sein, was der Thora all diese Vorzüge verleiht? Worin liegt ihre göttliche Weisheit? Scheint sie doch so einfach, dass Kinder sie lernen und verstehen? Andersgläubige haben sie übersetzt, oder besitzen Gesetze und Rechte, die den mosaischen sehr nahe kommen? Er antwortet.2) dass eben durch die Thora und die Nachbildung derselben bei andern Völkern die Intelligenz und die Philosophie gefördert worden sei. Christenthum und Muhainedanismus sind aus dem Schosse des Mosaisinus hervorgegangen, und diejenigen Völker, die mit keiner dieser 3 Religionen in Berührung kamen, verharrten in der Nacht des Heidenthums und des Götzendienstes. Er gesteht es offen ein,8) dass Christen und Muliamedaner die Gotteserke nntniss und geistige Aufklärung in die entferntesten Länder hingetragen und geholfen haben, das Heidenthum zu bekämpfen, aber es seien dabei auch falsche Anschauungen von Gott mit untergelaufen. Das, was S. D. Luzzatto1) von dem Erklärer der heiligen Schrift fordert, dass er ausgehen müsse von der gläubigen Ueberzeugung: 1) der Schöpfung aus Nichts. 2) Der Vorsehung, der strafenden und belohnenden Gerechtigkeit Gottes — (Unsterblichkeit). 3) Der Wahrhaftigkeit der Wunder finden wir bei Nachmaui unzweideutig vor. 1) Die Schöpfung aus Nichts. — Er hat ein förmlich ausgebildetes kosmogonisches System gelegentlich der Erklärung der ersten Bibelverse aufgestellt. ״Gott hat die Welt aus Nichts geschaffen“ (ברא). Jenen Form und Gestaltung unnehmenden, von ') Zweimal N1>r1cl1t׳ er es in der Einleitung ans; משה רבינו כתב את בל התורה כולה מפיו שי הקב״ת מתחלת ספר בראשית עי?1עיני בל ישראל: Aiieli dem Ilm Esru ruft er 'Num. 8,22) zu ואילו ידעי' אביהש מה כין נבואת משה לנבואת שאר נביאים לא חשב בן: י) Deruselin (eil. Jellinek.' S.;1. “) 11>. S. 5. *) In der Einleitung /.u seinem JesujusCoimuentur.

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