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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 Tempel ausströmt. (Joel 4,18). ln anderer Weise ist das Bild der Quelle als des Lebengebenden verwendet, in der Bezeichnung des Stammvaters des Volkes als der Quelle, aus welcher es entsprungen. Dass nun auf Grund dieser Auffassung der Quellen und Bache als eines Lebendigen und Lebengebenden semitische Völker gleich den arischen die Gottheit in den irdischen Gewässern wohnend dachten, diese selbst für ein Göttliches hielten, ist auf keinen Fallanznnehmen. Der Himmel mit seinen Gestirnen wird bei dem hebrauchen Volke als die göttliche Welt durchaus ge• schieden von der Erden welt als der ungöttlichen, welche, an sich leblos von droben das belebende Licht der Sonne und den vom Monde gespendeten Thau auf nimmt in ihren Schoss. — Die Quellen und Flüsse scheinen bei deu Semiten heilig gewesen zu sein als Gaben der in des Himmels Gestirnen wohnenden lebenschaffenden Gottheit, also als ein Ausfluss ihrer Lebenskraft, nicht aber als diese selbst. — Was speciell die alten Hebräer betrifft, so scheinen wenige Spuren dafür zu sein, dass es einmal auch bei ihnen heilige Quellen gab. Allerdings ist im alten Testament nirgends ausdrücklieh gesagt, dass ein Ort durch eine Quelle als heilige Stätte bezeichnet sei; aber es scheint doch dies zu liegen in dem Namen .,Beer-scheba״. ..Sieben-Brunnen‘‘, wo schon Abraham den Namen Gottes angerufen haben soll (Gen. 21, 33) und wo bis in späte Zeiten ein Heiligt.hum (des Kalbercutts) bestand (Arnos 8.14). Es ist über haupt beachtens werth, dass einer Gruppe von sieben Brunnen unter denSemiten eine besondere Heiligkeit beigelegt wurde, wie überhaupt die Zahl sieben bei denSemiten eine heilige Zahl zu sein scheint, besonders in Bezug auf cultische Bräuche. Das hebräische Wort für .,schwören‘‘ scheint auch darauf hinzudeuten. An einem Brunnen offenbart sich der Engel Gottes der Ha gar. und man nennt ihn ,.Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ (Gen. 1(3,14). ,,Kadesch-Barnea״. dessen Name, einen heiligen Ort bezeichnend, auf gottesdienstliche Bedeutung deutlich verweist, hatte eine Quelle, nach welcher der Ort auch ״En-Mischpat“, Quelle der Ent- Scheidung, genannt ward, et wa deshalb, weil dort wahrscheinlich durch ein Orakel streitige Fragen entschieden wurden. — Selbstverständlich rühren ohne Zweifel die meisten im alten Testament auf heilige Quellen zurückweisenden Ortsnamen von der vorhebriiischen kauaanitischen Bevölkerung her; allein die Erzählungen von der Benennung des (Jultusortes Beer-scheba durch die Pratriarchen und der Quelle La - cliaj - roi mit Bezug auf Hagar weisen darauf hin. dass einstmals auch bei den Hebräern Quellen in religiösem Ansehen standen. Bei der Verbindung von heiligen Gewässern und heiligen Bäumen muss man sich daran erinnern, dass in den meisten semitischen Ländern ein wildgewachsenes Gehölz nur dort gedeihen konnte, wo der Boden wasserhaltig war, wo neben den Bäumen Quellen oder Brunnen waren. Aus diesem Verhältnis« ergab sich leicht die Vorstellung, dass sich im Wasser und im PHanzenwuchs in seiner Umgebung das gleiche Leben offenbare. Daher sind in der alttestamentliclien Dichtersprache die grünenden, am Quellwasser gepflanzten Bäume, — namentlich Oelbaum und Palme —, wie die grünen Sprösslinge der Pflanzenwelt überhaupt, ein beliebtes Bild der Lebensfülle. Die Eiche ist ein Bild der Stärke, oder Lebenskraft, worauf schon ihr Name אלון verweist; besonders spielen die starken Eichen Basans in alttestamentlicher Bildersprache eine sehr hervorragende Rolle. Die hochragende Ceder ist ein Bild des üppigen Gedeihens wie der stolzen Grösse, insbesondere ein Symbol blühender und mächtiger Völker (Num. 24,(i; Jes. 2,13 u. s. w ). Unter dein Bilde eines grossen und starkeu Baumes, dessen Zweige sich weithin ausdehnen, an dessen Früchten und Schatten die Thiere sich laben, wird im Traume Nebukadnezar’s die Grösse und Lebensfülle des Königs von Babel dargestellt. (Dan. 4,7 ff.) Mit dieser Bildersprache stimmte es überein, wenn der Paradiesbericht von einen! Lebensbaume zu erzählen weiss. Entsprechend dieser psychologischen Auffassung der Bäume (und Gewässer) finden wir im alten Testament noch die Erinnerung, dass einstmals den Hebräern gewisse Bäume Zub&hör einer gottgeweihten Stätte waren. In späteren Zeiten beschränkte sich die C'ultus- Übung unter Bäumen natürlich aut den abgöttischen Israeliten. Der Erzähler trägt kein Bedenken, von dem Gotte der Erzväter seine Offenbarung an Baumplätzen zu berichten. Welche specielle Bedeutung das Symbol des Baumes für die alten Hebräer hatte, lässt sich aus jenen Erzählungen nicht entnehmen; sie wird aber wahrscheinlich keine andere gewesen sein, als ein Zeichen der von der Gotttieit gespendeten Fruchtbarkeit. Wenn Gott sich dem Mose am Beige Horeb offenbart, erscheinend in einem brennenden Busch, so sind hier die beiden Bestandtheile der gescheuten Umgebung Gottes in ihrer gegensätzlichen Bedeutung unverkennbar; die Feuerflamme, ein Bild der unnahbaren Erhabenheit der Gottheit, der Busch, ein Bild der von ihr in die Erde ausströmenden leben wirkenden Kraft; beides kann neben (“inander bestehen, ,,der Busch ward nicht verzehrt“ — das Feuer ist hier also nicht Bild einer von Gott ausgesandten vernichtenden Wirkung. Dass der Busch ein Dornbusch war. hat• wohl keine besondere Bedeutung; gerade solche mochte man am Berge Horeb häufig finden. (Vergl. Gustav Bum״; Geschichte der .alttestamentliclien Weissagung ßd. I. 131.) Unter der Terebiuthe Mamre’s zu Sichern offenbart sich Jahwe dem Abraham, und dieser baut daselbst einen Altar. (Genes. l‘.f,t>). Ferner erbaut Abraham unter Terebinthen Mamre’s zu Hebron einen Altar (13.18), in dessen Nähe er seine Zelte aufschlägt (14,13); unter eben diesen Bäumen offenbart sich ihm Jahwe in der Gestalt der drei Männer. Von Terebinthen (im Plural) ist hier wahrscheinlich nach tendentiöser Beseitigung der Einzahl die Rede, weil man dem Baume den Charakter ״singulärer Heiligkeit“ nehmen wollte. Es geht dies weniger aus dem auch jetzt verständlichen Singular (Gen. 18,4 אשל), als aus der ständigen singularischen Uebersetzung der Septuaginta hervor. Zu Beerseba pflanzt Abraliam eine אשל und ruft daselbst den Namen Jahwe’s an (21,33). Später errichtet Isaak zu Beerseba einen Altar und ruft auch seinerseits den Namen Jahwe s an (2(i,2ö). Eben dort bringt Jacob Opfer dar dem Gotte seines Vaters Isaak. (4(1,1). — Auch mit Orakeln und Wahrsagung wurden nach biblischen Berichten die heiligen Bäume in Ver-

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