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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 6. (1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 6. (1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 6. -1902. Jüdisches Jahrg. XXVI. Litteratur-Blatt. Zur BeloiichtmiK Aller Jurienituim 11nü Juden!»elredcnden lltterarlschen KrseheinnnKtMi auf dem (Gebiete der Philo* *ophlo, (ienehiehte, KthimgrftVlrie, Theo* 10Rle, OrientaliH, Exegese, Homiletik, Liturgik lind PUditgogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner I)r. M. Kahiuer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Schoiem, Berlin C., Rossstr. 3. Bücher der eiiiMciiitigigeii LiUeraturderen Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die RedACtion, Inserate 11. Beilagen an die Kxpe* dition franco einzusenden. fUhmer's ״Jttdisohet Litteratur-Blatt" erscheint monatiioh im Umfange eines ganzen Bogens u. kostet l>ei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur Schalem, Berlin, Rossstr. 3) vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ,,Uraelltlaohea Woohenaohrlft“ welche!►ei allen rostanstaltcMi und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt" als Brfttlt-Beilage. — Inaarata werden mit 20 Pfg. die viergespaltene Zelle berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Aus Rahmer*! JOd. Litteratur-Blatt" gestattet. Zur Symbolik des Wassers und des Baumes bei den Hebräern. Von I)r. B. Seligkowitz-Cötlien. Es ist völkerpsychologiseh nicht unzutreffend, wenn man sagt, dass die Menschen in ihrem primitiven Denken nnd Kulturzustande mit gewissen Erscheinungen der unorganischen Natur, namentlich da, wo das Wirken der Naturkräfte in besonders starker Weise sich äussert, die Vorstellung von einer lebenden Macht verbanden. So verbanden die Araber des Mittelalters mit den Sandstürmen eine bestimmte Klasse von Dämonen. Wichtiger ist der weitverbreitete Glanbe, dass sich die Sterne bewegen, weil sie lebende Wesen sind, welcher Glaube die Grundlage der Planeten und Sternbilderkultur der alten Völker bildet. Ebenso werden vulkanische Ersebeinungen als Offenbarungen eines übernatürlichen Lebens betrachtet. Die giftigen Dämpfe, die ausserdem aus Schluchten in der Erde emporstiegen, wurden als Wirkungen mächtiger Geister angesehen. Aber weit entlegene Erscheinungen, wie die Bewegungen der Sterne, oder ungewöhnliche Erscheinungen, wie z. B. vulkanische Ausbrüche, wirken auf die rohe Vorstellung der Menschen weniger stark ein, als Dinge seiner irdischen Umgebung und des täglichen Lebens, die für ihn nicht weniger geheimnissvoll sind nnd sein gewöhnliches Leben näher berühren. Es scheint daher eine irrthümliche Annahme zu sein, dass es entlegene und ungewöhnliche Dinge sind, nach denen der primitive Mensch seine allgemeinen Anschauungen vom Wesen des Uebernatürlichen bildet. Vielmehr deutet er das Entlegene nach dem ihm näher Liegenden, indem er z. B. die Himmelskörper als lebende Wesen, die den beseelten Bewohnern der Erde gleichen, auffasst. — Von allen unbeseelten Dingen hat für die alten Hebräer die am meisten hervortretenden Eigenschaften das fliessende oder ״lebende“ Wasser. In einem der ältesten Bruchstücke der hebräischen Poesie wird eine Quelle als ein lebendes Wesen angeredet. (Num. 21, 17, ff.). Die Hebräer nannten die Quelle עין; wie das Menschenantlitz vom hellen Auge, so wird die Landschaft belebt vom klaren Quell. — doch mag auch das Bild des thränenden Auges hier vorliegen. Der dem Erdreich aus eigener Kraft entströmende Born heisst bei den Hebräern ״lebendiges Wasser“, im Gegensatz zu dem stehenden Wasser der Cisternen. Zu der Vergleichung von Quelle und Leben mag jedoch bei den Hebräern nicht sowohl die den Lebensäusserungen gleichende Bewegung des Wassers den Anlass gegeben haben, d. h. sein Dahinströmen gleich den in stetem Fluss begriffenen Lebenstagen, als vielmehr seine lebenzeugende und fördernde Kraft für Pflanzen, Thiere und Menschen, nicht wesentlich anders als in der noch uns geläufigen Vorstellung des Jungbrunnens. Wo ein in üppiger Fülle erwachsener Baum genannt werden soll, wird er im alten Testament bezeichnet als am Wasser gepflanzt. Im Paradiese, wo der Lebensbaum steht und liebliche Gewächse in Fülle, fliesst der Quellstrom der vier grossen Flüsse. Im gesegneten Juda der Endzeit strömen alle Flussbette von Wasser (Joel 4,18) — Der Quellen und Bäche vorzügliches Lob ist leicht begreiflieh für das in den Sommermonaten an Regen so arme Land der Israeliten, wie noch mehr bei den wüstenbewohnenden Arabern. Die Quelle ist im alten Testament Bild aller von Gott ausgehenden lebenwirkenden Kräfte, wie alles Erfrischenden in der geschaffenen Welt. Einer lieblichen erquickenden Quelle wird die Braut des Hohenliedes verglichen: ״ein Born der Gärten, ein Brunnen lebendigen Wassers und Bäche vom Libanon“ (4,15). Eröffnung von Brunnen ist Bild für Segensverleihung, (Jes. 41,18) Trockenlegung der Brunnen Bild für den Fluch (Hos. 13,15, Jes. 44,27). Der Wohlstand, welchen Gott seinem Volke verleiht, wird verglichen einem Strom, dessen Bäche die Gottesstadt erfreuen. (Jes. 30,26). Auch den von Gott ausgehenden geistgieu Segnungen gilt das Bild des erquickenden Wassers; zu seinem verzagten Knechte Jacob spricht Gott bei dem Propheten: ״Ich giesse Wasser über den Durstenden und Bäche über das dürre Land.“ (Jes. 44,3); wer seine Stärke hat in Gott, der wandelt zum Quellort, der Thränei: ehrt (Ps. 84, 7). Aus dem vielumfassendeu Bilde der Quelle ist dann — zunächst jedenfalls realistisch gemeint, aber doch auch bei dieser Auffassung zugleich eine Widerspiegelung des geistigen Segens — entstanden jene prophetische Verheissung von dem Born, welcher im neuen Jerusalem von dem

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