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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 5. (1902) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 5. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 Lesart Vorgelegen: Abraham seien in seiner Jugend zwei Söhne geboren, musste allerdings zu einer Correctur des Textes seine Zuflucht nehmen; Buber je• doch, dem die Lesart Vorgelegen: Abraham sei in seiner Jugend nur ein Sohn geboren, was auch nur allein richtig ist, hätte nicht nöthig gehabt, zur Cor• rectur seine Zuflucht zu nehmen, er hätte nur die Parallele in Genesis rabba cap. 61, § 3—5 genauer vergleichen sollen. Genesis 25, 2—4 werden sechzehn ״Kinder der Ketura“ aufgezählt. Von diesen müssen fünf abgerechnet werden, weil die Agadisten und Targuinisten8) 1 und 2; 9, 10 und 11 nicht als Gentilia, sondern als A ppellativa fassten; somit bleiben bloss elf ״Kinder der Ketura“ und Isak, der gleichfalls Abraham im Alter geboreii war, sind zwölf, in der Jugend wurde ihm ein Sohn, lsmael, geboren; im Alter zwölf Söhne, Isak und 11 ״Kinder der Ketura“.* * 3 * S. *) Litteraturbericht. Recensionen. Gttdemann, Dr. M. Das Judenthum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen dargestellt. Wien 1902. Verlag von R. Löwit. 105 S. Mit tiefer Erkenntniss, mit feinem Geschmack und frischer lebensvoller Sprache dargestellt, bietet die vorliegende populäre Schrift jedem gebildeten Leser werthvolle Belehrung und fruchtbare geistige Anregung. Der gelehrte Verfasser fühlte das Bedarfniss, wie er in dem Vorwort sagt, sich darüber auszusprechen, was das Judenthum eigentlich sei, das so häufig dargestellt werde, wie es nicht ist. Dabei ist der Verfasser weit davon entfernt, eine Apologetik gegen die frivolen Verunglimpfungen des Judenthnms von Seiten der Antisemiten zu schreiben; vielmehr sollte diese Schrift offenbar gegen die falschen Darstellungen des Judenthums nicht nur in christlichen gelehrten Kreisen, sondern auch innerhalb des Judenthums selbst gerichtet sein. Es ist auch nicht so sehr specifisch Neues, als vielmehr meist Bekanntes in einer eigenen Be• leuchtung, was uns geboten wird. Hier erscheinen uns nicht abgerissene Thatsachen, die mit schwachem Phrasen• kitt aneinander gelöthet werden, sondern es wird die innere Entfaltung des Judenthums, wie es nach den in ihm ruhenden Triebkeimen und Lebenskräften von seiner ■Wurzel in seinen verschiedenen Abzweigungen und Verflechtungon mit den jeweiligen socialen und litt.erarischen Zuständen, wie es bei den verschiedenen zeitgeistigen Bewegungen sich verhielt und gestaltete, vorgeführt und in ihrem natürlichen Verlauf aufgezeigt■. Es verdient mit voller Anerkennung hervorgehoben zu werden, dass es der Verfasser verstanden hat, eine solche Fülle von Stoff auf *) (Jencsis rabba cap. 01, §6; .Schocher tobh zu l's. 1(2, $ 13 cd. Buber. Im Midr. Aguda ed. Buber zu (lenesis 25, 1 heisst es darum, dass Ketura bloss vier Böhne geboren hätte. Berliner (Targum II, S. 113), aber auch Bacher (Agada der pal. Amor., 1, S. 603 A. 6) ist es entgangen, dass Kami b. Jecheskel, der (len. 26, 2 appellati v deutet, ein Bruder des Jeh uda b. Jecheskel war und Letzterer mit Samuel b. N'achmau persönlich verkehrt hatte. *) In meinem Artikel (No. 1 d. Bl.) wolle man folgende!)ruck• fehler berichtigen: H 5a Z. 25 v. o. 8 (st. 9); Z. 2": 7 (st. 8); Text Z. 17 v. n.: 23 (st. 25); 8. 51. Z. 3 v. o.: 1,4 (st. 14); Z. 17 v. o.: 10 (st. 19); Z. 4 v. u.: 00d (st. a); Z. 3 v. u. 1. S (st. 3); S. 6a Z. 5 v. o. ist st. 4 ein W zu setzen; Z. 32 v. o. 69;st. 96); Z. 35 v. o.: 354 (st. 454); 6b Z. 15 v. o. wie (st. wir). einen kurzen Raum von 105 Seiten zu bewältigen. In 6 gegliederten Capiteln: I. die Familie; II. der Gottesglaube; III. der Mensch, das Ebenbild Gottes; IV. das Diesseits und das Jenseits; V. die Lehre und das Leben; VI. die Hoffnung für die Zukunft, welche als die Höhepunkte zu betrachten sind, wird uns das Ganze des Judenthums in seiner organischen Einheit vorgeführt. Will man den Kernpunkt in dem Charakter eines Volkes richtig beurtheilen, so muss man es da belauschen, wo es eben erst in die Geschichte eiugetreten ist, jugendlich-frisch, unberührt noch von den fremden Elementen, wo es zwar noch unentwickelt, aber mit all den Keimen seiner spätem Entwicklung uns begegnet. Das Morgenrotli der jüdischen Geschichte ist bekanntlich nicht, wie bei den andern Völkern eine Heroen- und Heldengeschichte, sondern ausgefüllt von Familiengeschichten und häuslichen Erlebnissen. Ea bedeutet dies das Fundament, auf dem das israelitische Leben sich aufgerichtet hat, das so fest ist, dass es alle Stürme der Welt nicht unterwühlen kannten. Dieses reiche Material von Familiengeschichten kann nun wohl als ein beredtes Zeugniss für die Macht des Familiensinnes in Israel betrachtet werden; ein Charakterzug dos jüdischen Volkes, wie es noch heute überall zerstreut lebt. Verf. sagt mit Recht (S. 4) »Wäre die Bibel bis auf die Familiengeschichten verloren gegangen, ja wären uns nur die Patriarchen erhalten geblieben, so könnte man daraus die Ethik der Bibel wiederherstellen....«: Aus diesem Mutterboden der israelitischen Religion werden nun alle jene Tugenden hergeleitet, wie Heiligkeit der Ehe, Pietät, Opferwilligkeit u. s. w. Verf. scheut sich aber keinesfalls, auch die dunklen Partien der Bibel in den Bereich seiner Betrachtung zu ziehen, wie Polygamie, Eliescheidung, und dieselben völkerpsychologisch zu erklären. Aus dem Schoosse der Familie ist der Monotheismus hervorgegangen. Wie die Bibel Abraham als den Begründer der Familie hinstellt, so auch als den Begründer des Monotheismus, welcher mit der Erweiterung des Familienkreises allmählich zum Gotte der Väter und schliesslieh zum Gotte Israels wird. Der Monotheismus ist kein Produkt der Philosophie und der Spekulation; Gott ist in der ganzen Bibel nicht Gegenstand der Beweisführung, sondern der Erfahrung. Da aber der!Himmel, wie die Natur überhaupt, das älteste Buch ist, welches dem Mensehen zugänglich war, so kann das höchste Wesen dem ersten Stammvater, der zuerst das Buch des Himmels zu lesen verstand, unmöglich anders als ein uuiversalistiseher erschienen sein, da der Himmel sich über alle Menschen wölbt. Mit dem Verf. vermögen wir uns aber durchaus nicht zu der Behauptung zu versteigen, dass der Entwickeluiigsprozess des Monotheismus nicht den Gottosbegriff selbst, Sondern nur dessen Geltungsgebiet betrifft (S. 21). (Wir gedenken gelegentlich einmal auf diesen Punkt eingehend zurückzukommen.) In 83r8tematischer Ordnung und lichtvoller Gliederung versteht es nun der Verf. im weiteren!7erlaufe alles, was für den gebildeten Leser in Bezug auf das Judenthum von Interesse sein kann, zu bieten. Die :Stellung der Menschen-, Nächsten-und Kindesliebe im Judenthum, die Anserwähltheit Israels, der Unsterblichkeitsglaube in der Bibel, der Begriff des *Glaubens״, in der jüdischen Religion, das Wesen das Talmuds, wobei sich Verf. mit dem »Wesen des Christenthiims« von Harnack auseinaiulersetzt, und schliesslich der Begriff der inessianischen Hoffnung, alles dies zieht an uns in einer fesselnden Darbtelhing und in einer organischen Gliederung vorüber. — Verf. verharrt dabei auf streng objektivem Standpunkte, weicht nicht ein Haar breit von der geschichtlichen Treue ab. Alles wird aus den Urquellen der jüdischen Litteratur her-

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