Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 5. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
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40 geleitet. Möge dieses Büchlein des auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur erprobten Verfassers befruchtend wirken auf den modern gebildeten Juden sowohl, als auch weit darüber hinaus, damit das richtige Verständniss für das, was Judenthum ist, immer tiefere Wurzeln fasse. Grzymlsch, Dr. S. Spinoza’s Lehren von der Ewigkeit und Unsterblichkeit. Verlag von S. Calvary & Co., Berlin. 56 S. Vorliegende Schrift giebt einen beachtenswerthen Beitrag zur Entwickelungsgeschichte Spinoza’s und Verfasser hätte mit mehr Recht seine Arbeit auch so tituliren müssen. Unter diesen Titel fasst auch W. Busse seine Beiträge zu Spinoza1) (vergl. V. J. Schrift Bd. X.) Denn die Entwickelungsgeschichte der Begriffe Ewigkeit und Unsterblichkeit bei Spinoza 8011 doch wohl der leitende Grundgedanke dieser Arbeit sein. Dass die Lehren von Ewigkeit und Unsterblichkeit, wie Verfasser in dem Vorworte hervorhebt, den schwierigsten Theil des philosophischen Systems Spinoza’s bilden, ist uns ganz neu. Verfasser wollte vielleicht sagen, dass der Begriff causa 8ui, welcher den Be-, griff der Ewigkeit involvirt, zu dem schwierigsten Theil des philosophischen Systems Spinoza’s gehöre. Dieser Begriff birgt aber bekanntlich noch ganz andere Schwierigkeiten in sich. — Der leitende Grundgedanke vorliegender Arbeit lässt sich dahin zusammenfassen, dass die Begriffe der Ewigkeit und Unsterblichkeit im kurzen Tractat, im Tractatus de intellectus emendatione und in der Ethik eine Wendung durchgemacht, in dem der Begriff der Ewigkeit allmählich aus dem der unendliehen Dauer sich herausentwickelt, zu einem rein metaphysischen Begriff umgeprägt wird, welcher mit der Zeit nichts zu thun hat und schliesslich in der Ethik auch auf die Attribute und Modi ausgedehnt wird. Verfasser zieht mit Recht daraus den Schluss, dass verschiedene äussere Einflüsse und philosophische Anschauungen auf Spinoza eingewirkt haben. Und dieser Grundanschauung wird man von vornherein eine innere Berechtigung füglich nicht absprechen können. Haben doch fast alle hervorragenden Denker ihre ״Perioden“! Warum sollte also nicht auch Spinoza eine innereWandlung durchgemacht haben? Finden sich bei einem Philosophen unleugbare Widersprüche, 80 ist es offenbar zutreffender und zweckentsprechender, sie auf verschiedene Entwickelungsstufen des Denkers zu vertheilen, als sie unvermittelt nebeneinander bestehen zu lassen. Und wenn sich nun gar die Eintheilung in verschiedene Entwickelungsstadien so ungekünstelt und unanfechtbar ergiebt, wie dieses der Verfasser namentlich betreffs des Ewigkeitsbegriffs bei Spinoza aufzeigt, so dürfte dieselbe kaum auf ernstlichen Widerspruch stossen. Verfasser führt uns nun im Abschnitt III mit historischem Takt die verschiedenen philosophischen Quellen vor, namentlich aus der jüngeren Scholastik, aus der jüdischen und arabischen Religionsphilosophie, welche auch Spinoza in hervorragender Weise vielfach eingewirkt haben, nicht nur in Bezug auf die Begriffe der Ewigkeit und Un- Sterblichkeit, sondern sogar auf das Spinozistische amor Dei intellectualis. Nach all dem steckte Spinoza noch tief in der Scholastik und in der jüdischen Religionsphilosophie I Allein dem ist durchaus nicht so, und darin weichen wir von dom Verfasser ab. Allerdings ist der Genius Spinoza's auf dem Boden der Scholastik, der jüdischen und arabischen Religionsphilosophio gewachsen. Wir könnten noch schliesslich sogar die Kabbala hinzunehmen als Quelle für Spinoza’s System. (Vergl. übrigens das Werk Elucid Cabal, Roma 1706, in welchem der Nachweis ge- ') Mau vergl. auch Seligkowit/.' diesbezügliche Arbeiten im Archiv für Geschichte der Philosophie Kd. 6: causa sui, causu )111u.i1, causa essendi bei Spinoza u. s. \v. führt wird, dass Spinoza die Hanptelemente für seine Phi- 1080phie der Kabbala entnommen hat. Allein dieser Genius ist aus der mittelalterlichen Philosophie herausgewachsen in der Kraft eines neuen, ihm allein eigenen Princips. So wenig wir Recht zur Behauptung haben, dass z-B. der Leibnitz’sche Kraftbegriff eine einfache Entlehnung aus der aristotelischen »Entelechie« sei, noch weniger berechtigt sind wir zu der Behauptung, dass der Monumentalbau des philosophischen Systems Spinoza’s etwa ein Conglomerat aus den Elementen der mittelalterlichen Philosophie wäre. Leitet doch unsere ganze moderne naturwissenschaftlich-monistische Strömung auf die Quellen zurück, welche in der ״Ethik“ ihren Ursprung haben. Seligkowitz-Cöthen. Proben aus Ehrlich’s hebr. Pentateuchcommentar. Von M. R. (Fortsetzung.) 44. Exod. 20, 20. אלה' כסף וא׳ זהב לא תעשק אתי. Was hat nach dem kurz vorher (im 2. der Zehngebote) ausgesprochenen strengen Verbot jeder Anfertigung von Götterbildern das jetzt hier nachhinkende nochmalige Verbot von silbernen und goldenen Götterbildern für Bedeutung? frägt Ehrlich mit Recht. Er meint, für אתי (itti) sei אותי zu lesen und das Ganze wie folgt zu übersetzen: ״Macht mich nicht zum' Gotte des Silbers un des Goldes“. Darauf passe dann auch das im nächsten Verse Folgende: מזבח אדמה תעשה לי. 45. Exod. 22,2. Das אם זרהה השמש עליי erklärt Ehrlich im wörtlich einfachen Sinne: Wenn der Einbruch am hellen Tage geschieht, dann hatte der Einbrecher keine todtschlägerische Absicht, unc) wer ihn tödtet, befand sich nicht im Zustande der Nothwehr, sondern er hat einen Mord begangen, darum דמים לו. 46. lbid. Vers 10. ולקח בעליו. Ehrlich weist — Namens seines verstorbenen Freundes Michael Heilprin — nach, dass das Zeitwort לקח an vielen Stellen nicht ״nehmen“,, sondern ״vernehmen“ (mit dem Ohre aufnehuien, hinnehmen) bedeute — wie im Lateinischen accipere von capere, im Griechischen razpaXapßävti), im Französischen apprendre von prendre. So z. B. Psalm 6,10 ה׳ הפלתי יקה; Num 23, 20 כרך לקחתי u. a. m. Damit will er auch das schwierige ויקה קורה erklären: ״Als K. vernahm (das kurz vorher berichtete Todesurtheil des Sabbathentweihers) u.s.w. 47. Exod. 30,12. כי תשא אח ראש. Ehrlich macht die interessante Bemerkungen, dass nur bei Musterung der Mannschaften von 20 Jahren und darüber die Bezeichnung ראש stehe (cfr. Num. 1,2; 4, 1 u. 21; 26,1). Erstrecke sich aber die Zählung auf alle von einem Monat und darüber, dann fehle ראש (cfr. Num. 3, 15 und 40). Daraus ergebe sich, dass ראש nicht ״Summe“ bedeute, sondern den ״Kern“ des Volkes (die Kerntruppen). 48. Ibid. Vers 35. ממולח wird vom Targ., Raschi u. A. ohne nähere Motivirung mit ״vermischt“ übersetzt; Ehrlieh weist auf Lev. 2, 13 hin, wonach jede Opfergabe — und dazu gehöre doch auch das Räucherwerk — mit Salz versehen sein musste, und übersetzt ״ ממולחgesalzen“. (Forts, folgt.) Inhalt der No. 5. Wissenschaftliche Aufsätze; Zur ״Hethiter“-Frage. Nach einem Vortrage des ür. Felix v. Lu sch au. — Der Pentateuchcommentar des Nachmauides. Von M. R. — Zur Erklärung einer Midraschstelle. Von Kabb. Dr. Goldfalin. Litteraturbericht. liecensioneu: Güdemann, Dr. M. Das Judenthum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen. — Grzymisch, Dr. Spinoza’s Lehren von der Ewigkeit u. Unsterblichkeit. Von Uabb. Dr. Seligkowitz. — Proben u. Ehrlicli'shebr. Pentateuchcommentar. (Forts.) Von M.R. Verantwortlicher Hedacteur: Ruhbiuer Dr. M. ltahmer, Magdeburg. Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.