Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 5. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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37 hatte die Vermuthung aufgestellt, dass sie die längstverlorene Schrift der Hethiter darstellten. Diese Muthmassung wurde später durch die Entdeckung ähnlicher Inschritten zu Jerablus, worin schon Skene und George Smith das alte Karchemiseh erkannt hatten, bestätigt. Waren nun die alten Monumente Kleinasieus wirklich hethitischen Ursprungs, wie Prof. Sayce annahm, so mussten auf ihnen wiederum die als solche vermutheten hethitischen Schriftzeichen erscheinen. Dies war in der That der Fall. Beim Besuche der Scnlptur im Passe von Karabel, in welcher Herodot ein Bild des grossen Gegners der Hethiter erkannte, fand Sayce, dass die Schrift, welche neben der Figur eingegraben war, vollständig hethitische Formen besass. Seitdem sind hethitische Inschriften noch an einem anderen alten Monumente Lydiens, nämlich der sitzenden, aus den Felsen des Gebirges Sipylos ausgehauenen Figur der grossen Göttin von Karchemiseh, welche die Griechen seit dem homerischen Zeitalter als die Niobe ihrer Mythologie ansahen, entdeckt worden; ähnliche Inschriften existiren auch zu Boghaz-kiöi und Üjük, in Kappadocien, und in der Nähe von Jvris in Lykaonien. Andere wurden in verschiedenen Theilen Kappadociens und in dem Taurus-Gebirge auf gef linden, während eine silberne Schale, welche eine kostbare, in hethitischen Hieroglyphen abgefasste Inschrift enthält, Cilicien anzugehören scheint. Wir haben in der That ausreichende Beweise dafür, dass die Hethiter einst einen grossen Theil Klein-Asiens beherrschten, und brauchen uns nicht darüber zu wundern, dass sie im Stande waren, in ihren Kriegen die Trojaner und Lydier gegen Egypten zu Hülfe zu rufen. Der Umstand, dass, wie die dortigen Inschriften zeigen, Hamath einst unter liethitischer Herrschaft stand, lässt auf verschiedene Thatsachen der heiligen Geschichte neues Licht fallen. David wurde nach seiner Besiegung der Syrer der Bundesgenosse des hamathitischen Königs; diese Verbindung scheint, wie 2. Kön. 14, 28 und die Keilinschriften lehren, welche von einer Bundesgenossenschaft zwischen Uziah und Hamath reden, bis zur Zerstörung Hamath’s durch die Assyrer gedauert zu haben. Hamath und Juda hatten in der That in Syrien ihren gemeinsamen Feind, waren so durch ein gemeinsames Interesse verbunden. Nur als Assyrien alle die Völker des Westens bedrohte, in der Schlacht von Karkar, stand Hamath auf Seiten Damaskus’, dem es sonst feindlich entgegentrat. Den Grund hiervon sehen wir in der Thatsache. dass die Hethiter Eindringlinge in das semitische Syrien waren. Ihre Ursitze sind in den Hochländern Kappadociens zu suchen, von welchen sie in die südlicheren Länder hinabstiegen, die damals von semitischen Aramäern besetzt waren. Hamath und Kadesch waren einst aramäische Städte gewesen; sie fielen, als sie aus dem Besitze der Hethiter zurückerobert wurden, nur ihren früheren Eigenthümern wieder zu. Der Fall von Karchemiseh bezeichnet den endlichen Triumph der Semiten nach langem Kampfe mit den hethitischen Fremdlingen. Der Pentateuchcommentar des Nachmanides. Von M. R. IV. Tendenz des Commentar’s. Wie das Mittelalter überhaupt sich secundär zur alten Zeit verhielt und seine Hauptthätigkeit auf Commentirung der altclassischen Meisterwerke richtete, so waren auch die beiden Jahrhunderte vor Nachmani für die Bibelerklärung die fruchtbarsten, so dass man fast fragen könnte: Was bestimmte Nachmani bei der Menge der vorhandenem Commentare noch den seiuigen zu schreiben? Da gab es ja — um nur einige zu nennen — den weitverbreiteten und vielgelesenen Oommeiitar Raschi's, der das Volksbedürfniss befriedigte, den kritisphen und scharfsinnigen des geistvollen Ibn Esra, der den rationalistisch angehauchten Feinsclnneckern eine pikante Lektüre war, und noch viele andere. Was hat neben diesen noch den Nachmanischeu Commentar nöthig gemacht? Die Antwort liegt sehr. nahe. Die Mängel der vorhandenen Commentare waren die nächste Veranlassung zu dem neuen. Raschi’s Commentar genügte dem Manne aus dem Volke, aber nicht dem Gelehrten. Obwohl Raschi selbst richtig das Verhältniss des hagadischen Midrasch zum einfachen Litteralsinn gekannt hatte, wie er es ja an unzähligen Stellen ausspricht, so hat er es doch nicht verstanden, diese beiden Bestandtheile seiner Exegese deu ihnen gebührenden Platz in seinem Commentar anzuweisen. Er gestand es selbst, dass er dem Midrasch einen zu grossen Einfluss eingeräumt habe. Er sprach sich seinem Schwiegersohn, Samuel b. Meir, gegenüber hierüber offen aus1) und äusserte den Wunsch, bei mehr Müsse einen neuen Commentar zu schreiben, in welchem er den Midrasch ausscheiden und dem einfachen Wortsinn den Vorzug lassen wolle2). Was Raschi selbst nicht mehr besser zu machen kam, das übernahm Nachmani, allerdings in etwas modificirter Weise. Nicht die liagadische Interpretation gänzlich ausscheiden, sondern sie in die richtige Verbindung mit der angemessenen Sach- und Worterklärung zu setzen, schien ihm zweckmässiger. Wir werden später zeigen, wie ihm dies gelungen. Noch einen grösseren Mangel erblickte Nachmani in Raschi’s Commentar, er betraf den halachischen Midrasch. Hier war von Raschi nicht immer die riehtige, endgültige Halacha angeführt worden, hier that die Kürze und aiizugrosse Knappheit der Raschi’schen Erklärungsweise dev Deutlichkeit Eintrag und liess Raum zu Irrthümern3). Bei der grossen Verbreitung und Verehruug des Raschicommentars war die Gefahr umso grösser, dass auch die halachischen Irrthümer allenthalben Eingang finden würden. Wie Nachmani diesem Mangel abgeholfen, wird im zweiten Theil dieser Arbeit gezeigt werden. Neben Raschi’s Commentar war der des Ibn Esra der gefeiertste. In diesem feinfühligen Exegeten hatte Nachmanides schon den glaubensgefährlichen Kritiker ') Vergl. Knschlmm zu Geu. 37, 2. ’) Bekanntlich hat der Kaschbam iu seinem Commentar diesen Weg eingesehlugen. 8) Cfr. Nachmanides zu Lev. 25,9 ותנה הרב מפני בקיאותו בתלמוד והכל לפניו כשולחן ערוך אינו חושש לסותם הברייתות והן מוכעוח לשאר בני אדם: