Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 5. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Hingegen ist eine Lücke in unserer Kenntniss von Sendschirli dadurch bedingt, dass es leider noch nicht möglich war, die alte Nekropole aufzufinden. Bis jetzt sind nur einzelne kleine Grabhügel mit Leichenbrand gefunden, in der Nähe des westlichen Stadtthores sowie auf der Burg selbst eine Reihe von wannenförmigen Thonsärgen, in denen die Leiche in sitzender Stellung beigesetzt wurde. Es scheint, dass die Bestattung in Särgen auf der Burg nicht etwa die Regel war, sondern nur dann geschah, wenn Feinde die Burg belagerten mid es dadurch unmöglich machten, die vor den Thoren liegende Nekropole zu benutzen. Eine dritte Art von Gräbern ist bisher nur zweimal beobachtet worden; beidemale auf der Burg selbst und unmittelbar östlich von den Fundamenten grosser Paläste. Es sind Grabkammern aus grossen Dolerit- Blöcken, die in einem Fall sogar mit Asphalt gedichtet sind. Zu diesem ungewöhnlich sorgfältig gearbeiteten und grossen Grabe gehört ein Grab-Relief von ganz ausserordentlicher Schönheit mit dem Bilde einer reichgeschmückten Königin, sicher das bedeutendste Kunstwerk, das uns bisher aus Nordsyrieu bekannt geworden ist, leider nicht genau datirbar, aber wohl etwa der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr. zuzuschreiben. Die Ausgrabungen in Sendschirli sind gegenwärtig zu einer Art Abschluss gebracht worden, weil es schwer fällt, die zu ihrer Fortsetzung nöthigen Mittel in Berlin aufzutreiben; die ersten Expeditionen wurden vom Orient-Coinite bestritten, die letzte mit einer Summe, die der Kaiser angewiesen hatte und mit Beiträgen aus der R. Virchow-Stiftung und von den Herren James Simon, Kommerzieuratli Arons, R. Mosse, Julius Isaac und Frau Professor Friedländer. Aber die in Sendschirli gestellten Aufgaben sind mit den bisherigen Grabungen noch lange nicht gelöst. Vor Allem muss der Palast des Barrekub zu Ende untersucht werden; ebenso wird es eine lohnende Arbeit sein, das Thor einer ,,innersten“ Burgmauer zu suchen, von welcher bisher nur ein geringer Theil freigelegt wurde. Sehr wichtig wäre auch eine Tiefgrabung an irgend einer Stelle des Hügels bis auf den gewachsenen Boden zur Untersuchung der älteren — prähistorischen — Schichten. Wenn irgendwo, so ist gerade in Sendschirli von Ausgrabungen noch reicher Erfolg zu erwarten und gerade von dort dürfen wir auch noch am ehesten hoffen, eine grössere bilingnis zu bekommen und mit dieser dann die wirkliche Lösung der Hethiter-Frage. Nachbemerkung der Redaction. Wir lassen hier die bemerkenswerthesten Stellen über die Hethiter aus der Bibel folgen nebst den Schlussfolgerungen, die Professor A. H. Sayce in Oxford in seinen ,,Alte Denkmäler im Lichte neuer Forschungen“ daraus zieht. Wir ersehen daraus, dass die Spuren der Existenz dieses einstmals grossen und mächtigen Reiches, das dem assyrischen und egyptischen ebenbürtig war, und das nach Besiegung durch den assyrischen König Sargon (717 v. Chr.) aus der Geschichte schwand, in den Blättern der heiligen Schrift fortlebt. Wir lesen in denselben: Der Canaaniter, welcher seine Mitbürger zu Beth el den Israeliten verrathen hatte, wagte nicht, sich seinen Landleuten anzuvertrauen, sondern zog in das Land der Hethiter (Richter 1, 26). Salomo führte Pferde aus Egypten ein, die er an die Syrer und Hethiter verkaufte (I. Kön. 10, 28, 29). Als Gott einen Schrecken unter die vor Jerusalem lagernden Syrer gesandt hatte, glaubten sie, dass ״der König Israels hat wider uns die Könige der Hethiter und die Könige der Egypter gedungen, dass sie über uns kommen sollen“ (2. Kön. 7, 6). Selbst Kadesch, die südliche hetliitische Hauptstadt, wird an einer Stelle erwähnt, wo leider der hebräische Text verdorben ist (2. (Sam. 24, 6). Die Septuaginta1) zeigen hier, dass die Beamten, welche David ausgesandt hatte, das Volk zu zählen, als sie sich der Grenze seines Königreichs näherten, bis zu ״Gilead und dem Lande der Hethiter nach Kadesch“ kamen. Im äussersten Süden Palästina’s hatte sich ein Sprosse dieses Stammes in einer früheren Periode niedergelassen. Dies sind die Hethiter, von denen wir in der Genesis in Verbindung mit den Patriarchen hören. Hebron war eine ihrer Städte, und Hebron, so erzählt die Schrift (Num. 13, 22), ״war sieben Jahre gebauet vor Zoan“ oder Tanis, der Hauptstadt der Hyksos-Eroberer Egyptens. Dies könnte andeuten, dass die Hethiter einen Theil der Hyksos-Macht bildeten, und dass einige von ihnen, anstatt Egypten zu betreten, im südlichen Canaan zurückblieben. Diese Annahme wird durch eine Angabe des egyptischen Geschichtsschreibers Manetho bestätigt, der berichtet, Jerusalem sei von den Hyksos nach ihrer Austreibung von Egypten gebaut worden; Jerusalem hatte aber nach Heselciel 16, 3 eine .,hetliitische Mutter“ (אמך התית)• Eine andere hetliitische Stadt im Süden von Juda war Kirjatli-sepher oder die ״Bücherstadt“, auch als Debir ״das Heiligthum“ bekannt, ein Titel, welcher an den von Kadesch ״die heilige Stadt“ erinnert. Vielleicht dürfen wir aus dem Namen entnehmen, dass Kirjatli-sepher eine mit hethitischen Büchern gefüllte Bibliothek besass. Dass die Hethiter ein litterarisches Volk waren und ein eigenes Schriftsystem besassen, ist aus den egyptischen Monumenten bekannt. Welcher Art diese Schrift war, haben neuere und neueste Entdeckungen gelehrt. Inschriften in einer eigentümlichen Art von Hieroglyphen, oder Bilderschrift sind zu Hamatli, Aleppo und Karchemisch, dem heutigen Jerablus, in Kappadocien, Lykaonien und Lydien gefunden worden, welche sich, stets mit Scnlpturen einer eigenartigen Stilart verbunden, jetzt zum Theil im Britischen Mnseum zu London befinden. Der Kunststil dieser Denkmäler ist derselbe, wie der der oben erwähnten Monumente Kleinasiens. Die Entdeckung dieses Zusammenhanges gelang im Jahre 1879 Prof. Sayce, welcher die Existenz des hethitischen Reiches und seine Bedeutung für die Culturgeschichte erschloss. Es waren nämlich der Gelelirtenwelt durch den englischen Palaestina Exploration Fund gewisse liieroglvphische Inschriften, welche der Reisende Burckhardt zu Haniah, dem alten Hamath, entdeckt hatte, zugänglich gemacht worden, und man ') Für אי* ארץ תחתים חדשי liest der Cod. Luciuuus אל ארץ החתים קדשה.