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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 5. (1902) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 5. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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35 und 1894 eine weitere Fortsetzung der Arbeiten, sodass bisher etwa 500 Arbeitstage zu verzeichnen sind. Von den zahlreichen Bauwerken, welche in Sendschirli gefunden und von dein Architekten der Expepedition aufgenoimnen worden sind, lässt sich absolut und mit Sicherheit nur ein einziger Bau datiren, der von einen! einheimischen Könige Barreküb, einem Zeitgenossen Tiglatpilesar's III., also am Ausgange des achten vorchristlichen Jahrhunderts errichtet wurde. Es ist das zugleich auch eines der jüngsten Bauwerke, die überhaupt in Sendscliirli bisher gefunden worden sind; noch jünger ist nur ein einziger Bau, der nur zwei Meter unter der Kuppe des Hügels lag und aller Wahrscheinlichkeit nach von Asarhaddon, dein Assyrer- Könige, lierrülirt., der zwischen seinem zweiten und dritten Feldzuge nach Egypten einen Winter im Sendschirli zubrachte, das damals nicht mehr unabhängig war, sondern unter einem assyrischen Statthalter stand. Alle anderen Bauwerke sind älter, als die Zeit Tiglatpilesar s III.; einige gehören auch noch dem achten vorchristlichen Jahrhundert an. andere stammen aus viel früheren Zeiten, aber es ist bisher nicht gelungen, sie genauer zu datiren; man muss sich vorderhand mit relativen Zeitangaben begnügen. Unter den gefundenen Bildwerken sind die Reliefs des südlichen Stadtthores sicher die ältesten; man hat versucht, sie bis in die mykenische Zeit, also bis in die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends zurückzulegeu. Nur wenig jünger ist der Relief-Schmuck des Burgthores; mächtige Löwen und Stiere und grosse Reihen von andern Reliefs sind hier gefunden worden; ein König auf seinem Schlachtwagen, ein Krieger mit Schild und Speer, Götter und Dämonen in grosser Anzahl sind hier zum Vorscheine gekommen, darunter auch ein Fabelwesen, das wohl sicher dem Cherub der Bibel entspricht, mit dem Leib eines Löwen, aber gefliigelt und einem mensehlischen Kopfe als zweitem hinter dem des Löwen. Ein gleichfalls nicht viel jüngeres inneres Burgthor war mit sechs gewaltigen Löwen geschmückt, deren Köpfe schon in Randskulptur gebildet waren, wie bei den assyrischen Thorlöwen. Zwei dieser miichtigen Bildwerke erwiesen sich als in einem späteren, wahrscheinlich dem achten Jahrhundert, überarbeitet und vermitteln so die alten syrischen Kunstanfänge, wie sie uns in den Thor-Reliefs entgegentreten, mit der hoch entwickelten Kunst, die in Sendscliirli an den Namen einer einheimischen Dynastie, der Panamü und ihrer Nachkommen, geknüpft ist. Ganz nahe von Sendscliirli, bei Gerdschin, habe ich eine Statue gefunden, die dem neunten Jahrhundert v. dir. angehört und von dem ältesten uns bekannten Könige dieser Dynastie zu Ehren des Gottes Hadad aufgestellt worden war. Sie trägt eine grosse Inschrift in 34 Theilen in ultsem irischer Sprache und in einer Schrift, die ganz nahe an die auf der berühmten Stele des Königs Mescha von Moab herangeht. Der Anfang der Inschrift lautet etwa: ״Ich bin Panamü, Sohn des Karrül, König von Jädi, der eirichtet hat diese Statue, und es sind mir beigestanden Hadad, und El und Reschef und Rekübel und Schemescli; und es gab in meine Hand Hadad, und El und Rekübel und Schemesch und Reschef das Scepter von Hilbibah, und was immer ich anfasse mit meiner Hand, glückt mir und was immer ich erflehe von den Göttern, gewähren sie mir, und Frieden der Sättigung . . .“ Eine zweite Statue, gleichfalls in unmittelbarer Nähe von Sendscliirli gefunden, erwähnt einen anderen König desselben Namens; sie gehört der Mitte des achten vorchristlichen Jahrhunderts an. Die Inschrift beginnt: ״Diese Statue hat gesetzt Barreküb, seinem Vater, dem Panamü, dem Sohn des Barsüz“, und scllliesst: ״es ist ein Denkmal meines Vaters, und der es zerstört, den mögen verderben Hadad und El und Rekübel und Scheincsch und alle Götter von Jadi“. Dieser selbe Barrekub aber hat in Sendschirli selbst einen Palast gebaut, von dem wir einstweilen wenigstens die grosse P1־unk-Fa9ade ausgegraben haben, Diese hatte neben vielfachem anderen bildnerischen Schmuck auch zwei grosse Platten mit dein Abbilde des königlichen Bauherrn. Auf dem einen Relief ist Barrekub stehend dargestellt, und wendet sich in einer grossen Bauinschrift persönlich an den Beschauer; diese beginnt: ״Ich bin Barrekub, der Sohn des Pana- 11m, der König von Schanimal (d. h. des Nordlandes) der Vasall des Tiglatpilesar, des Herrn der Erde“. Auf der zweiten Platte aber thront der König auf einem reich geschmückten Stuhle, vor ihm steht ein Mann mit einem egyptischen Schreibzeug, wohl' sein Minister, hinter ihm ein Diener mit seinem Wedel; über dem Könige, in der Mitte des Reliefs, ist ein auf einer Säule ruhender Halbmond dargestellt, neben demselben die Insclirift ״Mein Herr, der Baal von Harrün;1 Einer noch späteren Zeit, dem siebenten Jahrhundert v. Chr. gehört eine grosse assyrische Stele (Säule) an, die im äusseren Burgthore von Sendschirli, mitten unter den uralten Reliefs syrischen Stils aufgestellt war. Sie ist von Asarhaddon zur Feier seiner Siege über Egypten errichtet worden und beschreibt in einer grossen und wohlerhaltenen Keilinschi-ift den Feldzug des Assyrerkönigs nach dem Lande der Pharaonen; diese Stele ist das schönste Denkmal seiner Art, und auch in Assyrien selbst ist bisher noch kein so grosser, gut erhaltener und mit 80 reichem Reliefschmuck versehener Königs-Monolith gefunden worden. So hat uns Sendschirli eine grosse Menge von Bildwerken und Inschriften geliefert, die uns nicht nur durch ihre Zahl und Mannigfaltigkeit überraschen, sondern auch vielfach ganz neue Aufschlüsse über die Geschichte des Landes gegeben haben. Von besonderem Interesse ist es aber, dass wir gerade in Sendschirli, aus Funden, die in ein- und derselben ulten Stadt ge. macht wurden, vielfach denselben Gegenstand aus verschiedenen Zeiten dargestellt finden. So haben wir zwei Darstellungen eines Mannes, der eine Gazelle trägt, vier verschiedene Typen des Löwen, vier Reliefs mit Darstellungen eines ״Todtenmahls“ und was ich besonders betonen möchte, fünf Steine mit Sphinxen, sodass wir in Sendschirli besser als sonst irgendwo die ״Naturgeschichte“ der Sphinx, die eigenartige Entwicklung dieses merkwürdigen Fabelthieres, verfolgen können von den rohesten Anfängen bis hinauf zu hochstehenden Kunstwerken.

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