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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 4. (1902) · p. Seite 30

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 4. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 Spanien erobert batte, war auch das Schicksal der ketzerischen Juden entschieden. Ein am 30. März 1492 erlassenes königliches Edict verbannte die Judeu aus Spanien für ewige Zeiten und bedrohte das Wiederbetreten des Landes mit der Todesstrafe. Am 3. August 1492 verliessen über 300 000 Juden, meist ohne ge-!lügende Mittel und liülflos ihre Geburtsstätte. Viele dieser Auswanderer fielen schon auf der Reise den G•?fahren und Strapazen derselben oder ansteckenden Krankheiten zum Opfer, andere erreichten zwar das Reiseziel, gingen aber hier unter dem Einfluss des fremden, ungewohnten Klima’s. der Noth und Entbehrung rasch zu Grunde. Manche Länder verweigerten den Flüchtlingen gleichwie Angesteckten oder Verbrechern die Aufnahme, nur in wenigen, wie namentlieh in der Türkei, Italien und Holland ward ihnen menschenfreundliche Hülfe und Schutz zu Theil. Das war schliesslich das Schicksal der Juden in Spanien, in dem sie Jahrhunderte lang friedlich und glücklich wohnten, wie dereinst im gelobten Land, das ihnen aber nachmals zur Hölle geworden ist. In den Jahren des Glücks wie des Unglücks haben die jüdischen Aerzte eine hervorragende Rolle gespielt, sie waren stets die geistigen Führer, der Stolz, der Trost und die Hoffnung ihrer Glaubensgenossen. Aber nicht nur diese, sondern die ganze Menschheit ist den jüdischen Aerzten des Mittelalters zu dauerndem Danke verpflichtet; sie gehörten zu den gelehrtesten, praktisch tüchtigsten, zugleich durch sittliche Reinheit ausgezeichneten Vertretern ihres Standes, und haben dadurch nicht nur zur Erhaltung und Förderung der medicinischen Wissenschaft. sondern der gesammten zeitgenössischen Cultur und Gesittung wirksam beigetragen. Randbemerkungen zur Pentateuch-Uebersetzung des Onkelos. 1. I. B. M. c. XXIX, 21 בי מלאו ימי. Diese Worte übersetzt Onkelos mit ארי אשלמית יומי פלחגי; er paraphrasirt nach dem substituirten Texte: כי מלאו/י ימי עבודתי. Die Worte ״meine Tage sind voll geworden“ fordern förmlich eine Erläuterung heraus. Raschi bietet zwei mehr oder minder aggadisch angehauchte Bemerkuugen z. St., welche Ramban pure wiedergiebt, ohne Stellung dagegen zu nehmen Raschbam, xar’ ££0 ־?jv der Erklärer des einfachen Sinnes der hl. Schrift, interpretirt die Worte מלאו ימי mit ״ שבע שנים עבדתיךSieben Jahre habe ich dir gedient*‘. Diese Auffassung deckt sich mit der Uebersetzung des Onkelos und sie ist auch sinngemäss. Was mag Onkelos veranlasst haben, von der wörtlichen Uebersetzung hier abzuweichen? Der Verteilt — so wenigstens will es uns erscheinen — will die Berechtigung der Forderung Jakobs über jeden Kinwand erhaben, in klares Licht stellen und mit allem Nachdrucke hervorheben, ״Meine Tage sind voll geworden“, ,,die zwischen uns vereinbarte Zeit ist nunmehr abgelaufen“ — diese Behauptung mochte am Ende uusenn Verteilten noch nicht ijber jedes Bedenken und über jeden Einwand erhaben erscheinen. Die zwischen Laban und Jakob vereinbaite Zeit hätte doch auch verstrichen sein können, ohne dass Jakob, vielleicht durch Krankheit oder Trägheit gehindert, der übernommenen Verpflichtung immer streng nnd gewissenhaft entsprochen hätte. Um jedem Einwurfe Labans von vorn herein die Spitze abzubrechen, lässt Onkelos den Jakob ganz strict und positiv behaupten אשלמית ״ יומי פלחניIch habe gewissenhaft beendet die Tage meines Dienstes.“ 2. 1. B. M. c. XXVIII, 22 יהיה בית אלהים• Onkelos übersetzt ״ תהי די אהי פלח עלהDer Stein sei eiue Stätte, an welcher ich Gott anbeten werde.“ Aehnliches giebt Onkelos in freier Uebertragung die Worte wieder (ib. c. XXVIII, 17) אין זה כי אם בית אלהים mit לית דין אתר ״ .הדיוט אלהין אתר דרעוא בה מן קדם ייDieser ist kein profaner Ort, sondern ein Ort, auf welchem Wohlgefallen ruht von Seiten des Ewigen“. Warum Onkelos sich scheut, die Worte בית אלהים einfach und buchstäblich zu übersetzen, lässt sich leicht begreifen. Jakob übernachtet auf offenem Felde unter freiem Himmel. Sein Haupt ruht auf einem Steilie. Der Ort, an welchem Jakob den denkwürdigen, ihn beruhigenden und ennuthigenden Traum hatte, enthielt nichts weniger, als ein Haus oder gar ein Gotteshaus. Wenn Jakob den Stein, auf welchem sein Haupt geruht ,mit Oel salbt und ihn einer heiligen Bestimmung weiht, kann er — genau genommen und dem Verständnisse des gewohnlichen Menschen angepasst — eigentlich nicht sagen, dieser Stein und nur dieser Stein solle ein Gotteshaus werden. Darum wählt Onkelos geflissentlich das eine Mal die Umschreibung? ״Dieser Ort ist kein profaner Ort, sondern ein Ort, auf welchem Wohlgefallen ruht von Seiten des Ewigen“ und das andere Mal: > ״Dieser Stein.sei eine Stätte, an welcher ich Gott anbeten werde.“ 3. I. B. M. c. XLV1II, 22 בחרבי ובקשתי. Onkelos übersetzt ganz frei oder eigentlich noch kühner, als frei: ״ בצלותי ובבעותיmit meinem Flehen und Beten.“ Die poetischen Theile der heiligen Schrift werden bekanntlicli von Onkelos in freier Paraphrase wiedergegeben. Verschiedene Agadoth werdenbenutzt und es ist durchaus nicht immer leicht, in diesen Paraphrasen die Ideeuassociation zwischen Text und Midrasch stets mit voller Sicherheit herauszufinden. Wir wollen auf die Vermutliungen der Kritiker und Textkritiker, welche bei den poetischen Parthieen mehrere Vertenten annehmen, nicht näher eingelien. Schwierig bleibt die Sache auf jeden Fall־ Mag man einen, mag man mehrere Vertenten annehmen, es wäre der Mühe werth, die Paraphrasen des Onkelos, so weit die specifisch poetischen Parthieen des Pentateuchs in Betracht kommen, eingehend zu untersuchen und den Zusammenhang zwischen Text und Paraphrase aufzuweisen und zu begründen. Wie räthselhaft erscheint die Wiedergäbe der Worte des Textes: ״mit meinem Schwerte und mit meinem Bogen“ in der Paraphrase, welche lautet: ״mit meinem Flehen und Beten“! Findet sich da gar keine Ideenassociation? ובקשתי fasst Onkelos aggadisch gleichbedeutend mit ״ ובבקשתיmit meinem Bitten und Beten.“ Parallel mit dieser Fassung des zweiten Wortes wurde das erste analog und synonym wiedergegeben mit ״ בצלותיmit meinem Flehen.“ Homiletisch und psychologisch gerechtfertigt mochte diese Paraphrase

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