Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 3. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22. y.eitij» zum Studium dev heil. Schritt u. des Talmuds ungehalten, denn bereits in seinem 1 fiten Jahre tinden wir ihn — gleich Salomo ihn Gebirol — auf schritt stellerischer Laufbahn.-) Von seinen Lehrern werden mehrere namhaft gemacht. Sein Hauptlehrer im Talmud war R. Jeliuda heil Jaknr R. Eleasar aus Worms in der Philosophie. R. Esra 11. R. AsrieP), produktive Kabbalisten, in der Kabbala, zu der Nachmani4) sieh, wie es scheint, erst im höheren Alter bekannte. Sein tiefes talmudisches Wissen bekundet er in seinen zu fast allen Theilen des Talmuds geschriebenen Glossen und Erklärungen (חידושים). die in Spanien lange /eit die Stelle der Tossaphot vertraten, ferner in seinen Responsen und in seinen Erklärungen zum ספר המצות, des Mnimuui. In dem grossen Federkrieg, der sieh kurz nach dein Erscheinen •los Mose entspann, und die damalige jüdische tielehrtemvelt in zwei Parteien — für und gegen Maimuni — spaltete, hat Nachmani eine vermittelnde Hauptrolle gespielt.. Der liunnspruch der Rabbinen von Montpellier brachte alles in Aufruhr, er fand zwar in Frankreich viele Anhänger, stiess aber auf energischen Widerspruch bei dem Rabbinen von (Jerona. Vorher war David Kimehi. damals bereits ein Greis, als Vertheidiger des Maimonides aufgetreten, doch seine Unterhandlangen zerschlugen sieh. Da nahm R. Mose b. Nachman, der damals schon Berühmtheit׳ als Schriftsteiler und Gesetzeslehrer erlangt hatte, und als Arzt und Oberhaupt der Gemeinde von Gerona in grossem Ansehen stand, die Sache in seine Hand. Er setzt•* ein Schreiben in Umlauf, gerichtet an alle angesehenen Gelehrten Aragoniens, Navarras und Oastiliens. worin er auf die unwürdige Art hinwies, mit welcher dieser Kam{!!' geführt wurde, und aufforderte. den Streit zu beenden in einer /eit. in welcher die Juden ohnehin durch häufige Verfolgungen von so vielen Leiden heimgesucht, würden, /war fand auch dieses Schreiben Widersprucli — das Antwortschreiben des R. Meir b. Todros aus Burgos haben wir oben schon erwähnt nichts׳ destoweniger hatte die Fehde ihr Ende erreicht. Man kann nicht sagen, dass Nachmani durchgehends ein Anhänger des More gewesen sei, denn unzählige Stollen in seinem Pentateuchcommentar würden eine solche Behauptung Lügen strafen; in den wichtigsten Grundlehren der Religion. Schöpfung aus Nichts, Prophetie, Wunderglaube, Engellehre, Sabbat hbedeutung und Opferzweck u. a. in. weicht er von seinen Ansichten ab, — er eiferte aber gegen die blinde Wutli. die über dieses religionsphilosophische Buch ausgebrochen war. viele der darin ausgesprochenen Ansichten zu widerlegen, behielt er sich auf ruhigere Zeiten vor. wenn die Hitze des Kampfes sich gelegt haben würde, wo er es sine iru et studio einer unparteiischen Beurtheilung unterziehen könne. Ueberhaupt ist es llcli bemerke, •lass dieser 15111111 Vll zur Zeit (1er liearheituug obiger 1‘rcisfrugc!mell nicht erschienen war; seihst die erste Auf läge desselben erschien erst (! .!:ihre später,. ■ .itichasi.1210 והתחיל1 ,1עשית בפרים שנת תחקיע ״ י Vrgl. Jellinek Iteitrüge ■/.. Gesell, d. Kahl). 1. 40 und 11. :if>; er erklärt, li. Ksra .1. K. Asriel für identisch (עזריא־־ entstanden aus 1עזרא זי). 1 Schahsehelet 11a Kabb. fügt mich hinzu וראיתי כקונטריס שיבי אשיה הבבי1• חיה רבו'. charakteristisch für Naclimanides, dass ein grosser Theil seiner Schriften sich damit beschäftigt, die Werke älterer Gelehrten gegen die Angriffe Späterer zu vertheidigen.1) eine Art Pietät gegen die Verstorbenen. So sind seine .,Gotteskämpfe‘' Rettungen des Alfasi aus den Händen seines scharfen Kritikers, des jungen, hitzigen Serachja Halevi; seine Glossen zum פי המצות, Rettungen des Verfassers der Halachot gedolot gegen die Beschuldigungen des Maimonides; und endlich die Vertheidigung des More und die Errettung desselben von dem Scheiterhaufen zu Montpellier. Auch in der christlichen Welt stand Naclimanides wegen seiner Gelehrsamkeit in hoher Achtung 111 der Provence, wie in Spanien waren die Juden, und vorziiglieh die Rabbinen, genüthigt. das Christenthum zu studiren, um die Angriffe getaufter Juden abzuwehren, und in den Disputationen, die in jener Zeit •1er Verfolgungen und der Bekehrungssucht nicht selten waren. Rede stehen zu können. So hatte Petrus Alfonsus, der 11 OG zum Christenthum überging, seine Dolche gegen das Judenthum geschleudert (in der Schläft pugio tidei), Joseph Kimehi musste sein ספר הברית gegen die Angriffe getaufter Juden schreiben, und nun die zahlreichen Religionsgespräche, die der Verfasser des שבט יהודה Ulis aufbewahrt hat! — Unter diesen geschieht auch eines Religionsdisputes eines Maestro Mosche mit einem Mönch Fra. Paolo Erwähnung2). Dieser Maestro Mosche ist aber kein Anderer als unser R. Mose b. Nachman. seine Disputation (ויבוה) ist uns erhalten*). Weit wichtiger für unsere Zwecke ist die von Jellinek edirte ..Dissertation des R. Mose b. Nachman. gehalten in Saragossa vor König Jacob von Aragonien‘־; oder mit dem hebr. Titel דרשה שדרש הרברבן לפני המלך 4והשרים בפרקושטא). Sie handelt von den Vorzügen der mosaischen Lehre, und kann als passende Vorstudie zu seinem Pentateuchcommentar angesehen werden. Sie ist jedenfalls nach •lern genannten ויב*ה. und vor dem Bibelcommentar abgefasst, sie ist gleichsam sein Glaubensbekenntniss. und bildet• die Basis für den spätem Pentateuchcommentar. zu dem er den Plan schon damals in sich herumtrugfl). Der Pentateuchcommentar ist sein letztes und sein bedeutendstes Werk. In ihm entfaltet sich die ganze Fülle seiner Begabung, und diese Leistung seines Greisenalters ist noch von derselben Geistesfrische belebt, wie die Erzeugnisse seiner früheren Jahre. Man findet sich erfrischt und gehoben von der Klarheit des Werkes, man wird nicht wie es bei exegetischen Werken so oft der Fall ist — erdrückt von der Masse des aufge- Die Quellen können dieses sein Verdienst nicht geling her vorheben. Jocliasin אשר הציד אתהרי״ףמשני הר זרחיה — Asnhti nennt ihn :מ־“אך מל1'•} טוב שבט הודה (■ heran.sgegeben von Wiener p. 74. :l) In der Zu (Joustantinopel 1710) unter dem Namen מייחמת חובה erschienenen Sammlung. 4) Den N'ninen תורת הי תמימה gieht ihr Jellinek wieder. ג) Kr verweist in der Derascha auf den zukünftigen (.'111״- inentar; p. 15 *במו שאפרש בעזרת האל, p. 18 נאשר אני עתיד ל׳באר בע״ה. Diese Erklärungen linden sieh im t'omnientur. Es sind fortwährend dieselben Gedanken, oft auch dieselben Ausdrücke, wie im C0111mentar; ja mau sieht offenbar, wie er darin gewaltsam viele seiner Erklärungen zurückdrängt, weil er sie an der rechten Stelle im Conimentar doch wiederholen müsste. Einen grossen Theil der I’arallelstellen hat Jellinek augemerkt.